Willkommen auf www.bundesliga-livestream.de
Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC im Livestream am 06.12.2019
Freitag, 6. Dezember 2019

Da standen sie und haderten. Gestenreich diskutierten Filip Kostic und Mijat Gacinovic nach dem 1:2 der Frankfurter Eintracht in Mainz. Die dritte Niederlage in Serie in der Liga, überhaupt bereits die fünfte auswärts (siehe Infofläche) - in der Fremde zeigen die Hessen in schöner Regelmäßigkeit ihr zweites Gesicht. Bei keinem anderen Bundesligisten ist die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtspunkten so groß, im eigenen Stadion holte die Truppe von Adi Hütter elf Zähler mehr.

Ein System erkennt der Trainer dahinter nicht. "Wenn ich die beiden Spiele sehe, glaube ich, dass wir in Gleichzahl Punkte mitgenommen hätten", beschreibt Hütter das 0:1 in Freiburg wie das 1:2 am Montag. Beide Male bestritt die SGE jeweils die zweite Hälfte in Unterzahl. Tatsächlich basiert die miese Auswärtsbilanz in der Tat auch auf schlechterer Chancenverwertung. Zumindest in Sachen Einsatzwillen kann man den Hessen auf fremdem Geläuf keinen Vorwurf machen, wie die trotz zweier Halbzeiten in Unterzahl im Schnitt bessere Laufleistung nahelegt.

Sehr wohl Vorwürfe gibt es gegenüber einigen Personen aus dem Frankfurter Block. "Was wir hier gesehen haben, war einfach nur destruktiv. Das ist für uns ein Rückschritt", kritisierte Axel Hellmann die Bengalo- und Böllerwürfe aufs Feld, die für einen verspäteten Anpfiff sorgten. Der für Fanfragen zuständige Vorstand kündigt Gegenmaßnahmen an: "Wir können so nicht weitermachen." Denn eingedenk des DFB-Pokal-Auftritts beim FC St. Pauli, wo ebenfalls Gegenstände auf den Rasen geflogen waren, erkennt Hellmann die Tendenz, "etwas mehr zu provozieren"  - sarkastisch spricht er von der "berühmten, kleinen Gruppe". Diese zu verorten, also die Täter konkret zu benennen, tut sich der Jurist nach eigener Aussage schwer. Eine Situation, die man bei der Eintracht kennt. Bereits 2015/16 war eine Abordnung aus dem Rheingau, die offenbar nicht näher zu spezifizieren war, regelmäßig mit Aktionen aufgefallen.

Genau darum wird es aber gehen, will man die zu erwartenden Strafzahlungen reduzieren. Denn Täteridentifizierungen sorgen für Nachlässe. Übrigens auch nach Abschluss eines Verfahrens, wie eine kürzliche Reduzierung der 80 000-Euro-Sanktion gegen Gladbach für Vorkommnisse aus dem Dezember 2018 auf 60 000 Euro belegt. Wobei manche Klubs auf die Nennung der Täter verzichten, um die Diskussionsbasis mit der organisierten Szene zu erhalten. Neben Schäden an Rasen und Fangnetz (Kostenpunkt: ca. 10 000 Euro) demolierten ein paar Vandalen in Mainz auch die Gästetoiletten. Es lässt schon Rückschlüsse auf das Verhalten so mancher Stadionbesucher zu, wenn es nach Rückfrage beim FSV heißt, dass "die Toilettenschäden eher im normalen Rahmen eines Bundesligaspiels sind". Kaputte Klos? Keine Besonderheit, Alltagsgeschäft. Wohl bekomm’s. Auch die ob ihrer emotionalen Choreografien immer wieder zu Recht gelobte Frankfurter Fankultur zeigte am Montagabend ihr zweites Gesicht. "Wir müssen mal rauskriegen, was der Anlass dafür ist, an dieser Schraube zu drehen", fordert Hellmann. "Dass es eine Gruppe gibt, die meint, da ausscheren zu müssen, besorgt mich sehr. Das besorgt auch innerhalb der aktiven Fanszene andere."

Die hatte sich bereits in der Frage um die Neubesetzung des NLZ-Leiterpostens mit Andy Möller klar gegen die Pläne des Klubs positioniert. Als bekannt wurde, dass der Welt- und Europameister das NLZ künftig leiten soll, hagelte es neben sachlicher Kritik auch wüste Beleidigungen. Zwei Wochen lang herrschte das große Schweigen. Nach außen verteidigt hat Möller, bereits vergangene Saison bei Europa-League-Reisen Teil der Eintracht-Delegation, keiner aus den Reihen derer, die über einen Draht zur Szene verfügen wie etwa e.V.-Präsident Peter Fischer. Wahrscheinlich, um keinen großen Krach zu riskieren. Doch der war ohnehin unumgänglich und folgte auf dem Fuße; dann eben zwischen Sportvorstand Fredi Bobic und den organisierten Fans. Inwiefern das konkret mit der jüngsten Verschärfung zusammenhängt, darüber lässt sich nur mutmaßen.

Begeisterung und Besorgnis liegen dieser Tage nahe beieinander bei der Frankfurter Eintracht. "Wir haben zu kämpfen mit unglücklichen Situationen", betrachtet Trainer Hütter die Situation rein sportlich, und spielt auf Verletzungen und ebenjene beiden Platzverweise an. Die gute Nachricht aus der Sicht des Österreichers: Mit der Partie gegen Hertha BSC am Freitag steht ein Heimspiel vor der Tür.

VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen im Livestream am 01.12.2019
Sonntag, 1. Dezember 2019

Im 18. Pflichtspiel dieser Saison hat es ihn erwischt. Am Samstag in Frankfurt saß Josip Brekalo erstmals in dieser Spielzeit 90 Minuten auf der Bank. Der Kroate, der top in die Saison gestartet war, durfte nur zuschauen, wie seine Kollegen mit einem 2:0 den Negativlauf der vergangenen Wochen stoppten. Ein Abschwung, der womöglich auch im Zusammenhang mit Brekalo selbst steht.

Vor Frankfurt nämlich hatte der VfL ganze sieben Spiele in Folge nicht gewonnen, der zuvor letzte Sieg datierte vom 6. Oktober, es war ein 1:0 gegen Union Berlin. Brekalo kam damals von der Bank und bereitete nur drei Minuten später den Siegtreffer durch Wout Weghorst vor. Es war die bis dato letzte Torbeteiligung des Kroaten, der mit wettbewerbsübergreifend acht Torbeteiligungen (vier Treffer, vier Vorlagen) immer noch zu den VfL-Topscorern zählt. Jedoch: Dem Hoch zu Saisonbeginn folgte das Tief der vergangenen Wochen. "Das ist normal, dass er Schwankungen hat", verweist Trainer Oliver Glasner sowohl auf die 21 Jahre, die Brekalo erst alt ist, als auch auf die vergangenen Spielzeiten, in denen der gelernte Flügelspieler nie konstant durchspielte. So auch in der Vorsaison, die auffällige Parallelen zur aktuellen Runde aufweist. Auch damals startete Brekalo blendend, war gar ein Schlüsselspieler der Wolfsburger Offensive unter Glasner-Vorgänger Bruno Labbadia. Jedoch: Nach der Länderspielpause im November stellte der Trainer das System um, im 4-4-2 mit Raute fiel Brekalos Rolle weg. Schlimmer noch: Selbst wenn der VfL dann im vom Kroaten bevorzugten 4-3-3 agierte, blieb der elfmalige Nationalspieler außen vor. Seinen Frust darüber konnte der sensible Fußballer sowohl auf als auch neben dem Platz nicht verbergen.

