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TSG Hoffenheim gegen FC Liverpool im Livestream am 15.08.2017
Dienstag, 15. August 2017

Liverpool-Coach Jürgen Klopp ist Julian Nagelsmann sehr sympathisch. „Ich mag ihn total gern, weil er normal geblieben ist“, gesteht der Hoffenheimer Herausforderer, den deutlich mehr mit seinem Kontrahenten verbindet als nur dieselbe Berater-Agentur. „Ich schätze ihn auch als Trainer“, huldigt Nagelsmann dem 20 Jahre älteren Klopp und verrät: „Wir schreiben uns auch ab und zu!“ Lustige Bilder oder Sprüche huschen dann über den Ärmelkanal, „nicht auf der Cheftrainer-Ebene, sondern unter ganz normalen Typen“. Die sich grundsätzlich ähneln …

Typen – Eloquenz und Temperament
Wie Klopp ist auch Nagelsmann mit authentischer Lockerheit, einem gewinnbringenden Lachen und rhetorischem Talent gesegnet. Beide fühlen sich auf der medialen Bühne pudelwohl und bestechen mit Schlagfertigkeit, Schlitzohrigkeit und hohem Unterhaltungswert. Beide haben nicht selten den Schalk im Nacken, antworten inhaltlich aber präzise auf den Punkt, sie beziehen klar Stellung und weichen auch unangenehmen Themen selten aus. In der Ansprache an ihre Mannschaft erhebt ihre Wortgewalt – gebündelt mit enormer Emotionalität und Empathie für die Spieler – sie zu außergewöhnlich wirkungsvollen Motivatoren.

Öffentliche Wahrnehmung
Auch die ist bei beiden grundsätzlich positiv. Beim bislang uneingeschränkt erfolgsverwöhnten Nagelsmann noch unbefleckt, durchaus polarisierend dagegen bei Klopp. Der sich einerseits als Strahlemann und TV-Experte in die Herzen der Fans parlierte, aber auch als tollwütiger Irrwisch an der Seitenlinie die Öffentlichkeit – und in der Nachbetrachtung sich selbst – zuweilen schockierte. Nagelsmann kanalisierte seine gleichfalls unbändige Energie bisher in positive Bahnen und ausgiebige Jubelszenen. Ob ihm das auch gelingt, sollte er als Trainer erstmals in kritische Drucksituationen geraten, bleibt spannend zu beobachten.

Zeit als Spieler
Nagelsmanns Karriere als Innenverteidiger endete, ehe sie richtig begann, mit nur 20 Jahren wegen einer Knieverletzung in Augsburgs U 23. Dagegen kostete Klopp in elf Zweitligajahren in Mainz das volle Portfolio als Feldspieler aus, anfangs als Stürmer, später im Mittelfeld bis zum Karriereende in der Abwehr.

Einstieg als Trainer
Klopp startete als Profitrainer mit nur 33  Jahren übergangslos zwei Tage nach Beendigung seiner aktiven Karriere, die er fortan als Chefcoach statt als Spieler in Mainz fortsetzte. Dreieinhalb Jahre später gelang 2004 der Aufstieg in die Bundesliga. Nagelsmann hatte ohne Spielerkarriere bei seinem Amtsantritt in Hoffenheim mit erst 28  Jahren und kurz vor dem Abschluss als Fußball-Lehrer dennoch bereits acht Jahre Erfahrung als Trainer im Jugendbereich in Augsburg, bei 1860 München und in Hoffenheim gesammelt. Bei der TSG wurde er langfristig auf den Schritt zu den Profis vorbereitet, fungierte bereits unter dem damaligen Chefcoach Markus Gisdol als Co-Trainer.

Erfolge
Klopp führte Mainz in die Bundesliga und gewann mit Dortmund zwei Meisterschaften (2011, 2012), den DFB-Pokal 2012 und dreimal den Supercup (2008, 2013, 2014). Zudem stand er mit dem BVB 2013 im Champions-League-Finale und 2016 mit Liverpool im Endspiel der Europa League. Nagelsmann kann eine Deutsche Meisterschaft mit Hoffenheims U 19 (2014) vorweisen, zudem bewahrte er die TSG im Vorjahr vor dem Abstieg und führte den Klub in der bislang erfolgreichsten Saison der Klub-Historie erstmals ins internationale Geschäft. Als
„Trainer des Jahres 2017“ tritt er zudem in Klopps Fußstapfen, der 2011 und 2012 ausgezeichnet wurde.

Mannschaftsführung
Auch hier gibt es Übereinstimmungen. Beide setzen auf lockere, fast kumpelhafte Kommunikation und Körpersprache, Nagelsmann schon aufgrund seines Alters. Andererseits setzt er wie Klopp intern klare Leitplanken. Beide sind Alphatiere und können unangenehm laut und deutlich werden. Während Klopp intern doch eher mit Dominanz und Konsequenz wirkt, setzt Nagelsmann im Rahmen klarer Vorgaben auf Teamwork. Seinem nun gefestigten Ensemble gestand er nun etwa die freie Wahl des Kapitäns und Mannschaftrates als auch die Formulierung der Saisonziele zu.

