Willkommen auf www.bundesliga-livestream.de
FC Köln gegen SC Paderborn im Livestream am 20.10.2019
Sonntag, 20. Oktober 2019

Zuletzt auf Schalke stellte Kingsley Ehizibue einen bemerkenswerten Rekord auf. Einer der Sprints des holländischen Rechtsverteidigers wurde mit 35, 85 km/h gemessen, es war dies der schnellste intensive Lauf, den jemals ein Bundesligaprofi absolvierte, seitdem es diese Messung gibt. So weit, so gut. Im gleichen Spiel aber fiel "Easy" auch dadurch auf, dass er wegen einer Reihe von Fouls fast vom Platz geflogen wäre und deshalb ausgewechselt werden musste. Oder dass er eine Kopfballchance nicht nutzte, die in die Kategorie "einhundert Prozent" gehört. Was noch fehlte im Bewertungsbogen: Geschick im Zweikampf, gefährliche Flanken, Übersicht im Spiel aus der Tiefe. Sein Einsatz ist in jedem Spiel vorbildlich, seine Qualitäten deutet er immer wieder an - der Ertrag aber ist überschaubar.

In dieser Woche gab es Extraschichten für den meist gut gelaunten Abwehrspieler. Co-Trainer André Pawlak schlug lange Bälle auf die rechte Außenbahn, Ehizibue sollte mit der Annahme sofort in die Vorwärtsbewegung kommen, um dann möglichst präzise Flanken zu schlagen. Auch hier stellte er seine Vorzüge durchaus unter Beweis. Aber Vorzüge sind nur dann welche, wenn sie im Ernstfall der Mannschaft helfen. Da hapert es bei ihm. Trainer Achim Beierlorzer zeigt Geduld: "Easy ist ein toller Junge, der unheimlich viel Potenzial hat. Wir arbeiten fleißig mit ihm, und es macht unheimlich Spaß, weil er sehr offen ist und alles annehmen möchte. Wir haben bei ihm schon einige herausragende Aktionen gesehen, aber da geht noch viel, viel mehr."

Genau darauf kommt es aktuell an. Luft nach oben weist so gut wie jeder FC-Profi auf. Mitaufsteiger Paderborn muss geschlagen werden, will man nicht wieder die Diskussionen haben, die man nach der Pleite gegen die Berliner Hertha hatte. Auf wen Beierlorzer am Sonntag bauen will, steht noch nicht fest. Kapitän Jonas Hector wird auf jeden Fall bis zum Sonntag fit, ihn ließ der Trainer in dieser Woche im zentralen Mittelfeld ran. Dies lässt darauf schließen, dass Birger Verstraete (Knieprobleme) nach vierwöchiger Pause noch nicht von Beginn an auflaufen wird, obwohl er ab Donnerstag ins Mannschaftstraining einsteigt. Hector und der Tunesier Ellyes Skhiri machten ihre Sache als Doppelsechs auf Schalke gut, Noah Katterbach vertrat Hector hinten links ordentlich -
warum etwas ändern? Das muss nicht für die vordere Linie gelten. Mit ziemlicher Sicherheit werden gegen Paderborn zwei Stürmer auflaufen, wobei Simon Terodde als gesetzt gelten dürfte und entweder Jhon Cordoba oder Anthony Modeste auf der Bank sitzen werden.

Die guten Auftritte von Youngster Luca Kilian in der Bundesliga und in der deutschen U 21 sind für Paderborns Martin Przondziono gleich in mehrerlei Hinsicht erfreulich. "Mit seiner Leistung hilft er unserer Mannschaft", sagt der Sport-Geschäftsführer. Die Schnelligkeit, die der aus der zweiten Mannschaft des BVB geholte 20-Jährige und sein Nebenmann Sebastian Schonlau in der neu formierten Innenverteidigung einbringen, ermöglicht etwa ein noch höheres Verteidigen - ideal für das so auf druckvolle Offensive ausgelegte Spiel der Ostwestfalen. "Geschichten wie die von Luca sind für uns aber auch hilfreich, wenn wir damit in Gesprächen mit möglichen Neuzugängen auf die guten Entwicklungsmöglichkeiten in Paderborn hinweisen können", so Przondziono.

Ein nächster Transfer in dieser SCP-Manier könnte der von Tobias Eisenhuth sein. Der Defensivspieler schaffte mit seinerzeit erst 17 Jahren den Sprung in die Regionalliga-Elf von Energie Cottbus und verfügt über großes Potenzial. "Er ist einer von vielen interessanten Spielern, die wir beobachten", bestätigt Przondziono, der kürzlich im Cottbuser Auswärtsspiel beim Berliner AK auch einen kurzen Eindruck von Energie-Stürmer Moritz Broschinski gewann.

Wie ernst es den Klubverantwortlichen mit ihrer Philosophie ist, zeigte erst jüngst der mitten im Bundesliga-Alltag vollzogene Komplettumbau des Abwehrzentrums, bei dem zwei verdiente Strategen das Nachsehen hatten. Zuerst verdrängte Kilian gegen den FC Bayern Kapitän Christian Strohdiek aus der Startelf, eine Woche später ersetzte der wiedergenesene Schonlau schließlich Rekordspieler Uwe Hünemeier.

Letzteren traf das Pech in den vergangenen Tagen besonders hart: Erst musste er nach einem ordentlichen Spiel beim 2:3 gegen die Bayern die Versetzung auf die Bank hinnehmen, dann zog er sich im Training einen Bänderriss zu. Womöglich rückt nun mit Sommer-Neuzugang Jan-Luca Rumpf (20), der in der U 21 stark spielt und bei den Profis gut trainiert, das nächste Talent in der Hierarchie vor Hünemeier. Von einer endgültigen Wachablösung aber will Przondziono nichts wissen: "Hüne wird bei uns sicher seine Wichtigkeit behalten."

Borussia Dortmund gegen Mönchengladbach im Livestream am 19.10.2019
Samstag, 19. Oktober 2019

Die Verbindung zwischen Borussia Mönchengladbach und Nico Schulz war eine eher unglückliche. Zwei Jahre lang trug der Linksverteidiger das Trikot der Fohlen, kam zwischen 2015 und 2017 allerdings - auch aufgrund eines früh erlittenen Kreuzbandrisses - nur auf insgesamt 14 Bundesliga-Einsätze. Und dennoch fiebert der heute 26-Jährige dem Borussen-Duell zwischen seinem neuen Klub aus Dortmund und seinem früheren aus Mönchengladbach entgegen, soll es doch so etwas wie ein zweiter Startschuss für seine Zeit bei den Schwarz-Gelben sein.

