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FC Schalke 04 gegen TSG Hoffenheim im Livestream am 17.02.2018
Samstag, 17. Februar 2018

Nur vier Zähler aus den ersten fünf Rückrundenspielen haben die Schalker eingeheimst, am Samstag im direkten Duell mit Verfolger TSG Hoffenheim könnten sie erstmals seit dem 1:1 gegen Bayer Leverkusen im September aus den Europacup-Rängen rutschen. Eine alarmierende Tendenz. Die Sorge bei den Königsblauen wächst, dass sie nach ihrer famosen Hinrunde (Tabellenzweiter) am Saisonende mit leeren Händen dastehen. Das hätte auch wirtschaftliche Folgen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Schalker aktuell eine Saison ohne eigene Europacup-Abende ertragen müssen, haben sie das Geschäftsjahr 2017 mit einem Verlust abgeschlossen – nach zweimaligen Rekordzahlen 2015 (264,5 Millionen Euro Umsatz, 22,5 Millionen Euro Gewinn) und 2016 (265,1/29,1). Details zu der vollständigen Bilanz 2017 sind noch nicht bekannt, Schalke 04 wird sie in den nächsten Wochen offiziell vorstellen.

Bereits bei der im September veröffentlichten Halbjahresbilanz zeichnete sich der Verlust jedoch schon ab, die Gelsenkirchener rechneten da für das Gesamtjahr mit Umsatzerlösen von rund 237 Millionen Euro und einem Jahresfehlbetrag von rund 14 Millionen Euro. Um die Einnahmen wieder aufzupolieren, wäre eine Qualifikation für die Champions League eigentlich unabdingbar. Die Europa League kann auch lukrativ sein, ein so großer Klub wie Schalke würde mit Geldern aus diesem Wettbewerb aber eher keine entscheidenden Sprünge machen können. Zwar ist Schalkes letzter Auftritt in der Königsklasse schon recht lange her (Achtelfinal-Aus gegen Real Madrid im März 2015), die einstigen Rekordzahlen resultierten jedoch vor allem aus den Verkäufen von Julian Draxler, der sich im Sommer 2015 für 36 Millionen Euro dem VfL Wolfsburg anschloss, und Leroy Sané, für dessen Wechsel zu Manchester City Schalke ein Jahr später so viel Geld einstrich wie nie zuvor für einen Spieler (50 Millionen). Der Ruhrpott-Klub investiert aktuell stark in seine Infrastruktur, fährt auf sportlicher Ebene aber auf Sparflamme. Die Basis-Kaderkosten wurden inzwischen um rund 30 Millionen Euro auf 48 Millionen drastisch reduziert – unter anderem sind Großverdiener wie Klaas Jan Huntelaar, Eric Maxim Choupo-Moting, Sidney Sam und Benedikt Höwedes (an Juve ausgeliehen) von der S04-Gehaltsliste verschwunden. Hohe Einnahmen aus Spielerverkäufen sind nicht zu erwarten, schon in der Winterpause drehte Sportvorstand Christian Heidel bei seiner Shoppingtour jeden Euro zweimal um.

Gut gelaunt, völlig aufgeräumt und komplett optimistisch. Der äußere Eindruck will so gar nicht passen zum unerfreulichen Gesprächsrahmen. Schließlich steckt Havard Nordtveit in der tiefsten Krise seiner Karriere. Sieben Millionen Euro ließ sich die TSG ihren Königstransfer vor dieser Saison kosten, sieben Spiele nacheinander schaffte es der 27-Jährige zuletzt nicht mal mehr in den Hoffenheimer Spieltagskader. Acht Einsätze in der Liga kann der als sofortige Verstärkung eingeplante Defensivspieler erst vorweisen. Auch international in der Europa League und in der Champions-League-Qualifikation hinkte der vermeintliche Leistungsträger meilenweit den Erwartungen hinterher. „Ich habe zum Glück eine Familie mit Kindern, die sind alle gesund. Das relativiert den Blick auf den Fußball und stärkt mich mental“, verrät der trotz aller Probleme in sich ruhende Norweger und erinnert an schwierige Phasen bei West Ham in England oder auch in Gladbach. „Nichts in meiner Karriere war einfach für mich. Aber diese Erfahrungen helfen mir jetzt. Und machen mich stark. Fußball ist manchmal hart. Da musst du durchhalten, ruhig bleiben, Geduld haben. Stress macht da keinen Sinn. Viele Spieler machen den Fehler, in einer solchen Situation zu viele negative Gedanken zu haben.

Es ist nicht immer einfach, aber ich habe eine positive Haltung.“ Die soll ihm wieder in die Spur helfen. Der Nationalspieler kann schließlich nicht alles verlernt haben. Doch die unter Trainer Julian Nagelsmann komplexen Anforderungen, kaum geregeltes Training in der Europacupphase, der holprige Start und das schwindende Selbstvertrauen brachten eine Abwärtsspirale in Gang. Mit Nagelsmann pflegt er „einen offenen Dialog, er weiß, es ist eine schwierige Zeit für mich. Aber wir sind uns einig, dass meine Zeit wieder kommen wird. Dann werde ich mit Stolz zurückblicken auf diese schwere Phase, die ich dann gemeistert habe“. Nordtveit prophezeit das mit einer Überzeugung die Zweifeln fast keinen Raum lässt. Aber die gibt es. Schließlich offenbarte der einst so Zuverlässige massive Defizite in Zweikampfführung, Stellungsspiel und Schnelligkeit. „Ich habe die letzten Wochen gut trainiert“, versichert das 1899er Sorgenkind, „ich werde das Niveau wieder erreichen, weswegen ich geholt wurde.“ Fragt sich nur, wann? „Ich kann nicht sagen: In zwei Wochen will ich Stammspieler sein. Ich gehe von Tag zu Tag“, erklärt Nordtveit, dessen Vertrag noch bis 2022 läuft, „ich fühle mich sehr gut, ich könnte auch 90 Minuten durchspielen, das wäre kein Problem. Aber es macht keinen Sinn, sich unter Druck zu setzen.“ Nur in einem ist er sich sicher: Diese Misere wird ein Happy End haben. „Absolut, zu hundert Prozent. Ich kann mit meiner Erfahrung dieser jungen Mannschaft noch helfen“, beteuert Nordveit, „der Wikinger kommt zurück.“ Man ist geneigt, ihm zu glauben.

