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VfB Stuttgart gegen FC Union Berlin im Livestream am 23.05.2019
Donnerstag, 23. Mai 2019

Seine Saison ist eigentlich beendet. Die mit Noch-Arbeitgeber Holstein Kiel zumindest. Dennoch kann Tim Walter noch lange nicht abschalten. Stuttgarts künftiger Trainer wird seinen neuen Klub in der Relegation intensiv verfolgen. Der 43-Jährige will sich ein genaues Bild davon machen, was auf ihn zukommt. Welche Liga und welche Art von Mannschaft ihn in Stuttgart erwartet. Aber, was nicht weniger interessiert: Was erwartet den VfB Stuttgart?

Walter ist, wie er schon als Torjäger in der Verbands- und Oberliga Baden-Württemberg war: zielstrebig und treffsicher. Er kennt nur die Offensive. Sei es bei der Spielweise seiner Teams. Oder wenn ihm etwas nicht passt. Entsprechend denkt, spricht, handelt er. Und entsprechend sollen seine Spieler denken, sprechen, handeln. Der bis 2021 unter Vertrag genommene Coach möchte, so sein viel zitiertes Credo, die Köpfe seiner Profis, "die Menschen erreichen, Automatismen und Strukturen aufbrechen", um eine gemeinsame Strategie entwickeln zu können. Entsprechend arbeitet er gerne mit jüngeren Spielern, die für Neues offener, weil gedanklich weniger festgefahren sind. Allerdings ist der anspruchsvolle Coach auch nicht pflegeleicht  - weil er nie ein Blatt vor den Mund nimmt. Und gewöhnungsbedürftig ist außerdem, dass Walter eine strikte und anspruchsvolle Art der Mannschaftsführung pflegt. Mit dem positiven Effekt, dass er es schafft, junge Spieler zu fordern und zu formen sowie selbst
ältere besser zu machen.

Eine Saisonvorbereitung unter Walter verläuft sehr konzentriert und klar strukturiert, hoch intensiv, mit vielen taktischen Elementen. Womit man bei der Krux ist. Wie schon ihre Berufskollegen in Kiel werden sich die Stuttgarter Profis auf viel Schweiß und Frust einstellen müssen. Der geplante Weg - weg vom schnellen Umschaltspiel, hin zu mehr Ballbesitzfußball - wird nicht einfach und Zeit brauchen. In Kiel wirkten die Einheiten in der Anfangsphase zuweilen unkoordiniert, hektisch, teils sogar chaotisch, weil das Geforderte nicht sofort umgesetzt werden konnte. Geduld ist gefragt. Von Spielern wie von Fans, die nicht sofort Siege in den Tests erwarten sollten. Tagtäglich fordert der Coach zudem absolute Professionalität und Mentalität. Den flammenden Willen zum Erfolg, an dem es immer und überall zu arbeiten gilt. Als in Kiel zum Beispiel nach einem Trainingsspiel die Profis der Sieger-Mannschaft ihre Kontrahenten beim üblichen Ohrenschnippen und Nackenklatschen zu behutsam "bestraften", griff Walter ein. Der Coach forderte alle lautstark auf, noch einmal und diesmal fester hinzulangen. Mit dem Argument: "Verlieren muss wehtun."

Der neue Coach nimmt sich persönlich die Freiheiten, die er von seinen Spielern auf dem Rasen sehen will. Im zuletzt in Kiel favorisierten 4-4-2 mit Raute wird normalerweise von hinten heraus aufgebaut. Vom Torhüter über die Innenverteidiger, von denen sich möglichst schnell einer vertikal anbietet. Wodurch die vorderste Pressinglinie des Gegners schneller überspielt werden soll. Ein riskantes Spiel, zumal die Außenverteidiger ebenfalls hoch stehen. Häufige Positionswechsel übers gesamte Feld sowie ein flüssiges Kombinationsspiel sind die Grundidee des Trainers, der hohe Flexibilität und Aufmerksamkeit einfordert.

Oliver Ruhnert ist laut eigener Aussage kein Freund der Relegation, weil sie "im Regelfall den klassenhöheren Verein begünstigt" und daher "ungerecht" sei. Hinzu komme, sagt der Manager des 1. FC Union, dass auch ein Nachteil für die neue Saison entstehe, "weil du später Planungssicherheit hast und erst später am Markt agieren kannst". Im ungünstigsten Fall steht am Montag fest, dass Union Zweitligist bleibt - bereits etwa zweieinhalb Wochen später ginge in dem Fall schon die Vorbereitung auf die neue Spielzeit im Unterhaus los. Das wäre das eine Problem, vorher aber stellt sich erst mal ein anderes …

Weil der Dritte der 2. Liga in den vergangenen Wochen gleich mehrere Chancen liegen ließ, direkt in die Bundesliga aufzusteigen, "sind wir jetzt da, wo wir eigentlich nicht hinwollten", wie es Trainer Urs Fischer ausdrückt. Insbesondere das 2:2 am Sonntag in Bochum, das trotz der Steilvorlage des SC Paderborn (1:3 in Dresden) nicht für Platz 2 reichte, hängt Union noch in den Kleidern. Und so ist in Köpenick vor dem Relegations-Hinspiel beim VfB Stuttgart die einigermaßen paradoxe Situation eingetreten, dass Rang 3 als beste Zweitliga-Platzierung der Vereinsgeschichte - die vor der Saison angesichts der Konkurrenz aus Köln und Hamburg wohl jeder Unioner ungesehen unterschrieben hätte - kaum noch als Erfolg wahrgenommen wird. Dem versuchen Ruhnert wie Fischer dieser Tage entgegenzuwirken. "Wir müssen uns wieder bewusst werden, dass wir mit Platz 3 viel erreicht haben", erklärt der Manager: "Wir können die 1. Liga gewinnen, der VfB sie verlieren. Das muss jeder erkennen."

Ob der Appell gehört wird? Abwarten. Hilfreich dürfte in jedem Fall sein, dass der VfB am Donnerstag Union wohl die Last abnehmen wird, das Spiel zu machen. Und in solchen Partien hat die Mannschaft mit der besten Defensive der 2. Liga in dieser Saison mehrfach gezeigt, dass sie ein unangenehmer Gegner sein kann, unter anderem in der 2. Runde des DFB-Pokals (2:3 nach Verlängerung beim BVB). "Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie in großen Spielen in großen Stadien gute Leistungen abliefern kann", sagt Ruhnert, der als Marschroute für das Hinspiel vorgibt: "Wir brauchen ein gutes Ergebnis, dann ist am Montag alles möglich."

