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Deutschland gegen Schweden im Livestream am 23.06.2018
Samstag, 23. Juni 2018

Die morgendlichen Jogger auf der Promenade von Sotschi staunten am Mittwoch nicht schlecht über den prominenten Zeitgenossen, der ihnen da frühmorgens entspannt entgegenschlenderte. Im dunklen Shirt, schwarzen Shorts, weißen Sneakers und natürlich mit Sonnenbrille beschritt Joachim Löw um acht Uhr den bereits von Urlaubern reichlich gesäumten Laufsteg, genoss die schon warmen Sonnenstrahlen und den Blick aufs Schwarze Meer, stand auch bereitwillig für ein Selfie bereit. Exakt an jenem Ort, an dem er vor einem Jahr seinen wagemutigen Turnierplan zum Gewinn des Confed-Cup entwickelte, sollten die von Kameramännern und Fotografen sicher nicht zufällig eingefangenen Bilder vor allem eines ausdrücken: Löw nimmt die Rolle des Krisenmanagers, in die er nach dem völlig missglückten Auftakt gegen Mexiko viel früher als bei dieser WM erwartet gedrängt wurde, bereitwillig an. Und er glaubt, dass er die bedrohliche Lage im Griff hat.

Ob die zur Schau gestellten Bilder der Realität entsprechen, wird sich am Samstag zeigen, wenn für den Weltmeister bereits die zweite Gruppenpartie gegen die Schweden zum ersten Endspiel wird. Die Situation ist schwer wie nie in der nunmehr zwölfjährigen Amtszeit dieses Fußballlehrers in verantwortlicher Rolle. Zwar gab es in den bislang fünf großen Turnieren unter Löws Regentschaft immer einen Moment, an dem die deutsche Mannschaft frühzeitig zu scheitern drohte, doch nie stand sie schon nach dem ersten Turnierspiel am Scheidepunkt, nie war die Fallhöhe so hoch wie diesmal. Bei der EM 2008 drohte nach dem 1:2 gegen Kroatien der Vorrunden-K.-o., den Michael Ballack mit seinem Freistoßtreffer zum 1:0 gegen Österreich abwendete. Ähnlich war die Ausgangslage bei der WM 2010, als nach dem 0:1 gegen Serbien Mesut Özil mit dem 1:0-Siegtreffer gegen Ghana das Weiterkommen sicherte. Und 2014 wäre die deutsche Elf im Achtelfinale beinahe gegen Algerien blamabel gestrauchelt, wenn nicht Manuel Neuer als Überflieger die Verlängerung erzwungen und am Ende den 2:1-Erfolg festgehalten hätte.

Die danach erfolgten internen Aussprachen und vor allem Löws personelle Korrekturen wurden später einhellig als die Schlüsselmomente auf dem Weg zum Titelgewinn bezeichnet. Der Bundestrainer hatte im Viertelfinale gegen Frankreich den Möchtegern-Mittelfeldspieler Philipp Lahm zurück auf die rechte Abwehrseite beordert und mit Per Mertesacker einen seiner Lieblingsschüler aus der Mannschaft genommen. Er hatte mit zwei unpopulären Entscheidungen entscheidend zur Stabilisierung der Mannschaft beigetragen.

Und diesmal? Noch ist lange nichts verloren. Noch hat der Weltmeister, wie Löw richtigerweise sagt, alles selbst in der Hand. Doch die Situation ist weitaus bedrohlicher als vor vier Jahren in Brasilien, weil die Probleme grundlegender sind. Löw und seinem Personal dämmerte in der Aufarbeitung der Zurechtstutzung durch die mutig-kampfstarken Mexikaner, dass sie in den letzten sieben Monaten Staub angesetzt haben, der sich nicht durch ein mit reichlich Freizeit durchsetztes Fünf-Sterne-Wohlfühltrainingslager in Südtirol so einfach abschütteln ließ. Die große Aussprache am Montag vor der Abreise aus Watutinki hatte nach Angaben von Beteiligten weder die Kraft eines reinigenden Gewitters noch trat dabei ein vom Boulevard unterstelltes Zerwürfnis innerhalb des deutschen Kaders zutage. Klar aber wurde, dass in der Vergangenheit zu vieles unausgesprochen geblieben war.

Ob die durch die interne Aufarbeitung geweckten Selbstheilungskräfte rechtzeitig wirken und ob der Weltmeister anders als gegen Mexiko tatsächlich wieder geschlossen und kampfbereit auftritt, muss sich zeigen und hängt auch von Löws Reaktion ab. Dem Bundestrainer widerstreben große Umbaumaßnahmen. Fast schon trotzig wirkte seine Bemerkung, er werde "schon mal gar nicht" seinen Plan über den Haufen schmeißen. Allerdings dämmert Löw auch, dass er sein bislang übergroßes Vertrauen in die altbewährte Weltmeister-Riege überdenken muss. Und dass seine künftigen Matchpläne besser funktionieren sollten als gegen Mexiko. Auch für Löw ist schon jetzt jedes WM-Spiel ein Finale.

Es ist ja ein Leichtes, auf einen einzutreten, auf dem eh schon so viele rumtrampeln. Mario Basler hat sich da nicht zum ersten Mal in unerträglicher Weise hervorgetan, als er am Montagabend in der ARD unter dem Gelächter der Zuschauer die Körpersprache von Mesut Özil mit der eines toten Frosches verglich. Baslers Errungenschaften für die deutsche Nationalmannschaft sind mit zwei Toren in 30 Länderspielen arg überschaubar. Sein größter Verdienst war vielleicht, dass er bei der EM 1996 nach einem Trainingszweikampf mit Christian Ziege noch vor dem ersten Gruppenspiel angeschlagen abreiste und so dem deutschen Triumph in Wembley nicht im Wege stehen konnte.

