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Borussia Dortmund gegen FC Augsburg im Livestream am 17.08.2019
Samstag, 17. August 2019

Von einem prominenten Kollegen gelobt zu werden, mag ein Akt gegenseitiger Höflichkeit sein. Trotzdem ist auffällig, wie positiv sich Axel Witsel über Julian Weigl äußert, seinen Nebenmann auf Dortmunds Doppelsechs in Supercup und DFB-Pokal. "Ich mag es, mit ihm zu spielen", sagt Witsel, "und Julian mag es, das Spiel von hinten aufzubauen."

Heimlich, still und leise hat sich Weigl rechtzeitig vor dem Start den letzten freien Platz im BVB-Mittelfeld gekrallt. Ausgerechnet Weigl, möchte man sagen, jener Weigl, der in eben dieser Rolle abgeschrieben schien, in der Rückrunde der vergangenen Saison in die Innenverteidigung abkommandiert wurde und in ungewohnter Rolle viel Beifall seiner Vorgesetzten einheimste. Sportdirektor Michael Zorc: "Er hat seinen Job in der Innenverteidigung hervorragend gemacht."

Kein Geheimnis in der Branche war, dass Weigl mit neuem Berater an seiner Seite mindestens gedanklich vor dem Absprung stand, einen Vereinswechsel in diesem Sommer durchaus aktiv verfolgte und neben AS Rom mit französischen Klubs (Marseille, Lyon) in Verbindung stand. Lange flog der 23-Jährige auch unter Lucien Favres Radar, bis sowohl bei Dortmunds Trainer als auch im Verein ein Umdenken einsetzte: Weigl bleibt.

Die Konstellation Witsel/Weigl im defensiven Mittelfeld, die noch vor Kurzem als wenig erfolgversprechend galt, weil Dynamik und Torgefährlichkeit nicht unbedingt zu Weigls Markenzeichen gehören, hat sich im Laufe der sechswöchigen Vorbereitung nun doch als praktikabel erwiesen. "Jule", sagt Zorc, "interpretiert seine Rolle jetzt ein wenig offensiver, eher als Achter denn als Sechser. Er hat den richtigen Biss und die nötige körperliche Schärfe reingebracht."

Favre testete seit Beginn der Vorbereitung verschiedene Konstellationen im defensiven Mittelfeld, ließ Weigl mit Thomas Delaney spielen, Witsel mit Mo Dahoud oder Delaney mit Dahoud. Erst bei der Partie in St. Gallen (4:1) führte er Weigl und Witsel auf der Doppelsechs zusammen und hielt an dieser Paarung sowohl gegen Bayern München als auch gegen Uerdingen (jeweils 2:0) fest. Beim Pokal-Auftakt war Weigl bester Mann auf dem Platz, neben Manuel Akanji und Thorgan Hazard. "Ich konnte mich zeigen, habe jetzt zweimal das Vertrauen bekommen und konnte es zurückzahlen", sagt der seit 2015 in Dortmund beschäftigte Spieler.

Schon im Trainingslager hatte Torhüter Roman Bürki Dortmunds Nummer 33 ein glänzendes Zeugnis ausgestellt. "Jule", betonte Bürki, "spielt eine überragende Vorbereitung." Auf der USA-Reise experimentierte Favre mit Weigl sogar als Solo-Sechser - in Seattle (3:1) eine gute Stunde lang, gegen den FC Liverpool (3:2) über 45 Minuten - bevor ihn Witsel jeweils ablöste auf dieser Position. "Dass er im Supercup und auch im Pokal gespielt hat, zeigt, dass Weigl im Moment einen sehr guten Eindruck hinterlässt", sagt Lizenzspielerchef Sebastian Kehl.

Es ist eines der großen Ziele des FC Augsburg in seiner neunten Bundesligasaison: wieder als geschlossene Einheit aufzutreten. Der neue Slogan "Wir der FCA", den Trainer Martin Schmidt und Manager Stefan Reuter in diesen Tagen gerne auf T-Shirts tragen, steht symbolisch für dieses Vorhaben. Nach einem ungewohnt unruhigen Jahr will der Verein wieder zu den Werten finden, die ihn zu einem festen Mitglied der Bundesliga wachsen ließen. So weit, so gut. Die bisherigen Eindrücke allerdings nähren Zweifel an dieser Geschlossenheit. Noch immer befinden sich im Kader Spieler wie Philipp Max und Michael Gregoritsch, die den Verein am liebsten verlassen würden. Auch der blamable Auftritt beim Pokal-Aus in Verl (1:2) vermittelte nicht den Eindruck, dass in Augsburg etwas besser geworden wäre.

Besonders die Defensive präsentierte sich gegen den Viertligisten desolat. Nach 71 Gegentoren in der Saison 2018/19, gemeinsam mit Absteiger Hannover der schlechteste Wert der Liga, bleibt die Abwehr die größte Problemzone. Zum Ligastart gegen die pfeilschnelle Offensive des BVB muss Schmidt den Laden dichtmachen - aber wie? Die personellen Alternativen sind dünn. Ein neuer Mann für rechts hinten fehlt noch, Georg Teigl ist auf dieser Position eher eine Aushilfe als eine Lösung. Für Linksverteidiger Mads Pedersen, verpflichtet vom FC Nordsjaelland, dürfte der Sprung von der dänischen in die deutsche Liga groß sein. Immerhin ist mit Rani Khedira eine stabile Größe wieder fit für die Startelf und kann den Platz im Abwehrzentrum neben Marek Suchy einnehmen. Im Training probierte Schmidt zudem eine Variante mit Reece Oxford als zusätzlicher Absicherung zwischen Abwehr und Mittelfeld. Das könnte für Dortmund eine Option sein - von Beginn an oder später, wenn der Druck zunimmt.