Sollte Union der 56. Bundesligist seit Einführung der Liga im Jahre 1963 werden, hätte der Klub einen Meilenstein erreicht. Der nächste Schritt in der Weiterentwicklung "ist erst in der 1. Liga möglich", sagt Präsident Dirk Zingler bereits seit Jahren. Bestes Beispiel: In dieser Saison erhält Union 14,408 Millionen Euro aus der Verwertung der Medienrechte, viel mehr geht für den Zweitliga-Dino nicht mehr. Beim Aufstieg wären künftig mindestens 34 Millionen Euro sicher. Geld, das nicht nur Ruhnert für die (ligaunabhängig) notwendige Verstärkung des Kaders gebrauchen könnte, sondern das auch Projekte wie den geplanten Bau des neuen NLZ und die angedachte Erweiterung des Stadions an der Alten Försterei von derzeit 22 012 auf 37 000 Plätze erleichtern dürften. Auch deshalb sieht der eine oder andere in Köpenick den Aufstieg bereits in dieser Saison als empfehlenswerter
an als bisweilen kommuniziert.

Bayern München gegen Eintracht Frankfurt im Livestream am 18.05.2019
Samstag, 18. Mai 2019

Als die Bayern-Spieler an diesem Mittwoch an der Säbener Straße in ihren neuen neonrot-orangenen Trainingsanzügen zum Üben erschienen, fehlten drei in ihrer Mitte: Manuel Neuer, James und Javi Martinez. Gerade das Fehlen des Kapitäns Neuer wirft perspektivische Fragen auf: Schafft es der Torhüter, der sich am 14. April, also vor viereinhalb Wochen in Düsseldorf einen Muskelfaserriss in der Wade zuzog, bis zum Pokalendspiel in Berlin? So ist es Neuers Plan. Kann Trainer Niko Kovac da überhaupt einen Einsatz riskieren, nachdem der Schlussmann bislang kein spezifisches Torwarttraining absolviert hat, sondern sich im Freien auf Laufen mit Ball beschränken musste? Unter diesen Umständen gliche Neuers Verfügbarkeit für das Liga-Finale gegen Frankfurt einer medizinischen Sensation. Und ist es - falls Neuer in dieser Spielzeit nochmals für die Münchner im Tor stehen kann - sinnvoll, dass der Nationalkeeper zu den Länderspielen nach der Saison gegen Weißrussland (8. Juni) und Estland (11. Juni) berufen wird? Es gibt die Idee beim FCB wie beim DFB, dass diese zwei EM-Qualifikationsspiele ohne Joachim Löws Nummer 1 stattfinden werden.

Drei Münchner Profis werden an diesem Samstag anlässlich des letzten Liga-Spiels 2018/19 mit Blumen, Präsenten und sicher ebenso tosendem wie verdientem Applaus verabschiedet: Franck
Ribery (36) nach zwölf Jahren beim Rekordmeister, Arjen Robben (35) nach zehn sowie Rafinha (33) nach acht. Anschließend ist der große Bundesliga-Showdown zu meistern. Robben wiederholte am Dienstag: Er möchte aktiv mitwirken, um zum achten Mal Meister in Deutschland zu werden, am liebsten "von Anfang an", für ihn gäbe es "nichts Schöneres". Rechtsaußen Ribery treibt der gleiche Wunsch, auch er will von Anpfiff an auflaufen.

Die berufliche Zukunft dieser drei bald emeritierten FCB-Profis ist nicht definitiv geklärt. Ribery liegen Anfragen aus Katar, China und Australien vor. Doch ein Wechsel in diese fernen Regionen wird dadurch erschwert, dass der Franzose die komplette Familie mitnehmen müsste. Unklar sind auch die Arbeitgeber, die James (27) und Renato Sanches (21) ab kommender Spielzeit beschäftigen werden. Bei beiden Mittelfeldspielern gibt es den eindeutigen Trend zum Neuanfang anderswo, beide wollen mehr Einsätze, als sie beim Rekordmeister bekommen. Jerome Boateng (30) drängt es ebenfalls nach einer vorzeitigen Auflösung seines bis 2021 gültigen Vertrages. Bei einem entsprechenden Angebot ist der Verein gesprächsbereit, wie vor einem Jahr, als das Veto des Trainers Kovac den vom Weltmeister angestrebten Transfer zu Paris St. Germain verhinderte.

Mats Hummels (30), Boatengs langjähriger Partner im Abwehrzentrum, treiben hingegen keinerlei Abwanderungsgedanken. Auch im Verein wird - aktuell jedenfalls - mit dem Abwehrspieler (Anstellung bis 2021) geplant. Nach dem Pokalfinale wird die Situation definitiv sondiert. So sieht auch die Planung mit Robert Lewandowski (30) aus. Dessen bis 2021 gültiger Kontrakt möchten die FCB-Macher vorzeitig um ein weiteres Jahr ausweiten. Dem polnischen Torjäger schwebt jedoch eine andere zeitliche Dimension vor. Aktuell liegen ihm Anfragen von Manchester United und Paris Saint-Germain vor.

FC Schalke 04 gegen VfB Stuttgart im Livestream am 18.05.2019

Spätestens bis zur Mitgliederversammlung am 30. Juni wird der FC Schalke seine drei neuen Schlüsselfiguren inklusive Trainer David Wagner im Paket präsentieren, bekannt geben will der Verein die zwei noch ausstehenden Direktoren-Entscheidungen am liebsten deutlich vorher. Zumindest die Suche nach dem künftigen Sportdirektor könnte sich allerdings noch etwas hinziehen. Wieder gut im Rennen ist Christoph Metzelder.

Markus Krösche galt lange als Top-Kandidat. Mittlerweile ist klar, dass Schalke 04 und der Manager des SC Paderborn nicht zusammenkommen. Die Verdienstvorstellungen sollen zu weit auseinander gelegen haben. Auch die gescheiterte Krösche-Verpflichtung hat bewirkt, dass die S04-Bosse wieder verstärkt über Metzelder nachdenken. Der Ex-Profi (Schalke, BVB, Real Madrid) war schon vor den konkreten Gesprächen mit Krösche ein Kandidat gewesen. Teile der Fans sähen eine Verpflichtung Metzelders zwar kritisch, was die Klubführung aber nicht von einem Engagement abhalten würde. Auf Schalke herrscht grundsätzlich eher die Meinung vor, dass dem 38-Jährigen die Rolle als charismatisch-eloquenter Kopf in der Öffentlichkeit gut zu Gesicht stehen würde. Eine Rückkehr von Horst Heldt (von 2010 bis 2016 auf Schalke) wird nach Medien-Informationen derweil von Schneider und Co. nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Die besseren Karten besitzt zweifellos Metzelder.

