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Frankreich gegen Kroatien im Livestream am 15.07.2018
Sonntag, 15. Juli 2018

Zum dritten Mal Verlängerung. Aber dieses Mal kein Elfmeter-Showdown. Die Kroaten schafften es ohne. Nach 120+4:26 Minuten hatten sie es ins WM-Finale geschafft. Und dann explodierte ihr Jubel. Jeder halste jeden.

Die Franzosen hatten 24 Stunden vorher in Sankt Petersburg herumgetollt. Mbappé, der Höchstgeschwindigkeitssprinter in der Equipe Tricolore, umarmte mit der jugendlichen Ausgelassenheit des 19-jährigen Wunderknaben alle und jeden. Und alle vor allem den Torschützen Umtiti (24), der im 61. WM-Spiel 2018 per Kopfball den 72. Treffer nach einem Standard gesetzt hatte, 1:0, der Sieg. In diesem Falle und das zum 26. Mal war es nach einem Eckball gewesen, 22-mal hatte ein Elfmeter einen Treffer gebracht, 20-mal ein Freistoß, sogar viermal führte ein Einwurf zu einem Tor.

23 Stunden darauf wurde diese Liste von den Spezialisten des ruhenden Balles verlängert. Trippier schlenzte einen Freistoß unter die Latte, das neunte von zwölf Toren der Three Lions nach einem Standard.

"Überrragend" findet Jupp Heynckes die Standards der Engländer. Für den 2013er Tripletrainer des FC Bayern war es "kein Zufall", dass sich Frankreich, Belgien, England und Kroatien für das Halbfinale qualifiziert hatten. "Sie trieb der Hunger nach Erfolg an", sagt der emeritierte Fußballlehrer, "die Leidenschaft."

Ralf Rangnick, neuerdings auch wieder Trainer in Leipzig, führt zwei weitere Zutaten für Erfolg bei diesem Weltturnier 2018 an, das Alter und die Spielweise. England (26,1 Jahre im Schnitt) und Frankreich (26,1) hätten mit Ausnahme der Nigerianer (26,0) "die mit Abstand jüngsten Mannschaften" aufgeboten und "hochverdient das Halbfinale" erreicht.

Zudem seien die gutgläubigen Jünger des Ballbesitzes abgestraft worden, so Rangnick: Mannschaften, die diesen Stil für "das allein Glückseligmachende" gehalten hätten und "die sich dann am Ballbesitz so lange ergötzt haben, bis sie merkten: Au, das Spiel ist aus, und wir haben noch gar kein Tor geschossen". Die WM hat für Rangnick erneut den Beleg geliefert: "Ohne Tempo, ohne Tiefgang, ohne Hochschalten in den fünften, sechsten, siebten Gang und ohne in den Rücken der Abwehr zu kommen, gewinnst du heutzutage nicht einmal mehr gegen Panama oder Südkorea."

Rangnick nannte keine Namen, aber die Südkoreaner haben doch Deutschland aus dem Wettbewerb vertrieben, die 2018er Meister des seichten Spiels ohne Geschwindigkeit und mit zähem Quergeschiebe.Anders die Franzosen, die einen Uli Hoeneß mit ihrem "modernen Fußball" begeistern. "Jeder spielt da, wie es für die Mannschaft sein muss", erklärt der 1974er Weltmeister: Mbappé braucht Platz, den ihm Giroud und Griezmann mit geschicktem Zurücksetzen verschaffen. "Und dann kommt der lange Ball", sagt der Bayern-Präsident. "Früher hieß es, dieser Fußball sei Holzhackerfußball, aber man muss flexibel sein."

Wie die Franzosen: defensiv stabil; offensiv mit schnellem Spiel, Dribblings, langen Schlägen und notfalls mit der Brechstange in Person des wuchtigen Giroud (1,92 m/ 93 kg) vorne drin. "Dass man ohne Mittelstürmer spielt, hat sich mit dieser WM erledigt", folgert Hoeneß. Dessen langjähriger Partner Heynckes formuliert es so: "Du brauchst vorne drin einen Fixpunkt", einen Giroud, Lukaku (Belgien), Mandzukic (Kroatien), einen Kane wie das englische Team.

Gereicht hat es dennoch nicht für Kapitän Kane und Kollegen. Weil die Kroaten zurückschlugen, ohne Standards, 1:1 durch Perisic, 2:1 durch Mandzukic, zwei der vielen starken Individualisten, die dieses Team tragen. "Modric spielt ein überragendes Turnier, Rakitic bringt seine Erfahrung aus Barcelona ein", sagt Heynckes, der sich für seine Ex-Spieler Mandzukic (in München) und Vida (in Leverkusen) besonders freute. Wie Rosen für TSG-Torjäger Kramaric. "Für so ein kleines Land ist das Finale fast eine Sensation", sagt Rosen, "doch wer schaut, wo die Spieler unter Vertrag sehen, den überrascht das nicht mehr so sehr."

Für Hoeneß wie Heynckes sind dennoch die Franzosen die Favoriten. Auch weil die Kroaten dreimal in die Verlängerung mussten. Rosen, von Didier Deschamps’ Jungs nicht so angetan, erwartet "kein Offensivspektakel, aber natürlich Spannung".

Es ist zum neunten Mal ein europäisches Endspiel, das diese WM am Sonntag beendet. "Ich muss den Russen zu ihrer WM gratulieren", betont Hoeneß, "sie war prima organisiert. Es gab keinen Hooliganismus, keine Gewalt, das ganze Land befindet sich in einem positiven Aufbruch. Eine Super-WM."

Belgien gegen England im Livestream am 14.07.2018
Samstag, 14. Juli 2018

Moskau wird am Sonntag keine Premiere erleben: Hätten sich Frankreich und England gegenübergestanden, wären erstmals zwei WM-Finalkapitäne aus demselben Verein gekommen, Hugo Lloris und Harry Kane spielen gemeinsam in Tottenham.

Dass es nicht so sein wird, hatten die Three Lions sich selbst zuzuschreiben. Nach starkem Beginn führten sie lange verdientermaßen gegen Kroatien, doch weil Kraft, Kondition und Konzentration bei dieser jungen Mannschaft immer mehr nachließen, musste sie sich schließlich den abgezockteren Mario Mandzukic und Co. beugen. Erstmals seit Italien 1990 gegen Argentinien zog somit ein Team, das im Halbfinale führte, nicht ins Endspiel ein.

