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Bayer Leverkusen gegen Hamburger SV im Livestream am 24.09.2017
Sonntag, 24. September 2017

Nächster Rückschlag für Bayer 04. Nach dem überzeugenden 4:0 gegen Freiburg konnte die Werkself in Berlin nie an die jüngste Leistung anknüpfen und kassierte bereits ihre dritte Saisonniederlage. Mit nur vier Zählern nach fünf Spielen läuft der Champions-League-Telnehmer der Vorsaison den eigenen Ansprüchen schon hinterher. In Berlin lag dies wie bei der 1:3-Pleite in Mainz an gravierenden Aussetzern bei den Gegentoren. Dass Herthas Leckie beim 0:1 von Wendell und Kohr nicht ernsthaft gestört wurde, hatte nichts mit Fehlern im System, sondern nur mit einer Mischung aus Inkonsequenz und Naivität zu tun. Noch schlim mer war die Schlafmützigkeit vor dem 0:2, als das Team von Heiko Herrlich eine simple Einwurfsituation verpennte, durch die Hertha die komplette Bayer-Defensive düpierte. Anfängerhaft. Die Niederlage stellt einen herben Dämpfer dar. Schließlich bestand die Chance mit einer Neun-Punkte-Woche den Fehlstart auszugleichen. Doch jetzt steht Bayer am Sonntag gegen den HSV wie schon gegen Freiburg extrem unter Druck. Völlig unnötig, hat sich doch das Spiel der Werkself, unabhängig vom Auftritt in Berlin, unter dem neuen Trainer in die richtige Richtung entwickelt.

Dies belegt der Blick auf die Statistik. Bei den zugelassenen Chancen (20) rangierte die Werkself auf Rang 8. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison war Bayer 04 in diesen Kategorien 5. (eigene) bzw. 14. (zugelassene Chancen). Auch die Werte beim VerteidigerPacking haben sich klar verbessert. Dieses gilt als aussagekräftig beim Vergleich zweier Teams. Wer in den 90 Minuten mehr gegnerische Verteidiger (gewertet werden als solche die letzten fünf Feldspieler des Gegners) überspielt, gewinnt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Partie. Hier ist der Sprung von Bayer enorm: Lag man 2016/2017 mit ei nem Wert von -6 auf dem 16. Rang, so war man nach dem 4. Spieltag mit +15 alleiniger Spitzenreiter. Die Verbesserung um 21 überspielte Verteidiger pro Partie bedeutet, dass sich das Chancenverhältnis für Bayer pro Spiel um mindestens vier Möglichkeiten verbessert hat. Denn fünf überspielte Verteidiger sind statistisch damit gleichzusetzen, dass ein Angreifer frei vorm gegnerischen Tor auftaucht. Werte, die zeigen, dass sich Bayer unter Herrlich verbessert hat. Bei diesen ist Bayer Spitze – bei Aspekten wie der Chancenverwertung und dem Minimieren eklatanter Patzer ist die Mannschaft aber noch weit von einem Spitzenteam entfernt.

Der Realitätssinn ist mittlerweile ausgeprägt in Hamburg. „Die sechs Punkte aus den ersten beiden Spielen im Rücken tun uns gut“, weiß Markus Gisdol. Weil Mittwoch zum dritten Mal in Folge keine weiteren Zähler und Tore dazukamen. Da auch das Personal weiter ausdünnt, droht für den HSV in dieser Verfassung das Polster bald aufgebraucht zu sein. Gegen Dortmund hatte sich mit Albin Ekdal ein weiterer Eckpfeiler abgemeldet, weil wieder mal der Rücken Probleme bereitet. Gisdol hatte auf die Ausfallserie mit einer Systemumstellung reagiert, seine Startelf in einem 4-3-3 aufgeboten – wieder mit Bobby Wood nach Kniereizung und erstmals mit Sejad Salihovic. Der erst vor einer Woche aus der Arbeitslosigkeit verpflichtete Bosnier hilft damit schon jetzt weit mehr, als es selbst Optimisten vermutet hätten – und ist doch ein Ausdruck des HSV-Dilemmas dieser Tage: Es fehlen Alternativen auf eigentlich allen Positionen, und auch Gisdols Aussage, es gehe ihm „auf den Keks, ständig über unsere Verletzten zu reden“, ist in Wahrheit nicht mehr als ein Versuch, das Rest-Personal starkzureden.

Exakt dies hatte er auch mit seinem Kapitän versucht. Gotoku Sakai gab gegen die Borussia sein Startelf-Debüt in dieser Spielzeit. „Er wirkt nach seiner nicht so starken Vorbereitung wieder frischer“, hat der Coach den Wechsel von Douglas Santos hin zum Japaner begründet – und nun gleich zwei Probleme: Der Olympiasieger von 2016 kennt nach einer vergebenen Startelf-Chance in Hannover und der direkten Rotation auf die Bank endgültig seinen Status bei Gisdol; Sakai hingegen hat die Möglichkeit gegen den BVB ebenfalls nicht genutzt, wirkte nicht nur überfordert in den Duellen mit Andrej Yarmolenko, sondern offenbarte mit ungewohnten Stockfeh lern auch, wie groß die Verunsicherung nach dem schwachen persönlichen Saisonstart ist. Gisdols Sorgen werden zum Ende der englischen Woche immer größer. Aaron Hunt steigert zwar sein Trainingspensum, wird aber voraussichtlich noch nicht in Leverkusen zurückkehren, bei Wood wird von Spiel zu Spiel entschieden, wie das Knie auf die Belastung reagiert, und ist seit Monaten ohnehin keine Hilfe. Nöte, die das Interview von Klaus-Michael Kühne im Handelsblatt beinahe in den Hintergrund rücken. Der Anteilseigner hatte angekündigt, vorerst keine frischen Millionen mehr in den Kader pumpen zu wollen. Bevorzugt würde der HSV gern ohnehin ohne Kühne auskommen – die aktuelle Entwicklung indes lässt Zweifel an der Realisierung dieser Pläne aufkommen.