Mesut Özil hat in 91 Länderspielen 23 Tore und 39 Assists beigesteuert, er bestritt seit dem 4:0 gegen Australien am 13. Juni 2010 im südafrikanischen Durban alle 26 WM- und EM-Spiele unter Joachim Löw in Deutschlands Anfangsformation. Kurzum: Özil hat, was seine sportliche Bewertung betrifft, mehr Wertschätzung verdient, als ihm von Basler, Lothar Matthäus und auch von weiten Teilen der Öffentlichkeit derzeit entgegengebracht wird.

Ins Abseits hat sich der auf dem Platz so filigrane Mittelfeldspieler freilich selbst gestellt durch sein schwer verständliches Verhalten in der Erdogan-Affäre. Dass dieses Thema auch nach einem Monat noch immer nicht aus der Welt ist, wird innerhalb des DFB und auch innerhalb der Mannschaft vor allem Özil selbst angelastet, weil dieser anders als der sichtlich um Schadensbegrenzung bemühte Ilkay Gündogan keinerlei Anstalten unternahm, den Brandherd zu löschen. Özil hat sich fürs eiserne Schweigen entschieden. Ob aus eigenem Antrieb oder auf Anraten jener Menschen aus seinem Umfeld, die ihn schon bezüglich des Treffens mit dem türkischen Präsidenten falsch beraten hatten, ist unklar. Özil verkennt jedenfalls, dass sein Schweigen auch ein Statement ist. Nämlich das, dass er sich im DFB-Trikot nur seinen Spielkameraden sowie dem Trainer- und Betreuerstab verantwortlich und zugehörig fühlt. Sonst niemandem.

In der DFB-Spitze sieht man dies natürlich nicht gern. Von einer knallharten Reaktion in Form eines Rauswurfs noch vor der WM hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel aus gutem Grund abgesehen. Es wäre gegen den Willen von Joachim Löw gewesen, und außerdem bestand da ja noch die Hoffnung, es werde sich mit dem WM-Start alles doch noch gütlich einrenken. Wenn Özil schon nicht reden wolle, so Grindel, dann solle er sich bitte schön wenigstens auf dem Platz "für Deutschland einsetzen". Dass der DFB-Chef das Spannungsverhältnis zwischen Özil und Teilen der Fußball-Nation auch nach der WM tatenlos verfolgt, ist schwer vorstellbar. Und da sich Özil bislang komplett uneinsichtig zeigt, deutet vieles darauf hin, dass diese WM zu seiner Abschiedstour im Nationaltrikot wird.

Löws Hoffnung, sein Lieblingsschüler könne den Wirbel um seine Person einfach so abstreifen, wurde gegen Mexiko nicht erfüllt. Özil war zwar das Bemühen nicht abzusprechen, aber ihm fehlten Form und Selbstvertrauen. Er verlor 86 Prozent seiner Zweikämpfe, mehr als jeder andere - unter anderem auch jenen im eigenen Strafraum gegen Hirving Lozano vor Mexikos Siegtreffer. Offensiv hatte Özil zwar eine Passquote von 92 Prozent, dies aber vor allem deshalb, weil er sein Handeln weitgehend auf Sicherheits-Querpässe beschränkte und kaum einmal das Risiko eines Zuspiels in die Tiefe wagte. Kurzum: In der Verfassung vom Sonntag ist Özil keine Hilfe, wobei sich die Frage stellt, ob tatsächlich die Erdogan-Affäre für sein Formtief ausschlaggebend ist. Wegen Rückenproblemen und einer Knieprellung hatte Özil in den sieben Wochen (!) vor dem Mexiko-Auftritt lediglich 76 Testspiel-Minuten gegen Österreich bestritten. Unter diesen Vorzeichen konnte man gar nicht erwarten, dass Özil auf Anhieb wieder eine tragende Rolle einnimmt.

Wie reagiert Löw? Sollte der Bundestrainer seinem Zehner gegen Schweden das Startelf-Mandat entziehen, wäre dies sportlich zwar nachvollziehbar, aber für Özil ein höchst ungewöhnlicher Akt des Misstrauens. 84 seiner 91 Länderspiele bestritt er in der Startelf.

Deutschland gegen Mexiko im Livestream am 17.06.2018
Sonntag, 17. Juni 2018

Aus dem Nichts wird Mesut Özil plötzlich von einer Wasserfontäne getroffen. Er duckt sich mit einer schnellen Körperbewegung unter dem Strahl hinweg und gleitet dann geschmeidig aus dem Radius des Rasensprenklers, der ihn so unvermittelt ins Visier genommen hatte. Özil schaut den aus dem Boden ragenden Übeltäter an und lacht befreit über die kalte Dusche. Weiter geht’s. Die kurze Szene, die sich am Mittwoch in Watutinki abspielte, bestätigte den insgesamt ordentlichen Eindruck, den der 29-Jährige in der ersten DFB-Übungseinheit auf russischem Boden hinterließ.

Die körperlichen Probleme - erst zwickte der Rücken, dann schmerzte das Knie - sind passé. Der 29-Jährige, beim finalen Test gegen Saudi-Arabien (2:1) noch geschont, scheint fit zu sein für den WM-Start am Sonntag gegen Mexiko (17 Uhr). Aber ist Özil, der die Erdogan-Affäre als unliebsames Sperrgepäck mit nach Moskau nahm, auch (mental) bereit? Die Situation zuletzt habe Ilkay Gündogan und Özil beeindruckt, "sie haben auch gelitten", sagt Joachim Löw, der auch registrierte, wie die Pfiffe gegen Gündogan in Leverkusen zum Gesprächsthema in der Kabine wurden. "Aber jetzt sind alle fokussiert auf unsere sportlichen Ziele. Mein Eindruck ist, dass sie beide mit der Reise nach Russland den Schalter umgelegt haben und sich in dieser Woche auf das konzentrieren können, was für uns in diesem Turnier wichtig ist."