Es wuchs der Wechselwunsch bei Brekalo, auch die VfL-Führung signalisierte die Bereitschaft, einem Abschied des bis 2023 unter Vertrag stehenden Offensivmannes zuzustimmen. Bis diesen im Sommer ein Gespräch mit und der erste Eindruck von Coach Glasner umstimmte. "Ich bin glücklich, dass ich sein Training und sein System kennenlernen durfte", sagte Brekalo damals, "der Trainer ist einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich hierbleiben möchte." Die ersten Saisonwochen bestätigten diese Harmonie, die nun jedoch auf eine Probe gestellt werden könnte. Denn: Mit den nach Verletzungen zurückkehrenden Admir Mehmedi und Daniel Ginczek nimmt die Offensivkonkurrenz im Kader ausgerechnet in Brekalos Schwächephase zu.

Auf dem Papier immerhin werden alle Eventualitäten berücksichtigt. Sein soeben bis 2021 verlängerter Vertrag gilt auch für die 2. Liga, bestätigt Niklas Moisander ohne Umschweife. Zugleich erklärt der Kapitän: "Wir sprechen nicht über Abstiegskampf. Das ist für uns kein Thema." So ähnlich hatte sich nach dem 1:2 gegen Schalke, dem achten Ligaspiel in Serie ohne Sieg, Davy Klaassen geäußert. Und solche Sätze von Führungsspielern sind es, die am meisten daran zweifeln lassen, ob Werder wirklich gerüstet ist für den Weg aus der Krise.

Gewiss: Die (spielerischen) Leistungen waren oft genug besser als die Resultate. Doch die jüngste Entwicklung ist negativ. Außer den Schlusslichtern Köln und Paderborn gewannen alle Klubs häufiger als das Team von Florian Kohfeldt. Nur die Tordifferenz hält dieses oberhalb von Platz 16. Dazu haben Mainz und Augsburg gerade mit Kantersiegen untermauert, wie schwer es tatsächlich werden könnte, mindestens drei Rivalen hinter sich zu lassen. All das wird in Bremen zur Kenntnis genommen. Wirklich angekommen scheint die Botschaft aber zumindest nicht bei allen.

Selbst Aufsichtsratschef Marco Bode und Geschäftsführer Frank Baumann verwahren sich gegen die aktuelle Bestandsaufnahme "Abstiegskampf". Baumann spricht gar von "Stammtischparolen". Angst, so der Manager, wäre kontraproduktiv. Doch lässt die standhafte Weigerung, die Lage verbal auf den Punkt zu bringen, genau darauf schließen: auf die Angst, die auf den Kampf um Europa programmierte Truppe könne dem neuen Druck nicht gewachsen sein.

Dabei hat Trainer Kohfeldt mit dem Satz "Qualität schützt nicht vor Abstiegskampf" alles gesagt. Komplett durchzudringen scheint er damit aber nicht. Der Coach lässt Geschlossenheit demonstrieren, indem die gesamte Mannschaft erst dann vom Trainingsplatz marschiert, wenn auch das letzte Hütchen eingesammelt ist. Personeller Handlungsspielraum bleibt ihm derweil kaum. Leo Bittencourt dürfte nach auskuriertem Virus zurückkehren, Christian Groß könnte Sebastian Langkamp verdrängen, das war’s wohl an Änderungen für Wolfsburg. Dort, sagt Moisander, warte "natürlich ein sehr wichtiges Spiel". Mit "zwei, drei Siegen" in Serie sei "vieles möglich". Und: "Wir haben immer noch viel Selbstvertrauen." Solche Erklärungen laufen nun seit Wochen in Dauerschleife. Ob sie noch als Unbeirrbarkeit zu werten sind oder schon als Beleg für Scheuklappen, ist die Frage.

Mönchengladbach gegen SC Freiburg im Livestream am 01.12.2019

Über Jahre hinweg führte an Oscar Wendt kein Weg vorbei. Egal, wer kam - der Schwede spielte immer. Selbst ein Nico Schulz, heute Nationalspieler, schaffte es nicht, Wendt von seinem Stammplatz auf der linken Abwehrseite zu vertreiben. Doch in diesem Sommer fand Sportdirektor Max Eberl (endlich) die lange gesuchte Alternative: Ramy Bensebaini. Der algerische Nationalspieler ist Soforthilfe und Zukunftslösung gleichermaßen. Trainer Marco Rose sieht Wendt und Bensebaini sportlich "auf Augenhöhe".

In den vergangenen Wochen betrieb das Duo eine Art Jobsharing auf der Linksverteidigerposition. Mal spielte Wendt, dann wieder Bensebaini, gerechte Arbeits- und Belastungsteilung statt brisantem Konkurrenzkampf. Weil in der Europa League beim Wolfsberger AC sowohl Matthias Ginter als auch Nico Elvedi verletzt ausfallen, könnten beide sogar einmal Seite an Seite starten. Bensebaini gehört zu den Kandidaten, die im Abwehrzentrum aushelfen können. Auch wegen dieser Vielseitigkeit schlug Eberl bei dem Linksfüßer zu. Bensebaini wird benötigt. Am Donnerstag dringender denn je, gegen den SC Freiburg auch, wenn sich die Personalsituation in der Defensive nicht etwas entspannt.

Für 7,5 Millionen Euro kauften die Borussen den Afrika-Cup-Gewinner von 2019 aus dem Vertrag bei Stade Rennes heraus. Wahrlich nicht zu viel Geld, nimmt man die ersten Saisonmonate als Maßstab. Seit Bensebaini den Trainingsrückstand nach der Teilnahme am Afrika-Cup aufgearbeitet hat, stimmen die Leistungen. Zuletzt beim 3:1 gegen Werder Bremen zeigte er aber auch, dass er mit seiner aggressiven und sehr körperbetonten Spielweise manchmal auf schmalem Grat wandert. Da handelte er sich mit einer nicht gerade zimperlichen Grätsche gegen Leonardo Bittencourt die Gelb-Rote-Karte ein. Drei Minuten vor dem Spielende. Bei einer sicheren 3:0-Führung.

