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Real Madrid gegen FC Liverpool im Livestream am 26.05.2018
Samstag, 26. Mai 2018

Was im August in Sinsheim begann, kann am Samstag in Kiew mit einem überraschenden Champions-League-Triumph enden. Der FC Liverpool fordert Titelverteidiger Real Madrid heraus. Bei dem 2:1-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim im Play-off-Hinspiel benötigte die Mannschaft von Jürgen Klopp noch Anlauf, danach glich die Reise durch Europa einem einzigen Sturmlauf. Ähnlich wie 2013, als Borussia Dortmund erst im Finale vom FC Bayern gestoppt werden konnte, rissen die Reds dabei auch unbeteiligte Fans mit. Insbesondere, als die Pressingmaschine des deutschen Teammanagers sich wiederholt gegen Pep Guardiolas national übermächtigen, designierten Meister Manchester City durchsetzte und im Halbfinalhinspiel auch den AS Rom überrannte. Schon beim fünften, dem bis dato letzten Gewinn des Henkelpotts 2005, war Liverpool als Qualifikant gestartet.
Klopp hat dem Klub Power, Passion und Perspektive zurückgebracht, Pokale noch nicht. Auch dafür wurde er von den US-amerikanischen Eignern der Fenway Sports Group vor zweieinhalb Jahren engagiert. Schließlich haben sich die Reds jahrzehntelang, auf dem Kontinent vor allem in den 70er und 80er Jahren, über Titelgewinne definiert.

Doch die "Kings of Europe" sind Geschichte, die "Könige Europas" sind die Gegenwart: Zinedine Zidane und sein Starensemble können den Henkelpott zum dritten Mal in Folge gewinnen. Dieser dann sagenhafte, historische Hattrick wäre gleichfalls die fabelhafte Krönung für Reals deutschen Regisseur Toni Kroos. Europas Thron bliebe damit Klopp zum zweiten Mal verwehrt, seinen deutschen Profis Loris Karius und Emre Can beim ersten Versuch.

Weltmeister Kroos hat sein Team und den Trainer, der seinem deutschen Kollegen zum ersten Mal als Kontrahent begegnet, vor Klopp gewarnt: "Ich weiß, wie seine Teams spielen. Sie werden 90 Minuten lang Pressing machen. Es wird hart."

Klopp entgegnet: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Madrid sich sagt: Gott sei dank ist es Liverpool." Cristiano Ronaldo immerhin sagt, bei allem Respekt: "Wir sind die Besseren." Was angesichts der enormen Erfahrung und individuellen Qualität keiner bestreiten wird. Aber im Wettbewerb der Systeme, im Vergleich von "CR7" (15 Treffer in zwölf Spielen) mit dem "Egyptian King" Mohamed Salah (10 Treffer) sowie in der Gegensätzlichkeit der Trainer liegen alleine drei von vielen Reizen dieses Endspiels.

Für die weltweite Strahlkraft ihres wichtigsten Wettbewerbs hätte sich die UEFA kaum eine bessere Konstellation wünschen können, sie verspricht ein finales Spektakel. Denn Liverpool kann kaum anders, "als so aufzutreten wie im gesamten Wettbewerb. Wir versuchen immer, Chancen zu erspielen, zum Tor-abschluss zu kommen" (Klopp). Das Vertrauen in die Angreifer Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané (wettbewerbsübergreifend 90 Saisontore) und die Zuversicht allgemein sind so groß, dass keine besonderen Motivationstricks bemüht wurden und werden. Der Fokus der Vorbereitung liegt auf so viel "business as usual", wie es vor einem solchen Finale nur möglich ist.

Klopp bereitet sein Team auf eine "hohe Frustrationstoleranz" vor, denn es werde in den 90 und vielleicht mehr Minuten sicher Rückschläge geben. Bei der Aufgabe, sich einerseits auf den routinierten, ballsicheren Gegner mit seiner komplexen Spielanlage einzustellen und gleichzeitig die eigenen Pfeile im Köcher zu schärfen, wird die 14-tägige Erholungspause nach der Premier-League-Saison im Liverpooler Lager als äußerst hilfreich bewertet. Nach 55 Pflichtspielen konnten die Akkus wieder aufgeladen werden. Zum Vergleich: Real hat bisher 61 Partien absolviert. Und durchaus Lust auf mehr. Vermutungen, der Erfolgshunger der Königlichen sei gestillt, begegnete Zidane mit Nachdruck: "Das gibt es nicht." Keines seiner sieben Endspiele als Cheftrainer seit Januar 2016 hat er verloren.

Was zur Wertsteigerung des Seriensiegers beigetragen hat. Im relevanten, aktuell von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG veröffentlichten Ranking der wertvollsten Klubs rangiert Real mit 2,930 Milliarden Euro hinter ManUnited (3,255 Mrd.) auf Rang 2. Achter ist der FC Liverpool (1,580 Mrd.). Gewinnen die Reds das Finale, haben sie in dieser Champions-League-Saison 82,7 Millionen Euro eingespielt, Real käme im Erfolgsfall auf 87 Millionen.