Hannover 96 gegen FC Köln im Livestream am 24.09.2017

Sportlich lief es bis Mittwoch mehr als ordentlich für Hannover. Hinter den Kulissen aber gibt es massive Probleme. Stein des Anstoßes: Martin Andermatt, seines Zeichens offiziell SportausschussVorsitzender im Aufsichtsrat der Fußball-GmbH; inoffiziell eine Art Supervisor, der – ausgestattet mit speziellem Beratervertrag – sämtliche operativen Aktivitäten begleitet und mit entscheidet. „Vier Köpfe für mehr Klasse“. Dort sollen Manager Horst Heldt, Trainer André Breitenreiter, der Sportliche Leiter Gerhard Zuber und eben Andermatt ein kompetentes Quartett vor allem bei der Kaderplanung bilden. Das funktionierte zuletzt nur auf dem Papier. „Vier sind einer zu viel“, gilt inzwischen womöglich für die Konstruktion. „Wir müssen schauen, wie tragfähig sie ist“, deutet Manager Heldt zu etwaigen Disharmonien befragt lediglich an und belässt es bei dieser Feststellung: „Fakt ist, dass wir uns unter dem Strich für die Saison gut aufgestellt haben.“

Trotz Andermatt und dessen Einflussnahme. Denn diese und das Ansinnen von Klubboss Martin Kind, den 55-Jährigen mit noch mehr Befugnissen auszustatten, beschwor nach Medien-Informationen beinahe den großen Knall herauf, bei Manager Heldt weckte es dem Vernehmen nach Rücktrittsgedanken. Das Gremium stand vor dem Zerwürfnis. Nur knapp schrammte der Aufsteiger daran vorbei, ehe sich die Wogen vorerst glätteten. „Es gibt die Überlegung, wie wir in Zukunft noch stärker seine Intentionen und Ambitionen nutzen können“, hatte Kind zur Rolle seines Schweizer Vertrauensmanns angekündigt. Ein Vorhaben, das der 73-Jährige jedoch zunächst auf Wiedervorlage gelegt hatte und das nun insgesamt infrage steht. „Es sind doch normale Prozesse, dass man bei verschiedenen Spielern über Kosten, Nutzen und die Zukunft diskutiert“, relativierte derweil Andermatt am Mittwoch, „da sehe ich keine Probleme. Die gibt es eher, wenn alle nur nicken.“ Operativ im sportlichen Bereich tätig sei Heldt, für die Belange des Aufsichtsrates dessen Vorsitzender Gerhard Schröder verantwortlich, so Andermatt, der zum eigenen künftigen Rollenverständnis betont: „Ich bin in Hannover als Aufsichtsratsmitglied und in beratender Funktion tätig. Das wird weiterhin so gehandhabt. Es geht dabei auch um das Gesamtkonstrukt und die strategische Ausrichtung des Vereins.“ Doch spätestens zur nächsten Transferperiode steht bei 96 auch das angespannte Binnenverhältnis der vier Macher auf dem Prüfstand.

Die kommenden Tage, vielleicht Wochen, werden zeigen, ob der 1. FC Köln in den vergangenen vier Jahren tatsächlich ein anderer, ein besserer Verein geworden ist. Fünf Niederlagen in Serie bedeuten bereits jetzt eine schwere Hypothek für die gesamte Saison. „Kölle Alarm“ heißt die Devise, alle Sinne müssen nun geschärft werden, nichts anderes als der Klassenerhalt ist seit Mittwochabend die Zielsetzung. „Die Ritterrüstung an, Kopf hoch und durch“, fordert Geschäftsführung Jörg Schmadtke. Sein Rezept: „Wir müssen den Jungs jetzt viel Vertrauen schenken, die Mannschaft in eine Lage versetzen, dass sie bessere Leistungen abliefert.“ Also: Ruhe ist erste Bürgerpflicht. Gegen Frankfurt stand bis auf Jhon Cordoba eine „Kölner“ Mannschaft auf dem Rasen, „Spieler, die den FC kennen, die seine DNA verkörpern“, so Schmadtke vor der Partie. Ein Team also, das in der Vorsaison streckenweise begeisterte, nun aber dramatischen Formverfall präsentiert – und dessen Defizit durch den sensationellen Lauf eines Anthony Modeste übertüncht wurde. Schon damals klaffte in Sachen Torgefahr eine große Lücke hinter dem Franzosen, nunmehr tut sich ohne ihn ein Krater auf, in dem sich alle Hoffnungen auf eine „normale“ Saison längst verloren haben. Modestes Verkauf war alternativlos, sein Ersatz agiert bislang glücklos.