Die Suche nach dem Technischen Direktor befindet sich in den finalen Zügen. Allerdings ist nicht sicher, dass Michael Reschke den Zuschlag erhält. Nach Medien-Informationen gibt es mindestens noch einen Konkurrenten für den 61-Jährigen, der sich Anfang dieser Woche mit dem VfB Stuttgart auf eine Auflösung seines Sportvorstand-Vertrages zum 31. Mai geeinigt hat. Reschke gilt als Wunschkandidat Schneiders, ist bei den Königsblauen intern aber nach wie vor umstritten. Die einen, wie Schneider, rücken bei der Bewertung von Reschkes bisherigem Wirken vor allem seine Tätigkeit in Leverkusen (von 2004 bis 2014 Manager) und beim FC Bayern (von 2014 bis 2017 Technischer Direktor) in den Vordergrund, loben speziell seine Transfer-Entscheidungen in jener Zeit und verweisen auf sein ausgeprägtes internationales Netzwerk. Für die Skeptiker hat Reschke bei Schalkes finalem Gegner dieser Saison zu viel verbrannte Erde hinterlassen. Es ist denkbar, dass die Entscheidung auf der Position des Technischen Direktors noch in diesem Monat fällt.

Schalke vor der Brust, die Relegation bereits im Sinn. Stuttgart in der planerischen Zwickmühle. Einerseits wollen die Schwaben nichts abschenken. Andererseits müssen sie aufpassen, um sich nicht selbst zu schaden. Anastasios Donis, Ozan Kabak und Emiliano Insua sind mit vier Gelben Karten vorbestraft und müssen eine Gelbsperre für die erste Relegationspartie am kommenden Donnerstag fürchten. Gut möglich, dass Nico Willig auf eine B-Elf zurückgreift. Schutz und Schonung für die drei Gefährdeten, Chance und Spielpraxis für deren potenzielle Vertreter, die Mario Gomez, Timo Baumgartl und Borna Sosa heißen dürften.

"Die ganze Konzentration gilt der Relegation", sagt Willig. "Das sind zwei Spiele, zwei Finals, in denen alles möglich ist." Aber auch und besonders in negativer Hinsicht, wenn man die Leistungsschwankungen in den zurückliegenden Monaten sieht. "Wir wollen die Leistung aus dem Wolfsburg-Spiel hinbekommen", erklärt der Stuttgarter Übergangstrainer, der klare Vorstellungen von den Erfordernissen in diesen Endspielen hat sowie klare Forderungen diesbezüglich an seine Spieler stellt. "Wir brauchen eine Mannschaft, die diesen Hunger, diese Gier, diese Laufstärke hat", die sie den Augen ihres Trainers gegen Wolfsburg gezeigt hat.

Dass Willigs Team mit 111,1 Kilometern unterdurchschnittlich unterwegs war, 114,6 sind es im Schnitt in der gesamten Saison, spielt für ihn offensichtlich nicht die entscheidende Rolle. "Die Spieler sind viel gelaufen, und wenn sie ausgespielt wurden, sind sie zurückgelaufen", lobt der 38-Jährige. "Sie haben gekämpft und Signale gesetzt."

Die setzt auch Sportdirektor Sven Mislintat. Während bei der Verpflichtung des künftigen Trainers Tim Walter von Holstein Kiel noch an letzten Feinheiten gefeilt wird, hat der neue Kaderplaner den zweiten Neuzugang sicher. Ausgerechnet aus Kiel kommt Atakan Karazor. Der defensive Mittelfeldmann kostet rund 800 000 Euro und unterschreibt bis 2023. Der 22-Jährige, in Essen geboren und türkischer Abstammung, gehört zu den Leistungsträgern unter Walter beim Zweitligisten und wurde unter anderem beim BVB II ausgebildet. Er gilt als zweikampf- und kopfballstark sowie als sehr passsicher.

Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund im Livestream am 18.05.2019

Am Samstag ist Schluss. Die einwöchige Marketingtour nach China, die die Borussen am Sonntagabend antreten, nimmt Dieter Hecking nicht mehr mit. Für den 54-Jährigen endet das Kapitel Gladbach mit dem Spiel gegen Dortmund. Seinen Auftrag hat er bereits erfüllt, die große Sehnsucht des Klubs nach der Rückkehr ins internationale Geschäft gestillt. Nun geht es für den Trainer nur noch um die Krönung seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit - und die heißt Champions League.

Die Teilnahme an der Königsklasse würde erst recht Heckings Arbeit abrunden und beweisen, dass diese Borussen-Elf auch den finalen Punch setzen kann. In der Gesamtbetrachtung der Ära Hecking sind es vorzeigbare Erfolge, dass der Coach nach seinem Amtsantritt zum Jahreswechsel 2016/17 eine gefährlich wankende Mannschaft ruckzuck stabilisierte, im folgenden Frühjahr das Halbfinale im DFB-Pokal und das Achtelfinale in der Europa League erreichte. Doch die fehlenden Schritte auf der Zielgeraden, so auch das Verpassen des Europacups vergangene Saison nach der starken Hinrunde, waren es, an denen sich die Kritiker rieben. Die Rückkehr nach Europa beseitigt diesen Makel. Und eine Qualifikation für die Champions League würde erst recht einen triumphalen Abschied für den Trainer bedeuten.

Es hat sich ausgezahlt, gemeinsam weiterzumachen und die Sache trotz einiger Turbulenzen durchzuziehen, nachdem der Klub die Entscheidung für Marco Rose ab Sommer gefällt hatte. Dass die Situation nicht einfach für ihn war, bestätigt Hecking: "Die vergangenen sieben Wochen waren die schwierigsten meiner ganzen Trainerlaufbahn. Das wird auch jeder nachvollziehen können, der in diesem Metier arbeitet." Ein Abschied mit Platz 4 würde ihm daher viel bedeuten: "Es wäre ein Erfolg, den ich in meiner persönlichen Bewertung ganz hoch ansiedeln würde."