Denn auch in Dortmund verlief die erste Zeit für Schulz eher holprig. So richtig angekommen ist er noch nicht, der 25-Millionen-Euro-Einkauf aus Hoffenheim, der auf der linken BVB-Seite langfristig für Stabilität und Offensivdrang gleichermaßen sorgen soll. Nur vier Einsätze, zwei in der Liga, je einer im DFB-Pokal und im Supercup, stehen in seiner bisherigen Saisonbilanz, bedingt durch eine langwierige Fußverletzung, die ihn zuletzt zu einer wochenlangen Pause zwang.

Die jedoch soll bald enden. Möglichst schon gegen seinen Ex-Verein aus Mönchengladbach. "Ich trainiere wieder voll mit der Mannschaft, der Fuß hat bislang gehalten", sagt Schulz und legt Wert darauf zu betonen, dass "wir nicht wenig gemacht haben in der Länderspielpause". Ob die Zeit bis Samstag reicht, wieder in eine startelftaugliche Verfassung zu kommen? Schulz ist hoffnungsfroh, will aber keine konkrete Prognose abgeben. Das Wichtigste für ihn aber ist wieder gegeben: "Ich fühle mich gesund." Und damit bereit, wieder anzugreifen und zurück ins Team zu drängen.

Denn zur Wahrheit seiner ersten Wochen in Dortmund gehört auch, dass es sein Trainer Lucien Favre war, der ihn nach einem schwachen Spiel beim 3:1-Sieg in Köln anschließend gegen Union Berlin, wo es unverhofft eine 1:3-Pleite setzte, aus Leistungsgründen auf die Bank verbannt hatte. Der auf defensive Stabilität bedachte Schweizer, mit dem Schulz bereits auf seiner ersten Profistation bei Hertha BSC und später auch in Mönchengladbach zusammenarbeitete, zog ihm Achraf Hakimi vor. Der Marokkaner allerdings wird im Borussen-Duell auf der rechten Seite benötigt, da Lukasz Piszczek aufgrund eines Faserrisses ausfällt. Die Chance für den genesenen Schulz? Nicht zwingend: Auch Raphael Guerreiro, dessen Vertrag in Kürze offiziell bis 2023 verlängert wird, ist eine Alternative.

Am Mittwoch unterzog sich Stefan Lainer einem ersten kleinen Test. Er ging raus auf den Platz und absolvierte Teile des Mannschaftstrainings, Lauf- und Passübungen. Tatsächlich ist einiges schon möglich nach dem gegen Augsburg (5:1) erlittenen Bänderriss im Sprunggelenk. Aber eben nicht alles.

Den nächsten Versuch wird der Rechtsverteidiger in den nicht öffentlichen Trainingseinheiten am Donnerstag und Freitag unternehmen. "Ich habe mich herangetastet und bin auf einem guten Weg", ist Lainer zunächst einmal zufrieden. Doch ob es schon für Dortmund reicht? Da schwankt er zwischen Hoffnung und Skepsis. "Ich werde alles versuchen, um am Samstag spielen zu können", versichert Lainer. "Aber sicher ist es nicht, dass es reicht. Es muss ja im Spiel alles zu 100 Prozent funktionieren."

Lainers Ausfall wäre ein großer Verlust für die Fohlen. Schließlich fällt mit Abwehrchef Matthias Ginter (Schulterverletzung) schon ein Eckpfeiler der Viererkette aus. Der deutsche Nationalspieler versprüht dennoch Zuversicht. "Wir werden in Dortmund schon eine gute Abwehrreihe auf den Platz bringen", sagt Ginter, "egal in welcher Formation."

Ein Fall für Tony Jantschke wird das Borussen-Duell ganz sicher. Sein Einsatz ist unabhängig von der Frage, ob Lainer den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt oder nicht. Sollte Jantschke nicht die Vertretung auf der Rechtsverteidigerposition übernehmen, darf Borussias "Mr. Zuverlässig" in der Innenverteidigung ran. Und in Gladbach weiß man: Auf Jantschke ist Verlass, wenn er gebraucht wird. Eine Qualität, die einst auch Kultfigur Roel Brouwers, zwischen 2007 und 2016 bei den Fohlen unter Vertrag, verkörperte. "Diese Fähigkeit", sagt Jantschke, "habe ich an Roel immer bewundert." Und genau wie der Niederländer früher geht auch das Gladbacher Urgestein sachlich nüchtern mit der eigenen sportlichen Situation um. Er ist auf dem Papier zwar im Moment der Innenverteidiger Nummer drei, aber Jantschke weiß: "Ich kriege meine Spiele, auch wenn ich nicht in jeder Begegnung dabei bin."

Union Berlin gegen SC Freiburg im Livestream am 19.10.2019

Die erfolgreiche Ära Christian Streichs beim SC Freiburg ist eng mit Standardsituationen verknüpft. Seit der 54-Jährige zur Rückrunde 2011/12 das Traineramt bei den Breisgauern übernommen hat, erzielen seine Mannschaften einen wesentlichen Teil ihrer Tore durch oder nach ruhenden Bällen. Gleich in seiner ersten Halbserie führte Streich den SC vom letzten Tabellenplatz (13 Punkte) sensationell zum Klassenerhalt (40 Zähler, Rang 12). Ein Erfolgsgeheimnis: 14 der insgesamt 24 Tore resultierten aus Standards. Der Anteil von 58 Prozent bedeutete in dieser Rückserie ligaweit Rang 1. Der für Standardtraining und -varianten zuständige Co-Trainer Lars Voßler, seit Sommer 2017 vom weiteren Assistenten Florian Bruns in diesem Ressort unterstützt, gab seine Expertise auf Nachfrage vor der WM 2014 gar an Joachim Löw und dessen Trainerteam weiter. Mit bekanntem Erfolg.

Weitere Bestmarken: 33 Standardtore in der Zweitligasaison 2015/16 (von 75), zuletzt war zweimal wieder der Anteil top. 2017/18 bedeuteten 18 von 32 Treffern 56 Prozent und damit Rang 1, 2018/19 waren 19 von 46 Toren 41 Prozent und Rang 2. Gerade 2017/18 trugen die ruhenden Bälle bei der insgesamt schwachen Offensive einen wesentlichen Teil zum knappen Klassenerhalt bei. Nie fiel der Anteil der Standardtore bei Streich unter 30 Prozent - bis jetzt.

Aktuell überrascht der Sport-Club die Liga, hat mit 15 Treffern die drittmeisten hinter Bayern (20) und Dortmund (19) erzielt und grüßt von Platz 4. Standards, und das ist die nächste Überraschung, sind dabei jedoch kaum ein Faktor. Lediglich zwei Elfmetertore (zweimal Luca Waldschmidt) sowie ein Treffer nach einem Einwurf stehen bisher in der Statistik, macht nur 20 Prozent. Aber ist das überhaupt bedauernswert?