Für Löw wäre das ein gute Nachricht. Er schätzt Özil über alle Maßen. Der filigrane Künstler entspricht nahezu perfekt den Vorstellungen des Bundestrainers, die ja immer auch von einem gewissen Anspruch an Ästhetik geprägt sind. Und der Offensivspieler, der mit 14 Einsätzen der WM-erfahrenste deutsche Akteur in Russland ist, ist bei allem künstlerischem Anspruch auch noch effektiv: 23 Tore erzielte Özil in seinen bislang 90 Länderspielen, 39 Treffer legte er seinen Kollegen auf. Es sind beeindruckende Werte, die im Gegensatz stehen zur Skepsis, die dem Nationalspieler oftmals seitens vieler Medien und Experten entgegenschlägt. Die Artikel über Özils häufig niedergeschlagen wirkende Körpersprache jedenfalls würden einige Regalmeter füllen, würde sich jemand die Mühe geben, sie alle hintereinander zu heften.

Ändern wird sich Özil in diesem Fußballerleben nicht mehr. Auf dem Platz nicht, und auch nicht abseits des Rasens. Sein Umgang mit der Ergodan-Affäre dient nur als weiterer Beleg dafür. Den imposanten Kinosaal, in dem der DFB in Watutinki seine Pressekonferenzen abhält, wird Özil in den nächsten Wochen nicht als Protagonist betreten. Er will lieber Taten statt Worte sprechen lassen. Dort, wo er sich am wohlsten fühlt. Auf dem Fußballplatz. Auch wenn es nicht immer so danach aussieht - wie am Mittwoch, als er dem Sprenkler entwischte.

Die Hiobsbotschaft erreichte die Mexikaner am Dienstagabend. Diego Reyes wird seine Muskelverletzung nicht rechtzeitig auskurieren können. Kein Reyes gegen Deutschland, kein Reyes bei der gesamten Weltmeisterschaft. "Das schmerzt in der Seele", twitterte der Mann, der vor Jahresfrist beim VfB Stuttgart ziemlich hoch im Kurs stand, allerdings nicht loszueisen war vom FC Porto, voller Traurigkeit.

Und es ist eine bittere Pille für Juan Carlos Osorio, denn in den Überlegungen des Trainers spielte der flexibel einsetzbare Defensivakteur eine zentrale Rolle, weil der 25-Jährige sowohl auf der Sechs als auch in der Innenverteidigung agieren kann. Gleichwertige Alternative? Fehlanzeige. Das zeigt sich schon am Profil des nachnominierten Erick Gutierrez. Denn der 22-Jährige ist ein komplett anderer Spielertyp, ein Kreativer, der eigentlich im offensiven Mittelfeld beheimatet ist.

Was bedeutet dies nun für Coach Osorio? Wahrscheinlich, dass neben Hector Moreno in der Abwehrzentrale Hugo Ayala beginnt. Ein solider Abräumer, der stets im Klub mehr zu überzeugen wusste als in Diensten der "Tri". Moreno selbst ist nach einer Verletzung noch nicht bei 100 Prozent. Auf die Sechs dürfte Hector Herrera rücken, der üblicherweise beim FC Porto in einer offensiver ausgerichteten Rolle aufläuft. Ein Plus des 28-Jährigen ist seine Pressing-Affinität, die dem ballbesitzorientierten deutschen Passspiel Probleme bereiten könnte.

Russland gegen Saudi-Arabien im Livestream am 14.06.2018
Donnerstag, 14. Juni 2018

Der Appell kam nicht von Trainer Stanislav Cherchesov. Angreifer Artyom Dzyuba übernahm die Rolle des emotionalen Anführers, er wählte Worte, die kräftiger kaum sein konnten. "Wir brauchen die Unterstützung des ganzen Landes", sagte der Stürmer von Arsenal Tula nach dem letzten öffentlichen Training der Mannschaft des WM-Gastgebers. "Wir stehen stark in der Kritik, aber wir sind nicht die Feinde der Nation." Sieben sieglose Testspiele in Serie haben die Stimmung in Russland verdüstert und die Erwartungen ans eigene Team gedimmt, aber Dzyuba versprach: "Wir werden alles tun, was in unseren Kräften steht. Vor uns liegen drei Finals. Für uns ist das die wichtigste Zeit unseres Lebens."

Mehr Rückhalt in der Öffentlichkeit und bei den Fans wünscht sich die sportlich kriselnde Sbornaja, wie am Mittwoch auch Mittelfeldspieler Aleksandr Samedov unterstrich: "Artyom hat die richtigen Worte gefunden und für uns alle gesprochen." Stadien, Infrastruktur - alles ist WM-tauglich. Ob das auch fürs eigene Team gilt, ist die große Frage. Die letzten Vorbereitungsspiele gegen Österreich (0:1) und die Türkei (1:1) haben zumindest in der Öffentlichkeit den Glauben an die Mannschaft nicht gestärkt, auch wenn Cherchesov am Mittwoch abermals positive Erkenntnisse in den Mittelpunkt seiner Ausführungen rückte. "Die Zeit im Trainingslager war nicht umsonst. Wir sind frischer geworden", erklärte der einstige Bundesliga-Profi (Dynamo Dresden, 1993-95). "Dinge wie das hervorragende Pressing bei unserem Tor im Spiel gegen die Türkei erfreuen mich sehr." Vor neun Tagen, bei der Generalprobe des Teams in Moskau, hatte Samedov eine Vorarbeit von Alan Dzagoev genutzt.

Aktionen wie diese will Cherchesov auch am Donnerstag gegen Saudi-Arabien sehen, wenn es ernst wird. Neunmal in der WM-Historie bestritt der Gastgeber bislang das Eröffnungsspiel, sechs Siege und drei Remis sprangen für die Hausherren dabei heraus. Mit Südafrika 2010 schied bisher nur ein Gastgeber in der Vorrunde aus. Russland ist gewarnt: Die bislang einzige Begegnung mit Saudi-Arabien ging im Oktober 1993 mit 2:4 verloren. Als Hoffnungsträger gilt neben dem von Juventus Turin umworbenen Mittelfeldspieler Aleksandr Golovin (ZSKA Moskau) ausgerechnet einer, der seine Karriere in der Auswahl nach der EM 2016 eigentlich bereits beendet hatte: Golovins Klubkollege Sergey Ignashevich (38). Der Abwehr-Haudegen war nach fast zweijähriger Pause gegen Österreich und die Türkei ins Team zurückgekehrt - und hat seinen Platz sicher. "Sergey ist auf und neben dem Platz unser Leader", bekräftigte Cherchesov und klang kämpferisch: "Wir fürchten uns nicht, wir sind bereit. Wir gewinnen, weil wir es wollen."