Auf der Suche nach einem Innenverteidiger steht der FCA wegen Felix Uduokhai im Austausch mit dem VfL Wolfsburg. Allerdings muss in dieser Personalie abgewartet werden, wie sich die sportliche Perspektive des U-21-Nationalspielers bei den Niedersachsen kurzfristig entwickelt. Und dann wäre da noch die Sache mit der Ablöse. Der FC Southampton, der nun Augsburgs Kevin Danso auslieh, soll sich vor einigen Wochen mit Uduokhai (Vertrag bis 2022) beschäftigt, der VfL seinerzeit rund 15 Millionen Euro aufgerufen haben. Da Augsburg bei Weitem nicht die Finanzkraft eines Premier-League-Klubs hat, fällt die Wolfsburger Forderung nun entsprechend niedriger aus. Trotzdem bleibt fraglich, ob sich der FCA einen Kauf leisten kann. Ein Leihgeschäft könnte eine Möglichkeit sein, wenn Wolfsburg sich darauf einlässt. Oder der FCA hat noch einen Kandidaten in der Hinterhand.

Bayer Leverkusen gegen SC Paderborn im Livestream am 17.08.2019

Nach drei Fehlversuchen soll es gelingen. "Das Ziel ist es, sich direkt oben festzubeißen", sagt Sportdirektor Simon Rolfes zum Ligaauftakt, "wenn du das schaffst, hilft dir das die ganze Saison." Doch ist Bayer eingespielt genug, um direkt durchzustarten?

Die Vorbereitung verlief holprig. Und im Pokalspiel zeigte sich, dass es nicht nur in Sachen Restverteidigung klemmt, sondern auch in der Feinjustierung im Herzstück. Nadiem Amiri fehlte beim ersten Startelfeinsatz die Bindung. Dass Kai Havertz mit seinem neuen Partner im offensiven Mittelfeld nicht harmonierte, überrascht Rolfes nicht: "Das ist nach zwei Wochen auch nicht zu erwarten. Man sieht aber im Training: Vom Grunde her passen die Neuen gut rein." Amiri ist aber noch nicht mit den Automatismen und Laufwegen vertraut. Das blinde Verständnis fehlt, so wie dem Team die Läufe in die Tiefe.

All dies nimmt Havertz, dem genialen Kombinationsspieler, etwas von seiner Stärke. Auch wenn der Nationalspieler natürlich aufgrund seiner Klasse wie in Aachen Akzente setzt und sich selbst helfen kann. "Kai ist sehr variantenreich, er kann selbst in die Tiefe gehen", weiß Rolfes, dass der Star auch dafür eine Lösung parat hat. Doch im funktionierenden Verbund könnte er viel stärker sein. In der Vorbereitung hat er sich nach schleppendem Start entwickelt. "Er hat ein bisschen Anlauf gebraucht, aber er kommt immer besser rein", urteilt Rolfes. Havertz sagt: "Es ist klar, dass noch nicht alles funktioniert. Ich bin ja ein bisschen später eingestiegen. Es ist schwer, da in den ersten Spielen gleich zu glänzen. Das war mir klar." Auch der Verlust seines kongenialen Partners Julian Brandt (jetzt BVB) wirkt nach. Havertz dazu: "Man muss sich erst an die neuen Mitspieler gewöhnen. Ich habe mit Jule ja auch zwei Jahre zusammengespielt, bis es in der Rückrunde erst richtig gut funktioniert hat. Das braucht Zeit, aber es wird relativ schnell klappen."

Die Frage ist: Geht Peter Bosz das Risiko mit einer nicht so gut eingespielten Mannschaft ein? Oder setzt er auf möglichst viele Profis, die seine Idee seit Januar verinnerlicht haben? Dann könnte der Trainer neben Charles Aranguiz in der Doppelsechs auf Julian Baumgartlinger setzen, das bewährte Duo. Rekordeinkauf Kerem Demirbay würde nach vorne rutschen auf die Position neben Havertz - für Amiri. Klar ist: Ab sofort zählen Ergebnisse. Demirbay, Amiri und der flinke Moussa Diaby versprechen viel für die Offensive. Doch Bosz muss die richtige Dosis bei den Neuen finden. Damit sein sensibles Gebilde wieder funktioniert.

Ein Punkt zum Auftakt? Niemand in Paderborn hätte wohl etwas dagegen, wenn dies am Samstag die Ausbeute wäre. 2:2-unentschieden ging es am 1. Spieltag auch 2014/15 im ersten und bislang einzigen Bundesliga-Jahr des SCP aus, seinerzeit zu Hause gegen Mainz. Und 2:2 hieß es auch am 7. Spieltag jener Saison in Leverkusen.

Vor fünf Jahren mit von der Partie: Uwe Hünemeier, der einzige Spieler, der heute das Paderborner Trikot trägt und aus eigener Erfahrung weiß, wie sich ein Sieg gegen Bayer 04 anfühlt. Es war am 20. März 2010, als der inzwischen 33-Jährige auf der Bank von Borussia Dortmund saß - und beim 3:0 des BVB gegen Leverkusen in letzter Minute für Sebastian Kehl aufs Feld durfte. Wie Hünemeier zählt auch dessen Nebenmann und Kapitän Christian Strohdiek damals wie heute zum Aufgebot der Ostwestfalen, das sich ansonsten innerhalb von fünf Jahren deutlich verändert hat.