Wie es für ihn weitergeht, weiß der Coach noch nicht. "Es gab in den letzten vier Wochen die eine oder andere Anfrage, auch aus dem Ausland", sagt Hecking. "Schalke", bestätigt er, "wäre interessant gewesen." Und so, wie der Trainerroutinier auftritt, drängt es ihn auch nicht zu einer Auszeit. "Ich brauche nicht zwingend eine Pause, sondern bin für alles offen und hoch motiviert." Doch die eigenen Zukunftsplanungen stünden aktuell komplett hinten an, unterstreicht er: "Es zählt momentan nur Dortmund. Ich will auch für die Jungs diesen krönenden Abschluss, denn Platz 4 hat sich die Mannschaft absolut verdient."

Zu Recht gilt Marco Reus als Meister der schönen Künste. Dortmunds filigraner Kapitän inszeniert sein Spiel mit seltener Leichtigkeit und Raffinesse. Allenfalls aus Frust greift er auf dem Platz zu groben Mitteln, in einer Aktion wie vor drei Wochen, als er die Achillessehne des Schalkers Suat Serdar traktierte, erkennt sich Reus vermutlich selbst nicht wieder.

Seine Zwei-Spiele-Strafe hat der BVB-Star mittlerweile verbüßt, in Mönchengladbach, wo er zwischen 2009 und 2012 drei Jahre seiner Karriere verbrachte, kämpft er am Samstag auch um die Verwirklichung eines persönlichen Traums: endlich Deutscher Meister zu werden. Vom Weg dorthin sind Dortmund und Reus in den vergangenen Monaten abgekommen. Im Wechselspiel der Kräfte lieferten Mannschaft und ihr Anführer nicht mehr stabil Topleistungen ab.

Selbst wenn das in einer arg gerafften Form seiner Aussage im Februar anders transportiert wurde: So kühn, Reus sportlich mit der Lichtgestalt Lionel Messi zu vergleichen, war Hans-Joachim Watzke nie. Der BVB-Boss bescheinigte seinem Kapitän aber einen ähnlich hohen Wert, wie ihn der argentinische Weltstar für die Katalanen hat. "Wenn Marco ausfällt", sagte er, "ist das so, als müsse Barcelona auf Messi oder früher Real Madrid auf Ronaldo verzichten."

Dieser Fall trat häufiger ein, als es Watzke lieb sein konnte. Von den 19 Pflichtspielen in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal im Kalenderjahr 2019 verpasste Reus: acht. Wegen einer Magen-Darm-Erkrankung (Januar), einer Bänderdehnung (Januar), einem Muskelfaserriss (Februar), der Geburt seiner Tochter und wegen der Roten Karte gegen Schalke legte der 29-Jährige unterschiedlich lange Pausen ein. "Marco ist unser Fixstern", betont Watzke. Die Frage, wie dieser Fixstern ersetzt werden kann, beantwortete Dortmunds Geschäftsführer im Februar gleich selbst: "Gar nicht."

Folgt man dieser Logik, besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den hohen Ausfallzeiten des Top-Scorers und den mitunter seltsamen Wendungen in den Rückrunden-Auftritten der Borussia. Aber Reus hebt die Westfalen nicht durch pure Präsenz oder durch Handauflegen auf ein höheres Niveau, er muss vorangehen und die Mannschaft durch die Einzigartigkeit seiner Aktionen oder die Genialität einzelner Momente ziehen. Diese Momente hat er 2019 sparsamer dosiert, wie nur noch neun Torbeteiligungen gegenüber 24 in der Hinrunde belegen.

Lucien Favre hat dafür in den vergangenen Wochen mehrfach mildernde Umstände geltend gemacht. "Niemand", beteuert er, "niemand kann ein so hohes Niveau eine ganze Saison halten." Sollte Reus aber jetzt seinen Zauberstab noch einmal hervorkramen - der Trainer hätte nichts dagegen.

Hertha BSC gegen Bayer Leverkusen im Livestream am 18.05.2019

Der Mann, der nach eigenen Worten oft "unterm Radar flog", wird am Samstag im Mittelpunkt stehen. Wenn Fabian Lustenberger (31) einläuft, wird er seine Söhne an der Hand haben - und viele Emotionen im Gepäck. "Es wird speziell. Ich weiß nicht, wie weit es mich emotional tragen wird", sagt er. Nach der Saison wechselt er zum Schweizer Meister YB Bern, um sich wieder mit der Familie zu vereinen. Tränen? Könnte es geben. Lustenberger, dessen Mitspieler beim Hertha-Debüt gegen den VfB Stuttgart 2007 Marko Pantelic, Mineiro und Arne Friedrich hießen, sagt: "Es hat hier zwölf Jahre für mich gepasst. Als Kind war die deutsche Bundesliga mein Traum. Diesen Traum habe ich gelebt."

Er verhandelte nie mit anderen Klubs, nicht nach den Abstiegen 2010 und 2012 - und auch nicht 2016, als ihm Pal Dardai nach dem Scheitern in der Europa-League-Qualifikation gegen Bröndby die Kapitänsbinde abnahm. "Eine Woche" hatte Lustenberger daran zu knabbern - und antwortete dann mit Leistung. Lucien Favre wollte diesen strategisch begabten 19-Jährigen, eher Bürschchen als Mann, 2007 unbedingt - und täuschte sich nicht. "Unseren schlauesten Spieler" nannte Dardai Lustenberger später. Spektakel fiel nicht in seine Zuständigkeit.Er machte lieber einen richtigen Schritt als drei falsche - und spürte instinktiv früher als andere Gefahr auf dem Platz. Er war an guten Tagen Herthas "Hirnli", ein Stehaufmännchen war er obendrein. Als ihn als Jungprofi zwei Mittelfußbrüche bremsten, zweifelten manche vorschnell an seiner Eignung für diesen Beruf. Am Samstag folgt mit Bundesliga-Einsatz Nummer 220 sein persönliches End-Spiel, dazu kommen 51 Zweitliga-Auftritte. 2010 stellte ihn Markus Babbel in einem Zweitliga-Spiel gegen 1860 nach Marco Sejnas Roter Karte sogar ins Tor: "Der erste Ball ging an die Latte, danach habe ich zwei gehalten." Er war vielseitiger als die meisten und verlässlicher als fast alle in dieser überhitzten, überhöhten Wanderarbeiter-Branche.

In Bern erwarten Lustenberger die Champions-League-Play-offs; mit Trainer Gerardo Seoane spielte er einst in Luzern zusammen. Er ist mit sich im Reinen: "Es ist schöner, dann zu gehen, wenn man noch spielt - und nicht dann, wenn die Leute sagen: Ah, Lustenberger ist auch noch da." Am Samstag ist er noch mal da, Pal Dardai auch. Hertha ohne Dardai und ohne Lustenberger - es wird dauern, sich daran zu gewöhnen.