Erzgebirge Aue gegen Karlsruher SC im Livestream am 22.05.2018
Dienstag, 22. Mai 2018

Ja, was fängt man an mit so einem 0:0 im Hinspiel einer Relegation? Gut? Gefährlich, weil Aue in Karlsruhe kein Auswärtstor geschossen hat, dem KSC nun also schon ein 1:1 reichen würde? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Dieses torlose Remis macht auch eines: Mut. Vom Skandal in Darmstadt war sportlich gesehen nichts hängen geblieben. Vor allem in der Defensive präsentierte sich der FCE wie ein Zweitligist. Aue klärte alles so souverän, dass Martin Männel im Tor den wohl entspanntesten Abend der ganzen Saison verleben konnte. Und das nach den turbulenten Geschehnissen vor einer Woche. "Das muss ich auch einmal anmerken", sagte Trainer Hannes Drews nach den spielerisch zwar mauen, aber hochkonzentrierten 90 Minuten. "Wir haben in Darmstadt eine richtige Ohrfeige bekommen. Wie sich die Mannschaft hier präsentiert hat, darauf bin ich stolz. Das war nicht klar, dass es so passiert." Das Wunschresultat des 36-Jährigen war das 0:0 zwar nicht, dafür hat das wichtige Auswärtstor gefehlt. "Das ist ein solides Ergebnis. Defensiv standen wir gut, hatten viel Ballbesitz. Aber wir hatten wenige Aktionen nach vorn, in der Box hat ein bisschen was gefehlt."

Nach dem Schlusspfiff des Relegations-Hinspiels machte sich Schalke-Coach Domenico Tedesco auf den Weg in die Kabine seines Ex-Klubs. Er dürfte seinen Ex-Spielern nach der couragierten Vorstellung Mut für das Rückspiel zugesprochen haben. Drews hat klare Vorstellungen für diese entscheidende Begegnung: "Am Dienstag werden die Köpfe noch freier sein. Da spielen wir in unserem Stadion, mit unseren Fans im Rücken, da werden wir mental noch mal besser darauf vorbereitet sein."

Personell wird Aue im Rückspiel in der Defensive umstellen müssen. Calogero Rizzuto hat sich im Hinspiel der Relegation einen Muskelfaserriss an der Rückseite des linken Oberschenkels zugezogen. Damit wird er am Dienstag im Alles-oder-nichts-Spiel fehlen. In dieser Partie muss es aber nicht nur in der Defensive, sondern auch in der Offensive klappen. Aue braucht für eine erfolgreiche Relegation mindestens ein Tor - egal wie. Nur dann war das 0:0 wirklich gut. Aber genau das ist das Problem. In den vergangenen sechs Partien gelangen nur beim 1:3 gegen Duisburg und beim 1:2 in Bochum Tore. In den letzten drei Partien der 2. Liga schoss Aue gar kein Tor - beziehungsweise zählte es in Darmstadt nicht. Das zwischenzeitliche 1:1 in Bochum durch Torjäger Pascal Köpke war der letzte Treffer, das ist inzwischen schon 344 Minuten her.

Auf ein positives Urteil vom DFB-Sportgericht sollte man sich besser nicht verlassen, da auch der zweite Einspruch letzte Woche abgelehnt wurde. Gegen die Entscheidung kann Aue noch Berufung beim Bundesgericht einlegen. Präsident Helge Leonhardt teilte jedoch mit, erst nach der Relegation darüber zu entscheiden.


Holstein Kiel gegen VfL Wolfsburg im Livestream am 21.05.2018
Montag, 21. Mai 2018

Um die Konzentration auf die wichtigsten beiden Spiele dieser Saison nicht doch noch irgendwie zu stören, hat der VfL Wolfsburg entschieden, mit der Verkündung des neuen Geschäftsführers Jörg Schmadtke noch etwas zu warten. Gleichwohl haben sich beide Parteien geeinigt, die Verträge müssen nur noch unterzeichnet werden. Schmadtke darf nach seiner Trennung vom 1. FC Köln und einer erhaltenen Abfindung in Höhe von angeblich drei Millionen Euro offiziell erst ab dem 1. Juli wieder arbeiten - bei einem früheren Einstieg müssten sich der 54-Jährige bzw. der VfL mit den Kölnern einigen und einen Teil der erhaltenen Summe zurückzahlen. Gedanklich kann sich Schmadtke freilich schon voll und ganz mit dem VfL beschäftigen, entsprechend wird er bei den Spielen gegen Kiel schon ganz genau hinsehen. Welcher Wolfsburger hat Biss? Wer hält der nervlichen Belastung stand? Wer bietet sich auch für den nächsten Neustart an? Ein Team unter Beobachtung des künftigen Bosses.

Dass es Veränderungen geben muss, liegt nach dieser katastrophalen Saison auf der Hand. Spieler wie Yunus Malli, der die Niedersachsen für eine festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro verlassen kann, stehen womöglich zur Disposition. Zu erzielen wäre diese Summe mit dem Spielmacher kaum, für Wolfsburg stellt sie aber eine gute Verhandlungsposition dar. Auch Josuha Guilavogui könnte ohne Zustimmung des Klubs wechseln, bei ihm liegt die Ablöse bei 20 Millionen Euro. John Anthony Brooks soll ebenfalls über eine Ausstiegsmöglichkeit verfügen.

Erst einmal geht es jedoch darum, in der Liga zu bleiben. Der 4:1-Sieg gegen Köln brachte Erleichterung, Trainer Bruno Labbadia muss nun die Spannung wieder aufbauen. Er weiß vor dem Duell mit dem Zweitligadritten: "Die Mentalität wird eine Rolle spielen." Nach den Eindrücken der Saison dürfte der VfL hier im Nachteil sein - gleichwohl haben die Wolfsburger die Chance, der Öffentlichkeit und auch Schmadtke
das Gegenteil zu beweisen.

Der wird auch eine Entscheidung in der Trainerfrage treffen müssen. Die Relegation bietet ebenso Labbadia (Vertrag bis 2019 mit Option auf vorzeitige Beendigung) die Gelegenheit, Eigenwerbung zu betreiben. Gespräche mit ihm wird es nach den Kiel-Spielen geben. Darin muss erörtert werden, ob der Coach nach den schwierigen Monaten in Wolfsburg und der mitunter fehlenden Rückendeckung von Teilen des Anhangs die Lust verspürt, den Neuaufbau mitzugestalten. Und auch beim VfL muss die Überzeugung vom 52-Jährigen so groß sein, dass sie auch einen möglichen Fehlstart in die neue Saison überstehen würde.

