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VfL Bochum gegen FC St. Pauli im Livestream am 10.12.2018
Montag, 10. Dezember 2018

Die Partie gegen St. Pauli ist für den VfL der Auftakt zu einem anspruchsvollen Vorweihnachtsprogramm. Es folgen als Gegner Union Berlin und der 1. FC Köln. Danach werden die Bochumer wissen, ob sie die Aufstiegsplätze ernsthaft angreifen können oder eben doch nur gehobenes Mittelmaß repräsentieren. Unmittelbar nach dem Remis in Magdeburg gewann Mittelfeldstratege Anthony Losilla dieser Ausgangsposition ausschließlich Positives ab: "Vielleicht ist es für uns besser, noch gegen starke Gegner zu spielen, weil wir da unser Spiel zeigen können. Gegen St. Pauli müssen wir wieder alles aus uns rausholen."

Die Hamburger zählen nicht zu den Lieblingsgegnern der Elf von Robin Dutt. Die vergangenen drei Vergleiche gingen allesamt verloren, der letzte Bochumer Erfolg datiert vom Februar 2014. Aber mit dem Selbstbewusstsein aus sieben Spielen ohne Niederlage wollen die Bochumer diese schwarze Serie beenden. Mittelfeldspieler Tom Weilandt, der sich seit Wochen in einer tollen Form befindet und in den beiden zurückliegenden Heimspielen für alle drei VfL-Treffer verantwortlich war, lässt an der Zielsetzung jedenfalls keine Zweifel: "Die Marschroute ist klar: Wir wollen zu Hause den Dreier holen. Alles andere ist Nebensache."

Doch die Personalsorgen vor den wohl entscheidenden Spielen sind groß. Speziell offensiv drückt der Schuh. Neben den schon länger verletzten Mittelfeldspielern Sebastian Maier, Thomas Eisfeld, Milos Pantovic und Robbie Kruse fällt nun auch noch der Südkoreaner Chung-Yong Lee zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aufgrund einer Gelbsperre aus. Mit Jannik Bandowski, Maxim Leitsch und Baris Ekincier erhöht sich die Anzahl der nicht einsatzfähigen Spieler somit auf acht.

Der Überblick über das Personal ist obligatorisch zu Beginn einer Pressekonferenz. Am Sonntag benötigte Markus Kauczinski ein wenig länger als üblich und auch mal einen Blick auf seinen Zettel. Der Grund: St. Paulis Trainer hatte eine Vielzahl von Ausfällen zu vermelden und muss in Bochum erneut wesentliche Umstellungen vornehmen.

Die schon im vergangenen Heimspiel gegen Dresden zwangsweise auf drei Positionen umgestellte Startelf wird diesen Montag weitere Veränderungen hinnehmen müssen: Linksverteidiger Daniel Buballa erlitt einen Teilriss des Außenbandes im Sprunggelenk, und mit Marvin Knoll fällt nach Christopher Buchtmann der zweite Taktgeber im zentralen Mittelfeld aus. Bei der Suche nach den besten Lösungen, um diese Ausfälle zu kompensieren, gibt sich Kauczinski noch "hin- und hergerissen". Seine Ausführungen machen deutlich: Eigentlich bräuchte er den "doppelten Dudziak".

Jeremy Dudziak ist beim 1:1 gegen Dynamo erstmals wieder von der Rechtsverteidigerposition ins zentrale Mittelfeld vorgerückt und hat dort nicht nur wegen seines Treffers überzeugt. Durch den Ausfall von Knoll wäre der 23-Jährige der ideale Nebenmann von Rückkehrer Johannes Flum, der eher den defensiven Part spielt. Aber: Durch Buballas Ausfall wird Dudziak auch hinten links benötigt. "Das", sagt Kauczinski, "war ja mal seine angestammte Position." Dort hat der Coach mit Yi-Young Park eine Alternative, die in dieser Spielzeit um den Anschluss kämpft und erst einmal eingesetzt wurde sowie mit Urgestein Jan-Philipp Kalla eine weitere, die in dieser Spielzeit noch keine Zweitligaminute auf dem Platz stand. "Ich muss abwägen", sagt Kauczinski, "Jerry ist links hinten verlässlich, mit ihm stehen wir gut. Aber er macht es im Mittelfeld auch richtig gut, sucht immer wieder den Weg nach vorn, wird torgefährlich."

Mönchengladbach gegen VfB Stuttgart im Livestream am 09.12.2018
Sonntag, 9. Dezember 2018

Wenn es ums Toreschießen geht, ist Raffael normalerweise die Konstante schlechthin. In den vergangenen fünf Jahren landete der Brasilianer dreimal auf Platz 1 und zweimal auf Platz 2 im internen Torjäger-Ranking. In dieser Saison aber dürfte es schwierig werden mit einem Spitzenplatz. Thorgan Hazard und Alassane Plea führen die Wertung mit jeweils acht Treffern an. Und bei Raffael steht: die Null!

Der Offensivstar schlüpft aktuell in eine ungewollte wie ungewohnte Nebenrolle. Dabei hatte es in der Sommervorbereitung so ausgesehen, als könnte es eine klasse Saison für den Zauberfuß werden. Topfit und spielfreudig wie selten trumpfte Raffael in den ersten Wochen auf. Stark dann auch sein Start in die Saison: Dreierpack in der ersten DFB-Pokalrunde beim 11:1 gegen Hastedt und ein ausgezeichneter Auftritt zum Bundesligaauftakt beim 2:0 gegen Leverkusen mit einem fabelhaften Assist. Aber schon am 2. Spieltag in Augsburg (1:1) wurde Raffael durch eine Wadenverletzung jäh gestoppt: Pause für die folgenden zwei Monate. Seit seiner Rückkehr Anfang November kämpft Raffael um den Anschluss. Beim 0:2 in Leipzig am Sonntag kam der Stürmer in der 77. Minute, konnte dem Spiel aber auch keine Richtungsänderung mehr geben.