"Erst mal ist es positiv, dass wir viele Tore aus dem Spiel heraus machen", betont Mittelfeldstratege Nicolas Höfler. "Es ist schön, dass wir davon nicht abhängig sind, das wäre nicht gesund", sagt Sportvorstand Jochen Saier. Auch beim Abstieg 2015 hatte der SC nämlich einen hohen Standard-Anteil (17/36). Höfler fügt aber an: "Dass wir nach sieben Spielen noch kein Eckballtor gemacht haben, sagt auch etwas aus. Standards sind und werden weiter wichtig für uns sein, gerade in den schwierigen Phasen." Die werden wohl noch auf den SC zukommen in der bislang so euphorisierenden Spielzeit. Zum Glück gibt es in dieser Hinsicht auch einen Joker: Vincenzo Grifo. Der Rückkehrer ist einer der besten Standardschützen der Liga, kam bislang aber noch nicht viel zum Einsatz. Und: Auch die Standard-Verteidigung - letztes Jahr mit 23 von 61 Gegentreffern absolut und relativ gesehen auf dem Tiefpunkt - stimmt bislang wieder. Erst zwei der sieben Gegentreffer fielen nach ruhenden Bällen.

FC Augsburg gegen Bayern München im Livestream am 19.10.2019

Die Gelegenheit wäre durchaus günstig. Schließlich sorgte Tomas Koubek mit seinem Slapstick-Patzer vor dem vierten Gegentor nicht nur für die skurrilste und einprägsamste Szene beim 1:5-Debakel in Gladbach. Der Keeper des FC Augsburg bekam in dieser Partie zudem einen Schlag auf den Knöchel und konnte anschließend ein paar Tage nicht trainieren. Es ließen sich also gewiss Argumente für einen Torwartwechsel finden, ohne den Tschechen dabei völlig zu demontieren. Zumal Stellvertreter Andreas Luthe im Vorjahr nach schweren Fehlern seines Konkurrenten Fabian Giefer ausgerechnet gegen den FC Bayern in die Startelf rückte - und beim 1:1 in München bärenstark hielt.

Doch Martin Schmidt schließt einen Tausch im Tor aus. "Für mich ist die Position mit Tomas Koubek fix", sagt der Trainer und nimmt seine Nummer 1 in Schutz. Koubek sei bei den ersten drei Gegentoren in Gladbach von seinen Vorderleuten "alleingelassen" worden, es wäre daher "komplett falsch", ihm die Niederlage anzuhängen. Auch um die mentale Verfassung des Torhüters sorgt sich Schmidt nicht: "So ein Nackenschlag hängt ein bisschen länger in den Kleidern, das geht nicht spurlos an ihm vorbei", sagt er zwar. Aber Koubek sei "Profi genug, um das abzuhaken. Damit muss und kann er umgehen".

Die Diskussionen um den Torwart dürften sich trotzdem fortsetzen. Es geht schließlich nicht nur um den Aussetzer und die fünf Gegentore von Gladbach, sondern um die insgesamt wenig überzeugenden Leistungen des Neuzugangs, für den Augsburg im Sommer die exorbitante Ablöse von 7,5 Millionen Euro an Stade Rennes bezahlt haben soll. Bislang ist Koubek dieses Geld nicht im Ansatz wert. Von 41 Schüssen auf sein Tor wehrte er nur 22 ab - die Quote von 53,7 Prozent ist schwach, Top-Keeper kommen auf weit über 70 Prozent. Dem 27-Jährigen unterliefen zudem bereits vier grobe Fehler vor Gegentoren, drei davon beim 1:5 in Dortmund.

Bei seiner Ankunft in Augsburg Anfang August soll Koubek deutliches Übergewicht mit sich herumgeschleppt haben, auf dem Feld wirkte der 1,98-Meter-Mann in vielen Szenen schwerfällig und unbeweglich. Einige gute Reaktionen auf der Linie wurden von Unsicherheiten und Abstimmungsproblemen konterkariert. Bislang ist der Keeper ein Schwachpunkt und kein Rückhalt. Dass ihn die Verantwortlichen trotzdem stützen, könnte auch damit zu tun haben, dass Koubek zu teuer war, um ihn jetzt schon aus dem Tor zu nehmen. Ihre Einschätzungen gehen dabei bisweilen deutlich an der Realität vorbei. Manager Stefan Reuter etwa lobte kürzlich die gezielten Anspiele des Torwarts. Die Zahlen sagen etwas anderes. Koubeks Passquote ist mit nur 58,4 Prozent die schlechteste aller Bundesligakeeper. Er spielt die zweitmeisten langen Bälle (23 pro Spiel), von denen nur 41,1 Prozent ankommen. Klingt alles in allem nach einem handfesten Torwartproblem - auch wenn das beim FCA niemand zugeben will.

Ein Jahr ist vergangen, seit Niko Kovac in seine erste Krise als Bayern-Trainer schlitterte. Überraschende Punktverluste und Niederlagen wechselten sich von Ende September bis Ende November mit mühevollen Siegen ab. In die zweite Länderspielpause verabschiedete sich der Rekordmeister damals mit einer 0:3-Heimniederlage gegen Mönchengladbach. Vor zwei Wochen sorgte Hoffenheims 2:1-Coup quasi für eine Duplizität der Ereignisse. Ein Ausrutscher? Nicht nur wegen dieses Ergebnisses stellt sich die Frage, wie gefestigt die Mannschaft mittlerweile ist oder ob erneut stürmische Herbstwochen drohen.

Nach wie vor leistet sich der FCB Patzer gegen vermeintlich leichte Gegner, vor allem zu Hause. Im Herbst 2018 durften sich Augsburg, Freiburg und Düsseldorf über unerwartete Teilerfolge freuen, in dieser Saison holte Hertha BSC ein 2:2 , Hoffenheim siegte zum ersten Mal überhaupt dort.

Auch wenn die Bilanz beider Jahre nach elf Pflichtspielen identisch ist - sieben Siege, zwei Remis, zwei Niederlagen -, lässt sich keine Schablone darüberlegen. In seinem Premierenjahr startete Kovac mit sieben Erfolgen perfekt, ein 1:1 gegen den FC Augsburg - den kommenden Gegner - stoppte die Serie. 2019/2020 wechseln sich Höhen und Tiefen ab, fast schon unerklärlich, wie der 7:2-Gala bei Tottenham die Heimniederlage gegen 1899 folgen konnte.