Das trifft auch für den Angriff zu. In jenem Mannschaftsteil, dem angesichts der auf Offensive ausgerichteten Spielphilosophie des Aufsteigers eine besondere Bedeutung zukommt, hat Steffen Baumgart pünktlich zum Start die Qual der Wahl. Ob der Trainer auf jenen Mann setzt, der in der vorigen Saison zehn Tore beisteuerte, muss sich zeigen. Sven Michel verpasste wegen Waden- und Knieblessuren einen Gutteil der Vorbereitung, am vergangenen Sonntag, beim Pokalsieg in Rödinghausen, wurde der 29-Jährige eingewechselt und glänzte mit einer Torvorbereitung für Streli Mamba. Der wiederum spielte sich als quirliger, trickreicher Akteur in den letzten Härtetests und zum Pflichtspielauftakt jeweils in die Anfangself, jüngst in Rödinghausen an der Seite von Ben Zolinski, Kandidat Nummer drei in vorderster Linie. Auch US-Boy Khiry Shelton, der vierte Stürmer, der am Sonntag gegen den Regionalligisten randurfte, machte seine Sache nach Einwechslung recht ordentlich.

Fünfte Tor-Option für Ex-Bundesligastürmer Baumgart ist seit dieser Woche wieder Babacar Gueye. Der Senegalese hat seine Wadenverletzung auskuriert und bereichert mit seinen 1,93 Metern Körpergröße die Möglichkeiten in der Luft. Für ihn wie für alle vier Konkurrenten wäre ein Einsatz zugleich das Debüt in der Bundesliga.

VfL Wolfsburg gegen FC Köln im Livestream am 17.08.2019

Am Mittwoch drehte er ein paar Laufrunden, dann ging er zurück in die Kabine. Wout Weghorst ist angeschlagen, aus dem letztlich erfolgreichen Pokalspiel in Halle (5:3 nach Verlängerung) brachte der Niederländer nicht nur sein erstes Saisontor, sondern auch noch eine schmerzhafte Sprunggelenkprellung inklusive Risswunde mit. Dennoch ist fest damit zu rechnen, dass der 27-Jährige am Samstag zum Auftakt gegen Köln aufläuft - Weghorsts Ehrgeiz ist in der Regel größer als so mancher Schmerz.

Und der Torjäger, der in seiner Bundesligadebütsaison 17-mal traf, hat schließlich auch viel vor. Er wolle noch wichtiger werden für seine Mannschaft, betont der dreimalige niederländische Nationalspieler, der zuletzt von Bondscoach Ronald Koeman nicht berücksichtigt wurde und mit aller Macht in einem Jahr zum niederländischen EM-Kader gehören will. Was also kann noch besser werden? Mit seinem Berater Simon Cziommer analysierte Weghorst die abgelaufene Saison und stellte fest, dass sein Kopfballspiel ausbaufähig ist. Drei seiner 17 Ligatore erzielte der 1,97 Meter lange Stürmer mit dem Schädel. "Ich finde, mit meiner Körperlänge muss ich mein Kopfballspiel verbessern. Das ist ein großes Ziel von mir."

Und wer Weghorst kennt, der weiß, wie hart er nun daran arbeitet. Und wie sehr es ihn ärgerte, dass am Montagabend im Pokal in Halle sein Kopfballtreffer wegen einer vermeintlichen Abseits-
stellung zurückgepfiffen wurde. Für ihn stehen nun viele Standards und Flanken auf dem Trainingsplan, um in der Luft noch stärker zu werden. Bayerns Robert Lewandowski nennt Weghorst als einen Stürmer, bei dem er sich was abschauen kann. "Es ist ein Gefühl, das du selber entwickeln und trainieren musst. Es geht um Timing, Sprungkraft, Explosivität. Das ist ein klarer Schritt, den ich machen will."

Einen Schritt hat Weghorst bereits gemacht, von den Kollegen wurde er in den Mannschaftsrat gewählt. Die Kapitäne Josuha Guilavogui und Koen Casteels wurden bestimmt, von den gewählten Spielern erhielt Weghorst die meisten Stimmen. Für den Angreifer eine große Anerkennung. "Das hat mich gefreut. Ich bin einfach immer ehrlich und sage auch, wenn mich etwas stört."

Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf im Livestream am 17.08.2019

Marco Friedl sprach es am Mittwoch nur beiläufig aus: "Wie lange Ludde raus ist, weiß man nicht", sagte der junge Österreicher über jenen Mann, den er beim Start gegen Düsseldorf vertreten darf: Linksverteidiger Ludwig Augustinsson. Drei Wochen ist es nun her, dass der Schwede gleich zu Beginn das Trainingslager in Grassau unterbrach und mit einer vermeintlich beruhigenden Diagnose wiederkam: Belastungsreaktion. "Eine gute Nachricht", fand Trainer Florian Kohfeldt damals. Denn: "Entscheidend ist, dass wir die Probleme nicht mit in die Saison nehmen." Genau das ist nun der Fall.

Dass Ausfallzeiten sich länger hinziehen als zunächst angenommen bzw. kommuniziert, bildet aktuell die Regel an der Weser. Speziell im Abwehrbereich ein Problem: Sebastian Langkamp sollte nach seinem Faserriss ursprünglich in Grassau wieder einsteigen, infolge eines Rückschlags fehlt er nach wie vor. Ebenfalls noch nicht wieder auf dem Rasen zu sehen: Milos Veljkovic, der nach seiner Zehen-OP gemäß einstiger Planung jetzt wieder belastbar sein sollte. Nun deutet alles darauf hin, dass beide Innenverteidiger zumindest die ersten drei Ligaspiele verpassen. In "Richtung Länderspielpause", also Anfang September, datierte Manager Frank Baumann am Mittwoch einen Comeback-Termin. Auch bei Augustinsson könne es "länger dauern", sagt Baumann, vorsichtshalber ohne dies näher zu definieren.

Das bedeutet: Trotz der Verpflichtung Ömer Topraks startet Werders Viererkette mit dem letzten Aufgebot. Was den Transferdruck auf Baumann hoch hält. Erklärtermaßen soll noch ein flexibler Außenverteidiger kommen, dann wären alle vier Abwehrpositionen doppelt besetzt.