Vergleichsweise bescheidene 210 Spielminuten sind für Raffael in dieser Saison bislang notiert. Obwohl er weiß und akzeptiert, "dass ich mit 33 Jahren nicht mehr garantiert alle Spiele mache", würde Raffael natürlich gerne wieder von Beginn an zeigen, was in ihm steckt. Das Problem: Blickt man auf die Leistungen von Hazard, Plea und Lars Stindl in den vergangenen Wochen, besteht für Trainer Dieter Hecking kein Anlass, sein überragendes Angriffstrio zu sprengen. Hazard und Plea zählen zu den treffsichersten Stürmern der Liga, und auch Stindl hat sich in seiner neuen Rolle als Neuner bewährt.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für Raffael trotzdem: Entschließt sich Hecking nach der Niederlage in Leipzig zum Umbau der Startelf, steigen Raffaels Chancen auf ein Comeback in der Anfangsformation. Entscheidend wird sein, wie der Trainer den weiteren Ausfall von Jonas Hofmann (Muskelverletzung am Hüftbeuger) aufzufangen gedenkt. In Leipzig holte er Denis Zakaria als Nachrücker ins Team. Der Schweizer Nationalspieler machte seine Sache ordentlich, hat bei der Interpretation der Achterposition aber noch reichlich Luft nach oben. Ein Zurückziehen von Stindl ins Mittelfeld bleibt daher eine Option. Den frei werdenden Platz in der Angriffsmitte könnte dann Plea einnehmen - oder eben Raffael, der gerade gegen ein Team wie den VfB Stuttgart wertvoll sein kann, wenn es darum geht, eine stabile Abwehrreihe zu knacken.

Im Sommer hing der Himmel voller Geigen. In dieser Hinrunde sorgten Benjamin Pavard und der VfB Stuttgart dagegen für reichlich Misstöne. Der Weltmeister aus Frankreich kämpft mit den Schwaben gegen einen drohenden Abstieg. Eine Entwicklung, die sich alle Beteiligten ganz anders vorgestellt hatten.

Laut Michael Reschke hätte man den WM-Überflieger im Sommer an jeden Klub der europäischen Elite verkaufen können. Für (weit) mehr als die in dessen Vertrag bis 2021 für 2019 festgeschriebenen 35 Millionen Euro. Doch der Stuttgarter Sportvorstand blockte konsequent alle Anfragen ab. Man wolle vorrangig die sportliche Entwicklung der Mannschaft nicht gefährden. Und hatte ebenso im Hinterkopf, dass sogar die kleine Chance, mit etwas Glück vielleicht den Sprung in die internationalen Plätzen zu schaffen, mit dem Franzosen größer sein könnte. Was automatisch ein paar Millionen zurückgebracht hätte, die man für einen möglichen Transfer 2018 ausgeschlagen hatte.

Ein Trugschluss. Stuttgart schmierte ab, Pavard schmierte ab - dazu wird er im Sommer Richtung FC Bayern abschwirren. Was alle Parteien um des lieben Friedens willen dementieren. Auch der Verteidiger, von dem behauptet wird, er habe am Rande der WM mit FCB-Verantwortlichen gesprochen. "Ich habe mich mit niemandem getroffen und habe auch nichts unterschrieben", sagt der 22-Jährige, der sich aber auch nicht über den Juni 2019 hinaus zum VfB bekennen will. "Im Sommer", so Pavard, "ist alles möglich." Wahrscheinlich muss er das so sagen …

Dafür spricht Pavard sehr offen, warum er in dieser Saison nicht an seine guten Leistungen anknüpfen konnte. Die Zeit nach der WM sei "mental und physisch eine große Herausforderung für mich" gewesen. "Ich war müde. Jetzt wird es langsam besser." Wie auch für den VfB, mit dem er in Gladbach punkten möchte, "damit wir unseren Aufwärtstrend bestätigen können". Und zwar mit seinen aktuellen Abwehrpartnern Timo Baumgartl und Marc Oliver Kempf. "Wir verstehen uns gut, reden sehr viel miteinander", erklärt Pavard, "das klappt momentan sehr gut."

FSV Mainz 05 gegen Hannover 96 im Livestream am 09.12.2018

Von den Protagonisten der damaligen Startelf wird diesmal vielleicht noch eine Handvoll dabei sein, obwohl Hannovers bislang letztes Gastspiel in Mainz gerade einmal knapp 16 Monate her ist. Es ist nicht bekannt, ob André Breitenreiter sich Akteure von damals zurückwünscht, wenn sich am Sonntag auch für ihn ein Kreis schließt: Mainz war seinerzeit am 1. Spieltag der Vorsaison der erfolgreiche Startpunkt seines Wirkens als 96-Trainer in der 1. Liga. Der 1:0-Sieg und gleich darauf ein Heimerfolg gegen Schalke legten den Grundstein für eine sorgenfreie Saison, von der Hannover diesmal weit entfernt ist.

"Es ist für die Jungs keine leichte Situation", sagte der Coach nach dem Tiefpunkt beim 0:2 gegen Hertha und stellte sich damit vor das Team. "Hoffnung macht, dass wir fleißig in der Woche im Training arbeiten." Und die Spieler dabei Freude haben, statt sich dem Druck hinzugeben. Rugby am Dienstag, ausgiebiges Torschusstraining in Wettkampfform am Mittwoch -
Inhalte, mit denen Breitenreiter in diesen Tagen versucht, das Geschehen locker zurück in die richtige Bahn zu lenken. Das Ziel: "Auf dem Platz Verantwortung übernehmen und Erfolgserlebnisse erzwingen", sagt der Trainer und entschuldigt sich fast dafür, sich mit diesen Worten zu wiederholen.

Mit guten Personalkniffen und Matchplänen wartete Breitenreiter bisher oftmals auf. Derzeit aber erlebt er die Fortsetzung eines Trends, der sich bereits in der Rückrunde im Frühjahr andeutete. 16 Punkte holte 96 da nur noch, die meisten zu Hause. Auswärts gelang nach dem Liga-Debüt in Mainz 2017/18 nur noch ein weiterer Sieg in Augsburg, der auch schon über ein Jahr her ist. Verluste sportlich und menschlich wichtiger Akteure wie Salif Sané, Felix Klaus oder Martin Harnik konnte Hannover - so scheint es - im Sommer mit den Neuzugängen nicht kompensieren. "Die Spieler können zeigen, dass sie gute Verpflichtungen waren", sagt Breitenreiter und räumt ein: "Momentan ist das leider noch nicht bei allen der Fall."

Wie schließt sich der Kreis in Mainz? Punktgewinne, zumindest aber einen deutlich verbesserten Auftritt seiner Mannschaft benötigt der 45-Jährige, der noch immer Vertrauen und Ansehen in Hannover besitzt, um vor dem schweren Heimspiel gegen den FC Bayern die Lage im Griff zu behalten. Ein erneuter schwacher Auftritt in Mainz indes ließe ein Aufflammen der Diskussion um seinen Posten endgültig nicht mehr vermeiden.