Deutschland gegen Saudi-Arabien im Livestream am 08.06.2018
Freitag, 8. Juni 2018

Man mag es ja kaum glauben, wenn man auf diese Zahl blickt. Sollte Marco Reus am Freitag zum Einsatz kommen, wird der Test gegen Saudi-Arabien sein erst 31. Länderspiel sein. Zum Vergleich: Joshua Kimmich - sechs Jahre und damit eine halbe Fußballer-Karriere jünger als Reus - steht aktuell bei 28 Partien im DFB-Trikot. Während der Münchner so gut wie nie verletzt ist, war Reus genau das schon viel zu oft.

Der 29-Jährige hätte allen Grund, mit dem Schicksal zu hadern. Die WM 2014 verpasste er kurz vor dem Turnierstart. Als Mario Götze bei der Jubelnacht in Rio Reus‘ Trikot in die Kamera hielt, schlief sein Kumpel bereits. Nach dem Schlusspfiff hatte er den Fernseher ausgemacht. So groß die Freude über den WM-Triumph seiner Teamkollegen war, so sehr schmerzte es auch, nicht selbst dabei sein zu können. 2016 wiederholte sich die Geschichte, wieder musste Reus absagen.

Vorbei. Aber auch vergessen? "Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich nicht daran denke", antwortet er auf die Frage, ob er befürchte, die traurige Geschichte könne sich wiederholen. "Aber ich habe Lust auf Fußball. Den Rest kann ich ohnehin nicht beeinflussen."

Voller Elan ist er in die WM-Vorbereitung gestartet, hat jede Einheit von der ersten bis zur letzten Minute absolviert. Das Vertrauen in seinen Körper ist da - zur Erleichterung des deutschen Trainerteams. Reus ist nach der überraschenden Aussortierung von Leroy Sané der einzig verbliebene Herausforderer von Julian Draxler auf dem linken Flügel, der letzten wirklich umkämpften Position in der DFB-Elf. Beide saßen in Südtirol oft gemeinsam am Tisch, lachten zusammen - trotz der Konkurrenzsituation. "Marco", sagt Draxler, der in Leverkusen den angeschlagen Mesut Özil in der Zentrale ersetzen könnte, "ist ein außergewöhnlicher Spieler, der unberechenbar ist. Ich bin froh, dass er wieder in unserem Kreis ist." Und doch ist jedes Training ein direktes Duell. "Konkurrenz", sagt Reus, "ist wichtig. Nur so kannst du maximalen Erfolg haben." Und den streben beide an.

Reus spielt in den Planungen von Joachim Löw eine Sonderrolle. Während der mit viel Selbstbewusstsein angereiste Draxler mit einem leichten Vorsprung ins Turnier geht, sieht der Bundestrainer in Reus jenen Spieler, der im Verlauf der Endrunde für die besonderen Augenblicke sorgen soll. Auffällig überschwänglich lobt Löw den Dortmunder: "Marco", sagt er, "ist wahnsinnig geschickt, intelligent und überraschend. Es wirkt bei ihm so leicht und spielerisch. Marco ist eine Rakete." In der Tat verfügt Reus über die seltene Gabe, einer Partie von einer Sekunde auf die andere eine neue Wendung geben zu können. Er ist, jetzt wo Sané nicht mehr da ist, die letzte Rakete in Löws Arsenal. "Und der Bundestrainer erwartet, dass ich zünde", beschreibt Reus seinen Spezialauftrag.

Den Spaß will er sich von diesem Druck nicht rauben lassen. Auch hat er aufgehört, darauf zu hoffen, dass ihm im Gegenzug für die persönlichen "Tragödien" (O-Ton Manuel Neuer) etwas zurückgegeben wird. "Wenn es so wäre", scherzt er, "müsste ich noch achtmal Deutscher Meister und zweimal Weltmeister werden. Ich könnte mich sonnen und müsste nichts mehr tun." Doch das sei Quatsch. "Nichts fällt dir vor die Füße. Ich muss mir alles erarbeiten - umso erfüllender ist es." Erfüllung ist es, wonach er in Russland strebt. Ausgelöst durchs Gefühl, wenn der Ball den Fuß verlässt und Sekundenbruchteile später im Netz zappelt. Idealerweise im Finale von Moskau. Die Gewissheit, diesen Moment in sich zu tragen, habe er sich nie nehmen lassen, sagt er - egal wie wenig Länderspiele in seiner Vita stehen.

Einen weiteren Schuss vor den Bug braucht Juan Antonio Pizzi eigentlich nicht. Der 49-jährige argentinische Trainer der Saudis ist nach nach der 0:3-Niederlage gegen Peru am Montag eher auf der Suche nach positiver Motivation für das WM-Eröffnungsspiel in einer Woche gegen den Gastgeber Russland in Moskau.

Doch ob sich die Wüstensöhne diesen Schub augerechnet beim amtierenden Weltmeister holen können, ist mehr als fraglich. Zu schwach war zuletzt das Auftreten der Defensive gegen Peru. Auch der verletzungsbedingte WM-Ausfall von Spielmacher Nawaf Al-Abed (Al-Hilal) ist kaum zu kompensieren.

Die Resultate der Vorbereitungsspiele der Saudis sind ernüchternd, sieht man mal von Siegen über Reserve-Teams der Griechen und Algerien ab. "Wir müssen noch einiges tun", weiß Pizzi, "aber noch hat die Weltmeisterschaft nicht begonnen."