Die aktuelle Misere allerdings an Cordoba festzumachen, hieße, die Tatsachen zu verkennen. Das Problem ist ja nicht neu. Es sorgt nun für nicht erwarteten Misserfolg. Torwart Timo Horn sprach zunächst über die katastrophale Leistung des Schiedsrichters: „Was passiert ist, ist unfassbar. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Es ist wie im falschen Film.“ Doch der stets realistische Keeper fügte an: „Wenn du in fünf Spielen nur ein Tor erzielst, dann wird es schwer, in der Bundesliga zu punkten.“ Vertrauen – die Forderung von Schmadtke geht alle in Köln an. Trainer, Mannschaft, Bosse, Fans. Sind sie Gefangene der Vergangenheit? Oder Architekten der Zukunft? Lange genug sei man zusammen, um dieses Vertrauen aufzubringen, führte Trainer Peter Stöger nach der Pleite an. In Köln neige man nicht zu Aktionismus: „Die Dinge werden deutlich angesprochen. Aber die Grundidee, wie wir mit der Mannschaft umgehen, die wird sich nicht ändern. Würde ich etwas komplett anders machen, würde ich die Glaubwürdigkeit verlieren“, so Stöger, darauf habe er keine Lust: „Wir kennen uns und wissen, wie wir da rauskommen können. Aber wir wissen auch, dass es schwer wird, die Europa League zu erreichen.“ Dieser Wettbewerb stört aktuell. Auf dem Platz kann nur regenerativ gearbeitet werden, ohnehin ist Kopfarbeit gefragt. Matthias Lehmann: „Da spielen sich 80 Prozent ab.“ Über eines sind sie sich immerhin im Klaren: „Bis zum Winter“, sagt Stöger, „hängen wir unten drin. Das ist schwierig, das ist neu.“

VfL Bochum gegen FC Ingolstadt im Livestream am 24.09.2017

Wahrnehmungsstörung, Trotz oder doch Enttäuschung? Alfredo Morales’ Beurteilung des mageren 2:2 gegen den MSV Duisburg hinterließ am Dienstag staunende Gesichter. „Wir haben billige Tore bekommen, sonst haben wir alles gut gemacht. Wir sind sehr gut in den letzten Spielen, haben alles reingeworfen, zeigen sehr gute Ansätze, alles top.“ Nun ja: Seit dem Trainerwechsel zu Stefan Leitl hat der FCI sieben Zähler in vier Partien geholt, das ist akzeptabel. Er hat dabei aber auch in den Heimspielen gegen Aue (1:2) und nun Duisburg die große Gelegenheit verpasst, sich aus dem Tabellenkeller abzusetzen und sogar den Anschluss nach oben her zustellen. Und wirklich gut war die Darbietung gegen Aufsteiger Duisburg sicher nicht. Außer den beiden Standardtoren durch Hauke Wahl fiel der Offensive wenig ein, die Defensive patzte erneut zu oft. So hängt der Absteiger mit im Schnitt einem Zähler pro Partie im unteren Drittel fest, zu wenig für die Ansprüche und diesen Kader. Dennoch spricht viel für eine dauerhafte Lösung mit Leitl, der in der Kürze seiner Amtszeit nicht alle Probleme lösen konnte. Ersichtlich wurde, dass der FC Ingolstadt nach dem Wechsel im Tor weiter ein Problem auf dieser Position hat: Örjan Nyland strahlte zum wiederholten Mal keine Sicherheit aus.

Greuther Fürth gegen FC Nürnberg im Livestream am 24.09.2017

Mit einem guten Gefühl war die SpVgg nach dem 3:1 gegen Düsseldorf nach Braunschweig gereist. Dort setzte es eine deftige 0:3-Schlappe. Individuelle Fehler, vor allem beim 0:2, als drei Spieler hintereinander patzten, entschieden früh die Partie. Der erste positive Effekt nach dem Trainerwechsel von Janos Radoki zu Damir Buric ist bereits ein wenig verpufft. Aber klar, auch der 53-Jährige kann nicht zaubern. Die SpVgg ist wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Ein konstantes Spiel über 90 Minuten abzuliefern ist für das Team ein Problem. Altbekannte Schwächen wie die Zweikampfquote, das lahmende Spiel über die Flügel und Schwierigkeiten, ins letzte Drittel zu kommen, traten wieder auf. Die Lage bleibt angespannt. Noch ist der Abstand zum Mittelfeld gering. Am Sonntag steigt das wichtige Derby gegen Nürnberg. In diesem sahen die Fürther in den vergangenen Jahren immer gut aus. Eine Garantie ist das in der aktuellen Phase nicht.

SV Darmstadt gegen Dynamo Dresden im Livestream am 24.09.2017

Das späte 2:2 durch Kapitän Aytac Sulu kaschierte beim SV Darmstadt 98 eine abermals äußerst durchwachsene Vorstellung. Einer mittelmäßigen ersten Hälfte folgte eine – mit Ausnahme der letzten fünf Minuten – indiskutable zweite. Dabei hatte Trainer Torsten Frings mit seiner Aufstellung Mut bewiesen. Denn erstmals von Beginn an setzte er mit Felix Platte und Artur Sobiech auf zwei echte Spitzen. Beim 1:1 sollte sich dies auszahlen, Platte legte nach Flanke von Sandro Sirigu artistisch für Abstauber Sobiech auf. Ansonsten blieb der Angriff trotz der nominell offensiven Darmstädter Ausrichtung ein laues Lüftchen.