FC Magdeburg gegen Union Berlin im Livestream am 09.12.2018

Auf Neu-Trainer Michael Oenning und den Aufsteiger wartet mit Union Berlin am Sonntag und den Gastspielen beim 1. FC Köln und auf St. Pauli ein ambitioniertes Restprogramm bis zur Winterpause. Dennoch gibt sich der 53-Jährige optimistisch, meint im Rückblick auf das 0:0 gegen Bochum: "Dass wir in jedem Spiel die Chance haben, unser Spiel durchzubringen, haben wir wieder gesehen." Dann allerdings müssen die wenigen sich ergebenden Möglichkeiten besser genutzt werden. So fehlte bei der Nullnummer gegen den VfL, bei dem die Defensivarbeit weitestgehend passte, nach Umschaltspiel die nötige Präzision beim letzten Pass auf Felix Lohkemper oder Christian Beck.

Eine wichtige Rolle in den taktischen Plänen des Trainers spielt Marius Bülter, der in Fürth und gegen Bochum jeweils über die vollen 90 Minuten dabei war - und überhaupt erst ein Spiel aufgrund einer Fußprellung verpasste. Der 25-Jährige, 2017 Torschützenkönig der Regionalliga West, rückte unter Oenning eine Reihe nach hinten und beackert die rechte Außenbahn. Zwei Saisontreffer gelangen dem unbekümmert aufspielenden Bülter bereits.

Auch Neuzugang Rico Preißinger, am vergangenen Sonntag nach zehnwöchiger Pause wegen eines Mittelfußbruches erstmals für 13 Minuten wieder dabei, kann sich unter Oenning Hoffnung auf weitere Einsatzzeiten machen. "Oberstes Ziel war zuletzt die Null. Jetzt muss vorn einfach mal einer durchrutschen", so der Defensivspezialist mit dem feinen Füßchen.

In den vergangenen Monaten ist es ruhiger geworden um Felix Kroos. Stand der Mittelfeldspieler in der vorherigen, turbulenten Spielzeit als Kapitän des 1. FC Union Berlin fast wöchentlich im Fokus, ist er in dieser Saison auch in dieser Hinsicht nicht mehr so oft in vorderster Front anzutreffen. Im Sommer übergab der 27-Jährige die Kapitänsbinde an Christopher Trimmel, und auch bei seinen Einsatzzeiten gehört er beim Tabellendritten nicht mehr zu den Unverzichtbaren. Ein Rollenwechsel, mit dem er sich laut eigener Aussage arrangiert hat. "Wir haben eine gute Phase, sind ungeschlagen, das gibt Selbstvertrauen, da ist die Stimmung immer gut. Ich denke, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe, das gibt mir auch ein gutes Gefühl", sagt Kroos.

Vor fast drei Jahren wechselte der jüngere Bruder von Toni Kroos aus Bremen nach Köpenick, war seitdem Stammspieler bei Union. Aktuell bringt er es auch verletzungsbedingt erst auf zehn Einsätze (siebenmal Startelf, davon einmal über 90 Minuten). Kroos muss sich also beweisen - auch, um einen neuen Vertrag zu erhalten. Konkrete Verhandlungen über eine Verlängerung der zum Saisonende auslaufenden Vereinbarung wurden noch nicht geführt. Auf Fragen zu seiner Zukunftsplanung reagiert Kroos zurückhaltend.

Er wäre aber, so zumindest der Eindruck, einer Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht abgeneigt. Zumal er für den Fall eines Aufstiegs mit Union, das noch nie der Bundesliga angehörte, erwartet, dass "jedes Spiel wie ein Feiertag" wäre. Der Ball liegt beim Klub, der vermutlich ein an die veränderten Rahmenbedingungen angepasstes Angebot unterbreiten dürfte. Unions Manager Oliver Ruhnert will sich diesem Thema in der Winterpause nähern, wenn er den im Sommer begonnenen Kaderumbruch fortsetzt.

Grundsätzlich lobt er Kroos, weil der sich trotz seiner geringeren Einsatzzeiten "sehr professionell" verhalte. "Felix ist ein wichtiger Faktor in der Mannschaft. Wir sind sehr zufrieden mit ihm", sagt Unions Geschäftsführer. Inwieweit sich diese Zufriedenheit auch in Vertragsgesprächen niederschlägt, muss sich
noch zeigen.

Dynamo Dresden gegen Holstein Kiel im Livestream am 09.12.2018

Der Weg vom Talent zum Stammspieler ist schwer. Aber Markus Schubert durchläuft diesen Prozess mit der ihm eigenen Gelassenheit. "Ich bin einfach nicht der Typ, der aufgeregt ist", sagt Dynamos junger Stammtorwart, den selbst Rückschläge wie das 1:8 beim 1. FC Köln langfristig nicht zu beirren scheinen. Schuberts "unglaubliche mentale Stärke" sei eine Begabung, bescheinigt Sportgeschäftsführer Ralf Minge.

Trotz des Wissens um die Klasse des Youngsters gelang es Dynamo im Sommer nicht, den zum Saisonende auslaufenden Vertrag des 20-Jährigen zu verlängern. Minge, der ein väterliches Verhältnis zu Schubert pflegen soll, fehlte bei den Gesprächen krankheitsbedingt (Burn-out). Aus dem Umfeld des Spielers heißt es, dass der Verein eine große Chance vertan habe. Minge entgegnet: "Markus wollte nicht." Nach dem Abgang von Marvin Schwäbe wollte Schubert abwarten, welche Rolle ihm zufällt - verpflichtete Dynamo in Tim Boss (kam von Drittligist Fortuna Köln) doch einen neuen Rivalen.

Nach Weihnachten soll nun intensiv geprüft werden, wie "der nächste und vor allem richtige Schritt" aussehen kann, so Schubert. Dynamo will mit seiner Nummer 1 verlängern. "Schubi weiß, dass er hier eine Identifikationsfigur ist, und dass das Trainerteam auf ihn baut", so Minge, der betont: "Es muss sein Ziel sein, mit 23 Jahren Stammtorhüter in der Bundesliga zu sein." Die Frage ist, ob das bei Dynamo, das mittelfristig aufsteigen will, gelingt, oder aber bei einem anderen Klub.

Und plötzlich steht er wieder im Rampenlicht. Wie in der vergangenen Saison, als er in seiner ersten Zweitliga-Spielzeit mit zwölf Treffern und fünf Assists national und international auf sich aufmerksam gemacht hatte. Kingsley Schindler, 25 Jahre jung, aktuell gefährlichste Offensiv-Waffe der Kieler Störche - und damit Objekt der Begierde zahlungskräftigerer Klubs.