Die Hoffnungen ruhen da auf der Offensivreihe mit Fahad Al-Muwallad, Yahya Al-Shehri sowie Salem Al-Dawsari. Und in der Spitze auf Torjäger Mohammad Al-Sahlawi. Dem 31-jährigen Stürmer von Al-Nassr gelangen in der WM-Qualifikation 16 Treffer - so viele wie Robert Lewandowski.

Real Madrid gegen FC Liverpool im Livestream am 26.05.2018
Samstag, 26. Mai 2018

Was im August in Sinsheim begann, kann am Samstag in Kiew mit einem überraschenden Champions-League-Triumph enden. Der FC Liverpool fordert Titelverteidiger Real Madrid heraus. Bei dem 2:1-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim im Play-off-Hinspiel benötigte die Mannschaft von Jürgen Klopp noch Anlauf, danach glich die Reise durch Europa einem einzigen Sturmlauf. Ähnlich wie 2013, als Borussia Dortmund erst im Finale vom FC Bayern gestoppt werden konnte, rissen die Reds dabei auch unbeteiligte Fans mit. Insbesondere, als die Pressingmaschine des deutschen Teammanagers sich wiederholt gegen Pep Guardiolas national übermächtigen, designierten Meister Manchester City durchsetzte und im Halbfinalhinspiel auch den AS Rom überrannte. Schon beim fünften, dem bis dato letzten Gewinn des Henkelpotts 2005, war Liverpool als Qualifikant gestartet.
Klopp hat dem Klub Power, Passion und Perspektive zurückgebracht, Pokale noch nicht. Auch dafür wurde er von den US-amerikanischen Eignern der Fenway Sports Group vor zweieinhalb Jahren engagiert. Schließlich haben sich die Reds jahrzehntelang, auf dem Kontinent vor allem in den 70er und 80er Jahren, über Titelgewinne definiert.

Doch die "Kings of Europe" sind Geschichte, die "Könige Europas" sind die Gegenwart: Zinedine Zidane und sein Starensemble können den Henkelpott zum dritten Mal in Folge gewinnen. Dieser dann sagenhafte, historische Hattrick wäre gleichfalls die fabelhafte Krönung für Reals deutschen Regisseur Toni Kroos. Europas Thron bliebe damit Klopp zum zweiten Mal verwehrt, seinen deutschen Profis Loris Karius und Emre Can beim ersten Versuch.

Weltmeister Kroos hat sein Team und den Trainer, der seinem deutschen Kollegen zum ersten Mal als Kontrahent begegnet, vor Klopp gewarnt: "Ich weiß, wie seine Teams spielen. Sie werden 90 Minuten lang Pressing machen. Es wird hart."

Klopp entgegnet: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Madrid sich sagt: Gott sei dank ist es Liverpool." Cristiano Ronaldo immerhin sagt, bei allem Respekt: "Wir sind die Besseren." Was angesichts der enormen Erfahrung und individuellen Qualität keiner bestreiten wird. Aber im Wettbewerb der Systeme, im Vergleich von "CR7" (15 Treffer in zwölf Spielen) mit dem "Egyptian King" Mohamed Salah (10 Treffer) sowie in der Gegensätzlichkeit der Trainer liegen alleine drei von vielen Reizen dieses Endspiels.

Für die weltweite Strahlkraft ihres wichtigsten Wettbewerbs hätte sich die UEFA kaum eine bessere Konstellation wünschen können, sie verspricht ein finales Spektakel. Denn Liverpool kann kaum anders, "als so aufzutreten wie im gesamten Wettbewerb. Wir versuchen immer, Chancen zu erspielen, zum Tor-abschluss zu kommen" (Klopp). Das Vertrauen in die Angreifer Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané (wettbewerbsübergreifend 90 Saisontore) und die Zuversicht allgemein sind so groß, dass keine besonderen Motivationstricks bemüht wurden und werden. Der Fokus der Vorbereitung liegt auf so viel "business as usual", wie es vor einem solchen Finale nur möglich ist.

Klopp bereitet sein Team auf eine "hohe Frustrationstoleranz" vor, denn es werde in den 90 und vielleicht mehr Minuten sicher Rückschläge geben. Bei der Aufgabe, sich einerseits auf den routinierten, ballsicheren Gegner mit seiner komplexen Spielanlage einzustellen und gleichzeitig die eigenen Pfeile im Köcher zu schärfen, wird die 14-tägige Erholungspause nach der Premier-League-Saison im Liverpooler Lager als äußerst hilfreich bewertet. Nach 55 Pflichtspielen konnten die Akkus wieder aufgeladen werden. Zum Vergleich: Real hat bisher 61 Partien absolviert. Und durchaus Lust auf mehr. Vermutungen, der Erfolgshunger der Königlichen sei gestillt, begegnete Zidane mit Nachdruck: "Das gibt es nicht." Keines seiner sieben Endspiele als Cheftrainer seit Januar 2016 hat er verloren.

Was zur Wertsteigerung des Seriensiegers beigetragen hat. Im relevanten, aktuell von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG veröffentlichten Ranking der wertvollsten Klubs rangiert Real mit 2,930 Milliarden Euro hinter ManUnited (3,255 Mrd.) auf Rang 2. Achter ist der FC Liverpool (1,580 Mrd.). Gewinnen die Reds das Finale, haben sie in dieser Champions-League-Saison 82,7 Millionen Euro eingespielt, Real käme im Erfolgsfall auf 87 Millionen.