Ein Kernproblem ist geblieben: Die Münchner kassieren zu einfache und für ein Spitzenteam zu viele Gegentore. In dieser Spielzeit mussten sie bereits fünfmal einem Rückstand hinterherlaufen, nur zweimal gelang dabei noch ein Sieg. 13 Gegentore zum aktuellen Zeitpunkt sind sogar vier mehr als 2018, obwohl sich Torwart Manuel Neuer anders als vor zwölf Monaten längst wieder in herausragender Form präsentiert. Dennoch konnte er sein Tor nur in drei von elf Pflichtspielen sauber halten, vor Jahresfrist gelang dies noch fünfmal. Wettmachen muss dies die Offensive, die mit 33 anstelle von 21 Toren deutlich an Effizienz zugelegt hat. Viel davon hat freilich mit der individuellen Klasse und Topform von Robert Lewandowski zu tun, der bereits auf 13 Pflichtspieltreffer für Bayern kommt. Der 31-Jährige war bislang an jedem der ersten sieben Spieltage erfolgreich. Gelingt ihm dies auch in Augsburg, stellt er den Bundesligarekord des Ex-Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang von 2015 ein. Die Chancen stehen gut, Lewandowski erzielte gegen den FCA schon 18 Tore in 14 Partien, nur Wolfsburg schob öfter Frust gegen ihn (20 Tore in 17 Duellen).

Der Auftrag vor Augsburg ist klar: Ein Szenario wie der bayerische Herbst 2018 muss unbedingt vermieden werden. Wiederholung unerwünscht! Die Personalsituation ist ein wichtiger Faktor, der Kovac positiv stimmen sollte. Vor einem Jahr fehlten ihm in der Krise Kingsley Coman und Corentin Tolisso verletzt komplett, Thiago über viele Wochen, zum Ende hin auch James. Solche Sorgen muss sich der seit Dienstag 48 Jahre alte Trainer aktuell nicht machen. Leon Goretzka kehrte nach seiner Oberschenkel-OP diese Woche ins Mannschaftstraining zurück, auch David Alabas Comeback nach einem Haarriss in den Rippen steht bevor. Lucas Hernandez überstand 90 Minuten in der französischen Startelf schadlos, sodass bis auf Youngster Fiete Arp (Kahnbeinbruch) der komplette Kader um Einsatzminuten kämpft. Hier ist Kovac als Moderator gefragt, wie überall gilt: Stimmen die Ergebnisse, haben die Reservisten keine Argumente. Nur wenn es kriselt.

Fortuna Düsseldorf gegen FSV Mainz 05 im Livestream am 19.10.2019

Es passt momentan ins Bild bei Fortuna Düsseldorf, dass jetzt auch noch Torwarttrainer Claus Reitmaier ausfällt. Der Routinier unterzog sich am Mittwoch einer Meniskus-Operation; bis auf Weiteres werden Zack Steffen und Co. von Dirk Zimmermann angeleitet, dem Torwarttrainer der U 23.

Ausfälle durch Verletzungen kommen gehäuft vor in dieser Saison; immer wieder muss Friedhelm Funkel umbauen, auch vor dem Schlüsselspiel gegen Mainz. Die ständigen Muskelverletzungen waren neulich ein Thema beim Gipfel mit Trainerteam, Physios und Sportvorstand. Dawid Kownacki hat es in der neuen Saison bereits zweimal erwischt, gegen Mainz kommt für den Offensivmann ebenso wie für Jean Zimmer nur ein Teilzeit-Einsatz infrage. Kapitän Oliver Fink fällt wegen Oberschenkelbeschwerden aus, Alfredo Morales hat gerade seinen Faserriss in den Adduktoren überwunden, meldet sich nun aber wegen Grippe ab.

Nach der schlappen Vorstellung beim 1:3 in Berlin, als sogar Aggressivität und Laufbereitschaft fehlten, zieht Funkel die Zügel an. "Zuletzt haben wir zu oft spielerische Lösungen gesucht. Wir müssen robuster in den Zweikämpfen auftreten", fordert der Trainer. Und mal eine Führung ins Ziel retten. Fünfmal in Folge gelang nach einem 1:0 kein Dreier und insgesamt nur ein einziger Punkt nach dem Starterfolg in Bremen.

In der vorigen Saison brachte eine englische Woche im Dezember mit neun Punkten die Fortuna auf Kurs, nun will der Vorjahres-aufsteiger in drei Spielen gegen "Konkurrenten auf Augenhöhe" (Pfannenstiel) den Herbstblues überwinden, gegen Mainz, in Paderborn und gegen Köln. "Gegen Mainz", findet der zuletzt arg kritisierte Linksverteidiger Niko Gießelmann, "können wir einiges geraderücken. Ich sehe das nicht als Druck, sondern als Chance."

Ein Ansatz zur Besserung könnte die mäßige Laufleistung sein: 113,0 Kilometer laufen die Düsseldorfer pro Spiel, nur der 1. FC Köln läuft im Schnitt noch weniger (110,7). Das lässt sich allerdings auch dadurch erklären, dass Fortuna meist tief steht und im Spiel gegen den Ball weniger Räume überbrücken muss.

Wenig zu sehen ist allerdings von der Kompaktheit, die das Team im Vorjahr auszeichnete. "Wir müssen wieder dahinkommen, dass jeder dem anderen hilft", findet Matthias Zimmermann. "Ekliger im Zweikampf, aggressiver." Bisher ließ Fortuna schon 57 Chancen zu (8,1  pro Spiel); vorige Saison waren es nur 5,6. Und die mäßige Offensivleistung mit schwachem Umschaltspiel wird überdeckt durch eine grandiose Chancenverwertung. Mit 36,0 Prozent liegen Funkels Schützlinge hier sogar auf Platz 1.

"Wichtigen Boden in der Tabelle gutmachen", das will Daniel Brosinski mit Mainz 05 in Düsseldorf. Nach dem 2:1-Sieg beim SC Paderborn ist es das zweite von drei Spielen im Oktober gegen einen direkten Konkurrenten. Danach steht das Duell mit Köln an. "Bei der Fortuna wollen wir an die Zielstrebigkeit, die wir in Paderborn gezeigt haben, anknüpfen", betont der 31-Jährige.

Ob er dazu als Links- oder Rechtsverteidiger beitragen kann, ist offen. Einiges spricht dafür, dass Trainer Sandro Schwarz erneut auf die Variante setzt, die nach dem Muskelfaserriss des inzwischen genesenen Aaron praktiziert wurde: Brosinski rückte von rechts auf links, was gut funktionierte. "Vom Verteidigen her sehe ich keine großen Unterschiede. In der Offensive habe ich links zusätzlich die Option in die Mitte zu ziehen, um den Ball auf meinen starken rechten Fuß zu legen, wenn ich nicht mit links flanke oder den Außenrist nehme. Über links ist mein Spiel sogar ein Stück flexibler", findet er.

Mit dem verwandelten Foulelfmeter gegen Paderborn hat Brosinski für einen neuen Bundesligarekord gesorgt (Mainz verwandelte den 25. Elfmeter nacheinander)und dafür, dass 2019/20 nun drei Mainzer Tore aus seinen Standards resultieren, was nur noch bei Bayerns Robert Lewandowski und Bremens Nuri Sahin der Fall ist.