Mit Vorteilen im Zweikampfverhalten, Kopfball-Spiel, mit höherer Aggressivität, mehr Ballsicherheit und einem Plus an Chancen hätte der Sieger eigentlich nur Heiden heim heißen dürfen. Doch wie bei den alles andere als überzeugenden Auftritten gegen Fürth, Kaiserslautern und Duisburg kamen die Lilien mit einem Punktgewinn davon. Spannend bleibt bis zum Heimspiel gegen Dresden, ob Frings das Experiment mit zwei Angreifern zur Dauereinrichtung macht. Für den zuletzt etwas schwächeren Marvin Mehlem – zu Rundenbeginn auffälligster Darmstädter, am Mittwoch aber nicht mal im Kader – wäre im 4-4-2 am ehesten zentral im Mittelfeld Platz. Dafür müsste Frings aber einen defensiveren Akteur opfern – am ehesten den gegen Heidenheim schwachen Wilson Kamavuaka, da Hamit Altintop gesetzt scheint. Die Zwischenlösung zwischen Kamavuaka und Mehlem wäre Yannick Stark, der in Heidenheim nach seiner Einwechslung etwas Schwung brachte.

Dynamo Dresden sucht weiter nach seinen Rhythmus: Gegen Bielefeld gaben die Schwarz-Gelben die Partie abermals in den Schlussminuten aus der Hand und mussten am Ende eine 0:2-Niederlage hinnehmen. Und erneut war es ein individueller Patzer, der Dresden in Rückstand brachte – ausgerechnet begangen von dem nach einer Verletzung in die Innenverteidigung zurückgekehrten Routinier Sören Gonther. Im Anschluss wählten die geschockten Sachsen mit überhasteten hohen Bällen die falschen Mittel, die Brechstange brachte nichts. „Mit dem 0:1 ist eigentlich nichts passiert. Da erwarte ich mehr Power und eine ganz andere Körpersprache“, analysierte Kapitän Marco Hartmann. Und Trainer Uwe Neuhaus fügte hinzu: „Man kann sagen: viermal rotiert, alles falsch gemacht. Das wäre zu einfach, aber natürlich werden wir die Dinge hinterfragen. Wir müssen jetzt Körner sammeln und die Aufgaben in Darmstadt anders angehen als gegen Bielefeld.“

Borussia Dortmund gegen Mönchengladbach im Livestream am 23.09.2017
Samstag, 23. September 2017

Beste Offensive, beste Defensive. Eine beeindruckende Borussia grüßt auch nach fünf Spieltagen unangefochten vom Platz an der Sonne. US-Boy Christian Pulisic setzte mit dem 3000. Bundesliga-Tor des BVB den Schlusspunkt in Hamburg. Zuvor hatte Pierre-Emerick Aubameyang sein Konto gegen den erklärten Lieblingsgegner auf mittlerweile 13 Torbeteiligungen (neun Treffer, vier Assists) erhöht. Schon in der ersten Hälfte stellte Shinji Kagawa dabei die Weichen auf Sieg. Es war bisher nicht die Saison des Japaners gewesen. Sein symbolträchtig während der Asienreise bis 2020 ausgedehnter Vertrag hatte ihm im bisherigen Saisonverlauf kein Abonnement auf einen Platz im Dortmunder Mittelfeld eingebracht. Kagawas Handicap: Wegen einer in der Nationalmannschaft erlittenen Schulterverletzung stieg er verspätet in die Vorbereitung ein. Und als er seinen Rückstand aufgeholt hatte, mochte Trainer Peter Bosz das aus Gonzalo Castro, Nuri Sahin und Mario Götze bestehende MittelfeldTriumvirat nicht auseinanderreißen. Seit dem Champions-LeagueStart bei Tottenham Hotspur lässt Bosz rotieren – und Kagawa wieder von der Leine. Sein Tor feierte der 28-Jährige überschwänglich wie selten; es muss für ihn eine Erlösung gewesen sein, sich wieder maßgeblich an der Dramaturgie einer Dortmunder Partie beteiligen zu können.

Unter Thomas Tuchel waren in der vergangenen Saison immerhin zwölf Torbeteiligungen für Kagawa notiert worden – fünf Treffer erzielte er selbst, sieben weitere bereitete er vor. Erneut einen glänzenden Auftritt legte Andrey Yarmolenko hin. Bei dem Last-Minute-Einkauf und Dembelé-Nachfolger bewahrheitete sich erneut, „dass er uns sofort weiterhelfen kann“, wie Sportdirektor Michael Zorc bei der Verpflichtung des Ukrainers festgestellt hatte. Der 25 Millionen Euro teure Yarmolenko hat sich in Rekordzeit als „hervorragende Ergänzung für den Offensivbereich“ entpuppt. In nur drei Spielen kristallisierte sich heraus, warum Zorc den neuen Rechtsaußen des BVB als „logische Verpflichtung“ bezeichnete. Mit dem 3:0 in Hamburg feierte Dortmund einen Jubiläumssieg, den 750. in der Bundesliga. Gleichzeitig stellten die weiter gegentorlosen Westfalen einen neuen Vereinsrekord auf: Seit nun mehr 450 Minuten verteidigt Roman Bürki die weiße BVB-Weste. Dortmunds bisherige Bestmarke zu Saisonbeginn datierte aus dem Jahr 2001/02; damals knackte Hasan Salihamidzic den schwarz-gelben Abwehrwall nach 382 Minuten. Mario Götze verfolgte die Partie beim Hamburger SV nur aus der Zuschauer-Perspektive. Der Mittelfeldspieler flog zwar mit nach Hamburg, wurde dann aber von Bosz nicht ins 18er-Aufgebot berufen. Offizielle Begründung: die „noch nicht ausgeheilte Zahnverletzung“ aus der Partie in London (1:3) vor einer Woche. Schon gegen Köln (5:0) hatte Götze deshalb auch pausieren müssen.