Werder Bremen gegen RB Leipzig im Livestream am 18.05.2019

Nach außen gaben sich Manager Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt noch in den vergangenen Tagen ungebrochen "zuversichtlich", Max Kruse zur Vertragsverlängerung bewegen zu können. Parallel aber intensivierten die Bremer Verantwortlichen auch Kontakte zu möglichen Nachfolgern. Wurde der Verbleib des 31-jährigen Schlüsselspielers noch vor wenigen Wochen fast als Formsache behandelt, "wenn nicht Barcelona anruft" (damals O-Ton Kohfeldt), so ist die interne Skepsis nach und nach gewachsen.

Das dürfte insbesondere mit den Verhandlungen zu tun haben, die zwischen Werder und Kruses Management nach Medien-Informationen seit einiger Zeit laufen. Ein Umstand, der belegt: Es ist nicht zwingend die ganz große sportliche Herausforderung, die Kruse nach drei Jahren womöglich aus Bremen weglockt. Die erhofften Angebote von Champions-League-Vereinen des Kalibers Tottenham, Juve oder Liverpool sind offensichtlich ausgeblieben - sonst hätten sich Gespräche mit dem aktuellen Arbeitgeber ja erübrigt. Stattdessen wird klar: Bei seinem mutmaßlich letzten wirklich lukrativen Arbeitspapier geht es Kruse schlichtweg auch ums Geld. Ganz so wie es im April Gladbachs Manager Max Eberl bei seiner öffentlichen "Absage" formuliert hatte: "Max wird sicher noch mal einen großen Vertrag unterschreiben, aber nicht bei der Borussia."

Ein üblicher und absolut legitimer Standpunkt. Freilich schien der bei Kruse nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. "Max kommt es nicht auf den letzten Euro an", meinte Baumann. Nun bleibt festzuhalten: Bislang gibt es auch wirtschaftlich keine Übereinkunft. Die unterschiedlichen Standpunkte erklären sich von selbst: Kruse spielt mit 22 Scorerpunkten wie 2016/17 eine Topsaison. Eine Erhöhung seines ohnehin üppigen Salärs inklusive "Signing Fee" wäre aus seiner Sicht logisch. Bei Werder sieht man derweil das Alter des Spielers, das eher eine nachlassende Leistungskurve erwarten lässt. Vom fehlenden Wiederverkaufswert ganz zu schweigen.

Ob beide Parteien doch noch zusammenfinden? Die Entscheidung soll, Stand Redaktionsschluss am Mittwoch, Anfang kommender Woche klar sein. Hinfällig zu werden droht unterdessen die Frage, ob das "Finale" um Platz sieben gegen Leipzig zugleich Kruses Abschiedsvorstellung im Werder-Trikot bedeutet. Die für Mittwoch geplante Rückkehr ins Teamtraining musste der Anführer wegen seiner anhaltenden Oberschenkelprobleme erneut verschieben. Schlechtestenfalls war also schon das 2:2 gegen Dortmund am 32. Spieltag Kruses letzter Auftritt im Weserstadion.

Seinem Ziel, den 24-köpfigen Kader bis zum DFB-Pokal-Finale komplett einsatzfähig zu bekommen, ist Ralf Rangnick sehr nahe gekommen. Auf dem Leipziger Trainingsplatz herrscht Betrieb wie lange nicht mehr, auch die Langzeitverletzten Dayot Upamecano (20), Tyler Adams (20) und Ersatzkeeper Yvon Mvogo (24) sind wieder voll belastbar. Damit schaffte das Trio die Grundvoraussetzung, um eine Berücksichtigung im 18 Profis umfassenden Aufgebot für das Highlight am 25. Mai im Berliner Olympiastadion gegen den FC Bayern zu finden. Zumindest Upamecano und Adams würden ihre Chancen sprunghaft verbessern, wenn sie zuvor unter Wettkampfbedingungen ihre Tauglichkeit beweisen. Das Gastspiel in Bremen ist ihre letzte Chance dazu. Ohne einen solchen Härtetest wird Rangnick das Duo angesichts der langen Ausfallzeit wohl kaum fürs Pokalfinale berücksichtigen.

Innenverteidiger Upamecano musste nach seinem schweren Trainingsunfall bislang vier Monate pausieren. Die ursprünglich als Knorpelquetschung diagnostizierte Knieverletzung wurde Ende März von Rangnick korrigiert. Es handle sich um einen "bone bruise", so der Cheftrainer und Sportdirektor: "Das ist vergleichbar mit einem Bruch." Den hat der Franzose inzwischen auskuriert. Allerdings hat er verständlicherweise körperlich noch Rückstand. Die Zeit, diese Defizite rechtzeitig aufzuholen, scheint nach den Trainingseindrücken zu knapp.

Winterzugang Adams ist da schon weiter. Der US-Amerikaner, der in der Rückrunde auf Anhieb im defensiven Mittelfeld Fuß fasste, verpasste die letzten sieben Pflichtspiele wegen Adduktorenproblemen. Ob es fürs Werder-Spiel reicht, hängt auch davon ab, wie er die Belastungen in dieser Trainingswoche bewältigt.

SC Freiburg gegen FC Nürnberg im Livestream am 18.05.2019

Salopp gesagt geht es gegen Nürnberg nur noch um die goldene Ananas. Die hat für den SC durch die Krise in den vergangenen acht Ligaspielen jedoch an Wert gewonnen: kein Sieg, 5:19 Tore und drei Pünktchen. "Es nervt", räumt Klemens Hartenbach ein und möchte einen versöhnlichen Saisonabschluss. Der Sportdirektor will die Partie aber nicht zu hoch hängen: "Selbst bei einer Niederlage wird es wohl keine Vereinsaustritte geben. Wir dürfen den Erfolg Klassenerhalt, den wir uns über die Saison verdient haben, nicht ausblenden."

Deshalb steht nach den 90 Minuten die Party mit den Fans an. Geplant ist, dass Vincenzo Grifo auf der Bühne verabschiedet wird. Der seit Winter geliehene Rückkehrer, mit fünf Toren und fünf Assists ein Garant für den Ligaerhalt, muss vertraglich nach Hoffenheim zurück. Ob es doch noch die Möglichkeit seines Verbleibs gibt, wird man wohl erst wissen, sobald Grifo seinen Status beim neuen TSG-Coach Alfred Schreuder kennt.