Bayern München gegen Eintracht Frankfurt im Livestream am 19.05.2018
Samstag, 19. Mai 2018

Die letzte Arbeitswoche in seinem Trainerleben, das vor knapp vier Jahrzehnten begann, startete für Jupp Heynckes schon am vergangenen Sonntag. Da vier lädierte Spieler im Trainingszentrum aktiv waren, "musste auch der Trainer da sein", sagt er. Am Montag, der für die gesunden Profis noch dienstfrei war, weilte Heynckes selbstverständlich wieder in seinem Büro an der Säbener Straße, um sich mit dem Gegner im Pokalfinale, Frankfurt, per Video zu beschäftigen. Zudem strich der Chef den Spielern nahezu alle Aktivitäten jenseits des Fußballplatzes, vor dem Liga-Finale gegen Stuttgart (1:4-Niederlage) waren es für seinen Geschmack zu viele Termine gewesen. "Wir müssen den Kopf da haben, wo es notwendig ist", stellt er klar, "in unserem Kerngeschäft."

Er selbst lebt diese professionelle Berufsauffassung bis zum letzten Tag vor. Schon 2013 genehmigte er nach dem Endspielsieg in der Champions League gegen Dortmund (2:1) lediglich eine Party vor Ort in London. "Unser Weg ist noch nicht zu Ende", sagte er damals und erlaubte keinen großen Empfang in München, weil eine Woche später noch das Pokal-Endspiel gegen den VfB Stuttgart zu bestehen war. Er wollte unbedingt diesen dritten Titel, den Dreifachtriumph.

In diesem Jahr erleben die Spieler ihren Chef genauso "hochkonzentriert", wie Jerome Boateng sagt. Am Dienstag wies Heynckes die Mannschaft noch einmal auf die Bedeutung dieses samstäglichen Auftrags in Berlin hin - für sie ist es der letzte in dieser Saison, für ihren Trainer der letzte in seiner rund ein halbes Jahrhundert währenden Profikarriere. Als Spieler gewann Heynckes den DFB-Pokal einmal, 1973, als Trainer ebenfalls einmal, 2013, als ein Drittel des Triples. Das reine Double fehlt noch in seiner persönlichen Erfolgsliste. "Wir sollten es ihm zum Abschied schenken", sagt Boateng, der selbst nicht mithelfen kann. Es wäre für diesen im Oktober 2017 aus dem Ruhestand gerissenen Fußballlehrer mit Leib und Seele das optimale Danke für eine rundum gelungene Mission - auch wenn der stets höchst ambitionierte Coach das knappe Halbfinal-Aus in der Champions League noch immer sichtlich bedauert. Dieser Coach habe, sagt Boateng, "der Mannschaft und mir persönlich wieder Spaß am Fußball und sehr viel Vertrauen gegeben", zudem hat er die Fitness der FCB-Profis aufgepäppelt und die Atmosphäre befriedet. Deshalb darf Heynckes mit vollem Recht sagen, dass er seinem Nachfolger - dem am Samstag gegnerischen Trainer Niko Kovac - eine vollends intakte Mannschaft hinterlässt.

Für Kovac ist das Finale aus mehreren Gründen speziell. Der 46-Jährige trifft nicht nur auf seinen künftigen Arbeitgeber, das Spiel findet auch in seiner Heimatstadt statt. Selbst wenn der Kroate in der Öffentlichkeit meist souverän wirkt, birgt diese Partie für ihn ein Höchstmaß an Emotionen. Der Schillerpark im Berliner Arbeiterviertel Wedding, wo Kovac das Fußballspielen lernte, liegt nur knapp neun Kilometer Luftlinie vom Olympiastadion entfernt. Dort könnte er seine gut zweijährige Amtszeit in Frankfurt krönen und den größten Erfolg in seiner noch jungen Trainer-Laufbahn feiern.

Für die Eintracht wäre der Pokalsieg der tollste Triumph seit 30 Jahren. Am 28. Mai 1988 schoss Lajos Detari gegen Bochum das goldene 1:0, per Freistoß. "Am nächsten Tag war in Frankfurt die Hölle los. Wir hatten am Römer einen Empfang, bei dem wir von den Fans gefeiert wurden, als hätten wir die Deutsche Meisterschaft gewonnen", erzählt Uli Stein (63), der damals im Tor stand.

Auch Kovac dürfte sich auf einen herzlichen Empfang freuen. Sein Ruf litt in den vergangenen Wochen stark unter dem Eiertanz rund um seinen Wechsel zu den Bayern und weiteren unglücklichen Aktionen. Dass er sich nach dem 1:4 in München von Uli Hoeneß’ Fahrer Bruno Kovacevic nach Salzburg zu seiner Familie chauffieren ließ, stieß ebenso auf Unverständnis wie seine Witzeleien ("Hänschen, piep einmal") auf der Pressekonferenz nach dem 0:1 auf Schalke - Frankfurt hatte gerade Platz 7 verspielt.

Sollte es Kovac aber gelingen, seine Mannschaft noch einmal zu Höchstleistungen anzutreiben und gegen alle Erwartungen den Pokal zu gewinnen, geht er als der große Held. Da Frankfurt als Pokalsieger direkt in die Gruppenphase der Europa League einziehen würde, wäre der Ärger über das Abrutschen auf den 8. Platz vergessen. Die Reisen quer durch Europa wären neben dem Pokal das schönste Geschenk, das er den Fans zum Abschied machen könnte. Kovacs Nachfolger steht bereits in den Startlöchern: Adi Hütter, Meistertrainer der Young Boys Bern in der Schweiz, übernimmt nach der Sommerpause in Frankfurt.