Auch das wollten die Verantwortlichen grundsätzlich vermeiden. "Wenn alle fit sind, hätten wir einen zu viel", analysierte Kohfeldt vor einigen Wochen. Entsprechende Unzufriedenheit bei mindestens einem Akteur wäre die logische Folge. Nun aber diktiert die Personalmisere das Handeln. Unerwünschte Härtefälle im Saisonverlauf sind damit programmiert. Besonders Veljkovic und Langkamp dürften betroffen sein. Bleiben Toprak und Niklas Moisander fit, haben die aktuell Verletzten praktisch keine Einsatzchancen. Gerade für WM-Teilnehmer Veljkovic eine höchst unbefriedigende Perspektive. Der 23-Jährige, dessen Entwicklung ohnehin stagnierte, könnte so im Winter zum folgerichtigen Abschiedskandidaten mutieren. Falls dann wirklich alle Abwehrkräfte zur Verfügung stehen.

Im Vorjahr kamen überwiegend Spieler aus den beiden deutschen Top-Ligen: Matthias Zimmermann, Aymen Barkok, Alfredo Morales, Marvin Ducksch, Kenan Karaman, Kevin Stöger und Co. Mittlerweile geht Fortuna neue Wege bei Transfers, natürlich auch durch den Einfluss von Sportvorstand Lutz Pfannenstiel mit seinen weltweiten Kontakten. Vier Ghanaer gehören nun zum Kader des Vorjahres-Aufsteigers, zwei davon, Kasim Adams (Hoffenheim) und Bernard Tekpetey (Schalke/Paderborn) spielten allerdings schon hierzulande. Und auf gleich drei Spieler von Klubs der Premier League baut Trainer Friedhelm Funkel. Reif für die Insel? Im Gegenteil:

Zack Steffen hat bisher in den USA gespielt, bei Columbus Crew, über Düsseldorf will sich der US-Nationaltorhüter für England empfehlen. Pep Guardiola wird seinen Weg intensiv verfolgen; Manchester City kaufte den Torhüter für acht Millionen Euro, verlieh ihn gleich für ein Jahr nach Düsseldorf. In der Vorbereitung schwärmte Torwarttrainer Claus Reitmaier bereits von Steffen, der sehr athletisch ist, dennoch geschmeidig, stark auch mit dem Fuß und im Gegensatz zu dem derzeit verletzten Michael Rensing mutig im Rauslaufen. Im Pokal in Villingen stand Steffen bereits im Tor; er ist die logische Nummer 1 und feiert am Samstag sein Bundesligadebüt.

Lewis Baker, für ein Jahr mit Kaufoption ausgeliehen vom FC Chelsea, ließ seine Klasse am Ball bereits aufblitzen, soll sich aber, so Funkel, "noch mehr einbringen. Außerdem muss er sich noch an das Tempo gewöhnen". Überdies aber lobt der Trainer "tolle Diagonalbälle und feine Ballbehandlung" des zentralen Mittelfeldspielers. Gleichwohl wird Baker in Bremen wohl erst mal draußen sitzen.

Markus Suttner, in der Rückrunde bereits von Brighton & Hove ausgeliehen und mittlerweile (ablösefrei) fest verpflichtet, könnte in Bremen gleich zur Startelf gehören. Nicht anstelle von Niko Gießelmann, sondern gemeinsam mit ihm, in vorderer Position auf der linken Seite. Der Ex-Ingolstädter ist sowohl sehr engagiert in der Defensive und zweikampfstark als auch ein guter Vorbereiter. "Beide zusammen, das ist durchaus denkbar und hat sich schon bewährt", erinnert sich Funkel. "In dieser Besetzung haben wir gegen Gladbach gewonnen und auch in Dortmund sehr gut ausgesehen."

SC Freiburg gegen FSV Mainz 05 im Livestream am 17.08.2019

Auf seinen Körper konnte und wollte Luca Waldschmidt am frühen Samstagabend in Magdeburg nicht mehr hören. "Nach 120 Minuten sagt der nicht mehr viel. Der ist froh, dass es vorbei ist", formulierte es der Angreifer augenzwinkernd nach der kraftraubenden Pokalpartie - die allerdings auch ihr Gutes hatte.

Denn der letztlich erfolgreiche Pflichtspielauftakt im Pokal (1:0 nach Verlängerung) wurde direkt zum Ausdauertest über satte zwei Stunden Spielzeit. "Jetzt wissen wir auf jeden Fall, dass wir fit sind", urteilte Innenverteidiger Dominique Heintz zufrieden. Ein großer Spannungsabfall während der Spielzeit war bei den Freiburgern tatsächlich nicht zu erkennen, zugegebenermaßen betrieb der unterklassige Gegner aus Magdeburg aber auch den größeren Laufaufwand, der Sport-
club hatte dafür mehr Ballbesitz.

In der Liga wird das wohl wieder anders sein. Denn traditionell leben die Breisgauer in hohem Maße davon, dem Kontrahenten durch weite Wege wehzutun. 4090,84 Kilometer absolvierten die Spieler vergangene Saison in den 34 Partien, hinter Bayer Leverkusen (4132,16) der zweithöchste Wert in der Liga. Vor allem aufgrund der Arbeit gegen den Ball stoßen die Angreifer des SC gerne an die 13-Kilo-
meter-Marke. So kam Lucas Höler auf 12,72 Kilometer pro 90 Minuten Spielzeit, der inzwischen in Augsburg spielende Florian Niederlechner auf 12,89, Nils Petersen auf 12,33 und Waldschmidt auf 12,32 - Spitzenwerte der abgelaufenen Spielzeit. "Alles abarbeiten" nennt Trainer Christian Streich das gerne mantraartig. Das konsequente Anlaufen des Gegners und laufaufwendige Zustellen der Passwege ist nicht weniger als die Basis des Freiburger Spiels, befindet auch Petersen: "Natürlich wollen wir oft den Ball haben, auch in der Bundesliga. Aber es geht nicht immer. Am Ende wird es darauf hinauslaufen, dass wir viel gegen den Ball arbeiten müssen und durch Balleroberungen zu Torchancen kommen."