Wer verlässt den SC noch? Eine spannende Frage, weil kein weiterer Profikontrakt ausläuft. Bei Florian Niederlechner stehen die Zeichen jedoch auf Trennung. Eine heiße Spur führt weiterhin nach Augsburg, das deutlich näher an Niederlechners oberbayerischer Heimat liegt. Obwohl der 28-Jährige in 82 Ligaeinsätzen für Freiburg 25-mal getroffen hat (fünf Assists), konnte sich der Stürmer nach seinem Kniescheibenbruch in der vorigen Saison (2 Tore/697 Bundesliga-Minuten) in der aktuellen Spielzeit den gewünschten Status als Stammkraft nicht zurückerkämpfen (4/970). Beim FCA würde Niederlechner auf Martin Schmidt treffen, unter dem ihm in Mainz in der Hinrunde 2015 noch der Erstliga-Durchbruch (0/184) verwehrt geblieben war. Schmidt bewertet Niederlechners zwischenzeitliche Entwicklung jedoch positiv. Beim SC waren zuletzt hingegen beide Parteien nicht zufrieden. Daher könnte ein Wechsel sogar schon bald über die Bühne gehen.

Bei Marco Terrazzino (Vertrag bis 2020) dürfte es länger dauern. Der Offensivmann war immer fit, bekam von Trainer Christian Streich aber nur fünf Rückrundenminuten. Die Rückkehr 2017 aus Hoffenheim hat sich für beide Seiten nicht ausgezahlt, und die Aussichten auf Besserung sind trübe.

Wesentlich mehr Spannung als sein vorerst letztes Bundesligaspiel bietet die Zukunftsplanung beim 1. FC Nürnberg. Seit Dienstag ist klar, dass sich die Wege mit Boris Schommers trennen. Sportvorstand Robert Palikuca bot dem aktuellen Trainer eine Weiterbeschäftigung an, allerdings nicht als Chefcoach der Profis. Schommers wiederum wollte nur unter dieser Bedingung bleiben. Das Geheimnis um die Nachfolge soll nach Freiburg gelüftet werden, voraussichtlich am Sonntag. Favorit bleibt Damir Canadi (49, Atromitos Athen), allerdings bekundet auch Olympiakos Piräus Interesse am Österreicher. Kommt also noch ein Außenseiter wie Daniel Meyer (39, Aue) ins Spiel?

Klarer ist die Personalie des Technischen Direktors. Diese soll wie berichtet mit Peter Hermann (67) ein exzellent vernetzter Fachmann besetzen. Der Co-Trainer des FC Bayern wird zu Wochenbeginn zu einem weiteren Gespräch erwartet, der Club hat gute Karten, zumal Hermann mit vielen Freiheiten ausgestattet werden soll.

Was den Kader anbelangt, möchte Palikuca auf ein Gerüst mit zweitliga- und aufstiegserprobten Spielern bauen. Georg Margreitter, Enrico Valentini, Kapitän Hanno Behrens, Sebastian Kerk, Ondrej Petrak und Mikael Ishak haben sich mehr oder weniger zum FCN bekannt, bei Torwart Christian Mathenia verweist Palikuca auf einen bis 2021 gültigen Vertrag. "Ich bin mir sicher, dass sich die Jungs schnell fangen und nicht wochenlang trauern", sagt Palikuca. Was er nicht erwähnt: Flattern Angebote ins Haus, ist kein Spieler unverkäuflich, es käme immer auf die Ablöse an. Die Leihspieler Robert Bauer und Yuya Kubo haben keine Zukunft, Matheus Pereira soll weiter von Sporting Lissabon ausgeliehen werden. Wie realistisch diese Hoffnung ist, wird sich zeigen.

Der einzige Spieler mit Ausstiegsklausel ist nach Medien-Informationen Innenverteidiger Ewerton, während ein Abschied Tim Leibolds keineswegs definitiv ist. Wichtig ist Palikuca generell eine sehr stabile Defensive.

Und Neuzugänge? Der gehandelte Lars Lukas Mai (19) vom FC Bayern könnte nur ein Thema werden, sollte ein Innenverteidiger gehen. Palikuca sucht für die defensive wie offensive Außenbahn frische Kräfte mit Geschwindigkeit, die einzelnen Positionen sollen flexibel besetzt, der Konkurrenzkampf erhöht werden. Im Fokus: Bayerns Flügelflitzer Woo-Yeong Jeong (19), den allerdings auch Augsburg, Freiburg und Mainz möchten. Kaufen kann ihn der Club nicht, er hat sein Interesse hinterlegt und lockt mit einer zweijährigen Leihe. Der Spieler sucht eine längerfristige sportliche Heimat.

FSV Mainz 05 gegen TSG Hoffenheim im Livestream am 18.05.2019

195 Bundesligaminuten hat Niko Bungert in dieser Saison absolviert. Das ist nicht gerade üppig, gemessen an der Tatsache, dass er 2017/18 die komplette Spielzeit wegen Verletzungen und Rückschlägen gar nicht auf dem Rasen stand, jedoch beachtenswert. Diesen Samstag werden für den 32-Jährigen wohl noch einige Minuten dazukommen. Denn der dienstälteste Mainzer, der im Aufstiegsjahr 2008/09 zum FSV stieß, beendet gegen die TSG Hoffenheim seine Profikarriere. Im Sommer startet er dann ein Trainee-Programm im Verein.

"Wir haben zwei emotionale Höhepunkte, unsere letzte Saisonpartie und das letzte Spiel von Niko, dem wir einen sehr guten Abschied bereiten wollen", sagt Trainer Sandro Schwarz. Die Chancen, dass der Innenverteidiger von Anfang an randarf, sind jedoch nicht allzu groß. Zum einen wusste das Mainzer Abwehrzentrum mit Moussa Niakhaté und Alexander Hack beim 2:0 in Frankfurt zu überzeugen, zum anderen "sind wir uns der Verantwortung bewusst, in welchem Wettbewerb die anderen Teams noch stecken", wie es der Trainer formuliert. Hoffenheim spielt am Wochenende um einen Europa-League-Startplatz.

Für die Mainzer geht es um (fast) nichts mehr, wobei sie mit dieser Rolle zuletzt hervorragend zurechtkamen. Nach dem am 30. Spieltag erreichten Klassenerhalt lieferte das Team drei gute Spiele ab, auch wenn es das erste durch ein Slapstick-Gegentor verlor (0:1 in Hannover), danach aber gegen Topteams wie Leipzig (3:3) und Frankfurt (2:0) punktete. Von Selbstzufriedenheit, wie zu Rückrundenbeginn nach zwei Auftaktsiegen, ist keine Spur mehr.

