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Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig im Livestream am 23.09.2018
Sonntag, 23. September 2018

Die Frankfurter T-Shirt-Industrie hat Ante Rebic seit dem gewonnenen Pokalfinale einiges zu verdanken. Allein sechs unterschiedlich designte Motive mit seiner Ansage "Bruder, schlag den Ball lang", die Kevin-Prince Boateng in Berlin erfolgreich umsetzte, sind in diversen Internetshops zu finden. Direkt daneben steht ein weiteres T-Shirt, das sich großer Beliebtheit erfreut: "No Rebic, no Party" - ohne Rebic keine Feier. Was als Witz in Anlehnung an ähnliche Sprüche zum Beispiel mit Italiens Filigrano Andrea Pirlo gedacht war, ist im Angriffsspiel der Eintracht allerdings im Moment bittere Realität. Denn ohne den kroatischen Vize-Weltmeister läuft im Offensivspiel generell und über die Flügel im Speziellen derzeit nur wenig zusammen.

Gerade einmal acht Chancen erspielte sich Frankfurt an den ersten drei Spieltagen, das ist ligaweit der Minuswert. Auch beim Ausscheiden im DFB-Pokal beim Viertligisten Ulm ging wenig, bei der 0:5-Niederlage im Supercup gegen Bayern München stand nur eine Gelegenheit zu Buche. "Wir können es nach vorne besser machen", gibt auch Gelson Fernandes zu, fordert gleichzeitig mildernde Umstände: "Das Spiel gegen Bremen mit 60 Minuten Unterzahl kann man nicht richtig analysieren, und in Dortmund war es weder ein einfacher Gegner noch ein einfacher Ort, um Offensiv-Fußball zu spielen." Also: "Wir werden in den nächsten Spielen sehen, wo wir stehen."

Eine Tendenz gibt es aber schon. Die Sommer-Zugänge Nicolai Müller und Filip Kostic sind im Schnitt an weniger Torschüssen beteiligt und dribbeln seltener als Rebic vergangene Saison, die Punkteausbeute pro Spiel seit Sommer 2017 ist ohne ihn fast einen Zähler geringer. Kein Wunder, dass die Rückkehr des 25-Jährigen nach dessen hartnäckiger und zwischenzeitlich wieder aufgebrochener Fußprellung und daraus folgenden muskulären Problemen sehnsüchtig erwartet wird. Nachdem der erste Einsatz im Supercup zu früh kam, sind die Verantwortlichen nun vorsichtiger. "Er trainiert teilweise schon mit der Mannschaft mit, macht Aufwärmübungen und nimmt an einigen Spielformen teil. Wir müssen ihn aber auch immer wieder rausnehmen", sagte Trainer Adi Hütter zuletzt: "In den nächsten 14 Tagen können wir schon viel mehr sagen, hoffentlich auch sehen." In Marseille steht er noch nicht im Kader, auch ein Einsatz in Leipzig ist sehr fraglich, obwohl er wichtig wäre. "Es ist normal, dass Ante fehlt", sagt Fernandes lachend: "Wenn er einer Bundesligamannschaft nicht fehlen würde, dann wüsste die, dass sie ganz oben steht."

Hannover scheint Yussuf Poulsen zu liegen. Am Samstag traf der Leipziger Stürmer gegen 96 - sein zuvor letztes Ligator erzielte Poulsen am 31. März dieses Jahres in Hannover. Beide Partien gewannen die Sachsen mit 3:2. Für Poulsen läuft es dieser Saison bisher generell ganz gut. Obwohl wegen der WM verspätet ins Training eingestiegen, bestritt der Däne von bisher zehn Pflichtspielen acht (fünfmal Startelf). Dabei hat der 24-Jährige drei Tore erzielt, nur Jean-Kevin Augustin (fünf) traf häufiger. Poulsen stellt klar: "Ich will auf jeden Fall mehr Tore als letztes Jahr schießen." Da waren es in 41 Pflichtspielen fünf .

Die Quote soll besser werden, auch wenn der mittlerweile dienstälteste Leipziger Profi (seit 2013 im Verein) nicht als Tormaschine bekannt ist. Seine werthaltigen Qualitäten sind Kopfballstärke, Schnelligkeit und physische Präsenz. Nicht umsonst bestritt der 1,93 Meter lange Angreifer bisher 14 Zweikämpfe pro 90 Minuten und damit die drittmeisten aller Leipziger. Die Hälfte seiner direkten Duelle gewann Poulsen, das ist der Topwert unter den RB-Offensiven. Zudem lieferte er drei Assists zu Toren; Bestwert neben Emil Forsberg.

Ein begnadeter Techniker und Kombinierer wird Poulsen aber nicht mehr, 26 Pässe pro 90 Minuten bei einer Passquote von 67,4 Prozent sind eher mäßige Werte. Mit seiner fußballerischen Entwicklung ist er dennoch zufrieden. "Wenn ich daran denke, wie es vor zwei Jahren mit meinem linken Fuß ausgesehen hat: Die letzten beiden Länderspiel-Tore hätte ich damals noch nicht gemacht." Speziell sein Schlenzer mit links in den Winkel zum 1:0 der Dänen im WM-Test gegen Mexiko (2:0) blieb haften. Poulsen will aber nicht nur fußballerisch weiter vorankommen, sondern möglichst oft auflaufen. "Wir werden viel rotieren und alle genügend Spielzeit bekommen", äußert sich Poulsen gelassen zum Konkurrenzkampf im Sturm. Auch, dass der Kader dünn besetzt ist, bereitet ihm keine Sorgen. "Klar, wir haben einen eher kleinen Kader. Aber wir haben vor allem einen sehr guten. Der Kader ist groß genug, um die Saison gut zu überstehen."

Den Start findet Poulsen in Ordnung. "Zwei Ziele haben wir schon erreicht: Im Pokal eine Runde weiterzukommen und in der Europa League in die Gruppenphase einzuziehen", sagt er. "Vier Punkte nach drei Spieltagen in der Liga sind okay, wir hätten uns aber mehr gewünscht. Es war alles in allem aber ein akzeptabler Anfang." Das beinhaltet, dass noch mehr drin ist.