Fünf Tore und fünf seiner bislang sechs Torvorbereitungen in dieser Serie hat Holsteins Top-Scorer in den jüngsten vier Partien verbucht, war damit an zehn der zwölf Störche-Treffer in den vergangenen 360 Minuten direkt beteiligt und hat mit diesen imponierenden Zahlen den Höhenflug der seit sechs Liga-Spielen ungeschlagenen Nordlichter maßgeblich angetrieben. Dabei wirkte der Kieler "King" noch bis in den Oktober hinein arg verunsichert. Einen kausalen Zusammenhang zwischen persönlichem Frust wegen des von Sportdirektor Fabian Wohlgemuth und Cheftrainer Tim Walter im Sommer ausgesprochenen Wechselverbotes und dem Formtief hatte der Flügel-Turbo offiziell stetig bestritten.

Heute sagt Schindler: "Ich war in dieser Phase mit vielen anderen Dingen beschäftigt. Jetzt bin ich im Kopf wieder frei." Vielleicht, weil seine sportliche Zukunft mittlerweile spätestens nach Ablauf des Vertrages in Kiel am 30. Juni 2019 geklärt ist? "Nein", entgegnet Schindler. Allein harte Arbeit, das in ihn gesetzte Vertrauen der sportlichen Führung und das Schlüsselerlebnis seines ersten Saisontreffers am 3.November beim 2:2 gegen Ingolstadt seien für seine Leistungssteigerung verantwortlich.

Die Gerüchteküche brodelt: Nürnberg und Düsseldorf sollen Interesse an einer Verpflichtung im Winter haben. Die Verantwortlichen der Störche stehen vor der Gretchenfrage: Nur in der kommenden Transferperiode können sie noch eine Ablöse für ihr Trumpf-Ass generieren. Verbunden damit wäre indes das Risiko der sportlichen Schwächung.

"Kingsley hat nicht nur als Fußballer, sondern auch als Persönlichkeit eine ganz wichtige Rolle in unserem Team. Wir möchten ihn sehr gerne behalten, können aber natürlich nichts ausschließen. Bei der finalen Entscheidung sitzt Holstein Kiel eben nicht allein am Tisch", sagt Wohlgemuth und ergänzt: "Wir werden unsere sportlichen Ambitionen ganz bestimmt nicht verkaufen. Und dennoch sind wir in der Pflicht, auch die wirtschaftlichen Dimensionen unserer Entscheidungen im Auge zu behalten." Eine finanzielle Schmerzgrenze für den Fall des vorzeitigen Verkaufes sei intern "nicht festgelegt".

Die Personalie Kingsley Schindler bleibt spannend - mindestens bis Weihnachten. Denn mit Blick auf das Nordderby gegen den HSV am 23. Dezember hat Walter eine Mission ausgerufen: "Wir wollen dann ein echtes Top-Spiel in Kiel bestreiten." Mit einem vor Selbstvertrauen strotzenden Schindler in der momentanen Verfassung keinesfalls eine utopische Vision.

Arminia Bielefeld gegen SV Sandhausen im Livestream am 09.12.2018

Die Leistung stimmte, das Ergebnis nicht ganz: Mit dem 2:2 beim SC Paderborn verpasste Arminia Bielefeld am vergangenen Spieltag den ersehnten Befreiungsschlag. Den will die Mannschaft, die seit mittlerweile neun Pflichtspielen auf einen Sieg wartet, am Sonntag zu Hause gegen den SV Sandhausen nachholen. Und damit zugleich dafür sorgen, dass der Abstand auf die Abstiegsplätze wächst und die Diskussion um Trainer Jeff Saibene nicht wieder von vorn beginnt.

Nach der kämpferischen und mutigen Vorstellung in Paderborn, die lediglich durch den Gegentreffer zum 2:2 in der 90. Minute getrübt wurde, möchte Saibene nun gegen Sandhausen einen genauso couragierten Auftritt von seinem Team sehen. "Wenn wir mit dieser Leidenschaft und diesem Mut auftreten, werden wir Punkte holen", sagte der Trainer. Er bezog sich damit auf die Partie gegen Sandhausen, genauso aber auf die bis Weihnachten ausstehenden Spiele in Kiel und gegen Heidenheim: "Paderborn soll der Anfang dafür sein, dass wir das Jahr jetzt noch mehr oder weniger positiv beenden."

Aufgrund der jüngsten Eindrücke spricht wenig für personelle Veränderungen. Womöglich wird Cedric Brunner nach abgesessener Gelbsperre in die Startelf zurückkehren. Er könnte beispielsweise statt Jonathan Clauss auf der Rechtsverteidigerposition spielen. Fraglich ist zudem, ob Saibene in der Innenverteidigung erneut auf den in Paderborn starken Manuel Prietl setzt oder auf Kapitän Julian Börner, der eine Grippe auskuriert hat.

Der SV Sandhausen hat sein Saisonziel geändert. Die Hoffnung auf eine "wieder sorgenfreie Runde" hat sich nicht erfüllt. Nun geht Jürgen Machmeier von "Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag" aus und bezieht auch den Relegationsplatz mit in seine Überlegungen ein. "Wir wären nicht die Ersten, die durch dieses Stahlbad gehen müssen", sagt der Präsident.

Zu einfache Gegentore und unerklärliche Schwächephasen während des Spiels seien die Hauptursachen für die Talfahrt. Der 57-jährige Unternehmer sehnt die Rückkehr der verletzten Tim Knipping und Tim Kister im neuen Jahr herbei. Sie waren die Garanten dafür, dass der SVS in der vergangenen Runde die beste Abwehr der Liga hatte.

Nachdem der Chef zuvor die Transferpolitik vom Sommer stets verteidigt hatte, räumt er nun ein, dass man von den Zugängen mehr erwartet habe. Von den elf Neuen spielen nur Fabian Schleusener und Jesper Verlaat regelmäßig. Nicht ausschließen will Machmeier, dass man in der Winterpause nachlegt. Das Problem: Der Kader umfasst schon 29 Profis. Dem neuen Trainer macht der Präsident keinen Vorwurf: "Uwe Koschinat verrichtet einen Super-Job. Der Mann brennt, er tut alles."

In Bielefeld wird der 47-jährige Fußballlehrer vermutlich zum System mit den zwei Spitzen zurückkehren. Stark gefährdet ist der Einsatz von Rurik Gislason. Den isländischen Nationalspieler plagt eine Muskelverletzung an der Rückseite des Oberschenkels, die einen Einsatz über 90 Minuten wahrscheinlich nicht zulässt.