Letztlich, das muss man bei allem englischen Jubel um die herrlichen Standardtore wie jenes von Kieran Trippier zum 1:0 nüchtern feststellen, sind eben neun ihrer zwölf Treffer nach ruhenden Bällen gefallen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass aus dem Spiel heraus entweder die Ideen oder die Kaltschnäuzigkeit oder beides zu oft fehlten. Auch im Halbfinale versäumten es die Engländer, vor allem Jesse Lingard und Raheem Sterling, auf 2:0 zu erhöhen. Vom diesmal blassen Kane war ohnehin wenig zu sehen.

Doch schon das Erreichen des Halbfinals, das weit mehr war, als man erwarten durfte, wird dem englischen Verband (FA) einiges bringen, wie höhere Einnahmen durch TV-Gelder und Sponsoren, die weiter in die Jugendförderung investiert werden sollen. Die trägt, siehe große Titel im U-Bereich, bereits erste Früchte, soll aber weiter intensiviert werden. Vor allem aber kann bereits dieser Vorstoß unter die letzten vier Ideelles zutage fördern, was mit Gold nicht aufzuwiegen ist: Das so lange ramponierte Image des Mutterlands des Fußballs ist aufpoliert worden – durch einen mutigen Trainer Gareth Southgate, durch eine junge Mannschaft mit Herz und Leidenschaft. Doch nicht nur die Außenwirkung profitiert, auch in England, gespalten durch den Brexit, kann es trotz des Halbfinal-Aus zu einem Stimmungsaufschwung kommen. Und im Fußball könnte es Signalwirkung haben, sodass nun auch in der Premier League öfter jenen vertraut wird, die jung sind und einen englischen Pass besitzen. Es müssen nicht zwingend überteuerte Ausländer besser sein.

Zudem wird die FA nun überlegen, ob sie das geschichtsträchtige Wembley wirklich an den US-Amerikaner mit pakistanischen Wurzeln, den Milliardär Shadid Khan für mehr als eine Milliarde Euro verkauft.

Kroatien gegen England im Livestream am 11.07.2018
Mittwoch, 11. Juli 2018

Kritik, sagt Jordan Pickford selbst, Kritik an ihm störe ihn nicht. Aber als nötig empfindet er sie nicht, denn: "Ich weiß immer selbst am besten, wenn ich etwas besser machen kann." Verhindern können wird er Kritik natürlich nicht. Und dennoch: Bei dieser WM gibt es bislang wenig bis gar nichts an Pickford zu meckern, und das, obwohl er doch Torwart der englischen Nationalmannschaft ist.

Das war eben nicht immer so, doch der junge Mann mit seinen 24 Jahren nährt auch für das Halbfinale gegen Kroatien die Hoffnung seiner Nation, dass ein englischer Keeper mal ohne großen "Bock" durch ein Turnier kommt. Gegen Schweden gab es nur etwas an seiner Spieleröffnung, an seinem zuweilen zappelig wirkenden Auftreten und seinem Verarbeiten von Rückgaben zu mäkeln, seiner originären Aufgabe kam er prima nach, vor allem, als er gegen Victor Claessen und Marcus Berg stark und reaktionsschnell hielt.

Acht Länderspiele hat der Mann vom FC Everton, der 2017 als Absteiger aus Sunderland zu den Toffees gewechselt war, nun erst absolviert. Er könnte also mit nur zehn "Caps" auf dem Buckel tatsächlich Weltmeister werden. Aber so weit ist es noch nicht. Immerhin ist er der dritte englische Schlussmann, der in ein WM-Halbfinale eingezogen ist, nach Gordon Banks 1966 und Peter Shilton 1990.

Anders als damals für Shilton gegen Deutschland hat ein Elfmeterschießen Pickfords WM-Traum noch nicht zerstört, im Gegenteil: Er hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg im Achtelfinale gegen Kolumbien. Und so, wie er vor jenem Spiel die Elfmetergewohnheiten der Südamerikaner mit Torwartcoach Martyn Margetson, Psychologin Pippa Grange und den Analytikern Steve O’Brien und Mike Baker studiert hatte, wird er es nun auch mit Luka Modric und Co. tun.

Von Kollegen erntet er viel Lob. Dass Belgiens Torwart Thibaut Courtois ihn nun als "großartig" bezeichnete, hat die Vorgeschichte, dass Courtois seine Aussage, er sei 15 Zentimeter länger und hätte Adnan Januzajs Schuss zum 1:0 für Belgien gegen England verhindert, nicht als Kritik an Pickford verstanden wissen wollte. Was sie unterschwellig natürlich war. Aber Pickford ist ein englischer Keeper - ohne Kritik geht es nicht.

Harry Maguire - ein Name, wie aus einem Agententhriller. Doch mit Film und Show hat diese imposante Erscheinung eines Innenverteidigers, dessen Gegner man lieber nicht sein möchte, wenn er mit seinen 1,94 Metern und seinem wuchtigen Körper vor einem steht, nichts zu tun. Im Gegenteil: Viel bodenständiger als Maguire geht’s kaum.

Vor zwei Jahren erlebte der Mann aus Sheffield das EM-Debakel der englischen Nationalmannschaft so wie viele andere auch: als Fan. Er reiste nach Frankreich zu den Spielen gegen die Slowakei und Island und feuerte die Three Lions auf der Tribüne an. Nun ist der 25-Jährige selbst Teil dieser überraschenden Erfolgsstory. Als linker Innenverteidiger einer Dreier-Abwehrkette, als einziger Feld-Stammspieler, der nicht bei einem Top-6-Klub der Premier League unter Vertrag steht, sondern in Leicester - und nun auch als WM-Held und Torschütze zum 1:0 gegen Schweden, das den Weg ins Halbfinale ebnete.