"Ramy ist ein Spieler mit einer hohen Grundaggressivität", sagt Rose. Der Trainer will dies als Kompliment verstanden wissen, schließlich passen solche Typen zu seinem Spielstil. "Er ist als Gegenspieler unangenehm", sagt Dribbelkönig Ibrahima Traoré über seinen neuen Kollegen. "Es ist hart, gegen ihn zu spielen. Ramy ist gerade im Zweikampf richtig stark." Dass Bensebaini den 34-jährigen Wendt (Vertrag endet) bald komplett verdrängt, ist unwahrscheinlich. Rose betrachtet die Auswahlmöglichkeit eher als Luxus. "Das ist eine Position", so der Coach, "auf der wir es ganz entspannt machen können mit der Belastungssteuerung."

Auch beim Überraschungsvierten Freiburg werden nicht alle Akteure gleichermaßen vom Licht des Erfolgs angestrahlt. Manche stehen etwas abseits, wie derzeit Manuel Gulde. Der Innenverteidiger ist im 29-Mann-Kader einer von sechs SC-Profis ohne Ligaminute. Doch während es sich bei den 20-jährigen Luca Itter und Woo-Yeong Jeong um Perspektivspieler handelt und das Trio Yoric Ravet, Marco Terrazzino und Florian Kath schon im Sommer gehen sollte, liegt der Fall bei Gulde anders.

Noch im Kalenderjahr 2018 war er in allen 34 Bundesligapartien gestartet. Anfang Februar 2019 zog sich der 28-Jährige dann beim 2:2 in Stuttgart einen Bündelriss in der hinteren linken Oberschenkelmuskulatur zu - seitdem steht nur ein Kurzeinsatz Ende März in der Statistik. "Ich habe die erste Verletzung nicht gut aufgearbeitet, wollte zu schnell zu viel", übt er Selbstkritik. Die Folge: wiederkehrende Rückenprobleme, im Juli und im September machte der Oberschenkel wieder Probleme. Seit zwei Monaten ist Gulde fit und beschwerdefrei, spielte in den beiden jüngsten Testpielen auch jeweils 90 Minuten. Zudem stand er zuletzt sechsmal in Serie im 20er-Kader, die Posten in der Dreierkette sind jedoch an Dominique Heintz, Robin Koch und Philipp Lienhart vergeben, die erste Alternative ist U-21-Nationalspieler Nico Schlotterbeck.

Gleich mehrere Rivalen haben Gulde überholt, und der Höhenflug liefert Trainer Christian Streich keinen Grund, die Konstellation zu ändern. "Aktuell ist in Sachen Startelf nichts drin für mich. Das ist auch nachvollziehbar. Für die Mannschaft läuft es super. Wenn ich drin wäre, würde ich auch nicht wollen, dass etwas geändert wird, nur weil einer nach Verletzungen wieder fit ist", zeigt Gulde Verständnis, fügt jedoch an: "Wenn man mal gefestigter Stammspieler war, ist es mental doppelt schwer, außen vor zu sein." Mehrmals betont Gulde, dass er sich über eine Einwechslung freuen würde: "Selbst bei nur 20 Sekunden hätte man ein anderes Gefühl, man würde wieder mehr dazugehören." Bemerkenswert: Seit er wieder fit ist, hat Streich laut Gulde nicht mit ihm über die Lage gesprochen. Ob er sich ein Gespräch wünsche oder eines anstrebe - dazu wollte der Spieler nichts sagen. Der auch schon zu Beginn seiner Karriere von Verletzungspech gebeutelte Gulde schaut nach vorne: "Es kommen auch wieder bessere Zeiten, schlechter kann es ja kaum laufen. Ich muss weiter gut trainineren und mich anbieten."

Bayern München gegen Leverkusen im Livestream am 30.11.2019
Samstag, 30. November 2019

Im Flugzeug von Belgrad nach München, das am Mittwoch um 11 Uhr abhob, saß Thiago im grauen Anzug in der Business Class in der Mittelreihe. Seinen Sitz hatte er gemütlich zurückgelehnt. Hinter ihm lagen 90 Minuten, die er beim 6:0 auf dem Feld gestanden hatte. Was unter Ex-Coach Kovac noch als normal galt, war Thiago doch gesetzt, ist seit der Übernahme von Trainer Hansi Flick eine Ausnahme. Erstmals durfte der Spanier in diesen vier Partien von Beginn an ran. In den anderen drei Spielen erhielt Joshua Kimmich den Vorzug. "Als ich die Mannschaft übernommen habe, haben viele Spieler nicht top performt", erklärt Flick seine Entscheidung: "Ich musste mich auf eine Mannschaft festlegen." In diesem Auswahlverfahren habe er "auf der Sechs Joshua Kimmich gesehen". Weil dem 54-Jährigen "wichtig war, dass wir mit der Viererkette und dem defensiven Mittelfeldspieler eine defensive Basis haben".

Kimmich interpretierte diese Rolle jüngst gut, während Thiago in den Wochen davor nicht überzeugte. Der Spanier leistete sich zu viele Ungenauigkeiten, ließ die Konsequenz in den Zweikämpfen vermissen und dem Gegner häufig zu viele Freiräume, setzte zudem in der Offensive wenige bis keine Akzente. Es gelang ihm nicht, was von ihm erwartet wird, das Spiel der Bayern zu prägen. Und so kommt’s, dass der 28-Jährige nun um seinen Platz kämpfen muss. Egal, ob auf der Sechs, der Acht oder der Zehn. Die Qualitäten bringe Thiago
für alle drei Positionen mit, sagt Flick, deshalb wolle sich der Coach "nicht festlegen", wo er den Edeltechniker vorzugsweise sieht. Das hänge auch immer "vom Gegner oder dem Spielstand ab".

Thiago selbst erzählte vor wenigen Wochen im Vereins-Magazin 51, dass eine Grätsche zwar auch zu seinem Spiel gehöre, aber ein schöner Pass ihn letztlich doch glücklicher mache. So spricht ein Gestalter, der womöglich auf der Acht oder der Zehn seine fußballerischen Qualitäten, die er zweifelsfrei besitzt, besser einbringen kann. In diesen vorderen Reihen aber haben Thomas Müller, Philippe Coutinho, Leon Goretzka und Corentin Tolisso momentan ein Stück weit die Nase vorn. Wenn Thiago ab Donnerstag den feinen Zwirn gegen seinen Trainingsanzug tauscht, kann er in den Einheiten vor der Partie gegen Leverkusen beweisen, dass er bereit ist zu kämpfen. Auf dem Platz und für seinen Platz.

Seine Klasse ist unumstritten. Und seine Bedeutung für das Spiel von Bayer 04 noch größer. Sie ist so enorm, dass Peter Bosz, ganz entgegen seiner Prinzipien, den chilenischen Nationalspieler über den grünen Klee lobte, als dieser Anfang November nach einem Haarriss im Fuß gegen Gladbach als Einwechselspieler in die Mannschaft zurückkehrte. "Normalerweise rede ich nie über einzelne Spieler, aber heute hat man gesehen, was Charles Aranguiz für uns wert ist", erklärte der Niederländer den Mittelfeldspieler für nahezu unverzichtbar. Aranguiz ist der Kopf der Werkself. Mit höchster Spielintelligenz ausgestattet. Mit dem besten Antizipationsvermögen. "Charly ist nicht der Schnellste im Kader, aber er denkt vielleicht am schnellsten", beschreibt Bosz die Qualitäten seines Strategen.