Karlsruher SC gegen Erzgebirge Aue im Livestream am 18.05.2018
Freitag, 18. Mai 2018

Das 2:3 am letzten Spieltag gegen Jena, die erste Heimniederlage in dieser Saison, ist abgehakt. Mittelfeldmann Marvin Wanitzek schaut nach vorne: "Das 2:3 war ein Ausrutscher, wir wissen, worum es geht. Wir werden von den tollen Fans nach vorne gepusht und machen das Ding in der Relegation. Wir gehen mit breiter Brust in das Relegationsspiel. Am Freitag zählt nur Vollgas." Dass der Gegner das unbequeme Team von Erzgebirge Aue ist, ist ihm egal: "Wir wollen nach oben, da müssen wir jeden schlagen."

Trainer Alois Schwartz wird wieder seine erste Elf aufs Feld schicken, zuletzt schonte er fast das halbe Team. Benjamin Uphoff kehrt ins Tor zurück, Kampfmaschine Marcel Mehlem ins Mittelfeld, auch Florent Muslija und Torjäger Fabian Schleusener sind sicher dabei. Schwartz hatte angekündigt, in der Spielvorbereitung nichts Besonderes zu machen. Doch jetzt gibt es die ganze Woche Geheimtraining. Warum? "Weil wir nicht wollen, dass man uns in die Karten schaut, normal kommt in der 3. Liga kaum einer, um das Training zu beobachten, jetzt wäre das wohl wahrscheinlich, und das wollen wir vermeiden", erklärt der Trainer. Dass er so den Druck auf die Mannschaft erhöht, glaubt Schwartz nicht.

Er hatte ein gutes Näschen, als er sich entschied, die Partie Darmstadt gegen Aue zu beobachten. Nun weiß er, wie der FCE auswärts agiert: "Aue hat die nervliche Anspannung gut weggesteckt, einen guten Ball gespielt, war die bessere Mannschaft." In der Einschätzung ihrer Stärken und Schwächen hält er sich zurück: "Sie arbeiten insgesamt gut. Wichtig wird sein, unsere Stärken auf den Platz zu bekommen und die Schwächen des Gegners, über die ich nicht reden will, auszunutzen." Die Chancen sieht er bei 50:50. "In einer Relegation ist das so" - schiebt dann aber Aue schnell in die Favoritenrolle. "Wir freuen uns, haben uns diese Teilnahme erkämpft und erspielt. Der Zweitligist muss daran teilnehmen, der muss länger arbeiten - wir dürfen. Aber: Aue hat 40 Punkte geholt, das hätte meist zum Klassenerhalt gereicht. Sie haben Qualität, spielen eine Liga höher."

Brisant: Bei Aue stehen mit Pascal Köpke, Dennis Kempe und Dimitrij Nazarov drei Ex-Karlsruher im Kader. Die werden besonders motiviert sein. Schwartz ist das egal: "Dima Nazarov hat bei mir in der zweiten Mannschaft von Kaiserslautern trainiert. Im Fußball gibt es immer wieder Verbindungen, das ist insgesamt uninteressant und ohne Auswirkungen."

VfL Wolfsburg gegen Holstein Kiel im Livestream am 17.05.2018
Donnerstag, 17. Mai 2018

Um die Konzentration auf die wichtigsten beiden Spiele dieser Saison nicht doch noch irgendwie zu stören, hat der VfL Wolfsburg entschieden, mit der Verkündung des neuen Geschäftsführers Jörg Schmadtke noch etwas zu warten. Gleichwohl haben sich beide Parteien geeinigt, die Verträge müssen nur noch unterzeichnet werden. Schmadtke darf nach seiner Trennung vom 1. FC Köln und einer erhaltenen Abfindung in Höhe von angeblich drei Millionen Euro offiziell erst ab dem 1. Juli wieder arbeiten - bei einem früheren Einstieg müssten sich der 54-Jährige bzw. der VfL mit den Kölnern einigen und einen Teil der erhaltenen Summe zurückzahlen. Gedanklich kann sich Schmadtke freilich schon voll und ganz mit dem VfL beschäftigen, entsprechend wird er bei den Spielen gegen Kiel schon ganz genau hinsehen. Welcher Wolfsburger hat Biss? Wer hält der nervlichen Belastung stand? Wer bietet sich auch für den nächsten Neustart an? Ein Team unter Beobachtung des künftigen Bosses.

Dass es Veränderungen geben muss, liegt nach dieser katastrophalen Saison auf der Hand. Spieler wie Yunus Malli, der die Niedersachsen für eine festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro verlassen kann, stehen womöglich zur Disposition. Zu erzielen wäre diese Summe mit dem Spielmacher kaum, für Wolfsburg stellt sie aber eine gute Verhandlungsposition dar. Auch Josuha Guilavogui könnte ohne Zustimmung des Klubs wechseln, bei ihm liegt die Ablöse bei 20 Millionen Euro. John Anthony Brooks soll ebenfalls über eine Ausstiegsmöglichkeit verfügen.

Erst einmal geht es jedoch darum, in der Liga zu bleiben. Der 4:1-Sieg gegen Köln brachte Erleichterung, Trainer Bruno Labbadia muss nun die Spannung wieder aufbauen. Er weiß vor dem Duell mit dem Zweitligadritten: "Die Mentalität wird eine Rolle spielen." Nach den Eindrücken der Saison dürfte der VfL hier im Nachteil sein - gleichwohl haben die Wolfsburger die Chance, der Öffentlichkeit und auch Schmadtke das Gegenteil zu beweisen.