Als Maguire 2017 Hull City für 13,7 Millionen Euro Ablöse Richtung Leicester verließ, tat er dies als "Spieler der Saison" bei den Tigers, zudem, weil ihm Trainer Craig Shakespeare versprochen hatte, die Abwehr um ihn zu formieren. Der Coach war schnell weg, doch Maguire avancierte dennoch zur Stammkraft der Foxes. Und im Oktober 2017 auch zum Nationalspieler. Erst zehn Einsätze hat der Mann nun absolviert, der zum ersten Training der Nationalauswahl mit einer Plastiktüte kam, darin seine Fußballschuhe und Schienbeinschoner. Zum Teil war das Selbstironie, zum Teil Ausdruck dessen, dass ihm Luxus tatsächlich nicht viel bedeutet. So twitterte er vor zwei Jahren, als er mit viel Mühe etwas aus einem Möbelhaus zusammengebaut hatte, er werde sich an den Schweden "rächen". Das tat er nun gewaltlos, dafür umso eindrucksvoller.

Maguire, der immerhin Gary Cahill aus der Stammelf verdrängt hat, spielte einst im defensiven Mittelfeld, was ihm das Aufbauspiel aus der Abwehr nun erleichtert. Seine größten Fans: Familie Southgate. Gareth als sein Coach, der ihm vertraut, und dessen 15-jähriger Sohn Flynn, der mit einem Maguire-Trikot die Spiele verfolgt. Schön, aber selten.

Frankreich gegen Belgien im Livestream am 10.07.2018
Dienstag, 10. Juli 2018

Das Statement über sich selbst war kurz und knapp: "Oh là là", sagte Thibaut Courtois. Über sich und seine Superparade in der Nachspielzeit gegen Neymar, als er dessen Schuss aus dem Winkel fischte. Zunichte gemacht die letzte Chance des Favoriten von Belgiens Hexer, der zuvor schon zahlreiche Superparaden gezeigt hatte. "Courtois ist der beste Torhüter der Welt", jubelte Nationaltrainer Roberto Martinez über den Mann, der die Roten Teufel im Rennen gehalten hatte, als den Kollegen nach der Pause beim 2:1 gegen Brasilien die Luft auszugehen schien.

Schon beim 3:2 im Achtelfinale gegen Japan war es Courtois gewesen, der in der Nachspielzeit beim Stand von 2:2 zunächst einen Klasse-Freistoß parierte und nach der daraus resultierenden Ecke gedankenschnell den Konter einleitete, dem Nacer Chadlis Siegtor entsprang.

Nun Frankreich mit Antoine Griezmann, Olivier Giroud und Kylian Mbappé. Er sei "ready". Das hatte Courtois auch schon zum WM-Start gesagt. Und: "Wir haben die Chance, weit zu kommen." Nun ist das Weite so nah. "Der Glaube steht am Anfang von allem." Nicht ablenken lassen, "volle Fokussierung auf Frankreich", sagt Courtois.

Unklar ist seine Situation bei Chelsea: "Nach der WM werde ich entscheiden, was ich mache." Diese Saison sei er beim FA-Cup-Sieger "zu Unrecht kritisiert worden". Dabei war er im Jahr der verpassten Titelverteidigung noch einer der Stabileren. Sein Vertrag läuft bis 2019, bei den Blues ist
alles offen: die Situation um den Trainer, sogar um Eigner Roman Abramovich. Zurück nach Spanien? Zu Real? Mit Atletico gewann er als 20-Jähriger 2012 die Europa League. Sein Aufstieg zum Toptorhüter. Und bald auch zum Weltmeister?

Erstmals in der WM-Geschichte stehen weder Deutschland noch Brasilien noch Argentinien unter den letzten vier. Die DFB-Elf schaffte es am häufigsten in dieses Elite-Quartett: 13-mal. Die Selecao nur zweimal weniger - beide liegen damit klar vorne. Es folgen Italien (8) und Frankreich, dem dies zum sechsten Mal gelang.

Eine rein europäische Angelegenheit waren die Top 4 bereits viermal zuvor: 1934 in Italien, 1966 in England, 1982 in Spanien und 2006 in Deutschland. Nur zwei Länder außerhalb Europas und Südamerikas schafften jeweils den Sprung unter die besten vier Teams: die USA 1930 und Co-Gastgeber Südkorea 2002.

Südkorea gegen Deutschland im Livestream am 27.06.2018
Mittwoch, 27. Juni 2018

Blitz und Donner begleiteten die deutschen Nationalspieler bei ihrem verspäteten nächtlichen Abflug aus Sotschi, doch innerhalb der von den russischen WM-Gastgebern gestellten Maschine fühlten sich alle Insassen im übertragenen Sinne von strammem Rückenwind getragen. Das Freistoß-Kunstwerk von Toni Kroos war ein Schuss Hoffnung im fast allerletzten Moment, dass diesem so zähen deutschen Turnierstart vielleicht doch nicht die historische Blamage eines erstmaligen K.-o-Schlags in der Vorrunde einer WM folgt. Und dass nach diesem ersten gewonnenen Endspiel bis zu fünf weitere folgen werden.

Nach dem schwerfälligen und überheblichen Auftakt gegen Mexiko sowie einer erneut schlampigen ersten Halbzeit gegen Schweden fand Joachim Löws Personal erst mit dem Rücken zur Wand wieder zurück zu jener Körpersprache, die man von der deutschen Mannschaft eigentlich kennt und die eines amtierenden Weltmeisters würdig ist. Löw, der vom ständigen Haareraufen in der Coaching Zone ungewohnt zerzaust aussah, sprach hernach richtigerweise von "einem Sieg der Moral, des Nicht-Nachlassens und des An-sich-Glaubens".

Wohin der Glaube dieses mit viel Vorschusslorbeer bedachte Ensemble in diesem Turnier noch führen wird, bleibt eine spannende Frage, jetzt, da diese Mannschaft mit reichlich Verspätung, aber gerade noch rechtzeitig im Turnier angekommen scheint. "Es war ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung", lautet die Bestandsaufnahme von Kapitän Manuel Neuer: "Ich hoffe, dieses Erlebnis bewirkt Positives." Wenig später zeigte sich Neuer etwas mutiger in seiner Prognose: "Ich glaube daran, dass das, was passiert ist, eine Wirkung hat."