Dieses hohe Ansehen genießt der 30-Jährige bei allen Verantwortungsträgern im Klub. Und so ist es selbstredend, dass Bayer den am Saisonende auslaufenden Vertrag mit dem Führungsspieler verlängern möchte. Darum bemüht sich der Klub schon seit weit mehr als einem Jahr. Lange ohne jeglichen Fortschritt, nachdem Aranguiz erklärt hatte, noch mal in Südamerika spielen zu wollen. Das Ganze vor dem Hintergrund, dass seine Frau zurück nach Übersee möchte. Doch zumindest diese nahezu unumstößlich erscheinende Position soll inzwischen aufgeweicht worden sein. Aranguiz kann sich einen Verbleib in Europa über den Juni 2020 hinaus vorstellen. Damit sind Leverkusens Chancen, den Rechtsfuß zu halten, gestiegen. Doch der Deal stellt sich immer noch als kompliziert dar. Schließlich bemüht sich Aranguiz’ Ex-Klub Internacional Porto Alegre, für den der Chilene von Januar 2014 bis Sommer 2015 spielte, ehe er nach Leverkusen wechselte, weiterhin höchst intensiv um den Mittelfeldakteur.

Und die Offerte der Brasilianer, die den im Sommer ablösefreien Aranguiz mit einem Dreijahresvertrag locken, ist sehr lukrativ. So lukrativ, dass selbst das deutlich aufgestockte Angebot von Bayer 04 für einen bis Sommer 2022 laufenden Vertrag bislang noch nicht ausreicht, um von Aranguiz den Zuschlag zu erhalten. "Wir bemühen uns und tun alles dafür, dass Charly auch in der kommenden Saison für uns spielt. Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns", sagt Sportdirektor Simon Rolfes und deutet damit an, dass Bayer für den Chilenen bis an seine Grenzen gehen wird. Aus gutem Grund: Bayer steht vor einer womöglich wegweisenden Entscheidung. Wie weit streckt man sich, um den Schlüsselspieler zu halten? Aranguiz, an dem Gerüchten zufolge auch Milan und PSG Interesse haben sollen, durch einen anderen Spieler dieser Klasse zu ersetzen, dürfte für den Klub aufgrund der wohl zu zahlenden Ablöse deutlich teurer werden.

Ein Anfang des neuen Jahres feststehender Abgang von Aranguiz könnte zudem im Zusammenspiel mit dem für den kommenden Sommer erwarteten Wechsel von Nationalspieler Kai Havertz (20) zu einem europäischen Topklub für ein ungünstiges Signal sorgen. Der Verlust zweier solcher Topspieler würde den einen oder anderen potenziell wechselambitionierten Spieler im Kader womöglich Richtung Abgang lenken. Umgekehrt würde von Aranguiz’ Verlängerung auch ein positives Signal ausgehen für Gespräche mit anderen Spielern. Sogar eine Verlängerung um nur eine Saison würde Bayer helfen, da man dann nicht in einem Sommer gleich zwei Schlüsselfiguren verliert. Zudem sind die personellen Entwicklungen im Kader auch ein entscheidender Faktor, was die Zukunft von Peter Bosz betrifft. Bislang hat der Verein mit dem Trainer, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, noch nicht verlängert. Obwohl beide Seiten im Sommer ihre grundsätzliche Bereitschaft und den festen Willen dazu offen signalisiert hatten.

Kürzlich hat Geschäftsführer Fernando Carro erklärt, dass man das Thema im Winter vom Tisch bekommen möchte. An den finanziellen Dimensionen des neuen Kontraktes liegt die bislang nicht erfolgte Unterschrift nicht. Bosz betonte im Oktober, dass er mit dem Klub nicht über Geld, sondern über dessen Zukunft spreche. Dem Niederländer geht es offensichtlich darum, ob Bayer seine hohen sportlichen Ambitionen auch in den kommenden Jahren aufrechterhalten möchte. So könnte eine Vertragsverlängerung mit Aranguiz auch für Bosz ein wichtiges Argument darstellen, um sich selbst weiter an den Klub zu binden.

SC Paderborn gegen RB Leipzig im Livestream am 30.11.2019

Als Julian Nagelsmann zu Wochenbeginn die "außergewöhnliche Grundmentalität dieser Gruppe" lobte und von "vielen selbstlosen Spielern" im Kader sprach, da meinte der Coach auch Diego Demme (28). In den letzten Monaten unter Nagelsmanns Vorgänger Ralf Rangnick wähnte sich der Mittelfeldspieler nur als fünftes Rad am Wagen, musste die 0:3-Pleite im Pokalfinale gegen die Bayern als Reservist verfolgen und liebäugelte deshalb mit einem Wechsel zum AC Florenz. Der neue Sportdirektor Markus Krösche, einst Demmes Mitspieler beim SC Paderborn, überzeugte ihn zu bleiben: "Mir wurde versichert, dass man mich braucht und auf mich setzt", erzählt Demme.

Den Versprechungen folgten auf beiden Seiten Taten: Nagelsmann setzte den kampfstarken und lauffreudigen Sechser in 17 der bislang 18 Pflichtspiele ein, außer Demme kam nur Marcel Sabitzer auch in diesen Genuss. "Diego hat extrem viel Spielzeit", betont Nagelsmann. Was auch daran liegt, dass in Kevin Kampl und Tyler Adams zwei Konkurrenten fürs defensive Mittelfeld kaum oder gar nicht zur Verfügung standen. Ungeachtet dessen: Demme zahlte das Vertrauen mit großer Verlässlichkeit zurück, führte das Team in Vertretung des verletzten Willi Orban zuletzt fünfmal in Folge als Kapitän aufs Feld. "Er hat eine große Bedeutung, ist schon lange im Verein und trägt sehr viel von dessen Philosophie in sich", sagt Nagelsmann. Der Coach schätzt aber nicht nur einstige Verdienste an Demme, vielmehr imponiert ihm dessen Lernfähigkeit und Aggressivität auf dem Platz: "Er hat eine gute Weiterentwicklung, was Ballbesitz angeht. Er hat ein gutes Gespür, wann er wohin gehen muss. Und er hat sich sehr gut verbessert, was Spielverlagerung angeht."