Hertha BSC gegen Eintracht Frankfurt im Livestream am 08.12.2018
Samstag, 8. Dezember 2018

Er lobt seinen Landsmann sehr, aber ärgern will Mijat Gacinovic diesen Marko Grujic am Samstag natürlich trotzdem. "Menschlich", sagt der Frankfurter über den Berliner, "ist er super. Und sportlich ist er ein sehr guter Spieler und wichtig für Hertha. Mit ihm hat Berlin noch nicht verloren. Ich hoffe, dass sich das gegen uns ändert."

Gacinovic und Grujic kennen sich bestens, gemeinsam wurden sie 2015 in Neuseeland U-20-Weltmeister mit Serbien. Die gegenseitige Wertschätzung ist groß - und die Lust, dem anderen am Samstag ein Bein zu stellen, auch. Dass die Berliner mit Grujic ungeschlagen sind, ist kein Zufall. In fünf Spielen mit ihm in der Startelf verbuchte der Liga-Siebte im Schnitt 2,2 Punkte und 2,6 Tore - in den acht Spielen ohne ihn in der Startelf waren es 1,13 Punkte und ein Tor. "Mit Marko", sagt Trainer Pal Dardai über den 1,91 Meter großen Serben, "haben wir eine andere Spielweise. Er ist ruhig, setzt sich ab, zeigt an: Gebt mir den Ball. Er hat Ausstrahlung, eine gute Körpersprache, eine große Handlungsschnelligkeit und ist trotz seiner Größe wendig."

In den 180 Minuten, die Grujic nach dem im September erlittenen Bänder- und Kapselriss im Sprunggelenk zuletzt gegen Hoffenheim (3:3) und in Hannover (2:0) wieder auf dem Platz stand, machte er dort weiter, wo er vor der Verletzung aufgehört hatte. Die ebenso robuste wie spielstarke Liverpool-Leihgabe mixt strategische Fähigkeiten mit großem Willen und Torgefahr. Kein Berliner bestreitet so viele Zweikämpfe wie er - 16,4 pro 90 Minuten. Er ist ein Achter, der die Defensive und die Offensive verzahnt, der Räume erkennt und erschließt, der mit seinem intuitiven Gespür für Rhythmuswechsel den Takt angibt - und genau der Spielertyp, der den Berlinern in den Vorjahren in der Zentrale fehlte. Grujic, der bei der WM in Russland ohne Einsatz blieb und bei acht A-Länderspielen steht, gibt seinen Nebenleuten auf dem Platz Orientierung und Ideen und lässt sie besser aussehen. "Mit Arne Maier und Ondrej Duda haben wir ein technisch starkes Mittelfeld", sagt er, "ich denke und spiele ähnlich wie sie. Ich mag das Kurzpassspiel. Vielleicht funktioniert es auch deshalb von Anfang an so gut für mich. Die Erfahrungen, die ich in Liverpool und Cardiff gesammelt habe, helfen mir hier." Liverpool hatte ihn im Januar 2016 für sieben Millionen Euro Ablöse von Roter Stern Belgrad verpflichtet, es war der erste von Jürgen Klopp auf der Insel getätigte Transfer.

In der Rückrunde 2015/16 liehen ihn die Reds wieder an seinen Heimatklub Roter Stern aus, in der Rückrunde 2017/18 an den Championship-Klub und späteren Premier-League-Aufsteiger Cardiff City (13 Einsätze, ein Tor). Sein Kontrakt in Liverpool läuft bis 2023. Hertha will und wird vorfühlen, ob eine Ausweitung des Engagements möglich ist. "Wir werden auf der Strecke mal mit den Kollegen aus Liverpool über ein Szenario sprechen, das über den Sommer hinausgeht", sagt Manager Michael Preetz, "aber ich fürchte, dass da nicht mit einer schnellen Antwort zu rechnen ist." Grujic selbst hätte nichts gegen ein zweites Hertha-Jahr: "Wenn Liverpool mich noch mal ausleihen möchte, wäre Berlin der beste Ort für mich."

Für Carlos Salcedo hätte die Saison kaum schlechter beginnen können. Am 2. Spieltag setzte der Bremer Davy Klaassen zu einem rüden Tackling gegen den Frankfurter an - mit bitteren Folgen. Salcedo erlitt einen Syndesmoseriss am linken Sprunggelenk und musste operiert werden.

Drei Monate später könnte der Innenverteidiger in Berlin sein Comeback feiern. Am 14. November kehrte Salcedo ins Mannschaftstraining zurück, gegen Wolfsburg stand er erstmals im Kader. "Carlos macht einen ordentlichen Eindruck und brennt darauf, dass er wieder mal zum Einsatz kommt", sagt Trainer Adi Hütter. Ob er schon am Samstag auf den mexikanischen WM-Teilnehmer setzen wird, verrät er nicht. Das Comeback wäre allerdings naheliegend, da Kapitän David Abraham mit einer bisher nicht näher definierten Wadenverletzung das Hinrundenaus droht. Der 32-Jährige war am 12. Spieltag in Augsburg nach wenigen Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt worden. "David ist auf dem Weg der Besserung, kommt in nächster Zeit aber nicht in Frage. An Mannschaftstraining ist noch nicht zu denken", berichtet Hütter.

Abrahams Vertreter Marco Russ zeigte wechselhafte Leistungen, beim 1:2 gegen Wolfsburg zählte er zu den schwächsten Frankfurtern. Das spricht für Salcedo. Da der wegen seiner Verletzung nicht für die Europa League gemeldet wurde, wird Russ am nächsten Donnerstag bei Lazio Rom ohnehin wieder gefragt sein. "Carlos kam sehr schnell zurück, ich denke, dass er bereit ist", sagt Filip Kostic.

Der Serbe war wie so oft in den vergangenen Wochen auch gegen Wolfsburg ein Lichtblick. In seiner mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Rolle als offensiver Linksverteidiger blüht Kostic auf. Defensiv erledigt er seine Aufgaben zuverlässig, offensiv sorgt er mit der Kombination aus Tempo und Technik für viele gefährliche Flankenläufe. Mit Frankfurt will der 26-Jährige hoch hinaus. Er verrät: "Mein Traum ist es, unter die ersten vier zu kommen, um in der Champions League zu spielen." Soll das gelingen, müssen er und die Eintracht zeigen, dass das 1:2 gegen Wolfsburg nur ein Ausrutscher war.