Ein Torjäger, ein Torhüter und ein Talent – drei große „Ts“ drückten dem Spiel gegen Stuttgart den Stempel auf. Das Trio sorgte damit auch für die drei wichtigsten Erkenntnisse in einer Phase, die sich bei zehn verletzungsbedingten Ausfällen zwangsläufig etwas komplizierter darstellt. Das erste Signal kam am Dienstag von Torjäger Raffael. Nach zähem Saisonstart und zu wenig Zählbarem für einen Mann seiner Klasse (kein Tor, keine Vorlage an den ersten vier Spieltagen) war es der „Maestro“, der den schwäbischen Abwehrriegel zu knacken verstand. Sein 1:0 leitete er dabei sogar selbst ein; technisch ganz fein die Direktabnahme nach Nico Elvedis scharfer Hereingabe. „Raffael kann solche Bälle eben verwerten. Dieses Tor war der Dosenöffner“, sagte der Schweizer Passgeber. Die Diskussion um die fehlende Torproduktion der prominent besetzten Offensive, die nach der 0:1-Heimpleite gegen Frankfurt eingesetzt hatte, ist schon wieder Vergangenheit. Beim 2:2 in Leipzig trafen Thorgan Hazard und Lars Stindl. Jetzt ist auch beim brasilianischen Ballkünstler der Knoten geplatzt. Das zweite Signal war die souveräne Vorstellung von Tobias Sippel als Vertreter des verletzten Yann Sommer (Innenbanddehnung im Knie). Nach 395 Tagen Pause durfte Borussias Nummer 2 wieder in einem Pflichtspiel ran – und baute seine Serie im Borussia-Trikot weiter aus.

Vier Einsätze, vier Siege, 7:0 Tore. Seit 27 Monaten und 27 Tagen ist Sippel ohne Gegentreffer, das letzte hatte er im Tor des 1. FC Kaiserslautern beim 1:1 gegen Ingolstadt am 24. Mai 2015 kassiert. „An dem Tag, an dem man gebraucht wird, muss man seine Leistung abrufen“, erklärte Sippel. Das tat er. Und gut möglich, dass Sippel auch am Samstag noch mal zwischen den Pfosten steht. Für Dieter Hecking keinerlei Grund zur Sorge: „Auf Tobi kann ich mich zu hundert Prozent verlassen. Diese Bestätigung habe ich gegen Stuttgart noch einmal bekommen.“ Das dritte Signal sendete Youngster Mickael Cuisance. Mit 18 Jahren und 34 Tagen war das Mittelfeldtalent, das im Sommer von AS Nancy geholt wurde, Borussias zweitjüngster Bundesliga-Debütant. Marko Marin war lediglich 16 Tage jünger. Mit seinem couragierten und spielfreudigen Auftritt untermauerte Cuisance die hervorragenden Eindrücke aus der Vorbereitung und lässt erahnen, was für ein Glücksgriff Sportdirektor Max Eberl mit der Verpflichtung des französischen U-19-Nationalspielers gelungen ist. Heckings Lob: „Wenn ein 18-Jähriger reinkommt und dem Spiel eine Wandlung gibt, sagt das alles über seine Leistung aus.“ Klar: Der Trainer hat Cuisance auch für Dortmund voll auf der Rechnung.

VfB Stuttgart gegen FC Augsburg im Livestream am 23.09.2017

Sein Einjähriges schwänzt der Trainer. Hannes Wolf hat für diesen Donnerstag freigegeben. Keine Chance für persönliche Glückwünsche für den 36-Jährigen, der vor genau einem Jahr sein Amt antrat. Der anfänglichen Skepsis folgten Respekt und Vertrauen. Und auch vor dieser Saison flammten Zweifel auf, ob er mit dem Zweitligameister in der Bundesliga bestehen könne. Nach fünf Spielen, so Wolf, sei auch er „schon ein bisschen überrascht über den Start. Wir konnten nicht einschätzen, auf welchem Level wir stehen.“ Sechs Punkten aus zwei Heimsiegen stehen null aus drei Auswärtsniederlagen gegenüber. Dennoch überwiegt Zufriedenheit. „Insgesamt bin ich von der Mannschaft sehr angetan“, sagt Wolf. Man habe weitestgehend „gut gespielt, auswärts ziemlich unglücklich verloren, weil wir Fehler gemacht haben“. Wie in Gladbach, als Orel Mangala vor dem 0:1 Raffael entwischen ließ oder Dennis Aogo leichtfertig einen Elfer verursachte. Am Dienstag wurde der Aufsteiger erneut für sein ansehnliches und leidenschaftliches Spiel gelobt. Allerdings wurde einmal mehr die aktuelle Schwäche der Schwaben deutlich: viel Aufwand, wenig Ertrag. Drei Saisontreffer sind eine magere Ausbeute. Trotzdem „bereitet mir das weniger Sorgen, als wenn wir kaum Chancen und drei Tore geschossen hätten“.