Sich mit jedem Aufstieg des Vereins auch selbst auf die nächste Stufe zu hieven, ist Demmes eigentliches Markenzeichen. Für rund 350 000 Euro wechselte er im Januar 2014 vom damaligen Zweitligisten Paderborn in die 3. Liga zu Leipzig, nur Yussuf Poulsen ist aus dem aktuellen Kader noch länger dabei. Jetzt kehrt Demme als gemachter Mann mit einem Marktwert in zweistelliger Millionenhöhe an die ehemalige Wirkungsstätte zurück. Die Partie in Paderborn wird sein 210. Pflichtspiel für RB sein. Wie viele Spiele dazukommen werden, lässt sich nicht absehen. Demmes Vertrag läuft noch bis 2021, den Traum vom Abenteuer in Italien, dem Heimatland seines Vaters, will er sich "auf jeden Fall" erfüllen.

FC Köln gegen FC Augsburg im Livestream am 30.11.2019

Stefan Reuter redet, wie er immer redet. Der Mann, der am Spielfeldrand auch mal zum Vulkan werden kann, gibt sich im Gespräch stets ruhig, sachlich und abgebrüht. Seine Botschaft an diesem Mittwoch: Der FC Augsburg will schnell zur Normalität zurückkehren, nachdem der Wirbel um Michael Gregoritsch "aus der Welt geräumt" worden sei. Aber ist das wirklich so einfach?

Am Dienstag hatte sich Gregoritsch für Art und Inhalt seiner Aussagen ("Hauptsache weg!") bei Mitspielern, Trainer und Vereinsführung entschuldigt. "Ich hätte meinem Ärger über meine persönliche Situation nicht über die Öffentlichkeit Luft verschaffen dürfen", räumte der 25-Jährige ein. Nach sechstägiger Suspendierung kehrte der Österreicher in den Kreis der Kollegen zurück, am Samstag in Köln könnte er wieder zum Einsatz kommen. Sein Wechselwunsch ist damit freilich nicht vom Tisch. Reuter fordert vom unzufriedenen Offensivspieler aber Ruhe bis zur Winterpause: "Es gibt eine Zeit, in der man über solche Dinge spricht. Das ist die Transferperiode. Bis dahin erwarte ich hundertprozentigen Fokus aufs Sportliche."

Der FCA kämpft in den kommenden Wochen nicht nur um Punkte für den Klassenerhalt, sondern auch um das Klima im Kader. Beim Umbruch im Sommer wurden die Konkurrenzsituationen bewusst verschärft, was für mehr Qualität in der Breite, aber bei einigen eben auch für Frust sorgt. Für Reuter und Trainer Martin Schmidt läuft die Operation Moderation. "Es liegt an mir und der sportlichen Leitung, dass man das in gute Bahnen lenkt, in Positivität", sagt Schmidt. Dazu muss die interne Kommunikation besser werden, als dies zuletzt offenbar der Fall war.

Konfliktpotenzial birgt nicht nur der Fall des Reservisten Gregoritsch. Jeffrey Gouweleeuw fordert einen Stammplatz ein, Tin Jedvaj und Felix Uduokhai haben den gleichen Anspruch - aber nur zwei können spielen. Stephan Lichtsteiner, bei Juventus Turin über Jahre Stammkraft, verlor seinen Platz an Raphael Framberger. Der 6,5 Millionen Euro teure Iago sitzt draußen, weil Philipp Max, der längst weg sein wollte, immer noch da ist. Auch er wird wohl im Januar den nächsten Anlauf für einen Abschied nehmen. Zudem soll Borussia Mönchengladbach wie zu Saisonbeginn an Marco Richter interessiert sein. Die Themen des Sommers könnten die Themen des Winters werden. Ob das die Normalität ist, die Reuter vorschwebt?

Hertha BSC gegen Borussia Dortmund im Livestream am 30.11.2019

Als die erste Spielform anstand, am Mittwoch um 16.26 Uhr, bei strömendem Regen, da hatte der nahende Abend den Olympiapark rings um das Amateurstadion längst in Dunkelheit gehüllt. Auf dem vom Flutlicht erleuchteten Rasen sprach erst Alexander Nouri zu Herthas Profis, dann Markus Feldhoff. Jürgen Klinsmann stand daneben und hörte zu. So ähnlich hatte er das knapp zwei Stunden zuvor bei seiner Präsentation als neuer Cheftrainer von Hertha BSC angekündigt. Er lasse seinen Assistenten "viel freie Hand. Ich hab’s gern, wenn der Assistent laut ist auf dem Platz. Mich hören die Spieler noch oft genug".

Wenn man die phonetischen Eindrücke der ersten Trainingseinheit als Maßstab nimmt, dürfte Nouri in diesem Punkt den Anforderungen seines neuen Chefs vollauf genügen. Nouri, vormals Cheftrainer in Bremen und Ingolstadt, war am besten zu hören. Klinsmann schloss die Einheit mit einer Ansprache an seine neue Mannschaft, die sich im Kreis um ihn versammelte. Ein paar Minuten zuvor, im Trainingsspiel, hatte er gesagt: "Reden, ihr müsst miteinander reden." Dass aktuell bei dieser Mannschaft nicht nur das Spielen, sondern auch das Reden zu kurz kommt, hat Klinsmann ziemlich schnell gemerkt. Und dass Hertha die erste Übungseinheit unter dem prominenten Neuen vom gewohnten Trainingsplatz ins Amateurstadion verlegte, wo in der Regel nur das Auftakttraining jeder Saisonvorbereitung steigt, illustrierte die Stoßrichtung: Für Hertha geht diese Saison nach zwölf Spieltagen noch mal neu los - mit viel frischem Personal.

Was in den Abendstunden des Dienstags Gestalt annahm und am Mittwochvormittag vom Klub verkündet wurde, war nicht weniger als das von der Berliner Morgenpost seismografisch korrekt diagnostizierte "Hertha-Erdbeben". Als Klinsmann 2004 die Nationalmannschaft übernahm, kündigte er an, "den ganzen Laden auseinandernehmen" zu wollen. So kam’s. Der Nachfolger von Rudi Völler bootete seinerzeit Sepp Maier, Michael Skibbe, Erich Rutemöller und U-21-Coach Uli Stielike aus - und rasierte kurzerhand Kapitän Oliver Kahn, mit dessen Nachfolge er Michael Ballack betraute. An seinem ersten Arbeitstag bei Hertha klang Klinsmann moderat, als er sagte: "Es geht jetzt nicht um Veränderungen, sondern darum, Punkte zu holen und in der Tabelle nach oben zu klettern."

Die leise Tonlage änderte nichts am lauten Knall, den Hertha produziert hat. Was sich beim nach vier Niederlagen in Serie auf Platz 15 abgestürzten Hauptstadtklub in der ersten Wochenhälfte zutrug, geht ohne Übertreibung als November-Revolution durch. Der vom neuen Investor Lars Windhorst Anfang November als Sport-Bevollmächtigter in den Aufsichtsrat der Hertha Kommanditgesellschaft (KG) entsandte Klinsmann ist keine drei Wochen später der starke Mann im sportlichen Bereich. Er hat das Trainerteam im Handumdrehen fast komplett ausgetauscht - und
sein für ein solches Szenario schon länger vorgesehenes Schattenkabinett installiert. Für den Fall einer noch vor Kurzem im Raum stehenden Einigung mit dem Verband Ecuadors hätte er ebenfalls einen Stab parat gehabt - maßgeschneidert auf südamerikanische Verhältnisse.