Es war sportlich längst noch kein rundum stimmiges Bild, das die deutsche Mannschaft in ihrem "Confed-Cup-Heimstadion" kreierte. Auch nicht in der zweiten Halbzeit, als mehr die individuelle Qualität und der kollektive Wille als eine sportliche Linie zur drückenden Überlegenheit und schlussendlich zur Wende führten. Aber eines zeigte dieser WM-Kader in aller Deutlichkeit, vor allem bei dem geradezu eruptischen Jubel nach Kroos’ Geniestreich, als alle Mann aufsprangen und den Schützen unter sich begruben: Die Gerüchte um ein vermeintlich gestörtes Binnenklima und Grüppchenbildungen stimmen nicht überein mit dem Bild, das dieser Kader auf dem Platz abgibt. Anders als beispielsweise bei der EM 2012, als Bastian Schweinsteiger die internen Störungen zu Recht daran festmachte, dass nicht jeder auf der Ersatzbank bei deutschen Toren aufgesprungen sei.

In Sotschi fügten sich die von Löw aus der Startelf beorderten Weltmeister Sami Khedira und Mesut Özil geradezu demonstrativ in ihre zumindest für dieses Spiel zugewiesene Reservisten-Rolle. Der Bundestrainer ist, das zeichnet sich immer deutlicher ab, bei seinem sechsten Groß-Turnier in verantwortlicher Rolle mehr denn je als Improvisationskünstler gefragt. Er hat in zwei Gruppenspielen schon 18 Mann aus seinem Kader eingesetzt, genauso viele wie im gesamten Turnierverlauf 2014. Verletzungen (Hummels), Erkrankungen (Hector), Sperren (Boateng) und viele Formschwankungen verhindern bislang, dass sich eine WM-Stammformation bilden konnte oder wenigstens abzeichnet.

Zumindest der Startschuss aber ist mit dem Zittersieg gegen Schweden endlich erfolgt. "Das positive Gefühl müssen wir mitnehmen ins nächste Spiel, aber auch das Wissen, dass wir nichts geschenkt bekommen", sagt Neuer. Für die angestrebte Titelverteidigung braucht es freilich mehr als Teamspirit und den ein oder anderen lichten Moment vor des Gegners Tor. Löw und seine Belegschaft werden im weiteren Turnierverlauf auf höhere Widerstände treffen als jene, die ihnen von den kampfstarken, aber spielerisch limitierten Schweden aufgebaut wurden. Wahrscheinlich nicht gerade von den noch punktlosen Südkoreanern, die in der jetzigen Konstellation kein bedrohliches Hindernis sein sollten. Aber eine besondere Nagelprobe droht schon schon im Achtelfinale, wenn es gegen Brasilien zur Neuauflage des Halbfinales von 2014 mit dem unvergesslichen 7:1 kommen könnte.

Deutschland gegen Schweden im Livestream am 23.06.2018
Samstag, 23. Juni 2018

Die morgendlichen Jogger auf der Promenade von Sotschi staunten am Mittwoch nicht schlecht über den prominenten Zeitgenossen, der ihnen da frühmorgens entspannt entgegenschlenderte. Im dunklen Shirt, schwarzen Shorts, weißen Sneakers und natürlich mit Sonnenbrille beschritt Joachim Löw um acht Uhr den bereits von Urlaubern reichlich gesäumten Laufsteg, genoss die schon warmen Sonnenstrahlen und den Blick aufs Schwarze Meer, stand auch bereitwillig für ein Selfie bereit. Exakt an jenem Ort, an dem er vor einem Jahr seinen wagemutigen Turnierplan zum Gewinn des Confed-Cup entwickelte, sollten die von Kameramännern und Fotografen sicher nicht zufällig eingefangenen Bilder vor allem eines ausdrücken: Löw nimmt die Rolle des Krisenmanagers, in die er nach dem völlig missglückten Auftakt gegen Mexiko viel früher als bei dieser WM erwartet gedrängt wurde, bereitwillig an. Und er glaubt, dass er die bedrohliche Lage im Griff hat.

Ob die zur Schau gestellten Bilder der Realität entsprechen, wird sich am Samstag zeigen, wenn für den Weltmeister bereits die zweite Gruppenpartie gegen die Schweden zum ersten Endspiel wird. Die Situation ist schwer wie nie in der nunmehr zwölfjährigen Amtszeit dieses Fußballlehrers in verantwortlicher Rolle. Zwar gab es in den bislang fünf großen Turnieren unter Löws Regentschaft immer einen Moment, an dem die deutsche Mannschaft frühzeitig zu scheitern drohte, doch nie stand sie schon nach dem ersten Turnierspiel am Scheidepunkt, nie war die Fallhöhe so hoch wie diesmal. Bei der EM 2008 drohte nach dem 1:2 gegen Kroatien der Vorrunden-K.-o., den Michael Ballack mit seinem Freistoßtreffer zum 1:0 gegen Österreich abwendete. Ähnlich war die Ausgangslage bei der WM 2010, als nach dem 0:1 gegen Serbien Mesut Özil mit dem 1:0-Siegtreffer gegen Ghana das Weiterkommen sicherte. Und 2014 wäre die deutsche Elf im Achtelfinale beinahe gegen Algerien blamabel gestrauchelt, wenn nicht Manuel Neuer als Überflieger die Verlängerung erzwungen und am Ende den 2:1-Erfolg festgehalten hätte.

Die danach erfolgten internen Aussprachen und vor allem Löws personelle Korrekturen wurden später einhellig als die Schlüsselmomente auf dem Weg zum Titelgewinn bezeichnet. Der Bundestrainer hatte im Viertelfinale gegen Frankreich den Möchtegern-Mittelfeldspieler Philipp Lahm zurück auf die rechte Abwehrseite beordert und mit Per Mertesacker einen seiner Lieblingsschüler aus der Mannschaft genommen. Er hatte mit zwei unpopulären Entscheidungen entscheidend zur Stabilisierung der Mannschaft beigetragen.

Und diesmal? Noch ist lange nichts verloren. Noch hat der Weltmeister, wie Löw richtigerweise sagt, alles selbst in der Hand. Doch die Situation ist weitaus bedrohlicher als vor vier Jahren in Brasilien, weil die Probleme grundlegender sind. Löw und seinem Personal dämmerte in der Aufarbeitung der Zurechtstutzung durch die mutig-kampfstarken Mexikaner, dass sie in den letzten sieben Monaten Staub angesetzt haben, der sich nicht durch ein mit reichlich Freizeit durchsetztes Fünf-Sterne-Wohlfühltrainingslager in Südtirol so einfach abschütteln ließ. Die große Aussprache am Montag vor der Abreise aus Watutinki hatte nach Angaben von Beteiligten weder die Kraft eines reinigenden Gewitters noch trat dabei ein vom Boulevard unterstelltes Zerwürfnis innerhalb des deutschen Kaders zutage. Klar aber wurde, dass in der Vergangenheit zu vieles unausgesprochen geblieben war.