Bayer Leverkusen gegen FSV Mainz im Livestream am 23.09.2018

Die Reise nach Bulgarien trat Charles Aranguiz nicht an. Und auch für das wichtige Spiel gegen Mainz schließt Heiko Herrlich dessen Einsatz aus. "Nein, nein", sagte der Trainer am Mittwoch vor dem Abflug zum Europa-League-Spiel nach Rasgrad auf die Frage, ob der Chilene am Sonntag spielen könne.

Vielmehr rechnet Herrlich sogar damit, dass ihm sein Führungsspieler geraume Zeit fehlt. So erklärte er auf die Nachfrage, ob er Aranguiz vor der nächsten Länderspielpause im Oktober zurückerwarte: "Nein, ich gehe davon aus, dass er uns erst mal nicht zur Verfügung stehen wird."

Herrlich, der nie über den Ausfall seines Schlüsselspielers geklagt hat, wirkt ernüchtert, was die immer wiederkehrenden Rückschläge bei Aranguiz betrifft. Sportdirektor Jonas Boldt ist eher genervt, er sagt: "Es ist ärgerlich, dass sich Charles bei der Nationalmannschaft erneut verletzt hat. Wie es mit ihm weitergeht, werden wir in den nächsten Tagen kommunizieren." Genauer erläutern möchte er dies nicht. Hoffnung machen die Worte beider Verantwortlicher jedenfalls nicht.

Aranguiz’ Beschwerden entwickeln sich zur unendlichen Geschichte. Der 29-Jährige hat fast die komplette Vorbereitung aufgrund von Patella- und Achillessehnenproblemen nicht mit der Mannschaft trainieren können. Am 2. Spieltag feierte er sein Comeback als Joker, bevor er nun im Länderspiel gegen Südkorea einen erneuten Rückschlag verdauen musste, weswegen er schon in München fehlte.

So muss Herrlich hoffen, dass auf der Doppelsechs keine weiteren Ausfälle hinzukommen. Da dort mit Julian Baumgartlinger (Innenbandriss im Knie) ein zweiter Leistungsträger noch bis in die zweite Oktoberhälfte fehlen wird, bleiben zu dem noch angeschlagenen Kapitän Lars Bender (Wadenprellung) und Dominik Kohr keine gelernten Alternativen. Zuletzt griff der Coach auf Offensivakteur Kai Havertz zurück, der perspektivisch eine starke Lösung darstellen könnte, aber aktuell selbst noch Defizite in der Defensivarbeit einräumt.

Weniger Gegentore als der FC Bayern, das muss man erst einmal schaffen. Sandro Schwarz und seinem Team ist das gelungen. Nachdem der Trainer am 27. Spieltag 2017/18 eine "Endrunde" ausgerufen hatte, verlor der Klub nur noch zwei Spiele, davon eines, als es am letzten Spieltag um nichts mehr ging. Selbst ein großer personeller Aderlass in diesem Sommer hatte keine negativen Auswirkungen. Spieler wie Abdou Diallo (BVB), Suat Serdar (Schalke), Yoshinori Muto (Newcastle) oder Leon Balogun (Brighton & Hove Albion) trauert in Mainz niemand hinterher.

Die geringe Zahl an Gegentoren steht im Widerspruch zur bevorzugten Spielweise der aktuellen Mannschaft, die auf Geheiß von Schwarz "keinen Fehlervermeidungsfußball" praktiziert. Das resultiert aus der Erkenntnis, dass sich das Team am wohlsten fühle, "wenn wir selbst aktiv sind".

Ende März hatte der 39-Jährige an seiner ersten Bundesligastation das Ruder herumgerissen, indem er den Verhaltenskodex verschärfte und die taktische Experimentierphase beendete. Aus mehreren Systemen kristallisierten sich ein 4-4-2 und 4-3-3 als am tauglichsten heraus. In der Sommervorbereitung wurde damit durchgehend gespielt. Gleichzeitig zeigte das Trainerteam "unzählige Videosequenzen" aus den letzten sieben Saisonpartien, um den Spielstil zu visualisieren, der weiterverfolgt werden soll. "Es gibt einen klaren Auftrag, wie wir spielen wollen, so etwas kann sich nicht abnutzen. Es ist nicht so, dass wir etwas besonders Emotionales veranstalten. Wir machen keine Hirngespinste", betont Schwarz.

Die dabei an den Tag gelegte Zweikampfschärfe wird manchmal aber sogar dem Trainer zu viel. Am Freitag kassierte Stefan Bell in der Übungseinheit eine Gehirnerschütterung, am Samstag erwischte es im Spiel gegen den FC Augsburg dann Karim Onisiwo. Und am Mittwoch musste Ahmet Gürleyen wegen des Verdachts auf eine solche das Training abbrechen.

Schwarz schwärmt gerne davon, wie sich sein Team gegen Unwegbarkeiten wehrt. Nach den Verletzungen von Jean-Philippe Gbamin, Alexander Hack, Gerrit Holtmann und Co. sprangen Talente wie Jonathan Burkardt (18) oder Gürleyen (19) ein. "Es ist bemerkenswert, wie wir mit der jungen Mannschaft Widerstände überwinden", sagt der Trainer. Wenn nun bald die bundesligaerfahrenen Spieler zurückkommen, "wird die Gruppe noch stärker werden." Wohin das führen könnte, lässt Schwarz offen: "Ich veranstalte keine Hochrechnungen. Wenn wir Dinge machen wie im Endspurt, in der Vorbereitung und den ersten drei Bundesligaspielen, dann haben wir die Qualität, Spiele zu gewinnen. Wir wollen uns immer weiter verbessern."