Für die bis Mai 2020 angelegte Mission bei Hertha berief Klinsmann im Stil eines Projekt-Leiters die Spezialisten Nouri, Feldhoff (beide Co-Trainer), Andreas Köpke (Torwarttrainer), Werner Leuthard (Konditionstrainer) und den langjährigen Hertha-Kapitän Arne Friedrich (Performance-Manager) in sein Team. Sämtliche Vereinbarungen gelten bis Saisonende. Einzig bei Bundestorwarttrainer Köpke, dessen Sohn Pascal seit 2018 für Hertha spielt, hat der Klub mit dem DFB nur eine Einigung bis Jahresende erzielt. Die Berliner wollen beim Verband zeitnah versuchen, Köpke auch für die Rückrunde zu gewinnen.

Neben dem bisherigen Chefcoach Ante Covic wurde auch dessen Co-Trainer Mirko Dickhaut freigestellt. Harald Gämperle, ebenfalls Co-Trainer unter Covic, sowie Torwarttrainer Zsolt Petry wurden von den Profis abgezogen, sollen aber im Verein bleiben. "Es gibt hier viel Arbeit, es wird kein einfacher Weg", verkündete Klinsmann, der mehr als zehneinhalb Jahre nach seiner Entlassung als Trainer des FC Bayern im April 2009 in die Bundesliga zurückgekehrt ist. "Ich bin motiviert und setze die Bausteine so zusammen, wie ein Trainer das tun muss. Natürlich werde ich auch Fehler machen -
wie jeder. Es wird nichts Perfektes, aber ich habe das Selbstvertrauen zu sagen: Ich traue es mir zu."

Hertha traut es ihm auch zu - und hätte ihm den Trainer-Job gern schon 2018, als Manager Michael Preetz und Pal Dardai über eine Trennung sprachen, und 2019, als Dardais Aus dann kam, anvertraut. Beide Male lehnte der Wahl-Kalifornier ab. Den Sprung zurück ins Tagesgeschäft wagte er erst jetzt. Am Montag bestieg er den Flieger nach Berlin mit der Frage, "wie man helfen kann". Am Dienstag war klar, dass Hertha Wunschkandidat Niko Kovac nicht bekommt, weil der sich nach dem Anfang November vollzogenen Aus beim FC Bayern bis Saisonende eine Auszeit nehmen will. Klinsmann sagte zu, damit Hertha Zeit gewinnt. 

Es war ein Start nach Maß für Paco Alcacer. Dortmunds treffsicherster Spieler der Vorsaison (18 Tore in 26 BL-Einsätzen) glänzte im Sommer zunächst erneut als Serientäter. Fünf Tore an den ersten vier Spieltagen, dazu je ein weiterer Treffer im Pokal und im Supercup: Der Spanier, der die gesamte Vorbereitung verletzungsfrei absolvieren konnte und plötzlich gar zur Verwunderung seiner Mitspieler defensiv mitarbeitend in der eigenen Hälfte auftauchte, war sofort da. Und er schien die rund um den BVB tobende Debatte, ob dem Kader ein zweiter richtiger Stürmer guttun könnte, damals ab absurdum zu führen.

Heute weiß man: Die Jubelstürme um Alcacers neu erlangte physische Stabilität kamen verfrüht. Der Körper des 26-Jährigen streikte seit Ende September mehrfach. Alcacer verpasste aufgrund einer Achillessehnenreizung, Waden- und Knieproblemen sowie einem Magen-Darm-Infekt bereits sieben der insgesamt 20 Pflichtspiele der Saison komplett - und wartet seit dem 14. September auf ein weiteres Tor für den BVB.

In seiner Abwesenheit durften sich Mario Götze und Julian Brandt in der Spitze versuchen, meist ohne durchschlagenden Erfolg. Immer offensichtlicher wurde zuletzt: Der Verzicht auf die Verpflichtung eines zweiten Stürmers war ein Fehler, wie inzwischen auch die Bosse des BVB offen eingestanden haben: "Das", sagte Klubboss Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag, "haben wir falsch analysiert."

Der Entschluss, diese Fehleinschätzung im Winter-Transferfenster zu korrigieren, steht - auch wenn das niemand öffentlich bestätigen möchte, um die Lage auf dem ohnehin schwierigen Januar-Markt nicht noch weiter zu verkomplizieren. Eine reine Dampframme, die zuvorderst durch Präsenz und Robustheit glänzt, wird nicht gesucht. Stattdessen ein durchaus groß gewachsener, aber auch technisch feiner Angreifer, der am Kombinationsspiel teilnehmen kann und nicht nur personell, sondern auch spielerisch eine Alternative zu Alcacer darstellt. Etwa, weil er hoch anspielbar ist, Gegenspieler bindet, den Ball im direkten Duell behauptet und so Zeit für seine Mannschaft zum Nachrücken schafft. Olivier Giroud ist so ein Stürmer. Bereits 2018 stand der Nationalstürmer Frankreichs vor einem Winterwechsel zum BVB, ging dann aber von Arsenal zu Chelsea. Dort jedoch ist der 33-jährige Weltmeister von 2018 nur noch Reservist (vier Liga- Einsätze).

TSG Hoffenheim gegen Fortuna Düsseldorf im Livestream am 30.11.2019

Auch er war im vergangenen Winter im Zuge der Kaderverschlankung verliehen worden. In Hannover sollte Kevin Akpoguma Spielpraxis sammeln, doch eine Schulterluxation beendete seine Saison nach nur vier Einsätzen für die Niedersachsen vorzeitig. Die große Zukunft schien das Eigengewächs nach dieser Vorgeschichte auch bei der TSG nicht mehr zu haben. Dennoch legte sich der 24-Jährige frühzeitig fest, zu bleiben und sich einmal mehr durchzubeißen.

Die Zwischenbilanz gibt Akpoguma recht: In den vergangenen sieben Ligaspielen stand der Innenverteidiger sechsmal in der Startelf, zuletzt zur allgemeinen Überraschung gegen Mainz sogar als Linksaußen. Aber auch das zur Pause aufgrund der numerischen Überlegenheit abgebrochene Experiment unterstreicht seinen Stellenwert bei Trainer Alfred Schreuder. "Ich hatte im Sommer ein gutes Telefongespräch mit ihm. Kevin sagte, er würde sehr gerne bei der TSG bleiben und sich zeigen. Als Trainer willst du nichts lieber", verrät Schreuder die Hintergründe. Und: "Wir haben ihm die Chance gegeben, er hat sich gezeigt. Das hat er sich selbst verdient, jetzt ist er auch einer unserer Stammspieler."