Leverkusen gegen FC Augsburg im Livestream am 08.12.2018

Vor einem halben Jahr war Wendell glücklich. Der Brasilianer blickte auf eine gute Saison zurück und machte sich Hoffnungen, in den Kreis der Selecao berufen zu werden. Jetzt steckt er in seiner bislang größten sportlichen Krise, hat nach schwachen Leistungen seinen Stammplatz verloren. Und das, obwohl es im Kader keinen zweiten Linksverteidiger gibt. Aber auch deswegen, wenn man Trainer Heiko Herrlich folgt: "Er war in einer Phase, in der wir auf seiner Position keine Alternativen hatten, total überspielt. Er hat jedes Spiel gemacht. Da hat man gemerkt, dass er in einem Loch ist."

Seit zwei Spieltagen ist Wendell nur noch Ersatz. Eine neue Erfahrung für den 2014 nach Deutschland gekommenen Offensivverteidiger. "Es ist eine schwierige Situation", gibt er zu, "ich erlebe das zum ersten Mal in Leverkusen." Herrlichs Entscheidung kann er nachvollziehen. Eine Erklärung für seine Formkrise hat er nicht.

Für den Wechsel von Wendell zu Tin Jedvaj, der Rechtsfüßer und eigentlich Innenverteidiger ist, gibt es gute Gründe. "Mit Wendell können wir gut hinten heraus spielen, aber die Tatsache, dass er zuletzt vor über einem Jahr ein Tor vorbereitet hat, hat mich zum Umdenken gezwungen, dass ich eher sage, dass ich die Defensive stabilisieren möchte", erklärt Herrlich. Denn in der Rückwärtsbewegung unterliefen Wendell zu viele Fehler. "Über seine Seite sind viele Gegentreffer gefallen", weiß der Trainer, "dafür darf man ihn aber nicht allein verantwortlich machen." Aber doch auch.

Wendells Weg zurück wird hart. In Nürnberg patzte er nach seiner Einwechslung vorm 1:1. "Das gibt ihm nicht unbedingt Selbstbewusstsein", weiß Herrlich. Ein Stellungsfehler kurz vor Schluss blieb nur dank Keeper Lukas Hradecky ohne Folgen.

Wendell als Risikofaktor. "Im Moment fühlt es sich für mich stabiler und sicherer an, wenn Tin links hinten spielt, weil er auch noch unheimlich kopfballstark ist", sagt Herrlich, "unser Problem ist einfach, dass wir zu viele Gegentore bekommen haben." Wendell muss kämpfen. "Er muss sich sein Selbstvertrauen wieder erarbeiten", so Herrlich. Dafür wird dieser in der Liga nicht so schnell eine Startelf-Chance bekommen. Selbst der Umstand, dass der Trainer plant, den schon länger lädierten Sven Bender gegen Augsburg zu schonen, hilft ihm nicht. Dragovic soll Bender ersetzen, Jedvaj weiter links verteidigen, was er bislang gut macht. "Davon kann man ausgehen", bestätigt Herrlich. Schwere Zeiten für Wendell.

Andreas Luthe hat sich die Szene noch x-mal angesehen. Der entscheidende Gegentreffer durch Anastasios Donis beim 0:1 in Stuttgart fiel durch einen Schuss, der zwar verdeckt, aber weder besonders scharf noch platziert war. "Letztlich habe ich eine falsche Entscheidung getroffen", gibt Luthe zu. "Ich bin zu früh auf Verdacht nach unten gegangen, weil ich den Schützen nicht sehe. Da er den Ball nicht sauber trifft, fehlt mir am Ende die Länge."

Es ehrt Luthe, dass er mit dieser Szene so offen umgeht. Als klarer wie kritischer Kopf, der das große Ganze im Blick hat, wurde der Torwart beim FC Augsburg schon als Ersatzmann sehr geschätzt. Seit dem 5. Spieltag ist Luthe die Nummer 1. Beim Einstand in München erwischte er einen Glanztag, auch gegen Freiburg, Leipzig und Hannover war er Punktegarant. Mit einer Quote von 70 Prozent gehaltenen Bällen rangiert Luthe unter den Stammkeepern der Liga auf Platz 5. Ein starker Wert, doch in neun Partien kassierte der Torhüter auch Treffer, die vermeidbar gewesen wären: der Freistoß von Paco Alcacer in Dortmund; der Schuss von Nürnbergs Alexander Fuchs aus spitzem Winkel ins kurze Eck; der Abstauber von Hoffenheims Reiss Nelson nach einer Abwehr zu Seite. Dazu kommt der Zusammenprall mit Frankfurts Danny da Costa, für den Luthe hätte Rot sehen können, wenn der Ball nicht trotzdem im Tor gelandet wäre.

Nach dem Abschied von Marwin Hitz zum BVB legten sich die Augsburger Verantwortlichen schnell fest, keine neue Nummer 1 zu holen. Weil sie überzeugt waren, dass Luthe und Fabian Giefer die Lücke schließen können. Nach 13 Spieltagen sind Zweifel an dieser Einschätzung zumindest nicht völlig von der Hand zu weisen. Giefer verlor nach drei Patzern seinen Platz, und auch Luthe ist ein ganzes Stück von der Klasse und Konstanz entfernt, die Hitz auszeichnete. Nach 154 Zweitligaspielen für Bochum und zwei Jahren auf der Bank beim FCA ist Luthe mit 31 erstmals Stammkeeper in der Bundesliga. Er muss nachweisen, ob er diesem Anspruch auf Dauer gerecht wird. Sein persönliches Zwischenfazit fällt gemischt aus: "Ich bin ganz zufrieden - mit Abstrichen. Ich bin sehr kritisch mit mir. Wenn ich ein Gegentor bekomme, sitze ich zwei, drei Tage da und versuche zu verstehen, was ich besser machen kann", sagt der Keeper, der seit Wochen mit lädiertem kleinem Finger an der rechten Hand spielt, ohne sich davon beeinträchtigt zu fühlen. Für ihn geht es "um Kleinigkeiten auf höchstem Niveau" und "Konstanz Woche für Woche". Luthe muss beides vereinen, um für den FCA ein stabiler Rückhalt zu sein.

FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund im Livestream am 08.12.2018

Die finale Aktion am Mittwoch im Schalker Mannschaftstraining. Nabil Bentaleb schlenzt den Ball gezielt in die Spitze, dort steht Weston McKennie, der das Übungsspiel gekonnt mit einem Treffer beendet. Seine Teamkollegen schreien unisono ein triumphales "Ja!" in den ergrauten Himmel über dem Trainingsgelände.