Dafür müssen Grundlagen vorhanden sein. "Wir brauchen hartes Training, um Power für die Bundesliga zu haben. Wir konnten bislang immer marschieren. Das hilft uns. Und das wollen wir beibehalten", sagt Streich. Und immer muss die Kraft ja nicht so lange halten, argumentiert Waldschmidt verschmitzt: "Länger als 120 Minuten wird es nicht werden." Sein Wunsch für diese Woche wurde ihm dennoch nicht erfüllt: "Für die Kondition war das Pokalspiel eine gute Einheit, vielleicht können unsere Fitnesstrainer ja jetzt etwas ruhiger machen."

VfB Stuttgart gegen FC St. Pauli im Livestream am 17.08.2019

Mit dem Saisonstart ist man zufrieden. Dennoch will man in Stuttgart beim Projekt Wiederaufstieg nichts dem Zufall überlassen. Nach dem 1:0 im Pokal in Rostock legte der Absteiger noch einmal auf dem Transfermarkt nach. Mit Wataru Endo (26) und Silas Wamangituka (19) stießen die Neuzugänge 19 und 20 zum Kader, inklusive der vier Talente aus dem eigenen Unterbau Sebastian Hornung, Antonis Aidonis, Luca Mack und David Grözinger, deren Perspektive sich im mittlerweile für rund 18,8 Millionen Euro aufgerüsteten Kader weiter verschlechtert hat.

Der VfB, der sich aktuell im Kaufrausch befindet, ist im Unterhaus auf Rekordjagd. Die Marke von 49 499 Zuschauern im Schnitt aus der Saison 2016/17 könnte in dieser ebenso fallen, wie es der gerade eingestellte Transferrekord getan hat. Die Verpflichtung von Wamangituka, einem Stürmertalent vom französischen Zweitligisten FC Paris, lässt sich der Traditionsklub rund acht Millionen Euro kosten. Der Kongolese ist damit zusammen mit Davie Selke (2015/16 von Bremen zu Leipzig) der teuerste Einkauf der Zweitliga-Historie. Der vor vier Jahren aufgestellte Spitzenwert für Transferausgaben mit 14,7 Millionen Euro wurde jetzt ebenfalls getoppt.

Man sei immer zum Handeln bereit, "wenn wir spannende Optionen auf dem Markt finden", erklärt Sven Mislintat zu den jüngsten Investitionen. Der Sportdirektor setzt offensichtlich auch eine Vorgabe des VfB um, wonach der Klub beim Personal das letzte Wort hat. So, wie es Thomas Hitzlsperger kurz nach dem Abstieg angekündigt hat. "Als Verein müssen wir eine Identität vorleben", hatte der Sportvorstand verkündet. Man werde jedem Trainer "klar sagen: Das ist hier der Standard. So wollen wir es in Zukunft haben". Dieser bringe "seine Persönlichkeit und seine Ideen mit. Aber wir geben auch vieles vor. Damit wir uns nicht immer abhängig machen und nicht alles über den Haufen geworfen wird, wenn ein neuer Trainer kommt".

Entsprechend defensiv äußert sich Coach Tim Walter über die Qualitäten von Endo, dem er einen "guten ersten Eindruck" bescheinigt. Über den Japaner, der bis 2020 für rund 300 000 Euro von K. Sint-Truidense VV ausgeliehen ist und für den eine Kaufoption über rund 1,5 Millionen Euro existiert, könne er aber in der Kürze der Zeit "nichts sagen. Ich wusste, dass er kommt, muss mir aber erst ein Bild von ihm machen".

Durch die vielen Zugänge wird es für die VfB-Talente sowie Jungprofis wie Mateo Klimowicz, Tongay Coulibaly und Roberto Massimo noch schwerer. Worin Mislintat auch Vorteile sieht. Schließlich wolle man nicht, "dass die Jungen den Druck verspüren, keine Zeit zur Entwicklung zu bekommen". Für einige wird der Weg über den VfB II in der Oberliga gehen.

Die Hoffnung auf einen Befreiungsschlag ist ebenso unerfüllt geblieben wie die Erwartung, Sicherheit in der neuen Formation mit Dreierkette zu erlangen - dennoch wollen St. Paulis Profis Zuversicht mitnehmen aus dem dürftigen Pokalauftritt beim Regionalligisten VfB Lübeck (4:3 i. E.).

"Wir haben erstmals seit April mal wieder ein Pflichtspiel gewonnen", erklärt Marvin Knoll nach dem Sieg im Elfmeterschießen, "dieses schöne und wichtige Gefühl nehmen wir mit nach Stuttgart." Ob das reicht, um dem turmhohen Favoriten ein ebenbürtiger Gegner zu sein? "Wir ziehen Kraft daraus, nach einem 0:2 zurückgekommen zu sein", versichert auch Daniel Buballa und sagt angriffslustig: "In Stuttgart ist mit uns zu rechnen."

Zumindest perspektivisch Hoffnung macht, dass sich das Lazarett langsam lichtet. Mittelfeldtalent Finn Ole Becker ist nach Wadenzerrung für den Samstag wieder startklar, auch Johannes Flum (nach Knie-Operation), Rico Benatelli (Oberschenkelverletzung) und Luca Zander (nach Schulter-Operation) sind zurück im Mannschaftstraining und tasten sich wieder an den Kader heran. Das beschert Jos Luhukay in den kommenden Wochen wieder personelle Alternativen - an alter Wirkungsstätte in Stuttgart indes muss er noch darauf setzen, dass das Gefühl des Sieges von Lübeck tatsächlich befreiende Wirkung hat.