Sechs der 25 Elfmeter gehen auf das Konto des aktuellen Schützen, der sich diese Nervenstärke früh angeeignet hat. "Zuletzt habe ich es in der Jugend trainiert. Damals ist man noch zwei Stunden vor dem Training auf den Platz gegangen und hat die Pille genommen", erzählt er. Der letzte Mainzer Fehlschuss passierte übrigens Adam Szalai im April 2013. Dem Stürmer bei der nächsten Gelegenheit den Ball zu überlassen hält Brosinski gegebenenfalls für suboptimal: "Schau’n mer mal, was der Spielstand hergibt. Wenn wir 0:1 hinten liegen oder es 1:1 steht und der Elfmeter die letzte Situation des Spiels ist, wäre der Trainer wohl nicht so glücklich, wenn wir den Schützen wechseln. Wenn es aber 3:0 oder 4:0 steht, dann ist es auf jeden Fall eine Überlegung wert …"

Werder Bremen gegen Hertha BSC im Livestream am 19.10.2019

Nach der Länderspielpause, kündigte Manager Frank Baumann schon vor Wochen an, "können wir vielleicht von einem zweiten Startschuss reden". Eine Metapher, die gut zur tatsächlich eingetretenen Stimmung an der Weser passt. Nach schwierigen Wochen mit dramatischer Personalmisere und den großkalibrigen Gegnern Leipzig, Dortmund sowie Frankfurt hat Werder dank eines kämpferischen Kraftakts die Basis erhalten, weiter ums Saisonziel Europa mitzuspielen. Jetzt soll der eigentliche Angriff eingeläutet werden.

Der Begriff "Neustart", bestätigt Maxi Eggestein im Weserkurier mit Blick aufs Spiel gegen Hertha "trifft es ein Stück weit". Trainer Florian Kohfeldt macht sich und allen bewusst, "dass es gegen die Mannschaften auf Augenhöhe jetzt natürlich darauf ankommt, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen". Für die Partie am Samstag kündigte der Fußballlehrer bereits unmittelbar nach dem 2:2 in Frankfurt reichlich forsch an: "In zwei Wochen spielen wir in unserem schönen Stadion und gewinnen da."

Eine solche Ansage ist ebenso außergewöhnlich wie die Strategie, schon am 8. Spieltag eine Begegnung derart mit Bedeutung aufzuladen. Gewiss: Der Zugzwang ergibt sich unabhängig davon sowieso aus dem Blick auf die Tabelle. Doch bei negativem Ausgang am Samstag wäre die Enttäuschung angesichts der jetzt bewusst aufgebauten Motivationslage umso tiefer. Die Köpfe der Spieler, vorerst weiterhin voll auf Europa ausgerichtet, müssten dann zwangsläufig neu justiert werden.

Das gilt freilich nicht für die bisher gezeigte Mentalität auf dem Rasen. "Den Willen der letzten Wochen mitnehmen - und wieder besser Fußball spielen", lautet Kohfeldts Losung. Doch sind die Voraussetzungen dafür wirklich so viel besser als zuletzt? Der zurückerwartete Ömer Toprak fehlte am Mittwoch im Training. Ebenso Yuya Osako, den Kohfeldt als Joker im Hinterkopf hatte. Mit Niklas Moisander war ohnehin noch nicht zu rechnen. Und an den viel beschworenen Automatismen konnte nur bedingt gearbeitet werden. Neben den Länderspielfahrern fehlten im Test auf St. Pauli (0:1) auch Nuri Sahin, Milos Veljkovic, Davy Klaassen und Maxi Eggestein. In dieser Beziehung war die Partie folglich ein Muster ohne Wert.

"Von heute auf morgen", auch darauf hat Kohfeldt wohlweislich hingewiesen, "werden wir nicht wieder den Fußball spielen wie letzte Saison." Vor einem Neustart stehen also durchaus Hindernisse. Doch drei Punkte als Fortsetzung der erfolgreichen vergangenen Wochen wären ja auch schon mal was.

Karim Rekik hat bei Hertha zuletzt was Neues kennengelernt: Der 24-Jährige war Reservist, in den jüngsten vier Ligaspielen saß er 90 Minuten draußen.

Seit seinem Wechsel nach Berlin 2017 spielte Rekik meist, und auch in den ersten vier Pflichtspielen dieser Saison stand der 1,86 Meter große Innenverteidiger im Team von Coach Ante Covic. Doch Herthas schlechter Start in der Liga ging einher mit wenig berauschenden Darbietungen Rekiks - inklusive eines verursachten Elfmeters gegen Wolfsburg (0:3) und eines Eigentores auf Schalke (0:3). Zudem wirkte Rekik im Zweikampf unsicher (Quote: 50 Prozent), und gerade seine langen Bälle (Quote: 48,3 Prozent) landeten oft nicht beim Mitspieler. Resultat: Als Neuzugang Dedryck Boyata seine Oberschenkelverletzung zum 4. Spieltag in Mainz auskuriert hatte, musste Rekik auf die Bank.

In Bremen aber könnte seine Stunde schlagen. Niklas Stark zog sich beim Nationalteam eine Wunde am Unterschenkel zu, die seinen Einsatz infrage stellt. "Es wird - wenn überhaupt - eine Punktlandung", sagt Covic zu den Aussichten, ob sein Vizekapitän spielen kann. Die Alternativen wären Jordan Torunarigha und eben Rekik.

Der stellt nach eigenen Angaben keine Hochrechnungen an, ob er zum Zug kommt, sagt aber: "Ich habe hart trainiert. Sollte ich spielen dürfen, bin ich bereit." Sich viele Gedanken um seine Position im Konkurrenzkampf der Innenverteidiger zu machen, bringe nichts, so der Linksfuß, "ich kann nur das tun, was ich am besten kann: Fußball spielen. Ich bin Profi, und jeder Profi weiß, dass das passieren kann. Ich muss fokussiert bleiben und hart arbeiten".

Covic bescheinigt Rekik wie auch Torunarigha, dass sie ihre Arbeit zur Zufriedenheit erledigen. "Sie sind beide gut drauf", sagt er, "was Spielminuten betrifft, ist das für beide
sicher nicht zufriedenstellend." Aber im Sport sei es wichtig, "sich, wenn man die Möglichkeit bekommt, mit erfolgreichen Ergebnissen festzubeißen". Etwa in Bremen, wenn aus Starks Punktlandung nichts werden sollte.