Erzgebirge Aue gegen Karlsruher SC im Livestream am 22.05.2018
Dienstag, 22. Mai 2018

Ja, was fängt man an mit so einem 0:0 im Hinspiel einer Relegation? Gut? Gefährlich, weil Aue in Karlsruhe kein Auswärtstor geschossen hat, dem KSC nun also schon ein 1:1 reichen würde? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Dieses torlose Remis macht auch eines: Mut. Vom Skandal in Darmstadt war sportlich gesehen nichts hängen geblieben. Vor allem in der Defensive präsentierte sich der FCE wie ein Zweitligist. Aue klärte alles so souverän, dass Martin Männel im Tor den wohl entspanntesten Abend der ganzen Saison verleben konnte. Und das nach den turbulenten Geschehnissen vor einer Woche. "Das muss ich auch einmal anmerken", sagte Trainer Hannes Drews nach den spielerisch zwar mauen, aber hochkonzentrierten 90 Minuten. "Wir haben in Darmstadt eine richtige Ohrfeige bekommen. Wie sich die Mannschaft hier präsentiert hat, darauf bin ich stolz. Das war nicht klar, dass es so passiert." Das Wunschresultat des 36-Jährigen war das 0:0 zwar nicht, dafür hat das wichtige Auswärtstor gefehlt. "Das ist ein solides Ergebnis. Defensiv standen wir gut, hatten viel Ballbesitz. Aber wir hatten wenige Aktionen nach vorn, in der Box hat ein bisschen was gefehlt."

Nach dem Schlusspfiff des Relegations-Hinspiels machte sich Schalke-Coach Domenico Tedesco auf den Weg in die Kabine seines Ex-Klubs. Er dürfte seinen Ex-Spielern nach der couragierten Vorstellung Mut für das Rückspiel zugesprochen haben. Drews hat klare Vorstellungen für diese entscheidende Begegnung: "Am Dienstag werden die Köpfe noch freier sein. Da spielen wir in unserem Stadion, mit unseren Fans im Rücken, da werden wir mental noch mal besser darauf vorbereitet sein."

Personell wird Aue im Rückspiel in der Defensive umstellen müssen. Calogero Rizzuto hat sich im Hinspiel der Relegation einen Muskelfaserriss an der Rückseite des linken Oberschenkels zugezogen. Damit wird er am Dienstag im Alles-oder-nichts-Spiel fehlen. In dieser Partie muss es aber nicht nur in der Defensive, sondern auch in der Offensive klappen. Aue braucht für eine erfolgreiche Relegation mindestens ein Tor - egal wie. Nur dann war das 0:0 wirklich gut. Aber genau das ist das Problem. In den vergangenen sechs Partien gelangen nur beim 1:3 gegen Duisburg und beim 1:2 in Bochum Tore. In den letzten drei Partien der 2. Liga schoss Aue gar kein Tor - beziehungsweise zählte es in Darmstadt nicht. Das zwischenzeitliche 1:1 in Bochum durch Torjäger Pascal Köpke war der letzte Treffer, das ist inzwischen schon 344 Minuten her.

Auf ein positives Urteil vom DFB-Sportgericht sollte man sich besser nicht verlassen, da auch der zweite Einspruch letzte Woche abgelehnt wurde. Gegen die Entscheidung kann Aue noch Berufung beim Bundesgericht einlegen. Präsident Helge Leonhardt teilte jedoch mit, erst nach der Relegation darüber zu entscheiden.


Holstein Kiel gegen VfL Wolfsburg im Livestream am 21.05.2018
Montag, 21. Mai 2018

Um die Konzentration auf die wichtigsten beiden Spiele dieser Saison nicht doch noch irgendwie zu stören, hat der VfL Wolfsburg entschieden, mit der Verkündung des neuen Geschäftsführers Jörg Schmadtke noch etwas zu warten. Gleichwohl haben sich beide Parteien geeinigt, die Verträge müssen nur noch unterzeichnet werden. Schmadtke darf nach seiner Trennung vom 1. FC Köln und einer erhaltenen Abfindung in Höhe von angeblich drei Millionen Euro offiziell erst ab dem 1. Juli wieder arbeiten - bei einem früheren Einstieg müssten sich der 54-Jährige bzw. der VfL mit den Kölnern einigen und einen Teil der erhaltenen Summe zurückzahlen. Gedanklich kann sich Schmadtke freilich schon voll und ganz mit dem VfL beschäftigen, entsprechend wird er bei den Spielen gegen Kiel schon ganz genau hinsehen. Welcher Wolfsburger hat Biss? Wer hält der nervlichen Belastung stand? Wer bietet sich auch für den nächsten Neustart an? Ein Team unter Beobachtung des künftigen Bosses.

Dass es Veränderungen geben muss, liegt nach dieser katastrophalen Saison auf der Hand. Spieler wie Yunus Malli, der die Niedersachsen für eine festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro verlassen kann, stehen womöglich zur Disposition. Zu erzielen wäre diese Summe mit dem Spielmacher kaum, für Wolfsburg stellt sie aber eine gute Verhandlungsposition dar. Auch Josuha Guilavogui könnte ohne Zustimmung des Klubs wechseln, bei ihm liegt die Ablöse bei 20 Millionen Euro. John Anthony Brooks soll ebenfalls über eine Ausstiegsmöglichkeit verfügen.

Erst einmal geht es jedoch darum, in der Liga zu bleiben. Der 4:1-Sieg gegen Köln brachte Erleichterung, Trainer Bruno Labbadia muss nun die Spannung wieder aufbauen. Er weiß vor dem Duell mit dem Zweitligadritten: "Die Mentalität wird eine Rolle spielen." Nach den Eindrücken der Saison dürfte der VfL hier im Nachteil sein - gleichwohl haben die Wolfsburger die Chance, der Öffentlichkeit und auch Schmadtke
das Gegenteil zu beweisen.

Der wird auch eine Entscheidung in der Trainerfrage treffen müssen. Die Relegation bietet ebenso Labbadia (Vertrag bis 2019 mit Option auf vorzeitige Beendigung) die Gelegenheit, Eigenwerbung zu betreiben. Gespräche mit ihm wird es nach den Kiel-Spielen geben. Darin muss erörtert werden, ob der Coach nach den schwierigen Monaten in Wolfsburg und der mitunter fehlenden Rückendeckung von Teilen des Anhangs die Lust verspürt, den Neuaufbau mitzugestalten. Und auch beim VfL muss die Überzeugung vom 52-Jährigen so groß sein, dass sie auch einen möglichen Fehlstart in die neue Saison überstehen würde.