SC Freiburg gegen Werder Bremen im Livestream am 17.02.2018

Es gibt diese Spielertypen, deren Wert für die Mannschaft vielen erst so richtig bewusst wird, wenn sie fehlen. Nicolas Höfler gehört eindeutig dazu. „Er ist mit ein Herzstück der Mannschaft“, sagt Freiburgs Sportdirektor Klemens Hartenbach über den dienstältesten Profi des SC, der seine Rückenprobleme überwunden hat und für das Spiel gegen Werder Bremen am Samstag wieder eine Option für die Startelf ist. „Er hat sich über Jahre eine besondere Position erarbeitet. Wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben sind, dass er den Großteil eines Spiels mit voller Fitness bestreiten kann, dann ist er ein Spieler, den das Trainerteam auf dem Platz haben möchte“, deutet Hartenbach das Luxus-Problem in der Mittelfeldzentrale an, das Coach Christian Streich durch die Rückkehr des 27-Jährigen nun lösen muss. Vor seiner Verletzung war der Stratege gesetzt, weil er wesentlich für den Rhythmus im Freiburger Spiel mitverantwortlich ist und die Mitspieler durch seine Ballsicherheit und Präsenz besser macht – eben ohne dass es groß auffällt oder er selbst glänzt. In seiner Abwesenheit allerdings überraschte das Duo Amir Abrashi und Robin Koch – Streich hat also drei Optionen:

Höfler/Abrashi: Das in der 2. Liga gesetzte Duo startete im ersten Spiel nach dem Ausfall von Mike Frantz – bis sich Abrashi nach 28 Minuten in Leverkusen (0:4) verletzte. Von den drei Kandidaten weisen sie die beste Zweikampfquote und die meisten abgefangenen Bälle auf – gegen offensive Mannschaften sicher ein Vorteil. Allerdings haben beide Defizite in Sachen Geschwindigkeit. Koch/Abrashi: In den fünf Spielen seit der Winterpause ließ Trainer Streich bislang immer dieses Duo agieren – mit Erfolg: Bis zum Auftritt in Hannover kassierte Freiburg so keine Niederlage und sammelte trotz der starken Gegner Leipzig, Dortmund und Leverkusen 1,2 Punkte im Schnitt. Ein Plus ist die Laufstärke des Duos, Koch und Abrashi kommen zusammen im Schnitt fast auf 25 Kilometer pro Spiel. Höfler/Koch: Das Urgestein und der gelernte Innenverteidiger agierten noch nie zusammen in der Zentrale – könnten am Samstag aber durchaus ihre Premiere feiern. Ein Vorteil von Koch gegenüber Abrashi: Der 21-Jährige ist bei Offensivstandards gefährlicher (2 Saisontore). Die beste Ausbeute erreichte übrigens ein viertes Duo: Höfler und Janik Haberer (fünf Spie le, 2,2 Punkte im Schnitt). Haberer wird nach seiner Gelbsperre allerdings auf dem Flügel ebenso zurückerwartet wie Urgestein „Chicco“ Höfler im Zentrum, wenn es nach Hartenbach geht: „Ich kann mir eine schlechtere Konstellation vorstellen, als dass Chicco und Janik wieder mitspielen können.“

Hamburger SV gegen Bayer Leverkusen im Livestream am 17.02.2018

Gegenwart und Zukunft erscheinen hoffnungslos in diesen Wochen. Zumindest der Blick in die Vergangenheit aber spendet ein wenig Zuversicht, gerade auch vor dem Gastspiel der aktuell für diesen HSV übermächtigen Leverkusener. Vor rund einem Jahr hatten die Hanseaten die ersten beiden Partien nach der Winterpause gegen Mitkonkurrenten verloren, waren wie jetzt Vorletzter mit damals zwei Zählern Rückstand auf Rang 16, als ein Heimspiel gegen Bayer 04 anstand. Jens Todt erinnert nicht nur wegen des guten Ausgangs der Partie (1:0) an damals. „Es gibt klare Parallelen“, sagt der Sportchef. „Beide Ausgangspositionen sind vergleichbar.“ Als „äußerst gefährlich“ stuft Todt diese ein, „denn die Spiele werden immer weniger“. Dennoch sagt er: „Es ist immer noch aufzuholen. Nur müssen wir jetzt damit anfangen.“ Dass es gegen einen spielstarken Favoriten geht, sieht Todt nicht zwingend als Nachteil an.

Die besseren der drei Spiele unter Bernd Hollerbach hat der HSV in Leipzig und Dortmund bestritten, auch vor einem Jahr wurde Leverkusen aus der Außenseiterrolle heraus niedergekämpft. „Dieses Spiel“, weiß der 48-Jährige, „war damals unsere Initialzündung für eine erfolgreiche Rückserie.“ Klar ist: Bleibt diese am Samstag aus, müssen die Planungen für die 2. Liga verstärkt in Angriff genommen werden. Ebenso unumstößlich steht fest: Urgestein Dennis Diekmeier wird in der kommenden Spielzeit, unabhängig vom Ausgang der laufenden, nicht mehr dazugehören. „Sein Berater hat uns informiert, dass Dennis unser Vertragsangebot nicht annehmen wird“, sagt Todt. Volker Struth hatte in der Bild die Laufzeit zum Knackpunkt erklärt, nachverhandelt indes wird nicht. Der HSV hatte Anfang Dezember einen Zweijahresvertrag offeriert und kurz vor Weihnachten finanziell, aber nicht hinsichtlich der Laufzeit nachgebessert. „Wir werden jetzt nicht mehr verhandeln“, erklärt der Sportchef, der damit den zweiten Stammspieler ablösefrei verliert: Nachdem der Aufsichtsrat im Herbst einen neuen ausverhandelten Kontrakt für Nicolai Müller wegen eines Kreuzbandrisses abgelehnt hatte, scheint auch dessen Abschied klar, wie Todt andeutet: „Es gibt aktuell keine Gespräche.“

Nach 25 Spielen mit je mindestens einem Treffer blieb Bayer zuletzt zweimal torlos. Parallel dazu wartet Torjäger Kevin Volland seit fünf Pflichtspielen auf ein Tor. „Logische“ Schlussfolgerung: Der Grund für das Zwischentief ist gefunden. Der Statistik sei Dank! Oder doch nicht? Spiegelt sich nicht vielmehr an Volland wider, was Bayer gerade widerfährt? Egal, ob der Gegner tief steht (Mainz), schnell umschaltet (Freiburg) oder früh attackiert (Berlin), bewirkt er mit extrem aggressivem Spiel immer dasselbe: Bayers Sturmmaschinerie stockt. Gegen Freiburg und Berlin spuckte sie nur je fünf Chancen aus. Tiefstwert. 2018 ist die Chancenzahl pro Spiel im Schnitt gegenüber der Hinrunde von 7,5 auf 6,6 gesunken. Die Zahl der Torschüsse hingegen erreichte bei beiden Nullnummern mit 15 den höchsten Wert 2018. Was den Eindruck bestätigt, dass Bayer seine Angriffe zu selten bis zu einer klaren Chance durchspielt und öfter aus der Distanz abschließt. Wobei wir wieder bei Volland (zehn Treffer) wären. Dieser kommt seit vier Spielen viel seltener zum Abschluss. Nur alle 71 statt wie zuvor alle 42 Minuten. „Ich spiele jetzt natürlich etwas weiter hinten. Aber es wird wieder Spiele geben, in denen ich zu mehr Chancen komme“, sagt Volland, der nicht wirklich mit der Position hadert, schließlich spielt er gerne hängend und wies in der Hinrunde auch im Duett mit Mittelstürmer Lucas Alario bessere Werte auf.