RB Leipzig gegen VfL Wolfsburg im Livestream am 19.10.2019

Mit den Vertragsverlängerungen von Timo Werner und Peter Gulacsi gelangen Markus Krösche gleich in seinen ersten Monaten zwei Achtungserfolge. Der Sportdirektor steht, was die Bindung weiterer Leistungsträger betrifft, jedoch vor weiteren Herkulesaufgaben. Die Verträge von Lukas Klostermann (23), Dayot Upamecano (20), Konrad Laimer (22), Kevin Kampl (29) und Diego Demme (27) laufen 2021 aus. Bei allen fünf Profis wollen die RB-Bosse verhindern, dass ähnlich wie im Fall Werner eine Hängepartie bis ins letzte Vertragsjahr oder gar ein ablösefreier Abgang droht.

In den nächsten Monaten verlängern oder im Sommer verkaufen, lautet deshalb die Frage. Letzteres droht vor allem bei Upamecano. Frankreichs Abwehr-Juwel (kam 2017 für 10 Millionen von RB Salzburg) wollte im Sommer weg, der Wechsel scheiterte jedoch daran, dass Arsenals Angebot von gut 60 Millionen unter der Ausstiegsklausel blieb. Diese lag nach Enthüllungen von Football Leaks im Sommer 2018 bei 100 Millionen Euro, verringert sich mit jedem Vertragsjahr um 20 Millionen und liegt demnach im kommenden Sommer bei 60 Millionen. Dass Upamecano auf Krösches Plan eingeht, die Klausel zugunsten einer Vertragsverlängerung mit deutlicher Gehaltserhöhung zu streichen, ist nicht absehbar. Es zeichnet sich vielmehr ab, dass Upamecano nach dieser Saison wechseln und RB den europaweit begehrten Verteidiger auch für ein Angebot unterhalb der Klausel ziehen lassen wird, um überhaupt einen wirtschaftlichen Profit zu erzielen.

Im Fall Klostermann sind beide Seiten immerhin im Stadium der Sondierungsgespräche, aber ebenfalls weit von konkreten Verhandlungen entfernt. Der Rechtsverteidiger fühlt sich in Leipzig grundsätzlich wohl und gut aufgehoben. Allerdings sieht er keine Veranlassung, sich schon jetzt auf seine berufliche Zukunft festzulegen. Deshalb dürfte es Monate bis zu einer Entscheidung dauern. Schneller geht es wohl bei Laimer, diese Personalie hat für Krösche gleichfalls hohe Priorität.

Bei Kampl und Demme ist die Sachlage eine andere. Denn bei beiden Routiniers stellt sich die Grundsatzfrage, wo sie den Herbst ihrer Karriere verbringen wollen. Beide haben in der Vergangenheit mehrfach betont, dass sie unbedingt einmal im Ausland spielen wollen: Demme zieht es nach Italien, ins Heimatland seines Vaters; Kampl liebäugelt mit einem Abenteuer in Spanien. Noch hat Krösche nicht versucht, sie umzustimmen.

Von der bisherigen Wolfsburger Saison zeigt sich Daniel Ginczek angetan, doch: "Erst jetzt kommen die wirklichen Gradmesser, bei denen man sehen wird, wo wir stehen", so der 28-Jährige vor der Partie in Leipzig, wo es zuletzt für den VfL zweimal nichts zu holen gab. Der Stürmer setzt auf eine gute Abwehrarbeit für den nächsten Versuch bei RB: "Wenn du eine kompakte Defensive hast, wenig Gegentore zulässt und nicht so oft einem Rückstand hinterherläufst, ist es einfacher, Spiele zu gewinnen."

Während Ginczek nach seiner Rücken-OP in diesen Tagen erst wieder mit individuellem Balltraining auf dem Platz beginnt, hat einer, der die Defensive gerade stärkt, seine Misere der vergangenen Jahre (Knie, Sprunggelenk) vorerst hinter sich: Jeffrey Bruma. Der 27-Jährige war bei den Niedersachsen trotz Vertrages bis 2021 nach seiner Ausleihe zu Schalke, wo er neunmal in der Liga, zweimal in der Champions League und einmal im Pokal spielte, anscheinend endgültig auf dem Abstellgleis gelandet. Entsprechend hegte der frühere Chelsea- und HSV-Akteur Abwanderungsgedanken, prüfte Wechseloptionen. "Es gab ein deutliches Signal vom Verein, das habe ich mitbekommen", sagt er mit dem Blick zurück. "Dann habe ich entschieden, dass ich mindestens bis zum Winter bleibe."

Bisher ein guter Entschluss, denn aktuell glänzt der Niederländer als Abwehrchef in der Dreierkette des VfL. Von dort hatte Oliver Glasner erstmals in der Europa League gegen Oleksandrija (3:1) Josuha Guilavogui zurück ins Mittelfeld beordert und Bruma eingewechselt. Anlass für den Coach: "Wir hatten Probleme, wenn der Gegner unser Pressing überspielt. Da ist Jeff mit seiner körperlichen Präsenz und seinem Kopfball prädestiniert."

Qualitäten, die auch Brumas Landsmann Huub Stevens hervorhebt. Sein Ex-Trainer auf Schalke kennt den Spieler von Jugendzeiten an, traf ihn in diesem Sommer regelmäßig im Rehazentrum "TopSupport" in Eindhoven, wo Bruma - genau wie der 65-jährige Stevens - an seiner Fitness arbeitete. "Wegen der Verletzungen fehlte Jeff lange Zeit der Rhythmus", weiß der Mentor, der seinem Ex-Schützling schon in Gelsenkirchen, wo er selbst ihn in der vorigen Saison in drei Spielen einsetzte, den Anschub gab, seinen körperlichen Zustand zu optimieren. Offenbar mit Erfolg. "Er hat wieder die Basis für Topleistungen", urteilt Stevens. Und mehr noch: "Mit zunehmendem Selbstvertrauen kann er bei seiner Statur sogar vier, fünf Tore bei Standards machen. Von der Mentalität her ist er ohnehin ein Leader-Typ mit positiver Ausstrahlung." Das Selbstvertrauen aber habe zwangsläufig gelitten, sagt Bruma, der von einer "mentalen Sache" spricht und es schlicht formuliert. "Ich muss einfach meine Arbeit machen, ich kenne meine Qualitäten und schaue nur noch von Woche zu Woche. Wenn man sich gut fühlt, will man immer mehr. Das gibt mir die Kraft, um mich durchzusetzen."

Die sich andeutende Wende zum Guten freut auch Trainer Glasner für den Spieler persönlich. "Er hatte eine schwierige Zeit, aber er war vorbildlich, hat sich immer professionell verhalten." Nach besagter Rückkehr gegen Oleksandrija, zwei überdurchschnittlichen Auftritten bei den 1:0-Siegen in der Liga in Mainz und gegen Union Berlin sowie international beim 1:1 in St. Etienne steht nun gegen die Roten Bullen eine echte Bewährungsprobe an. "Fit, heiß und hungrig" will Bruma sie bestehen und mit den Wölfen weiter ungeschlagen bleiben.