"Diesen Entwicklungsschritt halte ich für enorm wichtig", bekräftigt Schwarz. Dazu beigetragen hat das Ausrufen von Platz 10 als Saisonziel, das sich aber wohl nur noch theoretisch realisieren lässt. Damit wäre dann auch die Möglichkeit dahin, in der TV-Geldtabelle am VfL Wolfsburg vorbeizuziehen, was Mehreinnahmen von 1,6 Millionen Euro bedeutet hätte. Nach unten könnte ein Mainzer Sieg gegen Hoffenheim dazu beitragen, dass der Zwei-Plätze-Vorsprung auf Augsburg gewahrt bleibt, der sonst im TV-Ranking vorbeizöge. Dazu müssten allerdings Freiburg und/oder Hannover Schützenhilfe leisten.

Da ist die Hoffenheimer Strategie gleich zweimal mehr voll aufgegangen. Nach Kerem Demirbay, der für 32 Millionen Euro nach Leverkusen wechseln wird, reicht die TSG nun auch ihren enorm wertgesteigerten Nationalspieler Nico Schulz für 28 Millionen an Dortmund weiter. 1,7 Millionen hatten die Kraichgauer vor drei Jahren für Demirbay an Hamburg gezahlt, 3,5 Millionen vor zwei Jahren für Schulz an Gladbach. Macht unterm Strich rund 55 Millionen Gewinn.

Dieser Personalpolitik bleiben die Hoffenheimer offensichtlich treu. Die ersten nun auch offiziell verkündeten Neuzugänge sind wieder in die Kategorie "ausbaufähige Schnäppchen" einzuordnen. Mit Sargis Adamyan verpflichtete die TSG einen aufstrebenden Spieler, der vor zwei Jahren noch in der Regionalliga beim TSV Steinbach spielte und sich vor allem in der vergangenen Saison bei Jahn
Regensburg mit 15 Toren und elf Vorlagen zu einem der wirkungsvollsten Angreifer der 2. Liga gemausert hat. Der 25-Jährige soll als schneller und torgefährlicher Dribbler die Rolle des scheidenden Leihstürmers Reiss Nelson einnehmen. Mit 1,5 Millionen Euro ist auch bei dem Armenier, der bis 2022 unterschrieb, das Investitionsrisiko überschaubar. Als Rechtsfuß beackerte Adamyan in Regensburg die linke Offensivflanke und kann als Teil der Lösung des durch den Schulz-Abgang entstehenden Problems auf links gesehen werden.

Als zweiten Teil bestätigte die TSG am Mittwoch auch die Verpflichtung von Konstantinos Stafylidis vom Ligakonkurrenten FC Augsburg. Ein eher defensiv geprägter, zweikampfstarker Linksverteidiger, ablösefrei obendrein. Der 25-Jährige wäre (auch in Kombination mit Adamyan) prädestiniert für eine Grundordnung mit Viererkette, "kann aber auch eine Position weiter vorne agieren, wenn wir mit drei Spielern aufbauen", erklärt Manager Alexander Rosen.

Auch um die Demirbay-Lücke zu schließen, muss Hoffenheim nicht zwingend investieren. Mit Leonardo Bittencourt, Nadiem Amiri, Lukas Rupp, Dennis Geiger und Christoph Baumgartner verfügt das aktuelle Aufgebot über reichlich Alternativen für die Position Acht. Zudem sind auch unter den zuletzt verliehenen Spielern noch potenzielle Kandidaten wie etwa Vincenzo Grifo (aktuell beim SC Freiburg, Vertrag bis 2022) oder Steven Zuber (beim VfB Stuttgart, Vertrag bis 2020) oder der bereits seit vergangenem Sommer an den potenziellen Bundesligaaufsteiger Union Berlin ausgeliehene Robert Zulj (Vertrag bis 2020). Da stellt sich eher die Problematik des gezielten Aussortierens.

VfL Wolfsburg gegen FC Augsburg im Livestream am 18.05.2019

Es ist Feuer drin beim VfL Wolfsburg in der Woche vor dem entscheidenden Spiel gegen den FC Augsburg. Ein Sieg, und der Fast-Absteiger der Vorjahre spielt in der nächsten Saison international. Am Dienstag im Training wird es emotional. Mittendrin: Wout Weghorst, der extrem ehrgeizige Torjäger. Als ihm im Trainingsspiel keine Treffer gelingen, kocht er vor Wut, Bruno Labbadia schickt ihn zur Abkühlung in die Kabine. Der Niederländer tritt mit voller Wucht gegen eine Bande, schreit seinen Frust heraus. "Er hat sich einfach zu sehr aufgeregt, weil er ein paar Mal nicht getroffen hat", erklärt der Trainer die Situation. "Es war jetzt einfach genug, da ist es dann mal gut, wenn man ihn reinschickt."

Am Mittwoch stand Weghorst wieder ganz normal auf dem Übungsplatz, am Samstag will der VfL dann vom Ehrgeiz seines Topscorers (14 Treffer, sechs Vorlagen) profitieren. "Ich möchte unbedingt, dass wir in die Europa League kommen", sagt Labbadia vor seinem 45. und letzten Ligaspiel als VfL-Trainer. Damit saß er deutlich länger auf der Wolfsburger Bank als seine Vorgänger Martin Schmidt (19 Spiele), Andries Jonker (16 Spiele) und Valerien Ismael (15 Spiele). Labbadias bemerkenswerte Bilanz: Mit 17 Siegen feierte er schon jetzt mehr dreifache Punktgewinne als seine drei Vorgänger zusammen - Ismael, Jonker und Schmidt kamen in 50 Partien zusammen nur auf 13 Erfolge. Kurioserweise kommt es gegen Augsburg zum Aufeinandertreffen mit Schmidt, der dem VfL mit seinem Rücktritt am 19. Februar 2018 erst zum Glücksfall Labbadia verholfen hat. Einen Kontakt gab es damals nicht zwischen Vorgänger und Nachfolger. Labbadia: "Ich wollte unvoreingenommen reingehen."