Alles sei eine Frage der Zeit. Das gilt in den Augen von Wolf auch und besonders für Simon Terodde, der bisher erfolglos blieb. Der Torschützenkönig der vergangenen beiden Zweitligaspielzeiten (je 25 Treffer) habe bisher schon „viele Chancen“ gehabt, jedoch „lei der den Ball nicht reingekriegt. Für mich ist aber entscheidend, dass er hundert Prozent für das Team gibt, dass er anläuft, sich anbietet, Kopfbälle führt, sich aufreibt.“ Genau das macht der Angreifer, der sich nach dem Gladbach-Spiel selbstkritisch zeigt und nicht auf mangelnde Unterstützung verweist. „Ich kam schon in aussichtsreiche Positionen“, meint der Stürmer, „das kann ich jetzt nicht bemängeln.“ Terodde bekommt es – wie zu erwarten war – jetzt eben mit besseren Kontrahenten zu tun, wird obendrein viel schärfer bewacht. „Was er in die Mannschaft investiert, ist Wahnsinn. Deswegen definieren wir ihn nicht über Tore“, beteuert Wolf, dessen Fazit zu seinem Jahr beim VfB ebenfalls nur positiv ausfällt: „Es war eine besondere, eine wunderschöne Zeit. Ein gutes Jahr, das sich wie ein Anfang anfühlt, nicht wie ein Jahr. Ich bin schon ein bisschen stolz, zusammen mit Miguel (CoTrainer Moreira, d. Red.), dass wir ein Jahr hier sind und eigentlich nie richtig Unruhe hatten; dass wir hier so viel Vertrauen von Mannschaft, Verein und Fans bekommen.“ Auch wenn nicht alles optimal läuft.

Dieser Isländer fackelt nicht lange. Nicht vor dem Tor und nicht mit seinen Worten. „Wir wissen, wie die Bundesliga ist“, sagte Alfred Finnbogason am Dienstag mit dem Sieg über Vizemeister Leipzig im Rücken. „Jeder kann jeden schlagen. Es gibt immer zwei, drei Vereine ganz vorne, dann kommen Mannschaften wie Köln letztes Jahr. Wir wollen diese Mannschaft sein und hinter der Spitze spielen.“ In einem Verein, der seit Jahren ein gewisses Understatement pflegt, ist dies eine erfrischend forsche und selbstbewusste Aussage. Sie belegt, dass die Mannschaft mehr will als nur den obligatorischen Klassenerhalt, den Manager Stefan Reuter und Trainer Manuel Baum als offizielles Saisonziel vorbeten. „Wir haben Großes vor“, betont Finnbogason. „Klar wollen wir dranbleiben. Wenn es gut läuft, muss man es auch genießen und so weitermachen.“ Dass es momentan läuft beim FC Augsburg, hat die Partie gegen Leipzig eindrucksvoll bestätigt. Eine geschlossene Mannschaftsleistung brachte den dritten Sieg in Serie. Ein passender Plan (erneut mit Dreierabwehrkette), eine frühe Führung (wie schon gegen Köln und Frankfurt), aufopferungsvolle Abwehrarbeit und gefährliche Gegenstöße – dieses Rezept ging erneut auf. Mit zehn Punkten steht der FCA so gut da wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Nach fünf Spielen sei diese Ausbeute „eigentlich schon eine Sensation“, findet Baum. Als wichtigen Grund für den Erfolg nennt Stürmer Finnbogason die Stabilität: „Unsere Defensive ist sehr stark. Wir haben wieder die Null gehalten. Und es ist schwer, gegen uns Tore zu erzielen. Das ist immer ein Zeichen für eine gute Mannschaft.“

Er selbst trägt als erster Anläufer viel dazu bei und überzeugt meist auch, wenn er nicht selbst trifft: „Ein Stürmer hier muss hart arbeiten, Tore sind Bonus. Aber ich will beides“, sagt Finnbogason. In den letzten drei Partien kassierte der FCA nur einen Gegentreffer, in der gesamten Saison erst vier. „Wir haben eine gute Mischung hinbekommen zwischen hoch Anlaufen und tief Stehen“, analysierte Baum nach dem Sieg. Blitzsaubere Konter wie der zum 1:0 vollendeten die Mixtur. Gegen Leipzig platzte auch bei Michael Gregoritsch der Knoten, sein erstes Saisontor entschied die Partie. Der Neuzugang hatte durch eine starke Vorbereitung und selbstbewusste Aussagen Erwartungen geweckt, sein Start verlief dann aber durchwachsen. „Ich hatte eine große Fresse vor der Saison, das ist mir ein bisschen auf den Kopf gefallen. Von mir ist eine riesige Last abgefallen“, gab der Fünf-Millionen-Mann zu. Bemerkenswert war auch, wie Gregoritsch mit seiner Auswechslung zur Halbzeit umging: „Es war eine taktische Umstellung. Wir gewinnen 1:0, ich mache das Tor – reicht! Wir sind nicht nur elf, sondern 18 im Kader.“ Mit Ja-Cheol Koo „kam ein defensiverer Spieler rein, ich suche eher den Weg nach vorne. Die Umstellung ist verständlich. Wer weiß, wie lange es mit mir noch gutgegangen wäre“. Auch diese Selbstlosigkeit ist einer der Gründe für den starken Lauf der Augsburger.

FSV Mainz gegen Hertha BSC im Livestream am 23.09.2017

Am Anfang hatte Sandro Schwarz noch gut Lachen. Der Trainer des 1. FSV Mainz 05 hatte die Steilvorlage seines Kollegen dankbar angenommen, hatte Julian Nagelsmann doch aufgrund der geografischen Nähe von „einem kleinen Derbycharakter“ gesprochen. „Wir wissen, wie solche Spiele laufen“, erklärte Schwarz gut gelaunt kurz vor Anpfiff bei Sky. „Sie sind von der Emotionalität, der Intensität geprägt – wir nehmen das an.“ Den Worten des 38-Jährigen ließen seine Schützlinge rasch Taten folgen. Frühes Anlaufen, angetrieben vom starken Yoshinori Muto, gekonntes Mittelfeldpressing, besonders imposant durchgeführt von Suat Serdar. Überfallfußball und Balljagd der Marke Mainz 05. Zum Leidwesen der Anhänger aber eben auch eine Chancenverwertung unter aller Kanone – das erinnerte frappierend an Schwarz’ Bundesligadebüt gegen Hannover 96 (0:1). Der schlechteste Saisonstart seit zwölf Jahren hemmte die Nullfünfer keineswegs, phasenweise erinnerte die Partie gerade in der ersten Hälfte frappierend an das Vorjahresduell in der Hinrunde.