Bundesliga Konferenz im Livestream 8.Spieltag am 19.10.2019

Sportlich hatte sich Rekordmeister FC Bayern beim Nord-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel im Pokal äußerst schwergetan, dafür aber Sympathiepunkte gesammelt, weil sich die Superstars viel Zeit für Selfie- und Autogrammwünsche genommen hatten. Drochtersens Kapitän Sören Behrmann verriet der Bild, dass ein Weltmeister ihm sogar das Trikot regelrecht hinterhergetragen hat. Unmittelbar nach Abpfiff hatte Behrmann Mats Hummelsnach einem Trikottausch gefragt. Der habe ihn gebeten, zu diesem Zweck in die Bayern-Kabine zu kommen. Doch dort wartete Hummels vergeblich, da Behrmann noch lange bei Freunden und Familie auf dem Platz verweilte. Also ging der Münchner Verteidiger wieder ins Stadion und fragte sich in der Menschentraube bis zum "Tauschpartner" durch. Behrmann: "Eine super Aktion von ihm, mir war das total unangenehm." Nachts bedankte er sich nochmals via Instagram bei Hummels und erhielt prompt eine Antwort: "Sehr gerne! Ihr habt uns das Leben echt schwer gemacht." Und der Trikottausch war nicht wesentlich einfacher.

Vor vier Jahren spielte Hendrik Weydandt noch in der Kreisliga beim TSV Groß Munzel, nach seinem Doppelpack im Pokal beim Karlsruher SC steht der Hannoveraner nun vor seinem Bundesliga-Debüt. 96 will den 23-Jährigen in der Öffentlichkeit schützen und lässt ihn deshalb bislang noch nicht zu Wort kommen - die Erwartungen geschürt haben die Niedersachsen aber dennoch: Weil der Angreifer auf den sozialen Kanälen der Sportschau fälschlicherweise als "Weynandt" betitelt wurde, twitterten die Hannoveraner: "Nichts für Ungut, liebe Sportschau, aber der Gute heißt Weydandt. Bestimmt hören wir seinen Namen aber demnächst auch des Öfteren." Auf die Antwort, bis zum kommenden Wochenende hätten sie den Namen drauf, setzte 96 mit einem Augenzwinkern noch nach: "Spätestens nach der dritten Bude!" Somit ist Weydandt trotz auferlegtem Spechverbot auch jetzt schon in aller Munde

Nach Dominik Kaiser im Sommer geht nun auch der letzte Aufstiegsheld, der den Weg von RB Leipzig von der Regionalliga bis in die Bundesliga mitgemacht hat: Fabio Coltorti beendet seine Karriere. Für den 37-jährigen Schlussmann hatte es bis zuletzt die Option gegeben, bei einem Abgang von Marius Müller erneut um ein weiteres Jahr zu verlängern. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich jedoch gegen eine Fortsetzung der Karriere und für seine Familie, die in Marbella lebt. Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick reagierte mit Verständnis und kündigte direkt einen großen Bahnhof an - wie Kaiser im Mai dieses Jahres soll Coltorti einen Tag nach dem Saisonfinale gegen Werder Bremen ein Abschiedsspiel bekommen.

19.10.2019 15:30 Uhr: Union Berlin gegen SC Freiburg
19.10.2019 15:30 Uhr: FC Augsburg gegen Bayern München
19.10.2019 15:30 Uhr: Fortuna Düsseldorf gegen FSV Mainz 05
19.10.2019 15:30 Uhr: Werder Bremen gegen Hertha BSC
19.10.2019 15:30 Uhr: RB Leipzig gegen VfL Wolfsburg

Eintracht Frankfurt gegen Bayer Leverkusen im Livestream am 18.10.2019
Freitag, 18. Oktober 2019

Eintracht Frankfurt steht vor richtungsweisenden Wochen. Bis Ende November treffen die Hessen ausschließlich auf Teams, die sich in der Tabelle unter den Top 7 befinden, vor allem das kurzfristige Programm mit Leverkusen, Gladbach und Bayern hat es in sich. Hinzu kommen heiße Duelle in der Europa League gegen Standard Lüttich und das DFB-Pokal-Spiel am Millerntor gegen St. Pauli.

Die Wochen der Wahrheit? "Ich sehe das nicht so. Das sind schöne Spiele, in denen wir zeigen können, wo wir stehen. Aber auch danach gibt es genügend Partien, um zu punkten", sagt Bas Dost. Wie achtbar sich die Eintracht aus der Affäre zieht, hängt auch von der Performance des Ende August von Sporting Lissabon verpflichteten Angreifers ab.

Speziell im vergangenen Heimspiel gegen Werder Bremen (2:2), bei dem Dost wegen muskulärer Probleme fehlte, vergab Frankfurt zu viele Möglichkeiten. Insgesamt ist die Chancenverwertung in dieser Saison mit 25 Prozent noch nicht so effizient wie vergangene Spielzeit (29,6). Allerdings kann es sich durchaus sehen lassen, dass die drei Angreifer Goncalo Paciencia (drei Tore), André Silva (drei) und Dost (zwei) allein in der Liga schon achtmal trafen. Mangelnde Kaltschnäuzigkeit muss sich primär Zehner Daichi Kamada ankreiden lassen.

Dost verfügt zweifellos über einen ausgezeichneten Torinstinkt und große Knipserqualitäten. Seine muskulären Probleme hat er auskuriert, am Dienstag stieg er ins Mannschaftstraining ein. "Ich habe keine Probleme mehr, fühle mich sehr gut und bin für Freitag bereit", erklärte der 30-Jährige. Insgesamt befindet sich der Stürmer trotz der kleinen Zwangspause nun in einem deutlich besseren körperlichen Zustand. "Ich weiß nicht, ob ich bei 80 oder 90 Prozent bin, aber ich bin schon viel weiter als am Anfang. Da war ich nach einem Sprint tot, jetzt regeneriere ich sofort", berichtet der Niederländer. Ob Trainer Adi Hütter den 1,96-Meter-Hünen gegen Leverkusen in der Startelf aufbieten wird, bleibt abzuwarten. Auf Sicht führt an Dost aufgrund seiner Präsenz im Sechzehner jedoch kein Weg vorbei.

Dominik Kohr fordert vor dem Duell mit seinem Ex-Klub: "Am besten wäre es, wenn wir Leverkusen mit unserer aggressiven Spielweise gar nicht erst ins Spiel kommen lassen und früh in Führung gehen." Das klingt ganz nach einem Job für Dost. Nur gegen die Werkself traf er schon sechsmal. Am 14. Februar 2015 erzielte er bei Wolfsburgs 5:4-Sieg in Leverkusen seinen einzigen Bundesliga-Viererpack.