Ob die durch die interne Aufarbeitung geweckten Selbstheilungskräfte rechtzeitig wirken und ob der Weltmeister anders als gegen Mexiko tatsächlich wieder geschlossen und kampfbereit auftritt, muss sich zeigen und hängt auch von Löws Reaktion ab. Dem Bundestrainer widerstreben große Umbaumaßnahmen. Fast schon trotzig wirkte seine Bemerkung, er werde "schon mal gar nicht" seinen Plan über den Haufen schmeißen. Allerdings dämmert Löw auch, dass er sein bislang übergroßes Vertrauen in die altbewährte Weltmeister-Riege überdenken muss. Und dass seine künftigen Matchpläne besser funktionieren sollten als gegen Mexiko. Auch für Löw ist schon jetzt jedes WM-Spiel ein Finale.

Es ist ja ein Leichtes, auf einen einzutreten, auf dem eh schon so viele rumtrampeln. Mario Basler hat sich da nicht zum ersten Mal in unerträglicher Weise hervorgetan, als er am Montagabend in der ARD unter dem Gelächter der Zuschauer die Körpersprache von Mesut Özil mit der eines toten Frosches verglich. Baslers Errungenschaften für die deutsche Nationalmannschaft sind mit zwei Toren in 30 Länderspielen arg überschaubar. Sein größter Verdienst war vielleicht, dass er bei der EM 1996 nach einem Trainingszweikampf mit Christian Ziege noch vor dem ersten Gruppenspiel angeschlagen abreiste und so dem deutschen Triumph in Wembley nicht im Wege stehen konnte.

Mesut Özil hat in 91 Länderspielen 23 Tore und 39 Assists beigesteuert, er bestritt seit dem 4:0 gegen Australien am 13. Juni 2010 im südafrikanischen Durban alle 26 WM- und EM-Spiele unter Joachim Löw in Deutschlands Anfangsformation. Kurzum: Özil hat, was seine sportliche Bewertung betrifft, mehr Wertschätzung verdient, als ihm von Basler, Lothar Matthäus und auch von weiten Teilen der Öffentlichkeit derzeit entgegengebracht wird.

Ins Abseits hat sich der auf dem Platz so filigrane Mittelfeldspieler freilich selbst gestellt durch sein schwer verständliches Verhalten in der Erdogan-Affäre. Dass dieses Thema auch nach einem Monat noch immer nicht aus der Welt ist, wird innerhalb des DFB und auch innerhalb der Mannschaft vor allem Özil selbst angelastet, weil dieser anders als der sichtlich um Schadensbegrenzung bemühte Ilkay Gündogan keinerlei Anstalten unternahm, den Brandherd zu löschen. Özil hat sich fürs eiserne Schweigen entschieden. Ob aus eigenem Antrieb oder auf Anraten jener Menschen aus seinem Umfeld, die ihn schon bezüglich des Treffens mit dem türkischen Präsidenten falsch beraten hatten, ist unklar. Özil verkennt jedenfalls, dass sein Schweigen auch ein Statement ist. Nämlich das, dass er sich im DFB-Trikot nur seinen Spielkameraden sowie dem Trainer- und Betreuerstab verantwortlich und zugehörig fühlt. Sonst niemandem.

In der DFB-Spitze sieht man dies natürlich nicht gern. Von einer knallharten Reaktion in Form eines Rauswurfs noch vor der WM hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel aus gutem Grund abgesehen. Es wäre gegen den Willen von Joachim Löw gewesen, und außerdem bestand da ja noch die Hoffnung, es werde sich mit dem WM-Start alles doch noch gütlich einrenken. Wenn Özil schon nicht reden wolle, so Grindel, dann solle er sich bitte schön wenigstens auf dem Platz "für Deutschland einsetzen". Dass der DFB-Chef das Spannungsverhältnis zwischen Özil und Teilen der Fußball-Nation auch nach der WM tatenlos verfolgt, ist schwer vorstellbar. Und da sich Özil bislang komplett uneinsichtig zeigt, deutet vieles darauf hin, dass diese WM zu seiner Abschiedstour im Nationaltrikot wird.

Löws Hoffnung, sein Lieblingsschüler könne den Wirbel um seine Person einfach so abstreifen, wurde gegen Mexiko nicht erfüllt. Özil war zwar das Bemühen nicht abzusprechen, aber ihm fehlten Form und Selbstvertrauen. Er verlor 86 Prozent seiner Zweikämpfe, mehr als jeder andere - unter anderem auch jenen im eigenen Strafraum gegen Hirving Lozano vor Mexikos Siegtreffer. Offensiv hatte Özil zwar eine Passquote von 92 Prozent, dies aber vor allem deshalb, weil er sein Handeln weitgehend auf Sicherheits-Querpässe beschränkte und kaum einmal das Risiko eines Zuspiels in die Tiefe wagte. Kurzum: In der Verfassung vom Sonntag ist Özil keine Hilfe, wobei sich die Frage stellt, ob tatsächlich die Erdogan-Affäre für sein Formtief ausschlaggebend ist. Wegen Rückenproblemen und einer Knieprellung hatte Özil in den sieben Wochen (!) vor dem Mexiko-Auftritt lediglich 76 Testspiel-Minuten gegen Österreich bestritten. Unter diesen Vorzeichen konnte man gar nicht erwarten, dass Özil auf Anhieb wieder eine tragende Rolle einnimmt.

Wie reagiert Löw? Sollte der Bundestrainer seinem Zehner gegen Schweden das Startelf-Mandat entziehen, wäre dies sportlich zwar nachvollziehbar, aber für Özil ein höchst ungewöhnlicher Akt des Misstrauens. 84 seiner 91 Länderspiele bestritt er in der Startelf.

Deutschland gegen Mexiko im Livestream am 17.06.2018
Sonntag, 17. Juni 2018

Aus dem Nichts wird Mesut Özil plötzlich von einer Wasserfontäne getroffen. Er duckt sich mit einer schnellen Körperbewegung unter dem Strahl hinweg und gleitet dann geschmeidig aus dem Radius des Rasensprenklers, der ihn so unvermittelt ins Visier genommen hatte. Özil schaut den aus dem Boden ragenden Übeltäter an und lacht befreit über die kalte Dusche. Weiter geht’s. Die kurze Szene, die sich am Mittwoch in Watutinki abspielte, bestätigte den insgesamt ordentlichen Eindruck, den der 29-Jährige in der ersten DFB-Übungseinheit auf russischem Boden hinterließ.