Mit Ach und Krach gelang vor einem Jahr die Rettung, nun geht es um die Europa League. Und für Labbadia um einen triumphalen Abschied aus der Volkswagen-Arena. Dort, wo ihn einige Fans damals mit hämischen Gesängen ("Wir steigen ab, wir kommen nie wieder, wir haben Bruno Labbadia") empfingen. "Ich erinnere mich viel mehr an das, was schön war", sagt der Trainer im Rückblick. "Für mich ist es emotional. Auch wenn es gar nicht mal so lange war, war es eine so intensive Zeit." Was sich der 53-Jährige zum selbstgewählten Abschied wünscht, liegt auf der Hand: "Das schönste Geschenk wäre es, wenn wir es nach Europa schaffen."

Fortuna Düsseldorf gegen Hannover 96 im Livestream am 18.05.2019

Gegenwart und Zukunft sind womöglich gleichzeitig zu besichtigen am Samstag. Auf der einen Seite steht Michael Rensing im Tor, der seinen Vertrag am Dienstag bis 2020 verlängerte. Auf der anderen Seite Michael Esser, den die Fortuna gerne aus seinem ebenfalls bis 2020 laufenden Vertrag in Hannover loseisen würde. Das Interesse ist schriftlich hinterlegt, erfüllt aber längst nicht die Erwartungen beim Absteiger, der rund zwei Millionen für seinen Keeper fordert.

Ex-Bayern-Torhüter Rensing, der am Dienstag 35 wurde, bleibt also noch mindestens ein Jahr und geht damit in seine siebte Saison beim Aufsteiger. "Für alle Fortunen und für mich persönlich war es eine Märchensaison", schwärmt Rensing. "Daher freuen wir uns, das in der nächsten Saison noch mal zu erleben." Per Option könnte sich sein Vertrag sogar bis 2021 verlängern; zudem ist eine weitere Anstellung Rensings über das Karriere-Ende hinaus angedacht. Das Aufstiegsjahr hatte der Routinier wegen zweier Rippenbrüche weitgehend verpasst; zu Beginn der aktuellen Runde hatte er Aufstiegskeeper Raphael Wolf wieder abgelöst. Nach mäßiger Hinrunde steigerte sich Rensing, absolvierte bisher 31 Partien und überzeugte zuletzt bei den Siegen gegen Gladbach, Berlin und Bremen. Aber trotz nach wie vor toller Reflexe ist Rensing wegen der bekannten Schwäche in der Strafraumbeherrschung eher nicht der Mann, der in der nächsten Saison als Nummer 1 ins Rennen geht.

Esser also ist einer der Kandidaten, auch über Gregor Kobel (Hoffenheim/zuletzt Augsburg), Christian Mathenia (Nürnberg) und Dresdens Markus Schubert wird nachgedacht. Der ablösefreie U-21-Nationaltorwart ist aber von vielen Klubs umworben.

Ohnehin gibt es einige Bewegung unter Fortunas Torhütern. Jaroslav Drobny (39), im Winter geholt und nach Mittelhandbruch nun wieder einsatzfähig, wird den Klub wie geplant verlassen. Neu dabei ist ab dem Trainingsbeginn am 30. Juni Florian Kastenmeier (21), der vom VfB Stuttgart II kommt und bis 2022 unterschrieb. Die Zukunft von Raphael Wolf (30) ist nach wie vor ungewiss. Der in der vorigen Saison überzeugende Torhüter kommt seit Monaten wegen Schwindelanfällen und Nackenbeschwerden nicht auf die Beine. Immerhin kann er momentan leicht individuell trainieren.

Kurios die Situation um Jannick Theißen, der für die U 23 eingeplant war, in dieser Saison aber 23-mal als Ersatzmann in der Bundesliga auf der Bank saß, jedoch nie benötigt wurde. Der 21-Jährige unterschrieb seinen ersten Profi-Vertrag, wird aber in den Kampf ums Fortuna-Tor nicht eingreifen. Er soll ausgeliehen werden und anderswo Spielpraxis sammeln.

Bis zum Ende der Woche will Martin Kind nun abschließend darüber befinden, wer künftig als Sportdirektor die Geschicke in Hannover mit lenken soll. Spekulationen, dass es am Ende doch auf den scheinbar schon aus dem Rennen geratenen Dietmar Beiersdorfer hinausläuft, ließ der 96-Profiboss lediglich als solche im Raum stehen.

Auch ohne den neuen Mann auf der Führungsebene schreitet die Kaderplanung allmählich voran, teilweise freilich ohne Dazutun des feststehenden Absteigers. So teilte Pirmin Schwegler, dessen Vertrag nur für die 1. Liga gilt, mit, den Verein in Richtung Australien zu verlassen. Der Schweizer will sich beim Babbel-Klub Western Sydney Wanderers einen Lebens-
traum verwirklichen. Gehen wird auch Ihlas Bebou, dessen angeblich bevorstehender Wechsel für festgeschriebene zehn Millionen Euro nach Mönchengladbach von Hannover-Seite bislang aber nicht bestätigt wird.

Angebote werden unterdessen eigenen Spielern unterbreitet, deren Verträge auslaufen. Nach zwei Kreuzbandrissen spielte sich Edgar Prib zuletzt sportlich in den Vordergrund, menschlich gilt er ohnehin als wichtiger Faktor. Dem 29-Jährigen winkt eine Verlängerung. Ebenso wie Felipe, der sich ebenfalls auf dem Platz in der Verteidigung zuletzt tadellos präsentierte, ehe sich vor zwei Wochen in Form eines Mittelfußbruchs das unglaubliche Verletzungspech bei dem Brasilianer zurückmeldete. Weil er sportlich überzeugte und gesundheitlich - wie privat - in einer schwierigen Situation steckt, will Hannover dem 32-Jährigen auch aus sozialen Erwägungen einen leistungsbezogenen neuen Kontrakt anbieten. Zum Härtefall könnte dagegen Fan-Liebling Marvin Bakalorz (Foto) werden. "Ich mache mir in Ruhe meine Gedanken", sagte der Kapitän nach dem besiegelten Abstieg. Ob 96 mit ihm in die 2. Liga gehen will, bleibt ebenso offen wie die Lage bei Rechtsverteidiger Oliver Sorg.

Auch im Tor herrscht Ungewissheit. Michael Esser könnte seine gute Saison mit einem "persönlichen Klassenerhalt" vergolden. Bei Samuel Sahin-Radlinger hängt eine Verlängerung davon ab, ob 96-Leihgabe Philipp Tschauner in Ingolstadt bleibt oder - bei einem Abstieg des FCI - kraft seines Vertrages bis 2020 nach Hannover zurückkehrt.

 
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