Am ackernden Volland liegt es aber nicht. Vielmehr hängt Bayers Spiel stark von Schlüsselspielern wie Leon Bailey ab. Der Dribbler, über Monate überragend, agiert derzeit normal. Fehlen dann wie gegen Berlin mit Aranguiz und dem verletzten Lars Bender noch zwei Akteure in der Elf, die als Strategen und Stabilisatoren eine herausragende Runde spielen, entpuppt sich Bayer natürlich nicht mehr als eindeutiges Topteam. Zumal die Konkurrenz wie gesagt ein Gegenmittel gefunden hat. „Die Gegner versuchen, unsere spielerische Qualität durch Härte zu unterbinden“, sagt Heiko Herrlich. Der Trainer muss an Antworten arbeiten. Das Spiel beim HSV wird ein Gradmesser, wie Jonas Boldt weiß, der fordert: „Wir müssen das so annehmen wie in Freiburg und hoffen, dass es nicht so ausartet wie bei den letzten Partien in Hamburg. In den vergangenen Jahren war Fußball zu spielen dort schwer möglich.“ Deshalb appelliert der Manager Richtung Referees: „Das permanente Unterbrechen, das Fußballzerstören, darf nicht das Prä haben vor dem Gedanken, Fußball spielen zu wollen.“ Ob Bayer diesmal Lösungen gegen einen extrem aggressiven Gegner findet? Zuletzt blieb man dreimal ohne Tor beim HSV.

VfL Wolfsburg gegen FC Bayern München im Livestream am 17.02.2018

Sind es andernorts Festtage, wenn der FC Bayern zu Gast ist, so droht dem VfL Wolfsburg ein Trauerspiel auf allen Ebenen. Sportlich präsentierten sich die Niedersachsen zuletzt kaum gewappnet für den Spitzenreiter, und auch der Rahmen wird einem Kampf David gegen Goliath nicht angemessen sein. Teile der Wolfsburger Fans haben schlicht die Nase voll, wollen die Unterstützung einstellen und in den Protest ziehen. Endzeitstimmung macht sich breit. Dabei hatte sich Trainer Martin Schmidt nach der Pleite in Bremen (1:3) noch den „Schulterschluss mit der Stadt und den Fans“ gewünscht. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffen in Wolfsburg ohnehin große Lücken. Der VfL, daran hat sich nichts geändert, hat ein Strukturproblem. Der Aufsichtsrat sowie die seit dem Aus von Klaus Allofs geschrumpfte und eh nur noch aus zwei Personen bestehende Geschäftsführung besitzt keine Fußballkompetenz. Sportdirektor Olaf Rebbe fehlt als 39-jährigem Quereinsteiger naturgemäß die Erfahrung. Bleibt der Trainer, der in dieser Konstellation die meiste Ahnung von der Materie haben dürfte, aber dennoch das schwächste Glied in der Kette darstellt. Und so kommt es, dass wieder einmal das Ende in Sicht ist. In der Tabelle. Und für die sportliche Führung, der schleunigst die Wende gelingen muss.

Die Probleme sind hausgemacht. Wider besseres Wissen wurde im Sommer an Trainer Andries Jonker festgehalten – und dieser nach vier Spieltagen durch Schmidt ersetzt. Richtete Jonker alles auf Ballbesitzfußball aus, so will sein Nachfolger lieber kontern lassen. Dazwischen taumelt ein Kader, der sich durch Ungereimtheiten auszeichnet. Der Trainer hat durch personelle Rochaden und fragwürdige öffentliche Analysen an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Auch Rebbe schafft es nicht, der schwachen Außendarstellung entgegenzuwirken. Und so überrascht es kaum, dass über mögliche Nachfolger für beide Posten beratschlagt wird. Ein heiß diskutierter Name ist nach kickerInformationen Horst Heldt, der Manager vom Nachbarn aus Hannover. „Mir ist davon bislang nichts bekannt“, sagt der 48-Jährige, der in Wolfsburg – wie auch bei 96 geplant – zum Geschäftsführer aufsteigen könnte, auf kicker-Nachfrage. Kontakt gibt es offiziell noch nicht – und er erscheint auch wenig erfolgversprechend. 96-Präsident Martin Kind (siehe auch Seite 20) betont mit Verweis auf die kürzlich erst getätigte Absage an den 1. FC Köln: „Meine Position ist klar.“ Deshalb müsste sich der VfL zwangsläufig mit anderen Möglichkeiten beschäftigen. Auch Jörg Schmadtke, der Aachen, Hannover und Köln nach Europa geführt hat, ist hochangesehen. Ein möglicher Trainerkandidat ist Jens Keller, der zuletzt bei Union Berlin entlassen wurde. Keller spielte von 1995 bis 1998 für den VfL, stieg mit ihm in die Bundesliga auf und war 1997 Kapitän.