Der wird auch eine Entscheidung in der Trainerfrage treffen müssen. Die Relegation bietet ebenso Labbadia (Vertrag bis 2019 mit Option auf vorzeitige Beendigung) die Gelegenheit, Eigenwerbung zu betreiben. Gespräche mit ihm wird es nach den Kiel-Spielen geben. Darin muss erörtert werden, ob der Coach nach den schwierigen Monaten in Wolfsburg und der mitunter fehlenden Rückendeckung von Teilen des Anhangs die Lust verspürt, den Neuaufbau mitzugestalten. Und auch beim VfL muss die Überzeugung vom 52-Jährigen so groß sein, dass sie auch einen möglichen Fehlstart in die neue Saison überstehen würde.

Olympique Marseille gegen Atletico Madrid im Livestream am 16.05.2018
Mittwoch, 16. Mai 2018

Vor 25 Jahren siegte Olympique Marseille in der Champions League. Seither ist viel passiert, die Passion für den Klub aber geblieben. Ein Eckball in der 43. Minute. Abedi Pelé schaut und flankt, Basile Boli springt und köpft. Das Tor zum 1:0 gegen den AC Mailand hievt Olympique Marseille auf den europäischen Fußball-Gipfel. Champions-League-Sieger! Am 26. Mai 1993 gehen Größen wie Rudi Völler, Didier Deschamps, Fabien Barthez oder Marcel Desailly im Münchner Olympiasta-
dion in die Klub-Geschichte ein.

25 Jahre ist das nun her. Und bis heute konnte es den Marseillais kein anderer französischer Klub gleichtun. Nicht einmal Paris St. Germain. Da genügten auch all die Geldflüsse aus Katar nicht. Die OM-Fans verbindet mit dem Klub aus der Hauptstadt eine gepflegte Feindschaft. Olympique gegen PSG - dagegen erscheint das Revierderby zwischen Schalke und Dortmund dann und wann wie ein Kindergeburtstag.

Marseille auf dem Gipfel. Das war immer der Anspruch an der Cote. Erst recht nach dem Triumph in München. Olympique war das Flaggschiff des französischen Fußballs. Olympique war das, wovon Bernard Tapie immer geträumt hatte. Wofür er als Präsident immer alles tat, alles gab. Der Unternehmer Tapie, übrigens in Paris geboren, war ein umtriebiger Selfmade-Man, der einst mit dem Verkauf von Fernsehern anfing, um dann 1979 mit seiner Groupe Bernard Tapie marode Firmen aufzukaufen, mit der Hilfe einer großen Bank zu sanieren und daraufhin weiterzuverkaufen.

1990 erwarb er zudem die Aktienmehrheit des deutschen Sportartikel-Riesen Adidas. Olympique Marseille übernahm er bei seinem Beutezug 1985 als Präsident. Und investierte für damalige Verhältnisse im ganz großen Stil. Er holte die besten Spieler Frankreichs und lockte internationale Stars an, wie die Deutschen Karlheinz Förster, Klaus Allofs, Rudi Völler und Andreas Köpke, den Brasilianer Carlos Mozer, den Uruguayer Enzo Francescoli, den Engländer Glenn Waddle, den Serben Dragan Stojkovic oder den Kroaten Alen Boksic. Zeitweise wurde das Orchester so klangvoller Namen auch vom deutschen Weltmeister-Trainerduo von 1990, Franz Beckenbauer und Holger Osieck, dirigiert.

Den Triumph in der damals neu geschaffenen Champions League aber schaffte der belgische Trainer-Fuchs Raymond Goethals. Bei seinem Erfolg war der Taktiker immerhin schon 71 Jahre alt. Er hatte das Händchen für den Umgang mit den Stars, er kam mit Tapie klar, er hatte die Akzeptanz der heißblütigen Fans in der Hafenstadt am Mittelmeer. Goethals erfüllte so die lang gehegten Sehnsüchte sowohl des eitlen wie hemdsärmeligen Bosses wie auch vor allem der Anhänger.

"Droit au but", heißt es im Wappen von OM. Direkt aufs Tor. Eine Philosophie, der sich der Klub verschrieben hat. Die er lebt. Kein anderer Verein in Frankreich kann sich auf so eine große Fangemeinde stützen wie Olympique. Immerhin fiebert etwa die Hälfte aller Fußball-Anhänger im Nachbarland mit OM. Weil Olympique in Frankreich nicht nur eine Institution als Traditionsklub ist (gegründet 1899), Olympique ist hingebungsvolle Passion, Leidenschaft, Identifikation und Liebe. Der Triumph von 1993 wurde tagelang von der Canebiere bis zum Vieux-Port, dem alten Hafen, gefeiert. Marseille am Ziel seiner Träume, Tapie endlich angekommen, wo er mit dem Klub immer hinwollte.

An der Verehrung der Protagonisten hat sich auch 25 Jahre später nichts geändert. Der Triumph ist wie in Stein gemeißelt. Die Erinnerung daran konnte nichts erschüttern. Trotz aller späteren Erkenntnisse blieben alle Beteiligten von 1993 unantastbar. Legenden - Marseille vergisst seine Helden nie. Selbst Bernard Tapie mit seinen kriminellen Verfehlungen, für die er gar ins Gefängnis musste, und seinen politischen Niederlagen stand immer wieder auf. Als der ehemalige Minister (unter Francois Mitterand) und heutige Besitzer der Tageszeitung La Provence im September 2017 seine Krebserkrankung öffentlich machte, ließ die Reaktion bei Olympique nicht lange auf sich warten.