SC Paderborn gegen FC Magdeburg im Livestream am 23.09.2018

Vor Saisonbeginn war beim Aufsteiger Paderborn die große Frage, ob das Offensivkonzept von Trainer Steffen Baumgart auch in der 2. Liga funktionieren kann. Nach fünf Spieltagen ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Und die Antwort ist ein klares Ja.

Nach dem etwas mutlosen Auftritt am 1. Spieltag in Darmstadt (0:1) hat man in vier Zweitligapartien danach nie weniger als zwei, insgesamt sogar elf Treffer erzielt. Zudem wurde der Ligakonkurrent Ingolstadt im Pokal mit 2:1 geschlagen.

Von Selbstzufriedenheit sind die Ostwestfalen nach dem gelungenen Saisonstart aber weit entfernt. "Eigentlich haben wir kein richtig gutes Spiel gemacht. Die Zahl der kleinen Fehler war zu hoch", legte Sportchef Markus Krösche nach dem 5:3 in Köln den Finger in die Wunde. "Wir sind in vielen Situation noch zu unruhig und zu hektisch", hat Baumgart erkannt. Der wird zu Beginn der englischen Woche in der Heimpartie gegen Magdeburg aber wieder zum Angriff blasen.

Die Baustelle im Tor ist vorläufig geschlossen, die in der Offensive wird immer größer. Fünf Spiele, drei Tore, kein Sieg - vorm Trip zum Mitaufsteiger Paderborn sucht der 1. FC Magdeburg weiter nach dem Erfolgsrezept. Die leidenschaftliche, aber harmlose Darbietung gegen Bielefeld (0:0) festigte den Eindruck der Vorwochen: Im Spiel nach vorn fehlen Präzision, Ruhe und Durchschlagskraft.

"Defensiv stehen wir gut", sagt Abwehrchef Dennis Erdmann. "An der Spielfortsetzung müssen wir arbeiten." Und das zügig. Mittelstürmer Christian Beck ist chronisch unterversorgt - sowohl aus der Zentrale, wo Neuzugang Rico Preißinger ("Wir müssen uns offensiv mehr zutrauen") bislang weniger Gefahr als gewünscht initiiert, als auch über die Flügel. "Es ist schön, wie wir kämpfen", sagt Beck. "Wir müssen uns aber endlich mal belohnen und können nicht immer nur quatschen." Vor allem von den Seiten erhofft er sich mehr Unterstützung: "Meine Stärke ist das Kopfballspiel. Deshalb wäre es schön, wenn ich mehr Flanken bekäme." Im Hause Beck ist der Freitag der errechnete Geburtstermin für die Tochter - unter Umständen "droht" Beck für Paderborn sogar eine Babypause. Der Blick in die Historie verheißt derweil wenig Gutes: Die letzten Zweitliga-Aufsteiger, die nach fünf Spielen noch sieglos waren, stiegen wieder ab (Duisburg 2015/16, Rostock 2011/12). Mit einer solchen Startbilanz hielt als Neuling letztmals LR Ahlen 2000/01 die Klasse (Platz 6 am Ende).

Immerhin: Der Wechsel im Tor - so früh in der Saison nicht ohne Risiko - hat fürs Erste funktioniert. Alexander Brunst, der den unsicheren Jasmin Fejzic verdrängte, überzeugte beim Zweitliga-Debüt gegen Bielefeld. "Alex hat das sehr gut gemacht", lobt Beck. Der beim HSV (2008-15) ausgebildete Brunst hatte "das ganze Spiel über ein gutes Gefühl" - und kündigt an: "Die Abstimmung mit der Dreierkette wird mit jedem Spiel noch besser."

FC Heidenheim gegen Greuther Fürth im Livestream am 23.09.2018

Weniger Gegentore kassieren, gerade in der Schlussphase - dies stand bei den Zielen für die neue Saison ganz oben auf der Prioritätenliste von Trainer Frank Schmidt. Neben dem grundsätzlichen Defensivverhalten wünschte er sich möglichst viel Konstanz in der Viererkette.

Doch das klappte bei Heidenheim in den ersten fünf Spieltagen gar nicht. Schon in der Vorbereitung erwischte es Innenverteidiger Timo Beermann, danach Mathias Wittek und schließlich Linksverteidiger Arne Feick. Zu den Verletzungen kam ein Wechsel: Nach vier Spielen mit Marnon Busch durfte beim HSV plötzlich wieder Robert Strauß auf der rechten Abwehrseite ran.

In Hamburg feierte Beermann sein Comeback, allerdings kein glückliches. Beim 1:1 konnte er nicht vor Pierre-Michel Lasogga klären, beim 2:1 ließ er sich von Fiete Arp klassisch ausspielen, und beim dritten Treffer war Lasogga in der Mitte unbedrängt. Bahnt sich am Sonntag gegen die starken Fürther der nächste Wechsel an?

MSV Duisburg gegen Erzgebirge Aue im Livestream am 23.09.2018

Für eine Entwarnung ist es beim MSV noch viel zu früh. Zwar vermieden die Zebras mit dem ersten Punktgewinn bei Union (2:2) einen historischen Fehlstart mit fünf Spielen ohne Tor und ohne Punkt, beim Schlusslicht gibt es aber unverändert mehrere Baustellen.

Umso mehr steht das Team in der Pflicht, in der englischen Woche zu liefern. Am Sonntag kommt Aue nach Duisburg, anschließend geht’s nach Magdeburg, danach kommt Regensburg. "Das sind Gegner auf Augenhöhe", setzt Vereinschef Ingo Wald (60) große Hoffnungen in die nächsten Partien.

Damit sich diese erfüllen, muss Trainer Ilia Gruev weiter an der Kompaktheit arbeiten: Im Mittelfeld klafft unverändert ein Loch, gerade in der Schaltzentrale sind die Abstände viel zu groß. Einzelne Leistungsträger wie Kevin Wolze oder Lukas Fröde haben immer noch nicht ihre Normalform erreicht.