Bayern München gegen Eintracht Frankfurt im Livestream am 19.05.2018
Samstag, 19. Mai 2018

Die letzte Arbeitswoche in seinem Trainerleben, das vor knapp vier Jahrzehnten begann, startete für Jupp Heynckes schon am vergangenen Sonntag. Da vier lädierte Spieler im Trainingszentrum aktiv waren, "musste auch der Trainer da sein", sagt er. Am Montag, der für die gesunden Profis noch dienstfrei war, weilte Heynckes selbstverständlich wieder in seinem Büro an der Säbener Straße, um sich mit dem Gegner im Pokalfinale, Frankfurt, per Video zu beschäftigen. Zudem strich der Chef den Spielern nahezu alle Aktivitäten jenseits des Fußballplatzes, vor dem Liga-Finale gegen Stuttgart (1:4-Niederlage) waren es für seinen Geschmack zu viele Termine gewesen. "Wir müssen den Kopf da haben, wo es notwendig ist", stellt er klar, "in unserem Kerngeschäft."

Er selbst lebt diese professionelle Berufsauffassung bis zum letzten Tag vor. Schon 2013 genehmigte er nach dem Endspielsieg in der Champions League gegen Dortmund (2:1) lediglich eine Party vor Ort in London. "Unser Weg ist noch nicht zu Ende", sagte er damals und erlaubte keinen großen Empfang in München, weil eine Woche später noch das Pokal-Endspiel gegen den VfB Stuttgart zu bestehen war. Er wollte unbedingt diesen dritten Titel, den Dreifachtriumph.

In diesem Jahr erleben die Spieler ihren Chef genauso "hochkonzentriert", wie Jerome Boateng sagt. Am Dienstag wies Heynckes die Mannschaft noch einmal auf die Bedeutung dieses samstäglichen Auftrags in Berlin hin - für sie ist es der letzte in dieser Saison, für ihren Trainer der letzte in seiner rund ein halbes Jahrhundert währenden Profikarriere. Als Spieler gewann Heynckes den DFB-Pokal einmal, 1973, als Trainer ebenfalls einmal, 2013, als ein Drittel des Triples. Das reine Double fehlt noch in seiner persönlichen Erfolgsliste. "Wir sollten es ihm zum Abschied schenken", sagt Boateng, der selbst nicht mithelfen kann. Es wäre für diesen im Oktober 2017 aus dem Ruhestand gerissenen Fußballlehrer mit Leib und Seele das optimale Danke für eine rundum gelungene Mission - auch wenn der stets höchst ambitionierte Coach das knappe Halbfinal-Aus in der Champions League noch immer sichtlich bedauert. Dieser Coach habe, sagt Boateng, "der Mannschaft und mir persönlich wieder Spaß am Fußball und sehr viel Vertrauen gegeben", zudem hat er die Fitness der FCB-Profis aufgepäppelt und die Atmosphäre befriedet. Deshalb darf Heynckes mit vollem Recht sagen, dass er seinem Nachfolger - dem am Samstag gegnerischen Trainer Niko Kovac - eine vollends intakte Mannschaft hinterlässt.

Für Kovac ist das Finale aus mehreren Gründen speziell. Der 46-Jährige trifft nicht nur auf seinen künftigen Arbeitgeber, das Spiel findet auch in seiner Heimatstadt statt. Selbst wenn der Kroate in der Öffentlichkeit meist souverän wirkt, birgt diese Partie für ihn ein Höchstmaß an Emotionen. Der Schillerpark im Berliner Arbeiterviertel Wedding, wo Kovac das Fußballspielen lernte, liegt nur knapp neun Kilometer Luftlinie vom Olympiastadion entfernt. Dort könnte er seine gut zweijährige Amtszeit in Frankfurt krönen und den größten Erfolg in seiner noch jungen Trainer-Laufbahn feiern.

Für die Eintracht wäre der Pokalsieg der tollste Triumph seit 30 Jahren. Am 28. Mai 1988 schoss Lajos Detari gegen Bochum das goldene 1:0, per Freistoß. "Am nächsten Tag war in Frankfurt die Hölle los. Wir hatten am Römer einen Empfang, bei dem wir von den Fans gefeiert wurden, als hätten wir die Deutsche Meisterschaft gewonnen", erzählt Uli Stein (63), der damals im Tor stand.

Auch Kovac dürfte sich auf einen herzlichen Empfang freuen. Sein Ruf litt in den vergangenen Wochen stark unter dem Eiertanz rund um seinen Wechsel zu den Bayern und weiteren unglücklichen Aktionen. Dass er sich nach dem 1:4 in München von Uli Hoeneß’ Fahrer Bruno Kovacevic nach Salzburg zu seiner Familie chauffieren ließ, stieß ebenso auf Unverständnis wie seine Witzeleien ("Hänschen, piep einmal") auf der Pressekonferenz nach dem 0:1 auf Schalke - Frankfurt hatte gerade Platz 7 verspielt.

Sollte es Kovac aber gelingen, seine Mannschaft noch einmal zu Höchstleistungen anzutreiben und gegen alle Erwartungen den Pokal zu gewinnen, geht er als der große Held. Da Frankfurt als Pokalsieger direkt in die Gruppenphase der Europa League einziehen würde, wäre der Ärger über das Abrutschen auf den 8. Platz vergessen. Die Reisen quer durch Europa wären neben dem Pokal das schönste Geschenk, das er den Fans zum Abschied machen könnte. Kovacs Nachfolger steht bereits in den Startlöchern: Adi Hütter, Meistertrainer der Young Boys Bern in der Schweiz, übernimmt nach der Sommerpause in Frankfurt.