Dieser Moment zeigte zweierlei: Zum einen, dass die Stimmung gut ist zum Auftakt der Schalker Teamtrainingswoche in Vorbereitung auf das Derby, zum anderen, dass bei McKennie der Torinstinkt noch vorhanden ist. Dieser hatte ihm am 3. Oktober zunächst zu seinem ersten Pflichtspieltreffer für Schalke in der Champions League bei Lokomotive Moskau (1:0) und nur drei Tage später zu seinem ersten Bundesligator im Duell mit Fortuna Düsseldorf (2:0) verholfen. In beiden Partien bot ihn Trainer Domenico Tedesco phasenweise in vorderster Reihe auf, weil McKennie dank seines Allroundtalents eben nicht nur als Sechser oder Achter eingesetzt werden muss.

Möglich, dass McKennie auch gegen den BVB im Sturm auftaucht. Zumal die Not in diesem Mannschaftsteil nicht kleiner geworden ist, sondern eher größer. Verriet Tedesco am Mittwoch, dass Franco Di Santo für das Derby "auf jeden Fall" ausfällt. Eine Spezialuntersuchung (MRT) habe ergeben, dass in der Patellasehne "eine Reizung vorhanden ist", berichtete Tedesco, der zuletzt beim 1:1 in Hoffenheim noch aus sportlichen Gründen auf den Angreifer verzichtet hatte. Di Santos Verletzung soll "etwas länger auskuriert" werden, sagte Tedesco. Geplant ist, dass der Argentinier "bis Ende nächster Woche separat" trainiert und danach wieder voll einsteigt. Denkbar ist, dass der 29-Jährige erst am 19. Dezember im letzten Heimspiel des Jahres gegen Bayer Leverkusen wieder zur Verfügung steht.

Guido Burgstaller fehlte am Mittwoch wegen seiner Probleme an der Achillessehne. Er übte individuell, soll aber am Donnerstag "wieder ganz normal" am Trainingsbetrieb teilnehmen, sagte Tedesco. Steven Skrzybski macht ein Hämatom im Brustmuskel zu schaffen, Tedesco schließt aber nicht aus, dass der Ex-Zweitligaspieler gegen die Borussia im Kader steht. Haji Wright hat sich derweil als Startelf-Stürmer gegen Hoffenheim eher nicht bewährt. Er trainierte am Mittwoch nicht mit den Profis, sondern zeitgleich auf dem Nachbarplatz mit der U 23.

Würde man nach einem Beispiel für die Redewendung "Ein Kerl wie ein Baum" suchen, ein treffenderes als Dan-Axel Zagadou ließe sich nur schwer finden. Der 19-jährige Innenverteidiger des BVB misst nicht nur stolze 1,96 Meter, er bringt auch eine beachtliche Menge an Muskelmasse mit. Wenn so einer umfällt, dann ist in der Regel etwas passiert. So auch am vergangenen Samstag, als sich der junge Franzose nach einem kurzen Sprint mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Hosenboden plumpsen ließ. Stauchung im linken Fuß lautete die spätere Diagnose. Sie klang zwar wenig dramatisch, war für Zagadou deshalb allerdings nicht weniger schmerzhaft.

Bis zur Wochenmitte hatte sich die Situation des Linksfüßers noch nicht gebessert. Sein Einsatz im kommenden Derby beim FC Schalke 04 ist daher unwahrscheinlich. Es ist keine gute Nachricht für Trainer Lucien Favre, der einen möglichen Ausfall Zagadous gegen den Revierrivalen als "Riesenproblem" bezeichnete.

Wesentlich besser sieht die Situation bei Manuel Akanji aus. Der Schweizer Abwehrchef des BVB verpasste das Freiburg-Spiel aufgrund einer Zerrung der Kniegelenkkapsel, trainierte aber gestern - genau wie der zuletzt ebenfalls fehlende Christian Pulisic - bereits wieder. Beim 23-Jährigen, der immer mehr in eine Führungsrolle hineinwächst, besteht die berechtigte Hoffnung, dass er am Samstag seine Derby-Premiere feiern kann.

Favre steht somit zumindest eine Hälfte des Duos zur Verfügung, das sich zuletzt als dessen Lieblingsantwort auf die zentrale Abwehrfrage des BVB herauskristallisierte. Achtmal standen die beiden körperlich wie spielstarken Verteidiger Seite an Seite auf dem Feld und fingen sich dabei acht Gegentore, viermal stand die Null. Im Schnitt erspielte sich die Borussia in dieser Konstellation 2,75 Punkte.

Die für Samstag wahrscheinlichste Paarung aus Akanji und dem für 28 Millionen Euro von Mainz 05 verpflichteten Abdou Diallo wurde bislang sechsmal erprobt. Angstschweiß wird auch dieses Duo bei Favre nicht hervorrufen: Mit im Schnitt 0,67 Gegentoren und 2,33 Punkten pro Partie überzeugten auch Akanji und Diallo im Zusammenspiel.

Bayern München gegen FC Nürnberg im Livestream am 08.12.2018

Nach dem Leistungstest am Dienstag begann für die Berufsfußballer des FC Bayern an diesem Mittwoch die eigentliche Arbeitswoche. Bei der öffentlichen Vormittagsschicht wurde ersichtlich, dass Trainer Niko Kovac an der 4-2-3-1-Formation festhält. Dieses System wurde jüngst bei den Siegen gegen Benfica (5:1) und in Bremen (2:1) praktiziert, als Folge der Gespräche, die nach dem 3:3 gegen Düsseldorf zwischen den Vereinsoberen, den Führungsspielern und dem Trainer stattgefunden hatten. Durch diese Veränderung - Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld, Rafinha hinten rechts - "haben wir deutlich an Stabilität gewonnen", sagte der Coach. Er hatte diese Variante mit der Doppelsechs schon in Dortmund angeordnet, sah sie aber von Javi Martinez und Leon Goretzka dort "nicht so interpretiert, wie ich es mir vorgestellt habe". Kimmich und Goretzka hingegen, so Kovac, "ergänzen sich gut".

Die Mannschaft bevorzugt diese Neuordnung mit zwei Sicherheitsbeauftragten in der Defensivzone vor der unmittelbaren Abwehr sowie einem Freigeist in der mittigen Offensive ohnehin. Sie hatte sich damit schon vor zwei Jahren, Anfang Dezember, beim damaligen Chef Carlo Ancelotti, ebenfalls einem Freund des 4-3-3, durchgesetzt, als der FC Bayern als Tabellenzweiter drei Punkte weniger als Spitzenreiter Leipzig aufwies. Die Münchner gewannen sogleich mit 3:1 in Mainz, anschließend fünf weitere Bundesligaspiele mit in der Summe 16:3 Toren. Insgesamt gab es in jener noch meisterlich vollendeten Saison mit dieser Formation 17 Dreier und vier Unentschieden - und keine Niederlage mehr. Auch jetzt soll damit die Wende für das Kollektiv erreicht werden, einigen Einzelaktueren gefällt dieses Modell besonders.