Das traf zuletzt auch auf Moritz Stoppelkamp zu. Der Flügelspieler wird vorerst aber keine Chance haben, zu alter Stärke zurückzufinden. Der 31-Jährige meldete sich am Dienstag mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel für die nächsten Wochen ab. Somit nehmen auch die Personalsorgen bei den Zebras weiter zu. Mit Christian Gartner, John Verhoek, Enis Hajri und nun Stoppelkamp ist das Duisburger Lazarett prominent besetzt.

Die Stunde Null liegt erst wenige Monate zurück. Es war der 21. April und der 31. Spieltag der Vorsaison, als St. Pauli nach einem 1:3 in Regensburg scheinbar ungebremst Richtung 3. Liga taumelt. Einem emotionalen Kraftakt mit der Rückbesinnung auf Grundtugenden wie Stabilität und Mentalität und zwei Heimsiege gegen Fürth und Bielefeld später folgt das Versprechen, diese Energie mit in die neue Saison zu nehmen: Gelungen ist dies nur zwei Wochen. Nach dem Traumstart mit zwei Siegen hat den Kiez-Klub nicht nur tabellarisch die Realität eingeholt, er tritt auch wieder auf wie im Frühjahr: ungeordnet, leidenschaftslos - schon wieder am Nullpunkt.

Markus Kauczinski versucht in diesen Tagen nichts zu beschönigen. Lösungsansätze indes hat er ganz offensichtlich auch nicht. Inklusive des Pokalspiels in Wehen kassierte sein Team während der jüngsten vier Niederlagen 15 Gegentreffer, schon während der Länderspielpause hatte er die Problematik der defensiven Anfälligkeit ganz oben auf die Agenda gesetzt. Behoben hat er die Schwierigkeiten nicht. Und äußert sich widersprüchlich. Einerseits sagt er: "Ich hinterfrage natürlich auch mich." Und andererseits: "Ich kann nicht alles vorausahnen, was der Gegner macht." Oder aber: "Es gibt keinen Grund, alles über den Haufen zu werfen." Und auf der anderen Seite: "Ich denke über die Spielidee und auch über die personelle Besetzung nach." Außerdem: "Wir dürfen die Niederlagen nicht alle zusammenwerfen." Aber: "Nach vier Spielen müssen wir von einem Muster sprechen."

Der 48-Jährige wirkt ratlos in diesen Tagen. Weil die Probleme die alten sind. Bevor er und Uwe Stöver mit der Einführung des Acht-Stunden-Tages und einem demonstrativen Zusammenrücken im Frühjahr die Rettung eingeleitet haben, wurden defensive Anfälligkeit und fehlende Mentalität als Grundübel ausgemacht. Zusätzlich zur Gegentorflut prangert Kauczinski in den Tagen nach Aue auch erstmals wieder das grundsätzliche Auftreten an: "Dort waren von der Körpersprache her Dinge zu sehen, die nicht gut waren." Dinge, die Fragen aufwerfen. Auch in die Richtung des Trainers.

Zum Wochenanfang ging er mit seinen Führungsspielern hart ins Gericht, kritisierte namentlich Johannes Flum, Marvin Knoll und Christopher Buchtmann. Der Kapitän Bernd Nehrig ist, zum einen durch immer wiederkehrende körperliche Probleme, aber auch durch fehlende Stärkung des Trainers bereits geschwächt; Cenk Sahin, der in der 2. Liga den Unterschied ausmachen könnte, war in Aue nicht mal im Kader, weil Kauczinski vor allem dessen Schwächen im Rückwärtsgang reklamiert und deshalb nicht dessen besondere Qualitäten in der Offensive nutzt.

Vor dem Spiel an ehemaliger Wirkungsstätte in Ingolstadt sagt Kauczinski Dinge, die zum Standard gehören in Phasen wie diesen. "Ich werde jetzt genau hinschauen, wer bei dem steigenden Druck den Kopf frei hat." Und: "Wir müssen die Positionierung besser hinkriegen." Das fällt vor allem in seinen Aufgabenbereich.

Hamburger SV gegen Jahn Regensburg im Livestream am 23.09.2018

Die Zahlen hatten auch am Mittwoch keinem die Sinne vernebelt, vor allem dem Trainer nicht. Erstmals seit neun Jahren hat der HSV wieder fünf Pflichtspiele am Stück gewonnen, erstmals seit neun Jahren thront er wieder auf Platz 1. Damals noch in der 1. Liga. Dort soll es wieder hingehen. Doch Christian Titz weiß, dass der Erste noch nicht spitze ist.

Den Sieg in Dresden ordnet der 47-Jährige wie die vorangegangenen realistisch ein. "Es hängt stark davon ab, dass wir in der Offensive Spieler haben, die den Unterschied machen können." Gegen Heidenheim (3:2) war dies Pierre-Michel Lasogga, am Dienstag Hee-Chan Hwang. Außerdem attestiert der Coach seinem Kader "die Mentalität, mit Widerständen umgehen zu können". Mit dieser Fähigkeit arbeitete sich der HSV binnen vier Spielen nach dem 0:3 gegen Kiel zum Auftakt von Platz 18 auf Platz 1. Und hat doch noch Optimierungsbedarf. Das Innenverteidiger-Duo Rick van Drongelen und David Bates etwa fremdelt nicht nur mit Titz’ Spielphilosophie, es offenbart auch Mängel im Kerngeschäft. Der Trainer: "Wir lassen zu viele Chancen in Überzahlsituationen zu, weil wir sie individuell nicht gut verteidigen. Ich hoffe, dass wir uns sxchnell verbessern."

Zuversicht speist er daraus, dass der HSV bereits während des einkalkulierten Eingewöhnungsprozesses verlässlich punktet. "Wir wussten, dass die ersten zehn, zwölf Spiele richtig schwer werden, aber mit jedem Erfolg wird das Vertrauen größer." In der Mannschaft, aber auch im gesamten Verein, der sich in der Vergangenheit ans Verlieren gewöhnt hatte. Diese neue Situa-
tion", sagt Titz, "tut nach den letzten Jahren dem gesamten HSV
gut."