So schnell kann es gehen im Fußball. Akpoguma, der seit 2013 und noch bis 2021 bei der TSG unter Vertrag steht, ist wieder mittendrin statt nur dabei. "Er hat ein großes Herz, als Mensch, aber auch für den Verein", weiß Schreuder, der zudem auch die athletischen Vorzüge Akpogumas schätzt, neuerdings auch in der Offensive: "Er verfügt über ein brutales
Tempo, ist im Eins-gegen-eins sehr gut. Und wenn Spieler das Vertrauen des Trainers spüren, aber auch von den Mitspielern, dann hat man positive Atmosphäre und Energie geschaffen.
Wenn sie sich trauen, auch mal Fehler zu machen, dann haben sie hohe Qualität, auch Akpo." Der genießt die Rückendeckung des Umfeldes, "noch wichtiger ist aber das Vertrauen in sich selbst", betont Akpoguma, "das habe ich in der schwierigen Zeit mit Verletzungen nicht verloren". Weder nach der ausgekugelten Schulter im Frühjahr, erst recht nicht nach seinem gefährlichen Halswirbelbruch, den er sich im April 2017 als Leihspieler bei Fortuna Düsseldorf zugezogen hatte. Da werden am Samstag gegen den Ex-Klub Erinnerungen hochkommen.

Bundesliga Konferenz im Livestream 13.Spieltag am 30.11.2019

Sportlich hatte sich Rekordmeister FC Bayern beim Nord-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel im Pokal äußerst schwergetan, dafür aber Sympathiepunkte gesammelt, weil sich die Superstars viel Zeit für Selfie- und Autogrammwünsche genommen hatten. Drochtersens Kapitän Sören Behrmann verriet der Bild, dass ein Weltmeister ihm sogar das Trikot regelrecht hinterhergetragen hat. Unmittelbar nach Abpfiff hatte Behrmann Mats Hummelsnach einem Trikottausch gefragt. Der habe ihn gebeten, zu diesem Zweck in die Bayern-Kabine zu kommen. Doch dort wartete Hummels vergeblich, da Behrmann noch lange bei Freunden und Familie auf dem Platz verweilte. Also ging der Münchner Verteidiger wieder ins Stadion und fragte sich in der Menschentraube bis zum "Tauschpartner" durch. Behrmann: "Eine super Aktion von ihm, mir war das total unangenehm." Nachts bedankte er sich nochmals via Instagram bei Hummels und erhielt prompt eine Antwort: "Sehr gerne! Ihr habt uns das Leben echt schwer gemacht." Und der Trikottausch war nicht wesentlich einfacher.

Vor vier Jahren spielte Hendrik Weydandt noch in der Kreisliga beim TSV Groß Munzel, nach seinem Doppelpack im Pokal beim Karlsruher SC steht der Hannoveraner nun vor seinem Bundesliga-Debüt. 96 will den 23-Jährigen in der Öffentlichkeit schützen und lässt ihn deshalb bislang noch nicht zu Wort kommen - die Erwartungen geschürt haben die Niedersachsen aber dennoch: Weil der Angreifer auf den sozialen Kanälen der Sportschau fälschlicherweise als "Weynandt" betitelt wurde, twitterten die Hannoveraner: "Nichts für Ungut, liebe Sportschau, aber der Gute heißt Weydandt. Bestimmt hören wir seinen Namen aber demnächst auch des Öfteren." Auf die Antwort, bis zum kommenden Wochenende hätten sie den Namen drauf, setzte 96 mit einem Augenzwinkern noch nach: "Spätestens nach der dritten Bude!" Somit ist Weydandt trotz auferlegtem Spechverbot auch jetzt schon in aller Munde

Nach Dominik Kaiser im Sommer geht nun auch der letzte Aufstiegsheld, der den Weg von RB Leipzig von der Regionalliga bis in die Bundesliga mitgemacht hat: Fabio Coltorti beendet seine Karriere. Für den 37-jährigen Schlussmann hatte es bis zuletzt die Option gegeben, bei einem Abgang von Marius Müller erneut um ein weiteres Jahr zu verlängern. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich jedoch gegen eine Fortsetzung der Karriere und für seine Familie, die in Marbella lebt. Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick reagierte mit Verständnis und kündigte direkt einen großen Bahnhof an - wie Kaiser im Mai dieses Jahres soll Coltorti einen Tag nach dem Saisonfinale gegen Werder Bremen ein Abschiedsspiel bekommen.

30.11.2019 15:30 Uhr: TSG Hoffenheim gegen Fortuna Düsseldorf
30.11.2019 15:30 Uhr: Hertha BSC gegen Borussia Dortmund
30.11.2019 15:30 Uhr: FC Köln gegen FC Augsburg
30.11.2019 15:30 Uhr: SC Paderborn gegen RB Leipzig

FC Schalke 04 gegen FC Union Berlin im Livestream am 29.11.2019
Freitag, 29. November 2019

Torschusstraining am Dienstag auf Schalke. Technisch überaus versiert versenkt Steven Skrzybski den Ball im Netz, erntet Applaus von den Teamkollegen. Nicht zum ersten Mal. Skrzybskis Trainingsleistungen geben in aller Regel keinen Grund zur Beanstandung, schon in der Sommervorbereitung hatte er mit konstant guten Auftritten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Erster S04-Pflichtspieltorschütze dieser Saison im Pokal beim 5:0-Erfolg in Drochtersen war - Skrzybski. Holt er sich in Schalkes U 23 Spielpraxis, stürmt er sich in den Fokus: Zwei Treffer bei vier Regionalliga-Einsätzen stehen zu Buche. Doch eine Chance bei den Profis hat er in dieser Bundesliga-Saison noch nicht erhalten, trotz der ellenlangen Torjägerflaute, die erst allmählich ihr Ende zu finden scheint.

Abgesehen von Perspektivtalenten wie Juan Miranda ist der 27-Jährige der einzige Feldspieler der Königsblauen, der in dieser Saison noch nicht im Oberhaus randurfte. "Ich biete mich jeden Tag aufs Neue an, will die Chance nutzen, wenn ich sie erhalte", sagt Skrzybski. "Ich motiviere mich jeden Tag und verfalle in keine Opferrolle." Vor "ein paar Wochen" habe er ein Gespräch mit David Wagner geführt, in dem der Trainer ihm sagte, "was er von mir erwartet, aber auch, dass er mir mit Blick auf meine Trainingsleistungen und meinen Eifer nichts vorwerfen kann", erzählt Skrzybski. "Ich denke schon, dass ich der Mannschaft mit meinen Torschüssen und tiefen Laufwegen helfen kann."

Wenn sich der Angreifer ein Spiel aussuchen dürfte, bei dem er unbedingt mit von der Partie sein will, dann das folgende gegen Berlin. Von 2000 bis 2018 trug Skrzybski das Union-Trikot, ehe er für eine Ablöse in Höhe von 3,2 Millionen Euro zu Schalke 04 wechselte. "Natürlich hoffe ich auf einen baldigen Einsatz, am liebsten am Freitag", sagt der Stürmer. "Jeder weiß, welche Bedeutung speziell dieses Spiel für mich persönlich hat. Ich wäre fehl am Platz, wenn ich verhehlen würde, dass ich gerne zu unseren Erfolgen in dieser Saison mehr beitragen würde."