Eine Woche später stand das imposante Stade Velodrome anlässlich des Heimspiels gegen Toulouse wie ein Mann hinter Tapie. Riesige Banderolen mit Aufschriften wie "Unterstützung für den Boss", "Bernard bleibt immer der Erste" oder "Nur Mut Nanard, wir sind bei dir" schufen ein einmaliges Gänsehaut-Ambiente. Für einen Mann, der den Klub und sein eigenes Leben über 20 Jahre hinweg durch Prozesse an den Rand des Ruins gebracht hatte.

In Marseille wird Tapie weiter verehrt und geliebt. Er steht sinnbildlich für Spaß und den Erfolg von vier Meisterschaften in Folge. Von 1989 bis 1992. Der fünfte von 1993 wurde Olympique aberkannt. Weil kurz vor dem Finale von München eine Bestechungsaffäre um das Spiel in Valenciennes aufflog. Der verantwortliche Tapie musste für sechs Monate ins Gefängnis, ein Erdbeben für OM. Die UEFA schloss den Klub 1993/94 von den europäischen Wettbewerben aus, die FIFA vom Weltpokal. Und die französische Liga (LFP) beschloss die Strafversetzung in die 2. Division! Tapie verließ das sinkende Schiff im Dezember 1994, nachdem er die wertvollsten Spieler (Boksic und Desailly) zuvor noch verkauft hatte.

Zwei Jahre später war OM wieder oben. Und mit Robert Louis-Dreyfus kam 1996 ein neuer Mehrheitsaktionär. Der Adidas-Präsident päppelte den Klub auf. Mit Laurent Blanc, Robert Pires, Christoph Dugarry und Fabrizio Ravanelli. 1999, zum 100-jährigen Jubiläum, zog OM ins Endspiel um den UEFA-Pokal ein, das allerdings mit 0:3 gegen Parma verloren ging. Der erfolgreiche Geschäftsmann und leidenschaftliche Pokerspieler Louis-Dreyfus ließ nicht locker und investierte bis 2009 über 200 Millionen Euro ins Team. Eine extreme Trainer- und Spielerfluktuation verhinderte den durchschlagenden Erfolg.

Nach dem Tod von Louis-Dreyfuß (2009) übernahm die Witwe Margarita den Klub. Mit dem ehemaligen Champions-League-Sieger Didier Deschamps als Trainer kam auch der Erfolg noch einmal zurück. Nach 17 Jahren ohne Titel holte OM 2010 die Meisterschaft und den Ligacup. Doch die Instabilität um den Klub blieb. Kriminelle Banden verunsicherten die Profis durch Auto-Diebstähle und Einbrüche. Das schreckte auch potenzielle Käufer ab. Auch Margarita Louis-Dreyfus wollte irgendwann nicht mehr investieren.

Seit Oktober 2016 ist nun der Amerikaner Frank McCourt neuer OM-Besitzer. 118 Millionen Euro machte er in den ersten beiden Transferperioden locker, versprach 200 Millionen für vier Jahre. Mit Rudi Garcia installierte er einen neuen Trainer, Andoni Zubizarreta (zuvor Barca) engagierte er als Sportdirektor. Das "Lifting" des amerikanischen Geschäftsmannes hauchte der Legende neues Leben ein. Nationalspieler Dimitri Payet wurde von West Ham zurückgeholt. Es folgten Akteure wie Adil Rami, Luiz Gustavo und Steve Mandanda.

Olympique de Marseille hat wieder Fahrt aufgenommen. "Wir sind stolz auf die neue Mannschaft", sagt Präsident Jacques-Henri Eyraud, "wir haben das Gleichgewicht zwischen Alt und Jung gefunden." Nun will OM die Europa League gegen Atletico Madrid in Lyon gewinnen. Um dafür eine neue Leidenschaft zu entfachen, beklagte sich Abwehrchef Adil Rami schon mal wegen der bisher fehlenden Unterstützung in Frankreich. "Aber Marseille ist ein Staat im Staat."

Holstein Kiel gegen Braunschweig im Livestream am 13.05.2018
Sonntag, 13. Mai 2018

Seit Sonntag steht Platz 3 und damit die Relegation fest. Kein Grund jedoch für die Kieler, das Spiel gegen Braunschweig als lästige Zwischenetappe vor den Highlight-Spielen um den Bundesliga-Aufstieg anzusehen. Im Gegenteil: "Das ist Fußball. Wir sind alle im Wettbewerb und haben eine Verpflichtung allen gegenüber", weiß Kiels Sportchef Ralf Becker um die Bedeutung der Partie, da Gegner Braunschweig als Tabellensechzehnter um den Klassenerhalt bangt.