Der Kapitän nimmt das Team in die Pflicht. "Wir sind an den Punkt gekommen, wo wir es als Mannschaft schaffen müssen, unsere groben Schnitzer auszumerzen", sagt Marco Grüttner vor dem Spiel beim HSV. Vor allem das Defensivverhalten bereitete zuletzt beim 0:2 gegen Dynamo Dresden Kopfzerbrechen. "Für unsere bisherigen Leistungen können wir uns nichts kaufen. Für das, was wir geleistet haben, haben wir zu wenige Punkte auf dem Konto, das ist Fakt", weiß der Stürmer. Trotzdem reisen die Regensburger in der Hoffnung an, sich endlich für ihren Aufwand zu belohnen. Einwechselspieler Albion Vrenezi brachte gegen Dresden richtig Schwung ins Offensivspiel und soll gegen den HSV beginnen.

FC Schalke 04 gegen Bayern München im Livestream am 22.09.2018
Samstag, 22. September 2018

Am vorigen Samstag hieß für Woo-Yeong Jeong (19) und Paul Will (19) der Gegner im Stadion an der Grünwalder Straße noch TSV Buchbach. 2:2 endete die Partie der Bayern-Amateure, die sich immerhin 766 Zuschauer anschauten. Drei Tage später sind die beiden Nachwuchsspieler in einer anderen Welt, betreten mit Stars wie Franck Ribery oder Robert Lewandowski den Rasen des Estadio da Luz in Lissabon, um mit der Mannschaft von Niko Kovac das Abschlusstraining vor der Champions-League-Partie bei Benfica zu absolvieren.

Es ist ein Signal von Trainer Kovac an die junge Bayern-Generation: Wir bauen auf euch. Angesichts der prekären Personalsituation bei den Profis muss man auch feststellen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Aktuell stehen Kovac nur noch 16 gesunde Feldspieler zur Verfügung. Die Verletzungen von Corentin Tolisso, Kingsley Coman und Rafinha sorgen für Probleme. "Wegen dieser Situation müssen wir den einen oder anderen Nachwuchsspieler öfters mittrainieren lassen", sagt Kovac, der sich sicher ist, dass man "ohne Weiteres ein, zwei Spieler aus der Jugend in den Kader mit hineinnehmen beziehungsweise auf dem Feld bringen kann".

Der Südkoreaner Jeong, der in seiner Heimat als größtes Talent gilt, könnte so jemand sein. Beidfüßig, schnell, ausdauernd, intelligent, torgefährlich: Von dem trickreichen Außenbahnspieler, aktuell in der Regionalligamannschaft Stammspieler (drei Tore), sind die Verantwortlichen seit seinem Wechsel im Januar beeindruckt. Nicht nur Sebastian Hoeneß (sein Trainer in der U 19 in der vergangenen Saison) traut ihm den Sprung zum Bayern-Profi zu. Auch Kovac sieht großes Potenzial. Aber der Trainer warnt auch. Er will das Talent nicht überfordern. "Junge Spieler brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Und die müssen wir ihnen geben." Gerade bei Bayern. Seit 2013 kamen neun Jugendspieler bei den Profis zum Einsatz (Green, Sallahi, Dorsch, Gaudino, Strieder, Friedl, Mai, Shabani, Evina). Der Durchbruch ist keinem gelungen. Youngster Will stand nun in Lissabon im Kader, trotzdem braucht es weiterhin Geduld. Kovac hat bei der Eintracht schon gezeigt, dass er mit jungen Spielern arbeiten und sie integrieren kann. Doch München ist nicht Frankfurt. Das wissen auch Jeong und Co.

Bammel vor den Bayern? Zumindest sind die Bauchschmerzen der Schalker angesichts ihres Champions-League-Auftritts etwas abgeklungen. Mit einer ähnlichen Leistung wie gegen den FC Porto kann der Vizemeister, der die ersten drei Ligaspiele verloren hat, auch gegen München bestehen - das ist die in Gelsenkirchen vorherrschende Meinung nach dem 1:1 in der Königsklasse. "Zusammen können wir es schaffen", sagt Naldo mutig.

Zusammen - das schließt selbstverständlich Domenico Tedesco ein. Während bei anderen Vereinen schon früh in dieser Saison der Trainer in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt ist, bleibt der Schalker Coach unangetastet. Kapitän Ralf Fährmann sagt: "Der Trainer hat seine Fähigkeiten schon hinlänglich unter Beweis gestellt." Mit anderen Worten: Tedesco hat sich in seinem ersten Jahr auf Schalke nicht zuletzt durch seinen allseits gelobten Fußballsachverstand sowie den respektablen, offenen Umgang mit seinem Personal eine Menge Kredit im Klub erarbeitet. Das Vertrauen in ihn ist nach Platz 2 in der Vorsaison enorm. Deshalb ist der 33-Jährige sehr weit davon entfernt, dass an ihm gezweifelt wird.

Das schließt nicht aus, dass man unterschiedlicher Meinung über die vom Trainerteam gewählten Ansätze sein kann. Ist es wirklich richtig, bei Standards für den Gegner auf die Verteidigung des Raumes zu setzen statt auf Manndeckung? Hat es tatsächlich genügend Aussicht auf Erfolg, speziell die Innenverteidiger die Bälle hoch und weit nach vorne schlagen zu lassen in der Hoffnung, dass sich ein Abnehmer findet - was häufig wiederum einen weiteren Mitspieler erforderlich macht, der sich auf den zweiten Ball stürzt?

Gegen die Bayern muss Tedesco seinem Personal Lösungsvorschläge mit auf den Weg geben, die Erinnerungen an die bislang letzte Darbietung gegen den Rekordmeister wecken. Zwar verloren die Gelsenkirchener die Partie in München im Februar mit 1:2, doch führen sie den tapferen Auftritt noch heute als Paradebeispiel dafür an, wie man dem Branchenprimus beikommen könnte. "Da haben wir eine unserer besten Saisonleistungen abgeliefert", sagt Tedesco, der mit Franco Di Santo als Zehner sowie den beiden körperlich präsenten Stürmern Guido Burgstaller und Breel Embolo, zuletzt zweimaliger Pflichtspiel-Torschütze, auf aggressives Pressing setzte.