Skrzybski zieht mächtig an, bislang vergebens. Trotz der für ihn unbefriedigenden Situation sei er "gewillt, mich bei Schalke 04 durchzusetzen und auch über den Winter hinaus ein Teil dieses Klubs zu bleiben". Doch es gibt ein Aber: "Nur wenn der Verein signalisiert, dass er nicht mehr mit mir plant, müsste man sich zusammensetzen und das offen und ehrlich diskutieren." Wagner betont zwar stets, jeden Spieler zu brauchen, doch Skrzybski durfte nicht einmal in jenen Wochen ran, als die Trefferquote sämtlicher S04-Angreifer stark zu wünschen übrig ließ. Eine Ausleihe Skrzybskis im Winter zu einem Erstligisten oder einem ambitionierten Zweitliga-Team ist nicht ausgeschlossen, denkbar wäre ein Modell mit Kaufoption.

Charme hätte grundsätzlich auch eine Rückkehr zu Union Berlin. "Die Entwicklung verfolge ich mit großer Freude. Ich kenne noch so viele Leute im Verein, auch zu den Fans habe ich noch reichlich Kontakt", sagt der Angreifer mit strahlenden Augen über seinen Ex-Klub. "Ich stand lange Jahre mit ihnen in der Fankurve und habe die Verbindung danach nicht abreißen lassen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich nichts Besonderes bin, nur weil ich jetzt auf dem Feld stehe und nicht mehr mit ihnen auf der Tribüne."

Als Dirk Zingler am Mittwoch über die neue Welt sprach, in die der 1. FC Union Berlin im Mai aufgebrochen ist, da korrespondierten die Worte des Klubchefs wunderbar mit dem Zitat des portugiesischen Entdeckers Ferdinand Magellan, das hinter Zingler an der Wand der Präsidentenloge im Stadion An der Alten Försterei prangte. "Wer an der Küste bleibt", heißt es da, "kann keine neuen Ozeane entdecken."

Mit dem - erstmaligen - Aufstieg in die Bundesliga ist Union vor sechs Monaten zu neuen Ufern aufgebrochen. Oder, wie Zingler es am Tag der Mitgliederversammlung bei den Köpenickern formulierte: "Wir haben uns auf eine Reise begeben, die eine Menge Unbekanntes hat."

In dieser neuen Welt steht angesichts der guten Ausbeute von 16 Punkten nach zwölf Spieltagen in sportlicher Hinsicht die Erkenntnis, dass die Mannschaft von Trainer Urs Fischer "in der Bundesliga angekommen" ist, wie Zingler nicht ohne Stolz festhielt. In wirtschaftlicher Hinsicht aber sei man als Neuling noch lange "nicht wettbewerbsfähig" - trotz einer weiterhin positiven Entwicklung.

Für das zum 30. Juni 2019 abgelaufene Geschäftsjahr vermeldete der Verein seinen 34 681 Mitgliedern (13 287 mehr als noch vor einem Jahr) einen Überschuss von 248 000 Euro (Vorjahr: 195 000 Euro). Das klingt nicht spektakulär, und auch die Einnahmen (54,687 Millionen Euro) und die Ausgaben (54,439 Millionen Euro) sind im Ligavergleich nicht rekordverdächtig. Für Union bedeuten die Zahlen bei Einnahmen und Ausgaben dennoch den Vorstoß in eine neue Dimension. Ermöglicht hat das nicht zuletzt der Aufstieg. "Die Saison", sagte Zingler, "war von erheblichen Sondereffekten geprägt."

Dieser Ausnahmezustand dauert an, sogar mehr denn je. Denn für die Premierensaison in der Bundesliga planen die Eisernen mit einem Lizenzspieler-Etat von 31,275 Millionen Euro, Einnahmen von 74,481 Millionen Euro, Ausgaben von 74,356 Millionen Euro und einem Überschuss von 125 000 Euro (bei Klassenerhalt mit 36 Punkten). Dieser erneut geringe (vorgesehene) Überschuss mag angesichts der als Erstligist stark steigenden TV-Einnahmen (von 15,592 auf 35,998 Millionen Euro) verwundern, entspricht aber der seit Jahren verfolgten Strategie, dass Union die vorhandenen Mittel investiert, vor allem in den sportlichen Erfolg. "Wir verstehen die Bundesliga nicht, um stille Reserven für schlechte Zeiten zu bilden, sondern um uns sportlich weiterzuentwickeln", sagte Zingler und erklärte: "Es ist nicht mein Ziel, am Ende des Jahres Millionengewinne zu schreiben. Mein Ziel ist es, die Mittel für die Weiterentwicklung des Vereins einzusetzen."

Alle Kraft für den sportlichen Erfolg, da dieser Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität sei - so lautet das Credo. Dies bedeutet auch, dass ein radikaler Abbau des negativen Eigenkapitals (8,997 Millionen Euro) derzeit ebenso wenig Vorrang genießt wie eine massive Reduzierung der Verbindlichkeiten. Beides soll weiterhin stetig sinken. Ende Mai war durch die DFL - für weite Teile der Öffentlichkeit einigermaßen überraschend - bekannt geworden, dass der Konzern Union Berlin (der eingetragene Verein, die Stadionbetriebs-AG, die Verwaltungs-GmbH und die Veranstaltungs-GmbH) Verbindlichkeiten in Höhe von derzeit 44,361 Millionen Euro aufweist.

Laut Zingler rühren diese Verpflichtungen im Wesentlichen aus Infrastrukturmaßnahmen, dem Rückkauf und der Entwicklung von Rechten sowie Transfers - und seien kein Problem. Oskar Kosche, Unions Geschäftsführer Lizenzierung, könne jedenfalls "perfekt schlafen", so Zingler. Da Union Eigentümer des Stadions sei, über (im Wert stark gestiegene) Immobilien verfüge, zudem im Besitz der Merchandising-, Catering- oder Ticketing-Rechte sei, "ist unsere Vermögensseite viel, viel stärker als in der Bilanz ausgewiesen", so der Klubchef, der auch den geplanten Stadionausbau von 22 012 auf 37 000 Zuschauer nicht an der Finanzierung scheitern sieht. "Jede Bank", sagte der 55-Jährige, "gibt uns dafür liebend gerne Kredite."

Nachdem sich das Projekt verzögert hatte, will Union im Sommer 2020 Planungsrecht haben. Dann könnte laut Zingler etwa sechs Monate später mit dem Bau begonnen werden, vielleicht aber auch erst im Sommer 2021 oder noch später. Einen Schritt weiter ist man beim Neubau des Trainingsgeländes für den Nachwuchs. Hier werde bis Saisonende der Spatenstich erfolgen - zwei Jahre später als erhofft.

 
Bundesliga Live Stream © 2016 - Some rights reserved.