Punktgleich mit dem FC Bayern in der Tabelle nach sieben Spieltagen und vor Borussia Dortmund, dafür aber nicht in den Europacup-Rängen - es ist eine seltsame Saison für
Bayer Leverkusen. Der Schnitt von zwei Zählern pro Spiel ist durchaus akzeptabel, der Gedanke, es hätte ein wenig mehr sein können, ebenfalls.

Dass Trainer Peter Bosz bei den nach und nach eintrudelnden Nationalspielern in dieser Woche in meist gut gelaunte Gesichter schaute, wird den Holländer gefreut haben. Durch die Bank erlebten die Bayer-Profis Erfolgserlebnisse, sowohl individuell als auch mit ihren Teams. So sicherte sich Julian Baumgartlinger mit Österreich dank zweier Siege gegen Israel und Slowenien fast schon die Qualifikation für die EM 2020, die Stürmer Lucas Alario und Joel Pohjanpalo trafen für ihre Nationalteams und brachten sich nachhaltig in Erinnerung. Apropos Angreifer: Tore sind für den Freitag fest gebucht! In den letzten elf Spielen gegen die Eintracht traf Bayer immer, im Schnitt satte 2,4-mal.

Dazu passt, dass der Trainer bei der Besetzung im Mittelfeld offensiv denkt. Den verletzten Charles Aranguiz (Haarriss im Fuß) wird aller Voraussicht nach Kerem Demirbay ersetzen. Der fand noch nicht wie erhofft in die Saison, soll nun an Baumgartlingers Seite für Ordnung sorgen und aus der Tiefe aufbauen. Demirbay sieht sich auf diese Position allerdings nicht festgelegt und interpretiert die Entscheidung des Trainers so: "Er wird auch in Zukunft immer wieder mal rotieren, was meine Position betrifft. Er wird mich mal als einzigen Sechser spielen lassen, mal als Teil einer Doppelsechs oder als Achter oder auch auf der Zehn mit Kai neben mir oder ich etwas dahinter."

Vorne hat Bosz erneut die Qual der Wahl. Entscheidet er sich für Alario als zentralen Angreifer, würde Kevin Volland auf den linken Flügel rücken. Ebenfalls wieder im Kader steht Leon Bailey nach einer Muskelverletzung. Der Jamaikaner wird aber zunächst auf der Bank Platz nehmen. Aufmerksam registriert haben wird der Trainer die Leistung von Moussa Diaby bei der französischen U-21-Auswahl. Der Flügelspieler bereitete beim 5:3-Erfolg gegen die Slowakei drei Treffer vor, imponierte mit Spielwitz und Übersicht.

Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen im Livestream am 06.10.2019
Sonntag, 6. Oktober 2019

Makoto Hasebe hat geahnt, dass neben Union Berlin nur der nächste Gegner Werder Bremen mit durchschnittlich 27,57 Jahren eine ältere Elf aufs Feld schickt als die Eintracht mit 27,37 Jahren, und der Routinier nimmt sich daher eine Auszeit. Natürlich ist das Quatsch. Hasebe musste wegen einer Gehirnerschütterung sowohl in Guimaraes und nun auch gegen Bremen passen.

Allerdings hätte Adi Hütter den Japaner dieser Tage ohnehin rausgenommen: "Mit Blick auf Sonntag habe ich mir überlegt, dass Makoto vielleicht auch mal eine Pause brauchen könnte." Zumal "auch Evan Ndicka mal ein Spiel braucht, weil er schon länger keines hatte", wie der Trainer betont.

Tatsächlich ist Hasebes Ausfall so etwas wie eine Nagelprobe für die Zukunft. Denn der Vertrag des Musterprofis endet 2020. Ob es im fortgeschrittenen Profialter von dann 36 Jahren eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gibt, wird zu erörtern sein. Angesichts nur sechs verpasster Pflichtspiele 2018/19 und beständig guter Leistungen Hasebes sollte man nichts ausschließen. Doch ohnehin ist auch wegen des ebenso fehlenden David Abraham (33, Rückenprobleme) ein Umbruch in der Abwehr zu bewältigen. Den Argentinier, Vertrag bis 2021, plagen immer wieder Muskelpro-
bleme. 

Wenn es "in dieser Saison bisher etwas durchweg Positives" gebe, sagte Florian Kohfeldt kürzlich, "dann ist es Nuri Sahin". Der Bestandsaufnahme des Werder-Coaches ließe sich tatsächlich nur anhand eines Beispiels widersprechen: Am 1. Spieltag leitete Sahins Ballverlust den 0:1-Rückstand gegen Düsseldorf ein. Doch der missglückte Start erwies sich als Ausrutscher.

Seitdem gilt die Faustregel: Wenn Werder punktet, besitzt Sahin wesentlichen Anteil. "Nuri ist der Denker und Lenker", lobt Kohfeldt, "nach vorne wie nach hinten." Unbestritten trugen die Siege gegen Augsburg (3:2) und bei Union Berlin (2:1) ebenso die Handschrift des 52-maligen türkischen Nationalspielers wie das jüngste 2:2 beim BVB. Für seinen Trainer, der schon während der Vorbereitung vom "absoluten Vertrauensspieler" Sahin schwärmte, mag das keine Überraschung sein. Doch Sahins Sprung vom Mitläufer der Vorsaison zu einer aktuell prägenden Figur bleibt erstaunlich.

Ein Faktor für die Steigerung: der von Max Kruse hinterlassene Freiraum. "Wir haben sehr oft Max gesucht, auch mein erster Blick ging immer Richtung Max", erklärte Sahin. "Jetzt kann ich mehr die Tiefe anspielen." Den Verlust des Ex-Kapitäns hilft er indes nicht nur fußballerisch zu kompensieren. Sondern auch kommunikativ, als Wortführer nach innen wie als Sprachrohr nach außen. An Eloquenz und Sendungsbewusstsein übertrifft Sahin die offiziellen Spielführer Niklas Moisander sowie Davy Klaassen deutlich. In Berlin schloss er mit einer offenbar flammenden Kabinenansprache die Reihen: "Ich habe gesagt, dass es keine Ausreden gibt." Sich auf die Verletztenmisere zu berufen, wäre schlicht "peinlich". Kohfeldt fand "unschätzbar wichtig, wenn das von einem Spieler kommt und nicht von mir". Sinngemäß in die gleiche Richtung, nur diesmal an die Öffentlichkeit gewandt, ging Sahins Appell in Dortmund: "Wir haben gute Namen auf dem Platz, keine Lückenfüller. Mir gefällt nicht, wie das beschrieben wird." Im Kreis auf dem Rasen habe er die Kollegen so eingeschworen: "Um große Spieler, eine große Mannschaft zu werden, müssen wir in solchen Stadien bestehen." In Frankfurt wäre nun Gelegenheit, den Prozess zu verfestigen.

 
Bundesliga Live Stream © 2016 - Some rights reserved.