Gewiss sind die Königsblauen selbst an einem guten Tag gegen die Bayern von der vierten Saisonpleite in Serie bedroht. Kritik am Trainer würde im Fall des Falles intern trotzdem nicht aufkommen. Worin der Unterschied zum Fehlstart in der Liga vor zwei Jahren unter Markus Weinzierl (in der Europa League lief es parallel umso besser) liegt, erklärt Sportvorstand Christian Heidel gegenüber dem kicker so: "Die damalige Situation war genauso unangenehm wie die momentane, miteinander vergleichen kann man sie aber nicht." Er weist darauf hin, dass 2016 "alles neu war", die allgemeine Verunsicherung sei daher "wesentlich größer" gewesen. Weinzierl konnte den Schalkern die Verunsicherung aus diversen Gründen kaum nehmen, bei Tedesco ist der Glaube daran deutlich ausgeprägter.

FC Nürnberg gegen Hannover 96 im Livestream am 22.09.2018

Diese Statistik überrascht: Mit dem FC Bayern hat der 1. FC Nürnberg die wenigsten Torschüsse zugelassen, insgesamt sechs in drei Partien. Drei davon resultierten in Gegentoren, weshalb Fabian Bredlow diese Zahlen zwiespältig betrachtet. "Es heißt dann, der bekommt kaum etwas aufs Tor, und die sind auch noch drin", kennt der Torhüter die Interpretation. Wie Freiburgs Alexander Schwolow parierte er bislang nur 50 Prozent der Schüsse, der niedrigste Wert in der Liga.

Bei genauer Betrachtung muss Bredlow dies nicht beunruhigen. Erstens, weil er nicht gepatzt hat. Zweitens kommt die geringfügige Beschäftigung in der Sparte Paraden dem Team zugute. "Die Mannschaft macht einen guten Job, da kann ich mich mit einschließen. Ich bin auch dafür zuständig, die Verteidiger zu dirigieren. So gesehen ist es besser, wenn wir wenig zulassen", sagt der 23-Jährige, der vor gut einem Jahr vom Drittligisten Hallescher FC kam. Georg Margreitter bestätigt Bredlow, dass dieser ein wichtiger Teil der Abwehr sei. "Fabian hat viele Bälle am Fuß gehabt, war am Spielaufbau beteiligt und hat Ruhe ausgestrahlt. Es ist ganz wichtig für die Viererkette zu sehen, dass da hinten einer drinsteht, der den Ball will und mit ihm umgehen kann." Allerdings glaubt der Verteidiger, dass sein Kollege bald in seinem Kerngeschäft mehr gefordert wird: "Er wird noch andere Aufgaben zu lösen bekommen."

Michael Köllner bereut seine Entscheidung nicht, Bredlow am Ende der Vorbereitung nach einem engen Rennen mit Neuzugang Christian Mathenia das Vertrauen geschenkt zu haben. "Ich bin zufrieden. Mathenia macht aber enorm Druck. Das ist wichtig", sagt der Trainer. Bredlow kannte die Situation aus dem Vorjahr, allerdings war er damals der Herausforderer von Thorsten Kirschbaum, nun der Platzhalter. "Vielleicht ist es einfacher, wenn man am Anfang gesagt bekommt, du bist die Nummer 1. Andererseits kann man dann dazu neigen, sich ein bisschen zurückzulehnen. So haben wir uns beide gepusht und auf ein höheres Niveau gebracht. Darauf kommt es an", schildert er das Duell. Und was wäre ihm nun gegen Hannover am liebsten? "Ein Sieg mit wenig Beschäftigung."

In den sozialen Medien ist Oliver Sorg im Unterschied zu anderen Profis überhaupt nicht öffentlichkeitswirksam unterwegs. "Ich muss nicht posten, was ich esse oder wo ich gerade bin", sagt der Hannoveraner. Eine wichtige Botschaft freilich versandte der Außenverteidiger einst im Mai 2014, noch als Spieler des SC Freiburg. Als ihm Bundestrainer Joachim Löw nach seinem einzigen Länderspiel (0:0 gegen Polen) per Kurznachricht mitteilte, dass er es gut gemacht habe, antwortete Sorg ebenfalls per SMS: "Wenn Sie mich brauchen, bin ich zur Stelle."

Dass es sich dabei eher um einen Akt der Höflichkeit handelte, wusste er. Vier Tage vor dem Pokal-Endspiel Bayern gegen Dortmund fehlten in besagtem Test etliche Stars - die Chance für ihn und andere Probanden, im DFB-Team eine Rolle zu spielen, war gering. "Ich wusste dieses Länderspiel einzuschätzen. Es war ein tolles Geschenk, aber nie so, dass ich sagte: Krass, jetzt muss man zwei oder drei Millionen mehr für mich zahlen", so Sorg heute.

Für seinen weiteren Werdegang war es eher hinderlich. "Ich kam 2015 nach Hannover - als Nationalspieler … Ich habe mich nie so gesehen." Viele Beobachter schon. "Es war für mich ein Problem wie bei Mario Götze nach seinem Siegtor bei der WM", sieht der 28-Jährige Parallelen zu dem Dortmunder, bei dem fortan die Messlatte ebenfalls stets hoch lag.

Anfangs litt Sorg. "Mittlerweile bin ich da vielleicht auch so abgebrüht, dass es mir nichts anhaben kann. Aber ich habe ein paar Jahre gebraucht." Zumal es bei 96 nicht reibungslos lief. Dem Abstieg 2016 folgte 2017 der Verlust des Stammplatzes hinten rechts an Konkurrent Julian Korb.