Aus Mainzer Sicht im positiven wie im negativen Sinne, schließlich legte man damals noch unter Martin Schmidt gekonnt vor und war auf 3:0 und 4:1 enteilt, um am Ende noch das 4:4 hinnehmen zu müssen. Diesmal kam es sogar schlimmer. Und Schwarz wird nun erstmals in den zweifelhaften Genuss kommen, Druck in der Bundesliga zu spüren. Eine Erkenntnis, die beruhigen darf nach zuvor drei von vier Spielen ohne Treffer: Die Offensive erspielt sich genügend Gelegenheiten. Woran es zu arbeiten gilt, ist Verlässlichkeit in der Defensive. Bislang hat in der noch jungen Saison aus der Mainzer Innenverteidigung nur Abdou Diallo dauerhaft überzeugt, doch ausgerechnet der Franzose zog sich in München eine schmerzhafte Beckenprellung zu. Am Samstag gegen die Hertha dürfte der 21-Jährige jedoch schon wieder zum Kader gehören. Dass Jean-Philippe Gbamin auch dauerhaft ein Kandidat sein kann, um an Diallos Seite zu verteidigen, deutete er bei seinem Startelf-Comeback an. Stefan Bell und Leon Balogun müssen um ihren Platz fürchten. Und auch Jairo, der vor Kurzem bereits mit einem Bein in Hannover stand, meldete sich als Joker zurück. Schwarz hilft das nicht wirklich – dem spielerisch überzeugenden Auftritt sollte schon gegen Hertha Zählbares folgen.

Zur Pause stand’s 0:3, am Ende 2:6, Hertha verging im Olympiastadion Hören und Sehen. So war’s im Mai gegen Leverkusen, am finalen Spieltag der vergangenen Saison. Pal Dardai blendete das Debakel vorm Wiedersehen aus. Diese Partie habe er „total verdrängt“, erklärte Herthas Trainer: „Das, was war, muss man vergessen – und davon lernen. Aber von diesem Spiel kann man nicht mal lernen. Wir haben jetzt eine andere Mannschaft mit anderen Charakteren.“ Und die Stoßrichtung war auch klar: „Das ist ein Schlüsselspiel. Eigentlich brauchen wir drei Punkte.“ Auftrag ausgeführt, 2:1 – auch wenn’s hintenraus noch mal knapp wurde. Einer, der im Mai dabei war und wenige Tage später für 20 Millionen Euro Ablöse nach Wolfsburg weiterzog, wurde vorm Anpfiff von Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz verabschiedet. Einen blau-weißen Blumenstrauß und eine Foto-Collage gab’s für John Anthony Brooks. Er sah dann von der Tribüne zu, wie konzentriert es die Berliner diesmal machten. Routinier Salomon Kalou, schwer in die Saison gekommen, köpfte nach feiner Vorarbeit von Vedad Ibisevic sein erstes Saisontor. Zuvor stellte erneut der für drei Millionen Euro Ablöse aus Ingolstadt geholte Mathew Leckie die Weichen. Bei seiner ersten Chance zögerte er noch zu lange (9.), vorm 1:0 legte er sich den Ball mit viel Ruhe vom rechten auf den linken Fuß – und vollendete gefühlvoll.

Der Australier hatte mit seinem Doppelpack Herthas ersten Ligasieg gegen Stuttgart (2:0) eingetütet und auch gegen Bremen (1:1) getroffen. Der Flügelflitzer, der in der Vorsaison für Ingolstadt in 30 Spielen torlos blieb, ist Herthas Mann der ersten Saisonwochen. Im Sommer standen nach 71 Bundesliga-Auftritten drei Tore in seiner Bilanz, diese Quote übertraf er jetzt in nur fünf Spielen. „Er war schon in Ingolstadt torgefährlich, ohne Tore zu erzielen“, sagt Preetz. „Wir wussten, dass es daran zu arbeiten galt. Aber wir wussten auch, dass er uns guttun wird mit seinem Tempo und seiner Kopfballstärke. Er hat hier andere Mitspieler, wir spielen auch einen etwas anderen Fußball.“ Leckie blüht in Berlin auf – und schlug ebenso voll ein wie Karim Rekik. Der 2,5-Millionen-Euro Neuzugang aus Marseille hat als einziger Hertha-Profi neben Marvin Plattenhardt bislang keine Pflichtspielminute in dieser Saison versäumt und würzt seine Zuverlässigkeit im defensiven Kerngeschäft immer wieder mit Ausflügen nach vorn. „Wir sind froh, dass Karim so schnell Fuß gefasst hat“, lobt Preetz. Dass Hertha in sieben Pflichtspielen erst fünf Gegentore kassierte, liegt nicht zuletzt am Niederländer.