Wenigstens das Fieber war am Donnerstag wieder weg. Vier Tage lang hatte Jupp Heynckes in seinem Münchner Hotelzimmer geschwitzt, Professor Dr. Roland Schmidt, ein Internist, versorgte ihn täglich medizinisch. Die für Mittwoch geplante Rückkehr in den Trainingsbetrieb verschob der noch immer heftig hustende Bayern-Coach auf diesen Donnerstag. „Ich muss auf die Spieler aufpassen“, sagt der grippekranke Heynckes, „ich möchte sie nicht anstecken.“ In Wolfsburg möchte der Cheftrainer des FC Bayern allerdings wieder die Geschicke von der Bank aus leiten. Für diese Partie stehen ihm – bis auf Manuel Neuer und den gelbgesperrten Arturo Vidal – sämtliche Profis gesund und fit zur Verfügung. Eine Konstellation ohne jeden verletzten Feldspieler „gab es lange nicht mehr“, sagt Heynckes und lobt „das Zusammenwirken aller“ – die Spieler für ihr gewissenhaftes und professionelles Verhalten, die Ärzte, Physios und Fitnesstrainer, „die alle ihre hohe Fachkompetenz einbringen“. Heynckes praktiziert das eigenverantwortliche Teamwork und fördert damit die Motivation seiner Mitarbeiter sowie die innerbetriebliche Atmosphäre. Bei den Klub-Oberen wurden die positiven Veränderungen im täglichen Trainingsbetrieb sehr wohl registriert – und dass Heynckes lediglich einen Mann seines Vertrauens mitbrachte, Peter Hermann (65). Ein Antonio Conte hingegen hat eine zehnköpfige Gruppe an Mitarbeitern beim FC Chelsea installiert, wie sie an der Säbener Straße wissen.

Dort haben sie gerade mit Carlo Ancelotti und seiner Crew unerfreuliche Erfahrungen gemacht: Der Heynckes-Vorgänger hatte Paul Clement und seinen Sohn Davide als Assistenten an seiner Seite, dazu den Schwiegersohn Mino Fulco als Ernährungsberater sowie Giovanni Mauri und dessen Sohn Francesco als Fitnessbeauftragte. Als Clement im Januar 2017 zu Swansea City wechselte, holten die Münchner Macher Willy Sagnol als Partner Ancelottis. Künftig soll ein FCB-Cheftrainer lediglich noch seinen Assistenten sowie vielleicht einen Spezialisten für die Fitness mitbringen dürfen – die Fachleute für Analyse, Spielbeobachtung, Physiotherapie sowie auch die Fitness hat der FC Bayern in Qualität und Quantität im eigenen Haus. Torwarttrainer Toni Tapalovic (37) ist die Konstante. Zum Vergleich: Als Thomas Tuchel 2015 in Dortmund seine Stelle antrat, machte er den BVB-Bossen klar, dass es den Trainer Tuchel ausschließlich im Paket gebe, also mit dem Assistenten Arno Michels, dem Fitnessmann Rainer Schrey sowie dem Videoanalysten Benjamin Weber. Heynckes hatte allein auf Hermann und Gerland beharrt. Bei Pep Guardiola waren es 2013 der persönliche Berater Manel Estiarte, Co-Trainer Domenec Torrent, der Videoanalyst Carles Planchet sowie Lorenzo Buenaventura für die Physis gewesen.

Eine solche Übernahme wie unter Guardiola und Ancelotti soll es künftig beim Rekordmeister nicht mehr geben, vielmehr wieder das früher höchst erfolgreiche Modell umgesetzt werden: Der Großteil des für die Mannschaft zuständigen Personals kommt aus dem Verein. Der mangelhafte körperliche Zustand, wie ihn Ancelottis Getreue zu verantworten hatten, wurde unter Heynckes’ Trainingssteuerung be hoben. „Außerdem spielt die Rotation eine Rolle“, sagt der Coach selbst. Heynckes vertritt gnadenlos das Prinzip, zuvor angeschlagene Spieler erst einzusetzen, wenn jedes Risiko eines Rückfalls minimiert ist. „Die Spieler sind da nicht immer begeistert, aber sie akzeptieren es“, sagt der Trainer. „Ich setze sie nicht zu früh ein, sie müssen erst eine ansprechende Verfassung haben.“ Thiago ist der jüngste Fall. Nach fast drei Monaten Pause scharrte er schon mit den Stollen und erfuhr von seinem Coach, „dass es nun auf eine oder zwei Wochen auch nicht mehr ankommt“. In Wolfsburg soll der spanische Mittelfeldspieler, so der Plan, sein Comeback geben. Mit Blick auf den Start in die K.-o.-Phase der Champions League am Dienstag gegen Besiktas steht in dieser Liga-Begegnung ein größerer Personalaustausch an. Mats Hummels, David Alaba, Thomas Müller, Franck Ribery, Arjen Robben und Robert Lewandowski sind Kandidaten für eine Pause.

Gegen Istanbul wird es ohnehin einige Härtefälle geben. Die Defensive mit Ulreich im Tor und Kimmich, Boateng, Hummels und Alaba in der Viererkette steht, genauso sind Javi Martinez als Sechser, Arturo Vidal als halblinker Achter sowie Robert Lewandowski als Neuner gesetzt. Spannend wird die Besetzung des halbrechten Achters sowie der beiden Flügel. Obwohl Heynckes die 90 Minuten gegen Schalke nur im TV verfolgen konnte, ist ihm klar, „dass man in der Rückwärtsbewegung gegen große Mannschaften so nicht spielen kann“. Krasse Ballverluste ermöglichten gefährliche Konter, Robben und Ribery konnten sich zudem im Dribbling nicht richtig durchsetzen, James zeigte wenig Elan für die Läufe nach hinten. Deshalb ergeben sich zwei Fragen: Behält Müller, der unter Heynckes wieder den verdienten Status der Unverzichtbarkeit genießt, die Position im halbrechten Mittelfeld, damit auch vermehrt die defensiven Aufträge? Oder rückt er nach rechts außen, wo er es auch kann? Und wer darf links ran: Routinier Ribery oder Herausforderer Kingsley Coman?

FC Köln gegen Hannover 96 im Livestream am 17.02.2018

Die letzte Chance also. Letzte Chance? Es liegt auf der Hand: Ein Heimsieg gegen Hannover könnte noch mal für mächtig Rückenwind sorgen für den Mitte Dezember scheinbar schon abgeschlagenen Effzeh. Im Idealfall könnte der Rückstand auf den Relegationsplatz am Samstagabend nur noch vier Punkte betragen. Auf der Suche nach der Idealformation, um die Mini-Chance auf den Klassenerhalt zu wahren, hat Stefan Ruthenbeck auch Spieler befördert, die unter Vorgänger Peter Stöger kaum eine Rolle spielten. So hat sich mittlerweile Sommer-Einkauf Jorge Meré in der Innenverteidigung festgespielt als Partner von Routinier Dominique Heintz. „Die erste Phase war sehr schwierig für mich“, gibt der 22-Jährige zu. „Ich lebe zum ersten Mal im Ausland, die Sprache war kompliziert, und auch der Fußball ist etwas anders als in Spanien“, erzählt der mit 1,82 Metern nicht gerade hoch gewachsene Abwehrmann. „Aber inzwischen habe ich mich an die neue Umgebung gewöhnt, und alles fällt leichter.“