Dass sie gegen die Eintracht mit Patrick Herrmann (Kapselverletzung im rechten Sprunggelenk) und Dominik Schmidt (Muskelfaserriss in der Wade) wohl auf zwei feste Abwehrstützen verzichten müssen, dürfte die Kieler ebenso wenig aus dem Konzept bringen wie die Diskussion um die Spielstätte bei einem möglichen Aufstieg. Diese Thematik war vor knapp zwei Wochen in den medialen Fokus geraten und erzeugte dadurch, dass die DFL am Dienstag die von Kiel beantragte Ausnahmegenehmigung ablehnte, nun pünktlich vor den wohl wichtigsten beiden Spielen der jüngeren Vereinsgeschichte erneut ein großes Medienecho. Mit einem Fassungsvermögen von rund 10 000 Zuschauern ist das Holstein-Stadion zu klein für die 1. Liga, wo Plätze für 15 000 Zuschauer - davon 8000 Sitzplätze - vorhanden sein müssen. Der Verein legte umgehend Widerspruch gegen die Entscheidung ein. "Wir hoffen weiter, dass wir im Falle eines Aufstiegs unsere Heimspiele in Kiel austragen dürfen", zeigt sich Geschäftsführer Wolfgang Schwenke weiterhin optimistisch, zumal das Stadion allen Sicherheitsanforderungen der DFL und Voraussetzungen für TV-Übertragungen genüge. "34 Auswärtsspiele wären nach einem sensationellen Aufstieg ungerecht", so Schwenke. Tatsächlich wäre ein Durchmarsch der Kieler, die bis 2013 noch in der Regionalliga spielten und in regelmäßigen Abständen an der eigenen Spielstätte nachbesserten, sensationell - und historisch: Gelänge der Sprung in die 1. Liga, wäre Kiel der erste Erstligist Schleswig-Holsteins seit Einführung der Bundesliga 1963.

Fakten und Gedankenspiele, die die Mannschaft im Spiel gegen Braunschweig nur marginal tangieren dürften. Schließlich bewiesen die Kieler in den letzten Monaten eindrucksvoll mentale Stärke. Weder die monatelange Gerüchteküche um den Wechsel von Trainer Markus Anfang zum 1. FC Köln noch die nun andauernde Stadion-Diskussion beeinträchtigten die Störche bisher in ihren Leistungen - gute Vorzeichen für den letzten Spieltag und die folgende Relegation.

Einen Tag nach dem Tiefschlag sah die Welt schon wieder etwas freundlicher aus, obwohl sich an der Tabellensituation über Nacht natürlich nichts geändert hatte. Doch Eintracht Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht sprühte am Montag nach der 0:2-Niederlage gegen den FC Ingolstadt wieder vor Tatendrang. "In der Ansprache an die Mannschaft hat er schon wieder einen klaren Eindruck gemacht und den Fokus bereits wieder auf Kiel gerichtet", berichtet Manager Marc Arnold.

Direkt nach der Pleite im Heimspiel gegen Ingolstadt, durch die die Eintracht erstmals in dieser Saison auf den Relegationsplatz abrutschte, war das noch ganz anders gewesen. Da hatte Lieberknecht regelrecht aufgelöst gewirkt. Die Choreo der Fans zu seinem zehnjährigen Dienstjubiläum, das am Samstag ansteht, hatte an seinem emotionalen Gemütszustand wohl auch einen Anteil, trotzdem empfanden nicht wenige in Braunschweig die Tränen des Trainers in der Außenwirkung als fatales Zeichen im Abstiegskampf.

Im ersten Moment war es dann auch Mittelfeldspieler Mirko Boland (31), der seine Kollegen daran erinnerte, dass der Klassenerhalt sogar noch aus eigener Kraft möglich ist. Der Routinier hatte bereits im Mannschaftskreis auf dem Platz das Wort ergriffen und das Team auf die Aufgabe an der Ostsee eingeschworen. Solche Typen braucht die Eintracht nun, findet auch Manager Arnold. "Mirko ist schon lange genug hier, um zu wissen, worum es für den Verein geht. Es ist wichtig, dass er in dieser Phase Verantwortung übernimmt und auch auf dem Platz vorangeht. Aber davon brauchen wir in Kiel möglichst viele Spieler", fordert Arnold andere Akteure auf, es Boland nachzumachen.

Viele drängen sich da im Moment allerdings nicht auf. Ein Großteil der Löwen ist seit Wochen vor allem damit beschäftigt, die eigene Form zu finden. Einer der wenigen, die regelmäßig gute Leistungen ablieferte, war Torwart Jasmin Fejzic. Dass nun ausgerechnet er gegen Ingolstadt entscheidend patzte, sagt viel über das dünne Nervenkostüm der Eintracht-Profis aus.

Deshalb wird vieles dann doch auf Lieberknecht ankommen. Der Trainer war in den vergangenen zehn Jahren das Gesicht der Braunschweiger Erfolgsgeschichte, erwarb sich in dieser Zeit einen Ruf als Motivator. Zuletzt war davon aber wenig zu sehen. Passiv, fast ängstlich waren zu viele Auftritte der Eintracht in der jüngeren Vergangenheit. Mit einer defensiven Ausrichtung sollte Punkt für Punkt zum Klassenerhalt fast schon ermauert werden - eine Taktik, die am letzten Spieltag zu scheitern droht, wenn die anderen Teams im Tabellenkeller nicht mitspielen.

Deshalb ist die Frage, ob Lieberknecht den Schalter am letzten Spieltag noch einmal umlegen kann. Mit viel Engagement und Tatendrang ging er in die letzte Woche der regulären Saison. Die Botschaft war die gleiche, die auch Manager Arnold klar und eindringlich formulierte: "Wir haben es in den eigenen Händen." Um diese Chance zu nutzen, muss die Eintracht in Kiel aber anders auftreten. Auf dem Platz sind Mut und Selbstvertrauen wohl wichtiger als die taktische Ausrichtung des Teams. Beides muss Lieberknecht seiner Mannschaft noch einmal einimpfen, bevor sich die Wege von ihm und der Eintracht nach dem Ende der Saison wahrscheinlich trennen werden.

MSV Duisburg gegen FC St. Pauli im Livestream am 13.05.2018

In Duisburg endet am Sonntag eine Ära. Branimir Bajic, seit 2010 im Klub, beendet seine Laufbahn. Damit geht der älteste Spieler der Liga von Bord. Der Bosnier ist 38 Jahre alt. Sicher ist, dass er im letzten Spiel gegen den FC St. Pauli für die Zebras auflaufen wird. Offen ist, ob er noch einmal das Team als Kapitän aufs Feld führen wird.