Die körperlichen Probleme - erst zwickte der Rücken, dann schmerzte das Knie - sind passé. Der 29-Jährige, beim finalen Test gegen Saudi-Arabien (2:1) noch geschont, scheint fit zu sein für den WM-Start am Sonntag gegen Mexiko (17 Uhr). Aber ist Özil, der die Erdogan-Affäre als unliebsames Sperrgepäck mit nach Moskau nahm, auch (mental) bereit? Die Situation zuletzt habe Ilkay Gündogan und Özil beeindruckt, "sie haben auch gelitten", sagt Joachim Löw, der auch registrierte, wie die Pfiffe gegen Gündogan in Leverkusen zum Gesprächsthema in der Kabine wurden. "Aber jetzt sind alle fokussiert auf unsere sportlichen Ziele. Mein Eindruck ist, dass sie beide mit der Reise nach Russland den Schalter umgelegt haben und sich in dieser Woche auf das konzentrieren können, was für uns in diesem Turnier wichtig ist."

Für Löw wäre das ein gute Nachricht. Er schätzt Özil über alle Maßen. Der filigrane Künstler entspricht nahezu perfekt den Vorstellungen des Bundestrainers, die ja immer auch von einem gewissen Anspruch an Ästhetik geprägt sind. Und der Offensivspieler, der mit 14 Einsätzen der WM-erfahrenste deutsche Akteur in Russland ist, ist bei allem künstlerischem Anspruch auch noch effektiv: 23 Tore erzielte Özil in seinen bislang 90 Länderspielen, 39 Treffer legte er seinen Kollegen auf. Es sind beeindruckende Werte, die im Gegensatz stehen zur Skepsis, die dem Nationalspieler oftmals seitens vieler Medien und Experten entgegenschlägt. Die Artikel über Özils häufig niedergeschlagen wirkende Körpersprache jedenfalls würden einige Regalmeter füllen, würde sich jemand die Mühe geben, sie alle hintereinander zu heften.

Ändern wird sich Özil in diesem Fußballerleben nicht mehr. Auf dem Platz nicht, und auch nicht abseits des Rasens. Sein Umgang mit der Ergodan-Affäre dient nur als weiterer Beleg dafür. Den imposanten Kinosaal, in dem der DFB in Watutinki seine Pressekonferenzen abhält, wird Özil in den nächsten Wochen nicht als Protagonist betreten. Er will lieber Taten statt Worte sprechen lassen. Dort, wo er sich am wohlsten fühlt. Auf dem Fußballplatz. Auch wenn es nicht immer so danach aussieht - wie am Mittwoch, als er dem Sprenkler entwischte.

Die Hiobsbotschaft erreichte die Mexikaner am Dienstagabend. Diego Reyes wird seine Muskelverletzung nicht rechtzeitig auskurieren können. Kein Reyes gegen Deutschland, kein Reyes bei der gesamten Weltmeisterschaft. "Das schmerzt in der Seele", twitterte der Mann, der vor Jahresfrist beim VfB Stuttgart ziemlich hoch im Kurs stand, allerdings nicht loszueisen war vom FC Porto, voller Traurigkeit.

Und es ist eine bittere Pille für Juan Carlos Osorio, denn in den Überlegungen des Trainers spielte der flexibel einsetzbare Defensivakteur eine zentrale Rolle, weil der 25-Jährige sowohl auf der Sechs als auch in der Innenverteidigung agieren kann. Gleichwertige Alternative? Fehlanzeige. Das zeigt sich schon am Profil des nachnominierten Erick Gutierrez. Denn der 22-Jährige ist ein komplett anderer Spielertyp, ein Kreativer, der eigentlich im offensiven Mittelfeld beheimatet ist.

Was bedeutet dies nun für Coach Osorio? Wahrscheinlich, dass neben Hector Moreno in der Abwehrzentrale Hugo Ayala beginnt. Ein solider Abräumer, der stets im Klub mehr zu überzeugen wusste als in Diensten der "Tri". Moreno selbst ist nach einer Verletzung noch nicht bei 100 Prozent. Auf die Sechs dürfte Hector Herrera rücken, der üblicherweise beim FC Porto in einer offensiver ausgerichteten Rolle aufläuft. Ein Plus des 28-Jährigen ist seine Pressing-Affinität, die dem ballbesitzorientierten deutschen Passspiel Probleme bereiten könnte.

Russland gegen Saudi-Arabien im Livestream am 14.06.2018
Donnerstag, 14. Juni 2018

Der Appell kam nicht von Trainer Stanislav Cherchesov. Angreifer Artyom Dzyuba übernahm die Rolle des emotionalen Anführers, er wählte Worte, die kräftiger kaum sein konnten. "Wir brauchen die Unterstützung des ganzen Landes", sagte der Stürmer von Arsenal Tula nach dem letzten öffentlichen Training der Mannschaft des WM-Gastgebers. "Wir stehen stark in der Kritik, aber wir sind nicht die Feinde der Nation." Sieben sieglose Testspiele in Serie haben die Stimmung in Russland verdüstert und die Erwartungen ans eigene Team gedimmt, aber Dzyuba versprach: "Wir werden alles tun, was in unseren Kräften steht. Vor uns liegen drei Finals. Für uns ist das die wichtigste Zeit unseres Lebens."

Mehr Rückhalt in der Öffentlichkeit und bei den Fans wünscht sich die sportlich kriselnde Sbornaja, wie am Mittwoch auch Mittelfeldspieler Aleksandr Samedov unterstrich: "Artyom hat die richtigen Worte gefunden und für uns alle gesprochen." Stadien, Infrastruktur - alles ist WM-tauglich. Ob das auch fürs eigene Team gilt, ist die große Frage. Die letzten Vorbereitungsspiele gegen Österreich (0:1) und die Türkei (1:1) haben zumindest in der Öffentlichkeit den Glauben an die Mannschaft nicht gestärkt, auch wenn Cherchesov am Mittwoch abermals positive Erkenntnisse in den Mittelpunkt seiner Ausführungen rückte. "Die Zeit im Trainingslager war nicht umsonst. Wir sind frischer geworden", erklärte der einstige Bundesliga-Profi (Dynamo Dresden, 1993-95). "Dinge wie das hervorragende Pressing bei unserem Tor im Spiel gegen die Türkei erfreuen mich sehr." Vor neun Tagen, bei der Generalprobe des Teams in Moskau, hatte Samedov eine Vorarbeit von Alan Dzagoev genutzt.