Dann die Wandlung. Sorg spielt wieder. Nur mit dem Toreschießen hapert es nach exakt 150 Einsätzen. Seinen drei Freiburger Treffern folgte bei 96 noch kein einziger. Als "Hannovers Dennis Diekmeier" (0 Tore in 203 Erstligaspielen für Nürnberg und den HSV) sieht sich Sorg nicht. "Bisher ein Tor pro 50 Spiele - eine super Quote. Bei Standards bin ich halt immer die Absicherung. Da stehe ich hinten, und die Wahrscheinlichkeit, dass mal ein Ball vor mir liegt, den ich nur noch reinschieben muss, ist eher gering."

VfL Wolfsburg gegen SC Freiburg im Livestream am 22.09.2018

Fehler? Hat der VfL Wolfsburg in den vergangenen Jahren zuhauf produziert. Auf dem Rasen, auch daneben. Und nun? Fehler passieren noch immer, sie sind im Spiel von Bruno Labbadia sogar einkalkuliert. "Wir wollen mutig sein", sagt der Trainer. "Wir wissen, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann." Passiert am Samstag gegen Berlin, als ein Fehlpass von Rechtsverteidiger William zur Hertha-Führung führte. Trotzdem animiert der Coach seine Mannen weiter zu forschem Auftreten: "Wenn nicht jetzt, wann dann? Das soll unsere Spielweise sein. Entscheidend ist, wie wir mit den Fehlern umgehen."

Bislang gelang es beeindruckend. Noch kein Spiel ging in dieser Spielzeit verloren, obwohl der VfL sowohl beim 3:1-Coup in Leverkusen als auch beim 2:2 gegen Hertha in Rückstand lag, dort sogar zweimal. "Wir sind immer wieder aufgestanden", freut sich Labbadia, "das nehme ich am meisten mit." Wolfsburg hat eine neue Wucht entwickelt, die Zahlen belegen dies. Der VfL rennt mehr als in der vergangenen Saison. 225 Sprints sind es aktuell pro Partie. Zum Vergleich: Vor einem Jahr zum Saisonstart unter Trainer Andries Jonker lag der Wert noch bei 200. Wolfsburg attackiert nun früher, hat den Ballbesitz im Offensivbereich deutlich gesteigert. Von 6,5 Prozent unter Jonker über 5,8 Prozent unter dessen Nachfolger Martin Schmidt und 8,3 Prozent unter Labbadia zum Ende der Vorsaison sind es nun 11,7 Prozent. Daraus ergeben sich deutlich verbesserte Offensiv- aktionen, messbar in Häufigkeit und Qualität. Zusammengefasst: mehr Torschüsse, mehr Chancen, mehr Treffer. Der verletzte Kapitän Josuha Guilavogui stellt zufrieden fest: "Letztes Jahr hatten wir das Gefühl, wir können keine Tore schießen. Jetzt
schießen wir Tore in jedem Spiel."

Der Sturm und Drang beim VfL fängt dabei bereits in der Abwehr an. Auf den Außenverteidigerpositionen hat Labbadia umgebaut. Links wechselten sich im Vorjahr meist Rechtsfüße ab, darunter William, der nun anstelle des eher vorsichtig agierenden Paul Verhaegh auf seine bevorzugte rechte Seite wechselte. Links agiert mit dem bislang überragenden Neuzugang Jerome Roussillon nun ein ebenso offensiv denkender Mann. Das Duo schiebt von hinten an. Die Folge: mehr Flanken. Waren es vor einem Jahr noch 11,3 pro Spiel, so sind es nun 16. Ein weiterer Beleg für Wolfsburgs neue Wucht.

Ordentliche Leistungen, aber nur ein Punkt - so liest sich die bittere Zwischenbilanz des SC Freiburg. Der erste Sieg muss her. Eine Strategie, wie man die Chancen darauf erhöht, zeigte das Team von Christian Streich bereits, vor allem in der ersten Hälfte gegen Stuttgart (3:3): den Gegner meist erst an der Mittelinie empfangen und in bestimmten Pressingzonen unter Druck setzen. Angeführt vom dynamischen Rückkehrer Janik Haberer (nach Innenbandanriss im Knie) auf der Acht, kam der SC immer wieder zu Ballgewinnen, um schnell umzuschalten. Ein Manko: Aussichtsreiche Angriffe wurden oft nicht zu Ende gespielt. Chancen gab es bisher dennoch genug, genauer gesagt mit 23 die zweitmeisten, nur Bayern (25) hatte mehr. So liegt der SC selbst nach den drei Toren gegen Stuttgart mit einer Verwertung von 17,4 Prozent auf dem drittletzten Platz. Was bisher vor allem fehlte: ein Zwei-Tore-Vorsprung. "Ich würde uns gönnen, dass mal das 2:0 fällt. Das gibt dem Team einen Ruck und ein anderes Gefühl im Kopf", sagt Jerome Gondorf, selbst zweifacher Torschütze gegen den VfB.

Herausragende Gelegenheiten, dieses ominöse 2:0 zu erzielen, gab es in Hoffenheim (1:3), als Florian Niederlechner frei vor dem Keeper vergab, wie auch gegen Stuttgart, als es ihm Nils Petersen nachmachte. Der zweitbeste Torjäger der Vorsaison (15 Treffer) gab zwar wie Nationalelf-Kollege Timo Werner bereits zwölf Torschüsse ab - Liga-Spitzenwert - wartet aber anders als der Leipziger noch auf sein erstes Ligator. In Wolfsburg könnte er gleich noch eine zweite Durststrecke beenden: In acht Duellen mit Wolfsburg blieb Petersen bislang jedes Mal torlos, vergab in der Rückrunde gar einen Elfmeter gegen den VfL. Von den übrigen Bundesligisten bleibt nur Leipzig, gegen das Petersen bisher ebenso noch nicht traf.