Bundesliga Konferenz im Livestream 1.Spieltag am 17.08.2019

Sportlich hatte sich Rekordmeister FC Bayern beim Nord-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel im Pokal äußerst schwergetan, dafür aber Sympathiepunkte gesammelt, weil sich die Superstars viel Zeit für Selfie- und Autogrammwünsche genommen hatten. Drochtersens Kapitän Sören Behrmann verriet der Bild, dass ein Weltmeister ihm sogar das Trikot regelrecht hinterhergetragen hat. Unmittelbar nach Abpfiff hatte Behrmann Mats Hummelsnach einem Trikottausch gefragt. Der habe ihn gebeten, zu diesem Zweck in die Bayern-Kabine zu kommen. Doch dort wartete Hummels vergeblich, da Behrmann noch lange bei Freunden und Familie auf dem Platz verweilte. Also ging der Münchner Verteidiger wieder ins Stadion und fragte sich in der Menschentraube bis zum "Tauschpartner" durch. Behrmann: "Eine super Aktion von ihm, mir war das total unangenehm." Nachts bedankte er sich nochmals via Instagram bei Hummels und erhielt prompt eine Antwort: "Sehr gerne! Ihr habt uns das Leben echt schwer gemacht." Und der Trikottausch war nicht wesentlich einfacher.

Vor vier Jahren spielte Hendrik Weydandt noch in der Kreisliga beim TSV Groß Munzel, nach seinem Doppelpack im Pokal beim Karlsruher SC steht der Hannoveraner nun vor seinem Bundesliga-Debüt. 96 will den 23-Jährigen in der Öffentlichkeit schützen und lässt ihn deshalb bislang noch nicht zu Wort kommen - die Erwartungen geschürt haben die Niedersachsen aber dennoch: Weil der Angreifer auf den sozialen Kanälen der Sportschau fälschlicherweise als "Weynandt" betitelt wurde, twitterten die Hannoveraner: "Nichts für Ungut, liebe Sportschau, aber der Gute heißt Weydandt. Bestimmt hören wir seinen Namen aber demnächst auch des Öfteren." Auf die Antwort, bis zum kommenden Wochenende hätten sie den Namen drauf, setzte 96 mit einem Augenzwinkern noch nach: "Spätestens nach der dritten Bude!" Somit ist Weydandt trotz auferlegtem Spechverbot auch jetzt schon in aller Munde

Nach Dominik Kaiser im Sommer geht nun auch der letzte Aufstiegsheld, der den Weg von RB Leipzig von der Regionalliga bis in die Bundesliga mitgemacht hat: Fabio Coltorti beendet seine Karriere. Für den 37-jährigen Schlussmann hatte es bis zuletzt die Option gegeben, bei einem Abgang von Marius Müller erneut um ein weiteres Jahr zu verlängern. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich jedoch gegen eine Fortsetzung der Karriere und für seine Familie, die in Marbella lebt. Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick reagierte mit Verständnis und kündigte direkt einen großen Bahnhof an - wie Kaiser im Mai dieses Jahres soll Coltorti einen Tag nach dem Saisonfinale gegen Werder Bremen ein Abschiedsspiel bekommen.

17.08.2019 15:30 Uhr: Borussia Dortmund gegen FC Augsburg
17.08.2019 15:30 Uhr: Bayer Leverkusen gegen SC Paderborn
17.08.2019 15:30 Uhr: VfL Wolfsburg gegen FC Köln
17.08.2019 15:30 Uhr: Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf
17.08.2019 15:30 Uhr: SC Freiburg gegen FSV Mainz 05

Arminia Bielefeld gegen Erzgebirge Aue im Livestream am 17.08.2019

Einige Startelfplätze des DSC Arminia sind fest vergeben. Stefan Ortega (Tor), Manuel Prietl (Sechser) sowie Andreas Voglsammer und Fabian Klos im Angriff sind unantastbar und für die Begegnung gegen Erzgebirge Aue gesetzt. Dagegen sucht Trainer Uwe Neuhaus auf Rechtsaußen noch nach dem richtigen Spieler. In drei Pflichtpartien in dieser Saison haben sich dort mit Keanu Staude, Cebio Soukou und Joan Simun Edmundsson schon drei verschiedene Akteure ausprobiert. Die 1-a-Lösung scheint noch nicht gefunden. Die könnte Jonathan Clauss heißen, doch der wird aufgrund der Verletzung von Cedric Brunner weiterhin als Rechtsverteidiger gebraucht. Offen also, wer gegen Aue seine zweite Chance bekommt.

Auf den Achterpositionen durften sich Marcel Hartel und Nils Seufert im Pokalspiel bei Viktoria Berlin vorstellen, überzeugen konnten sie nicht. Edmundsson und Reinhold Yabo haben dort nun die Nase vorn. Auch die Innenverteidigung wird sich nach nur zwei Punkten in zwei Ligaspielen verändern. In den ersten beiden Begegnungen agierte neben Brian Behrendt Stephan Salger links im Abwehrzentrum, nun könnte er von Joakim Nilsson abgelöst werden. Aber auch der junge Amos Pieper (21) steht in den Startlöchern und hofft auf einen Einsatz.

Einer spielt sich derzeit vehement in den Vordergrund beim FC Erzgebirge: Tom Baumgart. In Fürth eine Torvorbereitung, gegen Wiesbaden ein Treffer, und im Pokal in Nordhausen erzielte der 21-Jährige den so wichtigen Ausgleich kurz vor der Pause, Aue siegte 4:1.

Dass sich der Stürmer in seinem zweiten Jahr bei den Veilchen so entwickelt, hatte sich Trainer Daniel Meyer erhofft, rechnen konnte er damit nicht. "Tom war schon ein Gewinner der Vorbereitung. Es tat mir schon ein bisschen weh, ihn in den ersten beiden Partien von der Bank zu bringen." Doch statt zu klagen, hat Baumgart weiter gearbeitet und sich belohnt. "In Nordhausen habe ich mich dann für ihn entschieden und musste dafür immerhin Philipp Zulechner auf die Bank setzen", so Meyer. "Das Tor macht Tom dann brutal gut. Genau dieser Zug zum Tor macht ihn aus."