„Horst Heldt kehrt nach Köln zurück“ – Ende vergangenen Jahres wäre dies eine Schlagzeile gewesen, inzwischen hat sich der FC nach dem Veto aus Hannover längst anders orientiert. Und 96? Dort droht schon wieder Ungemach: Der erfolgreiche Macher ist nach kicker-Informationen Bestandteil der Überlegungen, die der niedersächsische Rivale VfL Wolfsburg anstellt (siehe Seite 8). Unbeeindruckt davon zeigt sich Martin Kind, der schon beim Thema Köln standhaft geblieben war. „Was sollte ich an meiner Position ändern?“, fragt der Klubboss, der mit seinem aktuell bis 2020 gebundenen Angestellten auf allen Ebenen plant. Die Gedanken sind beim eigenen Kader. Heldt soll diesen für die nächste Bundesligasaison wett bewerbsfähig halten. „Dafür müssen wir nur punktuell etwas verändern und Risikopositionen im Auge haben“, so Kind. Man wünsche sich so früh wie möglich Signale, wie Abwehrchef Salif Sané (hat für dem Sommer eine Ausstiegsklausel) seinen weiteren Weg plant.

Darüber hinaus müsse Ersatz für den nach Wolfsburg wechselnden Felix Klaus her. Parallel soll Heldt die Zukunft mit André Breitenreiter gestalten. Der Coach besitzt noch einen Vertrag bis 2019, doch Kind macht aus dem Wunsch nach einer längerfristigen Zusammenarbeit keinen Hehl. „Der Trainer weiß, dass wir ihn mehr als wertschätzen.“ Wenn der Klassenerhalt unter Dach und Fach ist, sollen die Gespräche mit dem 44-Jährigen anlaufen. Heldt soll aber auch die Wogen im Umfeld glätten, als Vermittler und Ansprechpartner im nervenaufreibenden Zwist mit dem kritischen Teil der Anhänger. Und: Schlussendlich geht es auch um Heldts Posten innerhalb von Hannover 96 selbst. Unabhängig von der Hängepartie um die 50+1-Regel soll der Manager nach wie vor zum „Geschäftsführer Sport“ mit weitreichenden Kompetenzen befördert werden. „Das wollen wir im Februar, spätestens im März angehen“, kündigt Kind an, schaut aber vorerst auf das Köln-Spiel und die Perspektiven in der Tabelle: „Wir müssen das Risiko sehen, das noch besteht, aber auch die Chancen, die sich vielleicht noch ergeben.“ Der Abstand hinauf zu den internationalen Rängen jedenfalls ist für 96 deutlich geringer als zur Abstiegszone.

Hertha BSC gegen FSV Mainz im Livestream am 16.02.2018
Freitag, 16. Februar 2018

Am Dienstag bekamen Herthas Profis schon mal einen Vorgeschmack auf das, was ihnen am Freitag gegen Mainz bevorstehen könnte. Weil Pal Dardai ein Kampfspiel erwartet, ließ der Ungar im Training vieles laufen. „Ich habe mehrere Freistöße nicht gepfiffen und meine Mannschaft ein bisschen geärgert“, sagte der Coach. Für die seit vier Spielen unbesiegten Berliner, die am Mittwoch die erwartete Verlängerung des zum Saisonende auslaufenden Vertrags von Peter Pekarik (bis 2020) bestätigten, bietet die Partie gegen die Rheinhessen eine „Riesenchance“, wie Dardai es ausdrückte. Nämlich die Gelegenheit, nach dem Auswärtssieg in Leverkusen „eine richtige Serie zu bauen“ (Dardai), den Kontakt zu den Europapokalplätzen herzustellen und sich außerdem für die folgenden Aufgaben beim FC Bayern und beim FC Schalke 04 ein Polster zuzulegen. Möglicherweise ist für die beiden Auswärtspartien, in denen Konterfußball gefragt sein dürfte, auch Mathew Leckie wieder ein Thema für die Startelf. Der schnelle Australier hatte nach seinem Wechsel im Sommer aus Ingolstadt nach Berlin mit vier Toren in den ersten fünf Spielen „sehr gut angefangen“, dann aber auch „sehr stark nachgelassen“, wie es Dardai treffend zusammenfasste.

Zumindest teilweise lässt sich der Formverlust des 27-Jährigen mit einer Muskelverletzung im Herbst, einer kurzen Sommerpause infolge der Teilnahme am Confed-Cup sowie den weiten Länderspiel-Reisen erklären. Zuletzt wurde Leckie gar nicht oder nur als Einwechselspieler benötigt. Diese Rolle droht dem Flügelspieler, der in der kurzen Wintervorbereitung müde gewirkt hatte, auch gegen Mainz. Immerhin aber attestierte Dardai Leckie eine verbesserte Fitness und ansteigende Formkurve. „Er muss zeigen, was er draufhat. Wenn er so trainiert wie am Dienstag, gibt es keine Diskussionen. Auch nach seiner Einwechslung in Leverkusen hat mir sein Einsatz gefallen. Diesen Leckie will ich sehen“, sagte Herthas Coach. Vorerst noch nicht auf dem Trainingsplatz sehen wird Dardai derweil Sinan Kurt. Im Januar hatte Hertha den seit Monaten kriselnden Youngster aus dem Mannschaftstraining genommen. Damals hatte Dardai angedeutet, dass Kurt in „zwei oder drei Wochen“ zurückkehre. Nun aber sprach er davon, dass es „sechs Wochen“ dauern werde. Möglicherweise wird Kurt, der nach kicker-Informationen ein individuelles Programm mit einem Fitmacher außerhalb Berlins absolviert, aber auch erst noch später zurückkehren.