Karlsruher SC gegen Erzgebirge Aue im Livestream am 18.05.2018
Freitag, 18. Mai 2018

Das 2:3 am letzten Spieltag gegen Jena, die erste Heimniederlage in dieser Saison, ist abgehakt. Mittelfeldmann Marvin Wanitzek schaut nach vorne: "Das 2:3 war ein Ausrutscher, wir wissen, worum es geht. Wir werden von den tollen Fans nach vorne gepusht und machen das Ding in der Relegation. Wir gehen mit breiter Brust in das Relegationsspiel. Am Freitag zählt nur Vollgas." Dass der Gegner das unbequeme Team von Erzgebirge Aue ist, ist ihm egal: "Wir wollen nach oben, da müssen wir jeden schlagen."

Trainer Alois Schwartz wird wieder seine erste Elf aufs Feld schicken, zuletzt schonte er fast das halbe Team. Benjamin Uphoff kehrt ins Tor zurück, Kampfmaschine Marcel Mehlem ins Mittelfeld, auch Florent Muslija und Torjäger Fabian Schleusener sind sicher dabei. Schwartz hatte angekündigt, in der Spielvorbereitung nichts Besonderes zu machen. Doch jetzt gibt es die ganze Woche Geheimtraining. Warum? "Weil wir nicht wollen, dass man uns in die Karten schaut, normal kommt in der 3. Liga kaum einer, um das Training zu beobachten, jetzt wäre das wohl wahrscheinlich, und das wollen wir vermeiden", erklärt der Trainer. Dass er so den Druck auf die Mannschaft erhöht, glaubt Schwartz nicht.

Er hatte ein gutes Näschen, als er sich entschied, die Partie Darmstadt gegen Aue zu beobachten. Nun weiß er, wie der FCE auswärts agiert: "Aue hat die nervliche Anspannung gut weggesteckt, einen guten Ball gespielt, war die bessere Mannschaft." In der Einschätzung ihrer Stärken und Schwächen hält er sich zurück: "Sie arbeiten insgesamt gut. Wichtig wird sein, unsere Stärken auf den Platz zu bekommen und die Schwächen des Gegners, über die ich nicht reden will, auszunutzen." Die Chancen sieht er bei 50:50. "In einer Relegation ist das so" - schiebt dann aber Aue schnell in die Favoritenrolle. "Wir freuen uns, haben uns diese Teilnahme erkämpft und erspielt. Der Zweitligist muss daran teilnehmen, der muss länger arbeiten - wir dürfen. Aber: Aue hat 40 Punkte geholt, das hätte meist zum Klassenerhalt gereicht. Sie haben Qualität, spielen eine Liga höher."

Brisant: Bei Aue stehen mit Pascal Köpke, Dennis Kempe und Dimitrij Nazarov drei Ex-Karlsruher im Kader. Die werden besonders motiviert sein. Schwartz ist das egal: "Dima Nazarov hat bei mir in der zweiten Mannschaft von Kaiserslautern trainiert. Im Fußball gibt es immer wieder Verbindungen, das ist insgesamt uninteressant und ohne Auswirkungen."

VfL Wolfsburg gegen Holstein Kiel im Livestream am 17.05.2018
Donnerstag, 17. Mai 2018

Um die Konzentration auf die wichtigsten beiden Spiele dieser Saison nicht doch noch irgendwie zu stören, hat der VfL Wolfsburg entschieden, mit der Verkündung des neuen Geschäftsführers Jörg Schmadtke noch etwas zu warten. Gleichwohl haben sich beide Parteien geeinigt, die Verträge müssen nur noch unterzeichnet werden. Schmadtke darf nach seiner Trennung vom 1. FC Köln und einer erhaltenen Abfindung in Höhe von angeblich drei Millionen Euro offiziell erst ab dem 1. Juli wieder arbeiten - bei einem früheren Einstieg müssten sich der 54-Jährige bzw. der VfL mit den Kölnern einigen und einen Teil der erhaltenen Summe zurückzahlen. Gedanklich kann sich Schmadtke freilich schon voll und ganz mit dem VfL beschäftigen, entsprechend wird er bei den Spielen gegen Kiel schon ganz genau hinsehen. Welcher Wolfsburger hat Biss? Wer hält der nervlichen Belastung stand? Wer bietet sich auch für den nächsten Neustart an? Ein Team unter Beobachtung des künftigen Bosses.

Dass es Veränderungen geben muss, liegt nach dieser katastrophalen Saison auf der Hand. Spieler wie Yunus Malli, der die Niedersachsen für eine festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro verlassen kann, stehen womöglich zur Disposition. Zu erzielen wäre diese Summe mit dem Spielmacher kaum, für Wolfsburg stellt sie aber eine gute Verhandlungsposition dar. Auch Josuha Guilavogui könnte ohne Zustimmung des Klubs wechseln, bei ihm liegt die Ablöse bei 20 Millionen Euro. John Anthony Brooks soll ebenfalls über eine Ausstiegsmöglichkeit verfügen.

Erst einmal geht es jedoch darum, in der Liga zu bleiben. Der 4:1-Sieg gegen Köln brachte Erleichterung, Trainer Bruno Labbadia muss nun die Spannung wieder aufbauen. Er weiß vor dem Duell mit dem Zweitligadritten: "Die Mentalität wird eine Rolle spielen." Nach den Eindrücken der Saison dürfte der VfL hier im Nachteil sein - gleichwohl haben die Wolfsburger die Chance, der Öffentlichkeit und auch Schmadtke das Gegenteil zu beweisen.

Der wird auch eine Entscheidung in der Trainerfrage treffen müssen. Die Relegation bietet ebenso Labbadia (Vertrag bis 2019 mit Option auf vorzeitige Beendigung) die Gelegenheit, Eigenwerbung zu betreiben. Gespräche mit ihm wird es nach den Kiel-Spielen geben. Darin muss erörtert werden, ob der Coach nach den schwierigen Monaten in Wolfsburg und der mitunter fehlenden Rückendeckung von Teilen des Anhangs die Lust verspürt, den Neuaufbau mitzugestalten. Und auch beim VfL muss die Überzeugung vom 52-Jährigen so groß sein, dass sie auch einen möglichen Fehlstart in die neue Saison überstehen würde.

 
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