In Bielefeld winkt Baumgart wieder die Startelf. "Im Sturm sind wir überragend besetzt. Ich habe auch Florian Krüger und Christoph Daferner, die stark drauf sind. In der Abwehr stellen wir uns von allein auf", sieht Meyer den Kader zweigeteilt.

Wehen Wiesbaden gegen Hannover 96 im Livestream am 17.08.2019

Tristesse in Hannover nach dem 0:2 in Karlsruhe, Frust und - zumindest beim leidgeprüften Anhang - auch eine gehörige Portion Wut über das bisher Gezeigte. Am Dienstag sah sich 96 auf der Vereinsseite dazu veranlasst, ein öffentlich gewordenes und schon zum "Krisengipfel" apostrophiertes internes Treffen der Verantwortlichen umgehend offiziell als "gemeinsame Gesamtanalyse nach den ersten drei Pflichtspielen" zu deklarieren.

Nur ein Punkt in der Liga, das Aus im Pokal beim KSC - dennoch also dem Vernehmen nach kein aus früheren Krisenzeiten bekannter "Antritt zum Rapport" beim vom bisherigen Verlauf enttäuschten Profiboss Martin Kind. Doch die beiden Macher, Sportdirektor Jan Schlaudraff und Trainer Mirko Slomka, hatten schon zu erklären, weshalb die Elf noch nicht funktioniert, welche Maßnahmen nun erforderlich und vor allem machbar sind.

Die Situation ist bestenfalls mittelprächtig, eher angespannt. Hoffnungen, beim "Neuanfang nach dem Umbruch" schon weiter zu sein, bleiben vorerst unerfüllt. Was nicht überraschen darf. Nüchtern betrachtet stehen aktuell noch in der Mehrzahl Spieler zur Verfügung, die in der Vergangenheit eher für den Misserfolg denn für optimistisch stimmende Leistungen stand. Zu den vielen Verbliebenen, die in Hannover in der abgelaufenen Saison sportlich das historisch schlechteste Vereinsergebnis einfuhren, gesellten sich weitere Akteure mit Dellen in der Vita. Torwart Ron-Robert Zieler stieg in Stuttgart fast ebenso desaströs wie 96 ab, der Ex-Wolfsburger Sebastian Jung unterdessen blickt persönlich auf eine jahrelange Verletzungsmisere zurück, die ihn schon wieder einholt. Marvin Ducksch erzielte in der Liga in Düsseldorf ein einziges Saisontor, spielte in der Rückrunde so gut wie keine Rolle mehr und droht angesichts seiner vergebenen Großchancen zum Sinnbild für die fehlende Treffsicherheit in der Offensive zu werden. Den schwierigen Turnaround schließlich scheint auch Mirko Slomka, selbst lange Zeit aus dem Geschäft, trotz großer Bemühungen nicht gleich hinzubekommen.

Ergo: Sportlich wie gedanklich muss dem Kader noch frisches Blut zugeführt werden. Mit dem nun erfolgten Verkauf von Problemspieler Walace für sechs Millionen Euro nach Udine tun sich die ganz großen Möglichkeiten auf dem Transfermarkt aber kaum auf. Nur einen Teil der Summe wird der von finanziellen Verlusten in den vergangenen Jahren gebeutelte Klub noch in Verstärkungen investieren.

Kreativität in Gestalt eines Fixpunktes im Mittelfeld scheint hier dringend nötig. Die Doppelsechs mit den Routiniers Marvin Bakalorz und Edgar Prib erweist sich in dieser Hinsicht als limitiert. Florent Muslija zeigt sich mit dem Auftrag, beim Zug zum Tor überdurchschnittliches Zweitliganiveau zu verkörpern, momentan ebenso überfordert wie Pendant Linton Maina. Könnte der Kölner Salih Öczan hier Abhilfe schaffen? Und bliebe noch Spielraum für weitere Transfers wie die von FC-Linksverteidiger Jannes Horn oder des schwedischen Stürmers Emil Hansson (Feyenoord)?

Ungeachtet solcher Personalien gilt es am Samstag in Wehen: Der erste Sieg, zumindest aber ein überzeugender Auftritt, muss her, ansonsten könnte die Stimmung früh gefährlich kippen. Noch sachlich und konstruktiv basteln Kind, Schlaudraff und Slomka am Idealzustand, allerdings unter zunehmendem "Hochdruck"-Einfluss. Dass die Großwetterlage in Hannover bekanntlich schnell stürmische Zeiten herbeiführen kann, bedarf keines erneuten Beweises.

Bayern München gegen Hertha BSC im Livestream am 16.08.2019
Freitag, 16. August 2019

Natürlich wäre er der neue Superstar der Bundesliga: Philippe Coutinho, der 2017 für 145 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Barcelona transferierte und damit zweitteuerste Fußballer der Geschichte. Er ist nach der Kreuzbandverletzung von Leroy Sané - Anriss, OP, sieben Monate Ausfallzeit - in den Fokus des FC Bayern gerückt. Die Münchner haben, so teilte es ein Klubsprecher der Katalanen der Süddeutschen Zeitung mit, ihr Interesse am Brasilianer bekundet. Und Coutinho selbst könnte sich einen Wechsel in die Bundesliga durchaus vorstellen. Ein Engagement beim deutschen Rekordmeister bezeichne er als reizvoll, die Liga als spannend, und auch der Klima-Unterschied zwischen Spanien und der bayerischen Landeshauptstadt würde ihn nicht stören.