Niederlechner könnte hingegen eine Pause bekommen. Nach seinem Kniescheibenbruch, der den Angreifer fast die komplette Vorsaison kostete, sucht er seine Form. Eine Alternative: Luca Waldschmidt. Der U-21-Nationalspieler erzielte gegen Stuttgart sein erstes Pflichtspieltor für den SC - und besitzt gute Erfahrungen mit Wolfsburg. Am 34. Spieltag der Saison 2016/17 bewahrte er beim 2:1 gegen Wolfsburg den HSV mit seinem Bundesliga-Premierentor vor dem Abstieg.

FC Augsburg gegen Werder Bremen im Livestream am 22.09.2018

Es begann mit einer Leihe. Ein Jahrzehnt ist das jetzt her, da hatte Daniel Baier gerade sein erstes Pflichtspiel für den FC Augsburg absolviert. Nach einem Jahr kehrte er im Sommer 2009 zwar noch mal zum VfL Wolfsburg zurück, schon im folgenden Winter aber schloss er sich endgültig und auf Dauer dem FC Augsburg an. Seither hält der 34-Jährige dem Klub die Treue.

Inzwischen steht Baier vor seinem 300. Pflichtspiel für Augsburg und seinem 250. Bundesligaauftritt. "Das sind große, schöne Zahlen, die mich stolz machen", sagt der Jubilar. Gegen Bremen wird es also ein besonderes Spiel für ihn werden. Ein weiterer Moment, der hängenbleiben dürfte - so wie der Aufstieg 2011, "den ich, obwohl ich nicht gespielt habe, nie im Leben vergessen werde". Oder wie das Scheitern in der Relegation ein Jahr zuvor gegen Nürnberg (0:1/0:2). Auch das gehört zu Baiers Erlebnissen.

Viele Menschen haben den Mittelfeldmann begleitet. Andreas Rettig und Holger Fach lotsten ihn zu diesem Verein; Jos Luhukay schenkte ihm viel Einsatzzeit; mit Präsident Klaus Hofmann pflegt er eine vertraute Beziehung. "Sie alle sind wichtige Personen für mich gewesen", sagt der Kapitän. Einen Menschen aber hebt unter allen etwas hervor: Markus Weinzierl, der Augsburg 2015 in die Europa League geführt hatte. "Er hat mir immer das Vertrauen gegeben und für mich eine Position kreiert", erinnert sich Baier dankbar.

Blickt der gebürtige Kölner auf den Wandel des Fußballs in den vergangenen Jahren, sagt er: "Als Profi bist du gläsern geworden. Du bekommst direkt nach dem Spiel schon die Statistiken um die Ohren gehauen - es kommt alles raus: wie viele Sprints du gemacht hast etc." All das aber sei auch ein Zeichen der Professionalisierung. "Die Entwicklung geht nur bergauf", freut sich Baier, "das ist überragend."

Dass dieser Fortschritt Kraft kostet, "sieht man mir an", sagt er grinsend, "ein paar Falten habe ich bekommen". Weiser und erfahrener ist er geworden - und über die Jahre immer ein Stück wertvoller für den FCA. Nicht umsonst betont Trainer Manuel Baum: "Er hat den Verein mitgeprägt. Ich bin ein Fan von Daniel Baier."

Auch wenn er von einem "schönen Luxus" spricht, dürfte es Florian Kohfeldt kaum überraschen: Eine üppige Personalauswahl macht den Trainer-Alltag nicht leichter. Das verspürte der 35-Jährige jüngst gegen Nürnberg deutlich: Den für seine Trainingsauftritte hochgelobten Nuri Sahin in die Startformation befördern? Mit Claudio Pizarro als Joker für mehr Präsenz sorgen? Möglichkeiten, die Kohfeldt intensiv erwog, aber verwarf.

Stattdessen brachte er die bewährte Anfangself, später neben Sahin den Konterspieler Milot Rashica und Verteidiger Marco Friedl. Komplett nachvollziehbar, dennoch erfolglos. "Es klappt nicht immer", stellte Kohfeldt lapidar fest. Mit der müßigen, energieraubenden Folge-Diskussion muss sich der Coach dennoch beschäftigen. Freilich: Werders ambitionierter Fußballlehrer hat genau diese Herausforderung gesucht. Vor der englischen Woche rücken nun diese zwei Aufstellungsfragen in den Fokus: Führt die Rotation auf den Flügeln wirklich zu mehr Schwung als Unzufriedenheit? Und: Garantiert das Job-Sharing zwischen Philipp Bargfrede und Sahin Stabilität?

Außen haben sich bisher Martin Harnik und Yuya Osako als erste Wahl erwiesen. Bitter für den (vermeintlichen) Vorbereitungsgewinner Florian Kainz, der zuletzt 180 Minuten ganz draußen saß. Derweil konnte Harnik den Stammspieler-Status noch nicht auf Anhieb rechtfertigen, blieb ohne Torbeteiligung und generell blass. Osako machte es insgesamt besser. Rashica hat sich gegen Nürnberg gewiss nicht aufgedrängt. Kainz jedoch wäre, passende Trainingsleistung vorausgesetzt, mal wieder "dran", um im Konkurrenzkampf nicht spürbar abgehängt zu werden. Aber sollte Kohfeldt ihn aus diesem Grund selbst dann bringen, wenn Harniks beziehungsweise Osakos taktisches Profil in seinen Augen besser zum Gegner passt?

Richtig oder falsch sind nicht abzusehen. Kohfeldt wird von seiner Fortune abhängen beziehungsweise davon, wie das Team als Ganzes funktioniert. Darauf wiederum hat die Sechser-Position maßgeblichen Einfluss. Dass Bargfrede drei Partien binnen acht Tagen beginnt, lässt sich fast ausschließen. Sahins Startelf-Debüt ist programmiert. Welcher Zeitpunkt wäre ideal? Ist Bargfrede, laut Kohfeldt "bester Balleroberer im Kader", eher in Augsburg oder gegen Hertha verzichtbar? Mehr Optionen, mehr Probleme. Daran muss sich Werder erst gewöhnen.

 
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