Zunächst ist da Thomas Müller, der sich im offensiven Epizentrum am liebsten herumtreibt, als stets verfügbare Anspielfigur, als effizienter Lückenfüller, Vorlagengeber und Vollstrecker neben und rund um Robert Lewandowski, der Müllers Nähe schon immer befürwortete. Ohne einen hilfreichen Partner an seiner Seite fühlt sich der Mittelstürmer ganz vorne häufig allein, weil ohne nachhaltige Unterstützung.

Noch mehr freut sich Kimmich über diese Neuausrichtung, die ihn von der Außenseite in die Mittelstation verschob, also auf die von ihm favorisierte Position. Goretzka ist der mehr offensiv orientierte Assistent an seiner Seite. Beide werden auch gegen Nürnberg das neue Herz bilden und den Rhythmus vorgeben, wie die Übungsform mit verschiebender Viererabwehr und zwei Abräumern davor am Mittwoch verriet. Thiago, in Bremen nach vierwöchiger Pause wieder im Spielbetrieb, gehörte ebenso der zweiten Übungsgruppe an wie Javi Martinez, den seine Formschwäche degradiert hat.

Thiago, der wieder uneingeschränkt startklar wäre, stellt die offensivere, kreativere, spielstärkere Alternative dar. Mit ihm auf der Sechserposition gab es für den FC Bayern 21 Siege, zwei Remis und drei Niederlagen. Diese Bilanz beeinflusste er mit vier Treffern und drei Assists. Kovac hält vom Spanier enorm viel und sieht in ihm eine Führungskraft. Was passiert, wenn der Mann mit der 6 wieder seine Hauptrolle als Sechser übernimmt? Wohin mit Goretzka - die Planstelle des eigentlichen Achters gibt es im 4-2-3-1 ja nicht mehr? Oder wird Kimmich wieder zurückversetzt in den Außendienst rechts hinten, wo Rafinha eine solide Aushilfe ist, zumindest in der Bundesliga?

Der 33-jährige Brasilianer, seit 2011 beim FCB, hat jene Altersgrenze erreicht, unter die Arjen Robben (34) und Franck Ribery (35) ebenfalls fallen. Auch für ihn ist eine Verlängerung des bis Saisonende gültigen Vertrags, so die interne Planung, unwahrscheinlich. Frankreichs weltmeisterlicher Rechtsverteidiger Benjamin Pavard, Neuzugang zum 1. Juli 2019, kann diesen Job genauso übernehmen wie jeden im Abwehrzentrum.

Obwohl Kimmich dann wieder für seine Lieblingsrolle als Sechser frei würde - dort sieht ihn Kovac perspektivisch sowieso -, suchen die Bayern-Verantwortlichen nach einem weiteren Mann für diese Position. Das Supertalent Frenkie de Jong (21) hatte Sportdirektor Hasan Salihamidzic seit Längerem im Blick, doch der Niederländer mit dem 360-Grad-Rundumblick und der feinen Technik, allerdings geringen Torgefährlichkeit (1 Treffer 2018/19) hat seinen Vertrag bei Ajax Amsterdam bis 2022 verlängert und wird damit sehr teuer, weil obendrein Giganten wie Barcelona und Real Madrid um ihn buhlen.

Mit Blick auf das Spiel beim FC Bayern bedient sich Michael Köllner einer Phrase: "Eigentlich hast du dort gar keine Chance, aber genau darin liegt die Chance." Ziemlich chancenlos war die Mannschaft des Nürnberger Trainers in dieser Saison meist bei ihren Gastauftritten. Ein Dreier fehlt in der Bilanz, zwei Remis in Bremen und Augsburg stehen vier teils deftige Niederlagen gegenüber: 0:7 in Dortmund, 0:6 in Leipzig, 2:5 auf Schalke, auch wenn das Ergebnis dort zu hoch ausfiel. 22 Gegentreffer in sechs Auswärtsspielen ergeben einen Schnitt von 3,66 pro Partie.

Köllner sucht stets den spielerischen Ansatz, vom Betonieren hält er höchstens was beim Hausbau. Aber würde der Mannschaft eine defensivere Grundordnung vielleicht nicht doch guttun? Der Trainer widerspricht: "Wir haben in Dortmund mit Fünferkette gespielt, das Ergebnis ist hinreichend bekannt. Es ist keine Frage des Systems, sondern wie wir Räume schließen können." Es gehe hauptsächlich darum, Fehler zu minimieren, den Bayern die Spielfreude zu nehmen, bei einem etwaigen Rückstand nicht unruhig zu werden und die Ordnung zu behalten. Ansonsten gilt: "Wir gehen nicht ins Spiel und parken einen Bus", kündigt Verteidiger Lukas Mühl an.

Düsseldorf, das beim 3:3 einen Punkt aus München entführte, gilt als Vorbild, das am Montag erkämpfte 1:1 gegen Leverkusen als Mutmacher. Köllner weiß: Geht es nur um individuelle Qualität, würde der FCN fast jedes Spiel verlieren. Auf Mentalität, Herz und Charakter seines Teams kann er sich jedoch verlassen.

Diese Eigenschaften würden nach 13 Spieltagen zum Klassenverbleib reichen, lediglich elf Punkte genügen für Rang 15. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung 1995 ist der Club der zehnte Verein, der mit einer solch mageren oder noch schlechteren Ausbeute auf einem "sicheren" Tabellenplatz steht. Und nur zwei davon stiegen am Ende tatsächlich ab: 2016 Hannover und zehn Jahre zuvor der 1. FC Köln. Die Schwäche der anderen auszunutzen, darum geht es für den Club neben der ständigen eigenen Weiterentwicklung.

Dabei überrascht Köllner bei seinen Aufstellungen gerne, gerade im Offensivbereich. "Für Samstag brauchen wir automatisierte Abläufe", kündigt er allerdings für das bayerisch-fränkische-Duell an. Konkret dürfte das bedeuten, dass sich Innenverteidiger Ewerton weiter gedulden muss. Kapitän Hanno Behrens (Bauchmuskelzerrung) fällt aus. Immerhin: Das 1:1 gegen Leverkusen erbrachte mit Kevin Goden (rechts hinten) und Patrick Erras (vor der Abwehr) neue Alternativen. Beide schienen zuletzt auch ohne echte Chance - und nutzten diese.

 
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