Die Frage, warum es momentan beim 1. FSV Mainz 05 nicht läuft, beschäftigt und spaltet den Klub. Krach mit Fans, Kritik aus dem Aufsichtsrat. Hinter den Kulissen herrscht eine gewisse Unruhe in dieser heiklen Phase. Trotzdem vertraut die sportliche Führung dem Trainer. Sandro Schwarz gilt intern als einer der Besten, die je im Nachwuchsleistungszentrum tätig waren. „Er war ein Vordenker“, lobte unlängst Stefan Hofmann, der ehemalige NLZ-Leiter und neue Vereinsvorsitzende. Was er meint? Im Verein gibt es gewisse Leitlinien, an die sich die Trainer halten müssen. Wolfgang Frank ebnete einst diesen Weg, er führte beim FSV das 4-4-2 ein und definierte den Mainz-05-Fußball mit den drei Kernpunkten „Raumdeckung, Mittelfeldpressing, Umschaltspiel“. Schwarz entwickelte diesen Stil im Nachwuchsbereich weiter. Ähnlich wie es seine Vorgänger Jürgen Klopp und Thomas Tuchel als Trainer des Profiteams taten. Martin Schmidt indes versteifte sich nahezu ausschließlich auf das Konterspiel. Der aktuelle FSV-Coach will sich wieder dem Tuchel-Fußball annähern. Das heißt, die drei Basics beibehalten, aber auch spielerische Lösungen bei Ballbesitz finden. Darum hat sich Mainz für Schwarz entschieden, wohlwissend, dass dieses Vorhaben dauert. Das Problem: Es braucht mehr Zeit als gedacht. Und Zeit ist in diesem Geschäft ein Luxusgut. Von den Spielern wird, seit Schwarz das Zepter übernahm, mehr verlangt. Er musste nur feststellen: Wenn jemand Foxtrott tanzen kann, beherrscht er noch lange keinen Rock’n’Roll. Manche Profis wirken daher teils überfordert – und so entsteht das Gefühl, das Mainzer Spiel ist planlos. Offensivbemühungen gleichen Zufallsprodukten; die Vorwärtsverteidigung hinterlässt zudem oft gravierende Lücken.

Dadurch kommen die Gegner „zu einfach zu Treffern“, sagt der Coach: „Das hängt mit individuellem Zweikampf- und Kettenverhalten zusammen. Wir sind nicht kompakt genug.“ Ein Blick auf die Gegentore unterstreicht das: 41 sind es, kein Bundesligist kassierte mehr. Muss Schwarz also seine Denkweise ändern, Rücksicht auf das Spielermaterial nehmen und den Fußball anpassen? Womöglich wäre es der leichtere Weg, aber kein zukunftsorientierter. Die Nullfünfer wollen sich weiterentwickeln, auch fußballerisch. „Mainz 05 ist ein Verein, der mittel- und langfristig denken muss“, bekräftigte Hofmann jüngst. Am Ende des Tages aber zählen auch in der Fastnachts-Hochburg nur Punkte. Davon hängt Erfolg ab, und daran wird ein Trainer gemessen. Schwarz weiß das. Es ist also an der Zeit, dass sich etwas ändert. Schönspielen ist, sollte es das jemals gewesen sein, längst nicht mehr das Ziel. Von seinen Spielern fordert er eine höhere (Lauf-)Bereitschaft und den unbedingten Willen. Jeder Einzelne ist gefragt, sich auch im Kopf darauf einzustellen. Aufgrund der ausbleibenden Erfolgserlebnisse fehlt häufig das Selbstvertrauen. Gerade was die Auftritte in der Fremde anbelangt. Seit 17 Partien sind die Rheinhessen sieglos. „Auswärts“, erklärt der Trainer, habe man „nicht so die Freiheit wie bei den Heimspielen. Das ist eine mentale Geschichte.“ Zu diesem psychologischen Aspekt kommt hinzu: Die Mainzer Mannschaft geht oft zu zaghaft in die Zweikämpfe; in der Defensive leisten sich Spieler zu viele katastrophale Patzer. Und im Angriffsdrittel fehlt dem Team die Qualität, sich kontinuierlich in die Gefahrenzone zu spielen. Trotzdem erzielt der FSV genügend Tore. „Wenn man zweimal in Hoffenheim und zweimal in Hannover trifft, muss das auch mal zu einem Sieg reichen“, bemängelt Schwarz. Täglich arbeitet er mit „individuellen Videoanalysen“ und Einzelgesprächen mit den Spielern an der Defensive. Doch langsam muss es fruchten. Die Zeit rennt nämlich davon, und der Druck steigt. Auf den Trainer wie auf die Führungsetage. Noch bleibt Sportvorstand Rouven Schröder gelassen. Er ist voller Überzeugung, dass sich ergebnistechnisch bald etwas ändern wird.

FC Kaiserslautern gegen SV Sandhausen im Livestream am 16.02.2018

Plötzlich funktionierte bei Lukas Spalvis alles, sogar Wahrsagungen. „In der Halbzeit habe ich Osayamen noch gesagt, dass er sich mit einem Tor belohnen wird“, berichtete der FCK-Stürmer nach dem Sieg gegen Holstein Kiel. Sturmpartner Osawe traf tatsächlich zum 3:1-Endstand und bewies nicht nur dadurch, dass sich in Kaiserslautern etwas überraschend ein Stürmerpaar gesucht und gefunden hat. Stand Osawe mit seinem Treffer und zwei Assists zuletzt zwangsläufig mehr im Fokus, ist aber auch der Werdegang von Spalvis verblüffend – zumindest für Außenstehende. „Wir wussten, dass er etwas Zeit benötigt“, sagt Sportdirektor Boris Notzon. Denn als der Litauer im Sommer leihweise von Sporting aus Lissabon kam, fehlten dem 23-Jährigen nach einer Kreuzbandverletzung Fitness und Spielpraxis. Erst Mitte der Hinrunde mit seinem ersten Tor im Pokal gegen den VfB Stuttgart deutete er erstmals seinen Wert für die Mannschaft an. „Seitdem zeigt er einen stetigen Aufwärtstrend“, lobt Notzon, „er läuft viel, ist torgefährlich und arbeitet gut gegen den Ball.“

Manchmal allerdings steht er sich noch selbst im Weg. In Heidenheim sah Spalvis wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte und war bis ins neue Jahr gesperrt. Jetzt, beim nächsten Anlauf, scheint alles zu passen. „Ich komme langsam“, sagt der Natio nalspieler selbst. Eine Untertreibung, denn mit seinen zwei Treffern beim erlösenden Auswärtssieg in Braunschweig und einer starken Leistung gegen Kiel war er maßgeblich am jüngsten Aufschwung beteiligt. Und langsam, das passt trotz der Mittelstürmer-Maße ohnehin nicht so recht zu Spalvis. „Für seine Größe ist er auf den ersten Metern richtig antrittsstark“, weiß Notzon. So ergänzt er sich mit dem noch schnelleren Osawe. „Sie passen sehr, sehr gut zusammen“, sagt auch Trainer Michael Frontzeck: „Was die Kilometerzahl und angezogene Sprints angeht, sind beide Stürmer für uns enorm wichtig.“ Auf dem Platz und bei selbsterfüllenden Prophezeiungen in der Halbzeitpause.