Bajic, der in dieser Saison nur noch auf drei Kurzeinsätze kam, erlebte in den letzten Jahren eine Achterbahnfahrt. Pokalendspiel, Lizenzentzug, zwei Abstiege, zwei Aufstiege - vor allem in schlechten Zeiten bekannte er sich zum MSV.

Neben Bajic erhalten sechs weitere Spieler keinen Vertrag für die neue Saison. Kingsley Onuegbu, Nico Klotz, Tugrul Erat, Dan-Patrick Poggenberg, Marius Krüger und Torwart Daniel Zeaiter spielen in den Planungen keine Rolle mehr. Flügelspieler Andreas Wiegel, der sich zuletzt als Rechtsverteidiger etablierte, steht noch mit Sportdirektor Ivica Grlic in Verhandlungen. Stürmer Stanislav Iljutcenko und Innenverteidiger Thomas Blomeyer erhalten neue Zweijahresverträge. Iljutcenko, der in dieser Saison sieben Tore erzielte, stand auch im Fokus anderer Vereine.

Der Erlösung folgte das Signal. Nach der Rettung gegen Bielefeld vermeldete St. Pauli am Montag die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Christopher Buchtmann bis 2022 - ein vielversprechender Startschuss in arbeitsreiche Wochen und Monate für Sportchef Uwe Stöver.

Der 51-Jährige ist froh über den Abschluss mit seinem Mittelfeldmotor, der in dieser Spielzeit zunächst große Schritte hinsichtlich der Effizienz machte, dann aber immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. "Buchti ist ein Topspieler in der 2. Liga, mit seiner Torgefahr und seinem fußballerischen Vermögen kann er den Unterschied für uns ausmachen." Doch Buchtmann markiert für Stöver nur den Anfang.

19 Spielerverträge laufen 2019 aus, der Sportchef muss im Verbund mit Markus Kauczinski also schon in diesem Sommer wegweisende Entscheidungen treffen. Zum Beispiel über Aziz Bouhaddouz und Sami Allagui. Die beiden Angreifer avancierten zu zwei Problemkindern in dieser so verkorksten Spielzeit, würden bei entsprechenden Angeboten durchaus zu den Verkaufskandidaten gehören.

Komplett anders gelagert ist der Fall bei Richard Neudecker. Mit vier Toren und drei Vorlagen wurde der 21-Jährige nach langer Verletzungshistorie zum großen Gewinner der Rückrunde, ist mit seiner Unbekümmertheit ein Hoffnungsträger - aber nur noch ein Jahr gebunden und umworben. Klar ist: Eine Verlängerung mit Neudecker wäre ein ähnlich starkes Signal wie der Abschluss mit Buchtmann.

Arminia Bielefeld gegen SV Sandhausen im Livestream am 13.05.2018

Finale um Platz vier. "Das ist ein Riesenerfolg für uns", sagt Arminias Trainer Jeff Saibene vor der Partie gegen den SV Sandhausen. Vor einem Jahr konnten sich die Bielefelder erst im letzten Spiel vor dem Abstieg retten. "Das Ziel, sorgenfrei durch die Saison zu kommen, haben wir erreicht."

Die Planungen für die kommende Spielzeit sind schon weit fortgeschritten. Gesucht werden noch ein zentraler Mittelfeldspieler und ein Back-up für Florian Hartherz. Linksverteidiger Axel Borgmann (23, derzeit beim FC Vaduz) ist ein Kandidat. Verabschiedet werden am Sonntag Florian Dick, David Ulm (beide Ziel unbekannt) und Christoph Hemlein (zum 1. FC Kaiserslautern). Sollte sich die anvisierte feste Verpflichtung von Konstantin Kerschbaumer, Brentford fordert 1,5 Millionen Ablöse, nicht realisieren lassen, benötigt Arminia noch Ersatz für das linke Mittelfeld.

Kein Ersatz muss wohl für Roberto Massimo gefunden werden. Der von einigen Klubs umworbene 17-Jährige soll in Kontakt mit der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart stehen. Das Modell: Massimo wird verkauft und direkt wieder an Arminia ausgeliehen, um Spielpraxis zu bekommen.

Wer mit Rückschlägen umgehen kann und aus Fehlern lernt, hat schon halb gewonnen. Als es bei Marcel Schuhen weniger gut lief, reagierte der Torwart des SV Sandhausen auf ungewöhnliche Art. Der 25-jährige Westerwälder sagte: "Ich mag Kritik. Denn Kritik macht mich stärker."

Ein Mann - ein Wort. Der guten Form von Schuhen haben es die Sandhäuser maßgeblich zu verdanken, dass sie ohne Abstiegsangst zum Saisonfinale nach Bielefeld fahren können. Beim 2:0-Sieg in Duisburg war der beim 1. FC Köln ausgebildete Keeper der beste Mann. Beim 1:1 gegen den SV Darmstadt 98 hielt er einen Punkt fest. Beim 0:2 am vergangenen Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg verhinderte er eine höhere Niederlage.

Auf dem Zahnfleisch und dank Schuhen retteten sich die Kurpfälzer gerade so ins Ziel. Nur ein Sieg aus den letzten zehn Begegnungen spricht Bände. Zwar ist der Klassenerhalt in trockenen Tüchern, dennoch geht es in Bielefeld um mehr als nur die goldene Ananas. Der SVS kann bei einem Sieg noch Achter werden, bei einer Niederlage aber auch auf den viertletzten Platz abrutschen. Sowohl die bislang beste als auch die schwächste Abschlussplatzierung in Liga 2 ist also möglich. 

 
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