Aktionen wie diese will Cherchesov auch am Donnerstag gegen Saudi-Arabien sehen, wenn es ernst wird. Neunmal in der WM-Historie bestritt der Gastgeber bislang das Eröffnungsspiel, sechs Siege und drei Remis sprangen für die Hausherren dabei heraus. Mit Südafrika 2010 schied bisher nur ein Gastgeber in der Vorrunde aus. Russland ist gewarnt: Die bislang einzige Begegnung mit Saudi-Arabien ging im Oktober 1993 mit 2:4 verloren. Als Hoffnungsträger gilt neben dem von Juventus Turin umworbenen Mittelfeldspieler Aleksandr Golovin (ZSKA Moskau) ausgerechnet einer, der seine Karriere in der Auswahl nach der EM 2016 eigentlich bereits beendet hatte: Golovins Klubkollege Sergey Ignashevich (38). Der Abwehr-Haudegen war nach fast zweijähriger Pause gegen Österreich und die Türkei ins Team zurückgekehrt - und hat seinen Platz sicher. "Sergey ist auf und neben dem Platz unser Leader", bekräftigte Cherchesov und klang kämpferisch: "Wir fürchten uns nicht, wir sind bereit. Wir gewinnen, weil wir es wollen."

Deutschland gegen Saudi-Arabien im Livestream am 08.06.2018
Freitag, 8. Juni 2018

Man mag es ja kaum glauben, wenn man auf diese Zahl blickt. Sollte Marco Reus am Freitag zum Einsatz kommen, wird der Test gegen Saudi-Arabien sein erst 31. Länderspiel sein. Zum Vergleich: Joshua Kimmich - sechs Jahre und damit eine halbe Fußballer-Karriere jünger als Reus - steht aktuell bei 28 Partien im DFB-Trikot. Während der Münchner so gut wie nie verletzt ist, war Reus genau das schon viel zu oft.

Der 29-Jährige hätte allen Grund, mit dem Schicksal zu hadern. Die WM 2014 verpasste er kurz vor dem Turnierstart. Als Mario Götze bei der Jubelnacht in Rio Reus‘ Trikot in die Kamera hielt, schlief sein Kumpel bereits. Nach dem Schlusspfiff hatte er den Fernseher ausgemacht. So groß die Freude über den WM-Triumph seiner Teamkollegen war, so sehr schmerzte es auch, nicht selbst dabei sein zu können. 2016 wiederholte sich die Geschichte, wieder musste Reus absagen.

Vorbei. Aber auch vergessen? "Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich nicht daran denke", antwortet er auf die Frage, ob er befürchte, die traurige Geschichte könne sich wiederholen. "Aber ich habe Lust auf Fußball. Den Rest kann ich ohnehin nicht beeinflussen."

Voller Elan ist er in die WM-Vorbereitung gestartet, hat jede Einheit von der ersten bis zur letzten Minute absolviert. Das Vertrauen in seinen Körper ist da - zur Erleichterung des deutschen Trainerteams. Reus ist nach der überraschenden Aussortierung von Leroy Sané der einzig verbliebene Herausforderer von Julian Draxler auf dem linken Flügel, der letzten wirklich umkämpften Position in der DFB-Elf. Beide saßen in Südtirol oft gemeinsam am Tisch, lachten zusammen - trotz der Konkurrenzsituation. "Marco", sagt Draxler, der in Leverkusen den angeschlagen Mesut Özil in der Zentrale ersetzen könnte, "ist ein außergewöhnlicher Spieler, der unberechenbar ist. Ich bin froh, dass er wieder in unserem Kreis ist." Und doch ist jedes Training ein direktes Duell. "Konkurrenz", sagt Reus, "ist wichtig. Nur so kannst du maximalen Erfolg haben." Und den streben beide an.

Reus spielt in den Planungen von Joachim Löw eine Sonderrolle. Während der mit viel Selbstbewusstsein angereiste Draxler mit einem leichten Vorsprung ins Turnier geht, sieht der Bundestrainer in Reus jenen Spieler, der im Verlauf der Endrunde für die besonderen Augenblicke sorgen soll. Auffällig überschwänglich lobt Löw den Dortmunder: "Marco", sagt er, "ist wahnsinnig geschickt, intelligent und überraschend. Es wirkt bei ihm so leicht und spielerisch. Marco ist eine Rakete." In der Tat verfügt Reus über die seltene Gabe, einer Partie von einer Sekunde auf die andere eine neue Wendung geben zu können. Er ist, jetzt wo Sané nicht mehr da ist, die letzte Rakete in Löws Arsenal. "Und der Bundestrainer erwartet, dass ich zünde", beschreibt Reus seinen Spezialauftrag.

Den Spaß will er sich von diesem Druck nicht rauben lassen. Auch hat er aufgehört, darauf zu hoffen, dass ihm im Gegenzug für die persönlichen "Tragödien" (O-Ton Manuel Neuer) etwas zurückgegeben wird. "Wenn es so wäre", scherzt er, "müsste ich noch achtmal Deutscher Meister und zweimal Weltmeister werden. Ich könnte mich sonnen und müsste nichts mehr tun." Doch das sei Quatsch. "Nichts fällt dir vor die Füße. Ich muss mir alles erarbeiten - umso erfüllender ist es." Erfüllung ist es, wonach er in Russland strebt. Ausgelöst durchs Gefühl, wenn der Ball den Fuß verlässt und Sekundenbruchteile später im Netz zappelt. Idealerweise im Finale von Moskau. Die Gewissheit, diesen Moment in sich zu tragen, habe er sich nie nehmen lassen, sagt er - egal wie wenig Länderspiele in seiner Vita stehen.