Strafrunden und Liegestütze: Beim SVS macht man alles, um ein Manko zu beheben: die Chancenverwertung. „Dazu gehören auch Übungen, in denen mit Strafen künstlich Druck erzeugt wird“, gibt Kenan Kocak Einblick in die Trainingsarbeit. Zwölf statt fünf Punkte hätte man aus den jüngsten vier Spielen erzielen können, meint der Trainer, wären die Chancen besser genutzt worden. So aber gelang Sandhausen 2018 nur ein mickriges Tor. Dass Denis Linsmayer der Schütze war, ist kein Zufall. „Denis hat sich enorm weiterentwickelt“, lobt Kocak, „er ist ein wichtiger Baustein im Gefüge.“ Das Südwest-Derby ist für den „Führungsspieler“ (Kocak) ein besonderes Spiel. In Kaiserslautern ist seine Familie zu Hause, bis vor Kurzem hatte Linsmayer dort seinen zweiten Wohnsitz. Er macht keinen Hehl daraus, „FCK-Fan“ zu sein, sagt aber ebenso entschieden: „Wir wollen auf dem Betzenberg gewinnen.“

FC Heidenheim gegen VfL Bochum im Livestream am 16.02.2018

Gegen Bochum kann Heidenheim beweisen, dass es sich beim 0:2 gegen Regensburg tatsächlich um einen Ausrutscher handelte. Vor allem seine Abwehrzentrale muss Schmidt wegen der Gelb-Rot-Sperre von Kevin Kraus umbauen. Zwar wäre Mathias Wittek die erste Wahl, doch ist er unlängst aus der ersten Elf gerutscht. Da Arne Feick nach seiner jüngsten Gelbsperre auch nur 90 Minuten zuschauen durfte, erscheint es wahrscheinlich, dass Schmidt den polyvalenten Norman Theuerkauf, der bislang auf den unterschiedlichsten Defensivpositionen stets stabil gespielt hat, nach innen zieht. Feick würde dann wohl wieder in die Startelf rücken. Neuzugang Oliver Steurer hat ebenfalls schon bewiesen, dass er sich die 2. Liga nicht nur von der Bank aus anschauen möchte. Gegen Steurer spricht: Wittek ist erfahrener und war beim Jahn dabei, Steurer nicht im Kader.

Mit diesem temporeichen Erneuerungsprozess setzt der VfL Bochum im Profifußball wohl neue Maßstäbe. Innerhalb von nur einer Woche hat der Zweitligist seine drei wichtigsten Positionen des operativen Geschäfts mit neuem Personal besetzt: mit Sebastian Schindzielorz (39) als Sportvorstand und Nachfolger von Christian Hochstätter, mit Robin Dutt (53) als neuem Cheftrainer sowie mit dem Schweizer Ilja Kaenzig (44) als neuem Finanzvorstand und Nachfolger von Wilken Engelbracht. Nachdem in der jüngeren Vergangenheit zu viel Radau und ausufernde Egoismen sämtliche sportliche Vorgaben torpedierten, möchte man nun mit Ruhe, Harmonie und Rückbesinnung auf das zuletzt deutlich zu kurz gekommene Wir-Gefühl die Trendwende einleiten. Schindzielorz hat dabei großes Vertrauen in den erfahrenen Dutt – als Trainer und zwischenzeitlich Sportdirektor. Der neue VfLSportchef zeigte sich zuversichtlich, „dass unser Trainer die verschiedenen Gruppen im Verein wieder zusammenführen kann“. Dutt trat bei seinen ersten Terminen am neuen Arbeitsplatz als der Gegenentwurf zu einem Gertjan Verbeek auf, der zu Saisonbeginn das Bochumer Trainerkarussell ins scheinbar endlose Rotieren brachte.

Mit angemessenen Hilfestellungen und Fingerspitzengefühl der Mannschaft Halt und Struktur geben, das seien die naheliegenden Dinge, die jetzt zwischen Team und dem mittlerweile vierten Trainer in der Saison funktionieren müssten, äußerte sich Dutt. Orientierungshilfen geben, die Mannschaft „in einen guten Flow“ und damit zum Klassenerhalt führen – das hat sich Dutt für die nächsten Wochen vorgenommen. An seiner Seite hat er Co-Trainer Heiko Butscher, mit dem er zusammen beim SC Freiburg erfolgreiche Zeiten verantwortete: Dutt als Cheftrainer, Butscher damals als Kapitän. Unter welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Schind zielorz und Dutt perspektivisch ihre personellen Planungen an der Castroper Straße umsetzen können, erfahren sie ab sofort von Kaenzig. Der VfL gibt dem Schweizer, der schon für Bayer Leverkusen, Hannover 96 und zuletzt für den französischen Zweitligisten FC Sochaux tätig war, die Chance zum Comeback im Profifußball. Die VfL-Vorgabe „wirtschaftlich konsolidieren, sportlich verbessern“ steht auch über der Arbeit Kaenzigs. Aufsichtsrats-Boss Hans-Peter Villis sieht beim neuen Finanzvorstand „strategisches und ökonomisches Geschick, einen Blick für Talente, Sachkenntnis im deutschen wie internationalen Profifußball sowie Kompetenz in der Medienarbeit“. Deshalb wird der Manager als Sprecher des Vorstands den VfL Bochum zukünftig auch nach außen repräsentieren.

SSC Neapel gegen RB Leipzig im Livestream am 15.02.2018
Donnerstag, 15. Februar 2018

No grazie, 29 Millionen Euro? Das sei Herr Politano nun wirklich nicht wert. Sagte Napoli-Chef Aurelio de Laurentiis zum Abschluss des Wintermarktes, und der von Trainer Maurizio Sarri gewünschte Außenstürmer blieb bei Sassuolo Calcio. Das klang in Zeiten der überdrehten Transfer-Extravaganzen erfrischend. Der Filmproduzent mag in seiner kauzig selbstherrlichen Art oft anecken und Garn über ein filziges Calcio Establishment aus dem Norden spinnen. Doch sein Projekt SSC Napoli hat er wirklich hervorragend dirigiert. De Laurentiis übernahm den Verein nach der Pleite 2004. Vom maroden Klub in Liga 3 ging es zum schuldenfreien und florierenden Betrieb, der sich in den vergangenen Jahren durchaus einen Namen in Europa machte. „Neapel hat uns zweimal arg in Bedrängnis gebracht. Sarri gehört aktuell zu den großartigsten Trainern überhaupt“, lobte Pep Guardiola nach den beiden engen Duellen in der Champions League-Gruppenphase. Das Blatt France Football nannte Napoli kürzlich „sexiest Team Europas“ und bezog sich eher auf die berauschende Spielweise denn attraktive Beine.