Jetzt kommt das große Aber: Gleiches gilt für Coutinho auch mit Blick auf Paris, das sich derzeit im Austausch mit Barcelona befindet. Die Katalanen arbeiten gerade an der Rückholaktion vom 2017 für 222 Millionen Euro abgegebenen Neymar - und Coutinho soll ein Teil dieses Deals sein. PSG fordert für den brasilianischen Superstar mindestens zwei Spieler - dazu soll in jedem Fall der Ex-Liverpooler gehören, auch Arturo Vidal oder Nelson Semedo könnten in diesem Tauschgeschäft verrechnet werden. Am Dienstag soll Barcelona zwei Angebote abgegeben haben, und die Gespräche sollen nach Medien-Informationen aus Barcelona-Sicht bislang positiv verlaufen sein.

Bald wird das Feilschen fortgesetzt werden. Ob das schon an diesem Donnerstag und Freitag beim ECA-Treffen in Liverpool passiert, wo sich die Klubbosse europäischer Topvereine begegnen, ist unklar. Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu wird nicht vertreten sein. Trotzdem könnte in der Causa Neymar noch in dieser Woche Klarheit herrschen, schließlich drängt bei allen Beteiligten die Zeit. Gelingt es Barca, das Geschäft rund um Neymar abzuschließen, wären die Chancen der Münchner wohl dahin. Nur wenn der angedachte spektakuläre Transfer doch noch auf der Zielgeraden scheitert und etwa Real Madrid den Zuschlag erhält, hätten die Bayern gute Chancen auf Coutinho.

Dass die Münchner - nach Ivan Perisic, der den Kader in der Breite auffüllt - weitere Verstärkungen benötigen, ist kein Geheimnis. "Es ist Fakt, dass wir noch etwas brauchen", sagte Niko Kovac am Mittwoch: "Für die Ziele, die man sich steckt, braucht man einen guten Kader - nicht nur in der Breite, sondern auch in der Spitze." Gewollt sind ein Flügelspieler aus dem oberen Regal und ein Back-up-Stürmer für Robert Lewandowski. Für den Angriff könnte mit Mario Mandzukic ein alter Bekannter zurückkehren. Der Kroate spielte schon 2014 bei der WM in Brasilien unter Coach Kovac, gehörte 2013 auch zum Triple-Ensemble des FCB. Kovac möchte den 33-Jährigen unbedingt, auch um mehr Rückhalt in der Kabine zu gewinnen - es wird ernster. Mit Mandzukic und Perisic hätten die Bayern ihre beiden Verstärkungen in der Breite des Teams. Damit würde - neben einem modernen Sechser - nur noch der Königstransfer fehlen: Der Deal mit Coutinho ist in Gefahr, droht zu platzen, was den Ursprungsplan mit Leroy Sané verstärkt am Leben hält.

Es war ein Auftritt für die Geschichtsbücher. Und danach sagte Dodi Lukebakio: "Als ich auf den Platz kam, hab’ ich nicht über den Gegner nachgedacht." Er grübelte nicht, sondern erledigte seinen Job mit größtmöglicher Coolness an jenem 24. November 2018 in der Allianz-Arena zu München. Das erste Tor: Jean Zimmer tunnelt Jerome Boateng, Lukebakio dreht sich und trifft mit rechts ins kurze Eck. Das zweite Tor: nach einem Pass von Niko Gießelmann ein langer Sprint von Lukebakio über halblinks, Abschluss mit links, drin. Das dritte Tor als Schluss- und Höhepunkt in einem: Lukebakio schüttelt Niklas Süle ab und trifft durch Manuel Neuers Beine, 3:3, Punkt für Düsseldorf, Ende. Lukebakio war der erste Bundesliga-Spieler seit Ebbe Sand im April 2001 (3:1 für Schalke), der in München gegen die Bayern dreimal traf. Geglückt war das zuvor auch Marek Lesniak (1993 beim 3:3 mit Wattenscheid), Detlev Szymanek (1976, beim 4:7 mit Hertha) und Klaus Toppmöller (1976, beim 4:3 mit Kaiserslautern). Viermal traf Klaus Fischer (1976, beim 7:0 mit Schalke). "Es war", sagte Lukebakio, "das beste Spiel meiner Karriere."

Seine Karriere will der Mann, der im Vorjahr als Leihgabe des FC Watford Fortuna Düsseldorf maßgeblich beim Unternehmen Klassenerhalt half, jetzt in Berlin voranbringen. Hertha zahlte für ihn
20 Millionen Euro Ablöse - und pulverisierte den bisherigen Transferrekord (8,5 Mio. für Davie Selke an RB Leipzig/2017). Dass es Lukebakio ausgerechnet zum Ligastart wieder nach München verschlägt, ist eine nette Pointe. "Ich bin bereit", sagt der Stürmer. Aber da er nach der U-21-EM, bei der er mit Belgien in der Vorrunde ausschied, und dem Wechsel-Poker erst am 2. August und damit einen Monat nach den Kollegen bei Hertha ins Training einstieg, ist er noch nicht bei 100 Prozent.

Im DFB-Pokal gegen Bayern-Regionalligist VfB Eichstätt (5:1) gewährte ihm Ante Covic 23 Joker-Minuten. Am Freitag überlegt er, ihn erstmals von Beginn an zu bringen - aus sportlichen und psychologischen Erwägungen. "Diese drei Tore bleiben allen in Erinnerung", sagt Covic, "ihm selbst und allen Beteiligten." Den Kurzauftritt im Pokal fand der Coach verheißungsvoll: "Dodi hat drei-, viermal angezogen und gezeigt, welche Klasse er hat." Entscheiden will sich Covic erst kurzfristig und eher "aus dem Bauch heraus". In München ist man nach der Gala Lukebakios im Vorjahr hinlänglich gewarnt. "Hertha hat sich gut verstärkt", sagt Bayern-Coach Niko Kovac. "Aber wir rechnen damit, dass solche Gegentreffer, wie wir sie letzte Saison gegen Lukebakio gekriegt haben, nicht passieren."

 
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