Einen weiteren Schuss vor den Bug braucht Juan Antonio Pizzi eigentlich nicht. Der 49-jährige argentinische Trainer der Saudis ist nach nach der 0:3-Niederlage gegen Peru am Montag eher auf der Suche nach positiver Motivation für das WM-Eröffnungsspiel in einer Woche gegen den Gastgeber Russland in Moskau.

Doch ob sich die Wüstensöhne diesen Schub augerechnet beim amtierenden Weltmeister holen können, ist mehr als fraglich. Zu schwach war zuletzt das Auftreten der Defensive gegen Peru. Auch der verletzungsbedingte WM-Ausfall von Spielmacher Nawaf Al-Abed (Al-Hilal) ist kaum zu kompensieren.

Die Resultate der Vorbereitungsspiele der Saudis sind ernüchternd, sieht man mal von Siegen über Reserve-Teams der Griechen und Algerien ab. "Wir müssen noch einiges tun", weiß Pizzi, "aber noch hat die Weltmeisterschaft nicht begonnen."

Die Hoffnungen ruhen da auf der Offensivreihe mit Fahad Al-Muwallad, Yahya Al-Shehri sowie Salem Al-Dawsari. Und in der Spitze auf Torjäger Mohammad Al-Sahlawi. Dem 31-jährigen Stürmer von Al-Nassr gelangen in der WM-Qualifikation 16 Treffer - so viele wie Robert Lewandowski.

Real Madrid gegen FC Liverpool im Livestream am 26.05.2018
Samstag, 26. Mai 2018

Was im August in Sinsheim begann, kann am Samstag in Kiew mit einem überraschenden Champions-League-Triumph enden. Der FC Liverpool fordert Titelverteidiger Real Madrid heraus. Bei dem 2:1-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim im Play-off-Hinspiel benötigte die Mannschaft von Jürgen Klopp noch Anlauf, danach glich die Reise durch Europa einem einzigen Sturmlauf. Ähnlich wie 2013, als Borussia Dortmund erst im Finale vom FC Bayern gestoppt werden konnte, rissen die Reds dabei auch unbeteiligte Fans mit. Insbesondere, als die Pressingmaschine des deutschen Teammanagers sich wiederholt gegen Pep Guardiolas national übermächtigen, designierten Meister Manchester City durchsetzte und im Halbfinalhinspiel auch den AS Rom überrannte. Schon beim fünften, dem bis dato letzten Gewinn des Henkelpotts 2005, war Liverpool als Qualifikant gestartet.
Klopp hat dem Klub Power, Passion und Perspektive zurückgebracht, Pokale noch nicht. Auch dafür wurde er von den US-amerikanischen Eignern der Fenway Sports Group vor zweieinhalb Jahren engagiert. Schließlich haben sich die Reds jahrzehntelang, auf dem Kontinent vor allem in den 70er und 80er Jahren, über Titelgewinne definiert.

Doch die "Kings of Europe" sind Geschichte, die "Könige Europas" sind die Gegenwart: Zinedine Zidane und sein Starensemble können den Henkelpott zum dritten Mal in Folge gewinnen. Dieser dann sagenhafte, historische Hattrick wäre gleichfalls die fabelhafte Krönung für Reals deutschen Regisseur Toni Kroos. Europas Thron bliebe damit Klopp zum zweiten Mal verwehrt, seinen deutschen Profis Loris Karius und Emre Can beim ersten Versuch.

Weltmeister Kroos hat sein Team und den Trainer, der seinem deutschen Kollegen zum ersten Mal als Kontrahent begegnet, vor Klopp gewarnt: "Ich weiß, wie seine Teams spielen. Sie werden 90 Minuten lang Pressing machen. Es wird hart."

Klopp entgegnet: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Madrid sich sagt: Gott sei dank ist es Liverpool." Cristiano Ronaldo immerhin sagt, bei allem Respekt: "Wir sind die Besseren." Was angesichts der enormen Erfahrung und individuellen Qualität keiner bestreiten wird. Aber im Wettbewerb der Systeme, im Vergleich von "CR7" (15 Treffer in zwölf Spielen) mit dem "Egyptian King" Mohamed Salah (10 Treffer) sowie in der Gegensätzlichkeit der Trainer liegen alleine drei von vielen Reizen dieses Endspiels.

Für die weltweite Strahlkraft ihres wichtigsten Wettbewerbs hätte sich die UEFA kaum eine bessere Konstellation wünschen können, sie verspricht ein finales Spektakel. Denn Liverpool kann kaum anders, "als so aufzutreten wie im gesamten Wettbewerb. Wir versuchen immer, Chancen zu erspielen, zum Tor-abschluss zu kommen" (Klopp). Das Vertrauen in die Angreifer Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané (wettbewerbsübergreifend 90 Saisontore) und die Zuversicht allgemein sind so groß, dass keine besonderen Motivationstricks bemüht wurden und werden. Der Fokus der Vorbereitung liegt auf so viel "business as usual", wie es vor einem solchen Finale nur möglich ist.

Klopp bereitet sein Team auf eine "hohe Frustrationstoleranz" vor, denn es werde in den 90 und vielleicht mehr Minuten sicher Rückschläge geben. Bei der Aufgabe, sich einerseits auf den routinierten, ballsicheren Gegner mit seiner komplexen Spielanlage einzustellen und gleichzeitig die eigenen Pfeile im Köcher zu schärfen, wird die 14-tägige Erholungspause nach der Premier-League-Saison im Liverpooler Lager als äußerst hilfreich bewertet. Nach 55 Pflichtspielen konnten die Akkus wieder aufgeladen werden. Zum Vergleich: Real hat bisher 61 Partien absolviert. Und durchaus Lust auf mehr. Vermutungen, der Erfolgshunger der Königlichen sei gestillt, begegnete Zidane mit Nachdruck: "Das gibt es nicht." Keines seiner sieben Endspiele als Cheftrainer seit Januar 2016 hat er verloren.

Was zur Wertsteigerung des Seriensiegers beigetragen hat. Im relevanten, aktuell von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG veröffentlichten Ranking der wertvollsten Klubs rangiert Real mit 2,930 Milliarden Euro hinter ManUnited (3,255 Mrd.) auf Rang 2. Achter ist der FC Liverpool (1,580 Mrd.). Gewinnen die Reds das Finale, haben sie in dieser Champions-League-Saison 82,7 Millionen Euro eingespielt, Real käme im Erfolgsfall auf 87 Millionen.

 
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