Im Orchester der Tabellenführer der fünf großen Ligen halten sich die Ausgaben verhältnismäßig im Rahmen. Sarri werkelt an einer eingespielten Mannschaft für die Zukunft, so stießen letzten Sommer lediglich zwei Neuzugänge für insgesamt 13,5 Millionen Euro zum Kader. Der bestbezahlte Profi Lorenzo Insigne verdient fünf Millionen Euro. Dafür würde Neymar womöglich nicht einmal zum Training erscheinen. Neapel errichtete seinen ganz eigenen Vergnügungspark unter ungewohnten Parametern. Für den großen europäischen Coup langt das freilich noch nicht, doch das versetzt am Vesuv niemanden in hysterischen Aktionismus. 2015 erreichte man erstmals nach 26 Jahren wieder ein Europapokal-Halbfinale, ansonsten brachte die Politik des schönen Spiels viel Anerkennung, aber wenig Resultate. Unter Sarri trat die Elf 24-mal international an und notierte 13 Siege, drei Remis und acht Niederlagen. „Vor Europa musst du dir erst einmal nationalen Erfolg erarbeiten“, meint der eigenwillige Trainer. Napoli ist auf dem besten Wege. In 100 Partien coachte er die Azzurri in der Serie A (71 Siege, elf Niederlagen) und flirtet diese Saison ernsthaft mit der Meisterschaft. „Was soll ich große Reden schwingen? Natürlich ist die Europa League ein spannender Wettbewerb, doch unsere Priorität heißt definitiv Scudetto“, gab Trainer Sarri zu. Die Tifosi denken scheinbar ähnlich. Für die Partie gegen Leipzig wurden im Vorverkauf nur 6500 Tickets abgesetzt. Selbst gegen kleinere Ligavereine erschienen im Stadio San Paolo mehr Fans als zur Gruppenphase der Champions League.

Der Glaube an den Titel weckt größeren Appetit. So wird sich die eigentlich unverrückbare Stammelf in einem unüblichen MittelfeldGewand präsentieren. Dort versucht sich mit Marko Rog (22), Amadou Diawara (20) und Piotr Zielinski (23) die Zukunft, das Trio zählt zusammen 65 Jahre. Es bleibt der einzige Mannschaftsteil, der mit wertvollen Alternativen bestens für die nächsten Jahre versorgt ist. Defensive und Angriff könnten hingegen punktuelle Impulse vertragen. Für den Sommer sicherte man sich zumindest schon den Deutschen Amin Younes von Ajax. Ausfälle zwingen Sarri indes am Donnerstagabend zu weite ren für ihn ungeliebten Veränderungen. Im Sturm vertritt der junge Algerier Adam Ounas (21) den gesperrten Dries Mertens, dafür rückt der Rechtsaußen José Callejon ins Zentrum. Außerdem beklagt Napoli angeschlagene (unter anderem Raul Albiol, Marek Hamsik) oder verletzte Spieler (Arkadiusz Milik, Faouzi Ghoulam), sodass sich der Kader auf 18 Profis inklusive drei Torhüter reduziert. Abschenken möchte Neapel das internationale Geschäft natürlich nicht und Sarri fand lobende Worte über den deutschen Gegner. „Ein prächtiges, junges Team, das sich hervorragend entwickelt hat. Die Videostudie machte mir Riesenspaß, und ich frage mich ernsthaft, wie solch eine starke Mannschaft aus der Champions League ausscheiden konnte.“ Das dachte wohl auch so manch aufmerksamer Betrachter über Napoli.

Als Ralf Rangnick vergangene Woche vom anstehenden Gastspiel schwärmte, ging er noch von falschen Voraussetzungen aus. „Wenn du in Neapel vor einer tollen Kulisse spielst, dann ist doch klar, dass du voller Adrenalin in dieses Spiel gehst mit dem klaren Ziel, bestmöglichst abzuschneiden“, so die Worte des Sportdirektors. Tatsächlich dürfte die sich abzeichnende Geisterkulisse auf die RB-Profis keine stimulierende Wirkung haben. Trotzdem fiebern die Leipziger ihrer Europa-League-Premiere entgegen. „Wir haben die volle Kapelle mit an Bord und wollen mit allem, was wir haben, ein richtig gutes Spiel abliefern“, kündigte Trainer Ralph Hasenhüttl an. Zudem wollen die Sachsen mit einem guten Resultat die Werbetrommel für das Rückspiel eine Woche später rühren. Der Kartenvorverkauf verläuft zwar beileibe nicht so desaströs wie in Neapel, bei derzeit 34 000 abgesetzten Tickets gibt es aber noch reichlich unbesetzte Plätze. „Neapel ist die Kür, das Pflichtprogramm ist die Bundesliga“, betont Rangnick. Hasenhüttl hat alle verfügbaren Kräfte dabei, auch die zuletzt grippekranken Diego Demme und Marcel Sabitzer. Im Germania-Charterflieger, der am Dienstagnachmittag im regnerischen Neapel landete, saß zudem Emil Forsberg.

Nach mehr als zehnwöchiger Wettkampfpause wegen einer komplizierten und verschleppten Bauchmuskelverletzung zählt der schwedische Mittelfeldstar wieder zum Aufgebot. Nach dem Aufbauprogramm in der vergangenen Woche hatte Forsberg am Montag und Dienstag erstmals das komplette Mannschaftstraining mitgemacht und die Belastungen beschwerdefrei weggesteckt. Damit schaffte er die Voraussetzungen für das Comeback. Allerdings: Einen Startelfeinsatz wird ihm Hasenhüttl nach dieser langen Zwangspause nicht gleich zumuten. Neben dem Langzeitverletzten Marcel Halstenberg (26/Kreuzband- riss) muss der Coach lediglich auf den gesperrten Stefan Ilsanker (28) und auf Ademola Lookman (20) verzichten. Die Leihgabe des FC Everton hat bereits mit dem englischen Klub am Wettbewerb teilgenommen und ist deshalb nicht spielberechtigt. Wieder zum RBStab gehörte auf der Neapel-Dienstreise dagegen Tim Sebastian (34). Der Ex-Verteidiger (58 Bundesligaspiele für Rostock und Karlsruhe) war zwischen 2010 und 2016 maßgeblich am Leipziger Aufstieg aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga beteiligt. Offiziell ab Sommer fungiert der gebürtige Leipziger nun als Teammanager, soll die Mannschaft aber schon jetzt unterstüt- zen.

 
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