Werder Bremen gegen SC Freiburg im Livestream am 23.09.2017

Werder bleibt sich treu, auch die laufende Saison bleibt für die Grün-Weißen ein Wechselbad der Gefühle. Fünf Spiele ohne Sieg, in Wolfsburg wie schon gegen Schalke (1:2) und in Berlin (1:1) die günstige Gelegenheit verpasst, mehr mitzunehmen. „Am Ende hätten wir den Sieg verdient gehabt“, bilanziert Manager Frank Baumann. „Deshalb müssen wir uns wieder über das Ergebnis ärgern.“ Um nicht frühzeitig den Anschluss an gesicherte Tabellenregionen zu verlieren, „helfen uns nur Siege“, stellt Baumann richtig fest. Den Druck vorm anstehenden Heimspiel gegen Freiburg, so der Boss, „sollten wir aber trotzdem nicht erhöhen“. Das geschieht durch die Umstände ohnehin schon. Allein Selbstvertrauen zu beschwören, das trotz enttäuschender Resultate auf teils ansprechender Leistung basiert, wird für den Klassenerhalt nicht reichen. Ganz im Sinne von Kapitän Thomas Delaney: „Mir wäre lieber, wir wären die schlechteste Truppe der Welt und würden 1:0 gewinnen.“ Relativ nah dran am ersten Teil dieser Vision waren die Grün-Weißen in Wolfsburg vor der Pause. Ein rätselhaft phlegmatischer und speziell bei Ballbesitz unstrukturierter Auftritt, der Werders aktuellem Tabellenplatz entsprach.

Dass Trainer Alexander Nouri da noch positive Ansätze formulierte („Wir haben wenig zugelassen und hatten genügend Ballgewinne“), klang schon nach dem Versuch einer Rechtfertigung für seine Profis und sich selbst. Fakt ist: Den Matchplan, aus einer tiefen Abwehr auf Konter zu spielen, konnten Delaney und Kollegen nicht ansatzweise erfüllen. Das Experiment mit den sehr ähnlichen Spielertypen Fin Bartels und Florian Kainz als Doppelspitze ging schief. Und Maxi Eggestein wirkte derart schwerfällig, dass ihm in der englischen Woche eine Pause von Beginn an gewiss gutgetan hätte. Fraglos alles richtig machte Nouri dafür in der Pause. Mit den Einwechslungen Philipp Bargfredes und Ishak Belfodils, dem, so der Coach, noch die Power für 90 Minuten fehlte. Mit Kainz’ Versetzung ins offensive Mittelfeld, wo der Österreicher prompt herausragte. Und: Mit der Verordnung eines dominanten Spielstils, den die Elf schier berauscht umsetzte. Taktisch wie personell scheinen diese zweiten 45 Minuten also eine ideale Blaupause fürs Freiburg-Spiel. Eventuell ist dann sogar Abwehrchef Lamine Sané wieder an Bord, der am Dienstag wegen seiner Knieprobleme fehlte. Luca Caldirola, beim 0:1 zu spät, wäre zwar ohnehin ins Team rotiert, verriet Nouri. Kehrt Sané zurück, dürfte der Italiener allerdings doch erster Streichkandidat sein.

„Stabilität und Kreativität“ wollte Christian Streich nach dem desaströsen 0:4 bei Bayer Leverkusen wieder sehen. Ein Schritt zu mehr Stabilität sollte die Rückkehr des Freiburger Trainers zur Dreier- beziehungsweise Fünferkette mit dem offensivstärkeren Pascal Stenzel als Rechtsverteidiger und Julian Schuster als zentralem Mann sein. Für mehr Kreativität in der Vorwärtsbewegung sorgte vor allem Marco Terrazzino. In Leverkusen gehörte der Rückkehrer noch zu den schlechtesten Akteuren, in der ersten Halbzeit gegen Hannover drehte der 26-Jährige auf, vergab früh die erste Chance, prüfte dann 96-Keeper Philipp Tschauner mit einem strammen Distanzschuss (28.) und setzte kurz danach Mike Frantz und Florian Niederlechner zweimal innerhalb kurzer Zeit hervorragend in Szene (32.). Überhaupt waren die 45 Minuten vor der Pause die offensiv stärksten der noch jungen Saison, einzig der Ertrag blieb aus. Das rächte sich fast nach der Pause. Nachdem Niederlechner kurz nach dem Seitenwechsel einen von ihm selbst herausgeholten Elfmeter verschoss, drohte die bislang große Abschlussschwäche des SC in der bisherigen Saison für die nächste Niederlage zu sorgen.

Die Problem-Mischung aus häufig fehlender Durchschlagskraft und mangelnder Chancenverwertung, die bis in die Schlussphase des Hannover-Spiels für erst einen Treffer gesorgt hatte, richtete am Ende wieder einmal Nils Petersen. Der Stürmer wurde nach zwei Spielen Verletzungspause eine Viertelstunde vor dem Ende erstmals wieder eingewechselt, traf prompt mit seinem 20. Jokertreffer zum Ausgleich und wendete so spät die dritte Niederlage im fünften Spiel und einen klassischen Fehlstart ab. Ebenfalls einen Teilerfolg erreichte der SC bei der Sperre von Neuzugang Yoric Ravet. Das DFB Sportgericht hatte den Franzosen nach dessen Platzverweis gegen Borussia Dortmund zunächst für vier Spiele gesperrt. Nach einem Freiburger Einspruch wurde eine Partie zur Bewährung ausgesetzt, Ravet ist im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim wieder spielberechtigt. „Er war viele Jahren in drei verschiedenen Ländern aktiv und ist dabei nie durch eine Rote oder Gelb-Rote Karte negativ aufgefallen“, begründete Richter Hans E. Lorenz. Für die Freiburger Torgefahr kann die Rückkehr Ravets trotz Retter Petersen nicht früh genug kommen.

 
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