Taktik
„Jürgen Klopp spielt den gleichen Fußball mit Liverpool, den er auch mit Dortmund gespielt hat. Brutal überfallartiges Umschaltspiel“, analysiert Nagelsmann, der die TSG von eben dieser einst kategorischen Spielweise emanzipiert hat. Während Klopp seinen Stil detailversessen verfeinert und das Dortmunder 4-2-3-1 in ein 4-3-3 in Liverpool wandelte, gibt Nagelsmann seiner Truppe mehr Lösungen und Varianten an die Hand, wechselt oft während des Spiel gleich mehrfach Grundordnung, Anlaufhöhe oder taktische Details und setzt grundsätzlich mehr Gewicht auf Ballbesitz und kontrollierte Spieleröffnung. Das Lesen und unmittelbare Lösen von Spielproblemen erachtet Nagelsmann als die „hohe Trainerkunst“, die er bislang auch auf hohem Niveau praktiziert. Das blieb Klopp nicht verborgen: „Hoffenheim hat einen sehr jungen und sehr talentierten Trainer, das wird eine echte Herausforderung“, erklärte er vor dem Duell am Dienstag.

Erfolgsdruck
Die Trainerkollegen gehen als Konkurrenten mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in dieses Play-off-Duell. Nagelsmann und seine international noch jungfräulichen Kraichgauer können als vermeintlich krasser Außenseiter im Grunde nur gewinnen. Selbst das „Auffangnetz“ Europa League wäre als bislang unerreichter Höhepunkt zu verbuchen. Dagegen steht Klopp mit Liverpool unter gewaltigem Erfolgsdruck. Sollten die als haushoher Favorit wahrgenommenen Reds bereits in der Qualifikation an einem No-Name-Klub scheitern, wäre es eine riesige Enttäuschung für das erfolgs- und titelverwöhnte Umfeld dieses geschichtsträchtigen Klubs. Und es könnte Klopps Position nachhaltig erschüttern.

Perspektive
Klopps über Jahre vor allem in Dortmund erarbeitete Reputation als Spitzentrainer ist Nagelsmann gewissermaßen im Schnelldurchlauf zuteil geworden. In kürzester Zeit stieß dieser Novize auf bundesweite Anerkennung auch in Fachkreisen und wurde bereits mit allen führenden Klubs des Landes in Verbindung gebracht. Gesichert ist mittlerweile das konkrete Interesse des BVB Anfang des Jahres, auch der FC Bayern hat Nagelsmann mittelfristig auf dem Zettel. Dort wurde Klopp immer mal wieder als Kandidat gehandelt. Selbst wenn die Zeit in Liverpool ohne den angestrebten Titel bleiben sollte, würden viele Topklubs in Europa Klopp mit Kusshand nehmen. Beiden Trainern steht die Fußballwelt offen, die anstehenden Play-offs werden in beiden Fällen im langfristigen Maßstab gemessen wohl nur eine Episode bleiben. Fraglos eine höchstinteressante und -spannende.

Hansa Rostock gegen Hertha BSC im Livestream am 14.08.2017
Montag, 14. August 2017

Eigentlich, das muss allen bei Hertha BSC klar sein, kann sich der EuropaLeague-Teilnehmer die Reise an die Ostsee sparen. Gegner ist dort an diesem Montag (20.45 Uhr) zwar nur der Drittligist Hansa Rostock. Allerdings hat sich für die ErstrundenPartie im DFB-Pokal der Australier John Sandilands angekündigt, und das verheißt für das Bundesliga-Team aus Berlin nichts Gutes. Der von der Insel Tasmanien anreisende Rostock-Fan, der die letzten 1000 Kilometer von seinem Zwischenstopp in der Schweiz an die Ostsee laut Hansa-Homepage pedalierte, ähnelt auf Fotos dem Weihnachtsmann, was ihn aller dings noch nicht zu einer Bedrohung für Herthas Pokal-Ambitionen werden lässt. Die ergibt sich vielmehr aus einer anderen Eigenschaft. Sandilands, genannt Sandi, behauptet nämlich: „Jedes Mal, wenn ich bei einem Spiel vor Ort war oder Bekannte in der Nähe von Rostock besucht habe, hat Hansa gewonnen.“ Während der 65-Jährige für die Besuche bei seinem Lieblingsklub über 16 000 Kilometer zurücklegt, gibt es Hansa-Anhänger, die erheblich näher am Ostseestadion wohnen, mit dem Verein aber dennoch nicht mehr allzu viel zu tun haben wollen. Zu sehr schmerzen die vergangenen Jahre, in denen sich der ehemals gern als „Leuchtturm des Fußball-Ostens“ titulierte Klub beinahe selbst zerlegte. Und das nicht nur einmal, das wäre wohl noch zu ertragen gewesen, sondern er tat es über einen Zeitraum von fast zehn Jahren.

Eine Ära, die von Grabenkämpfen, Kursstreitereien, existenzbedrohenden Finanzproblemen, hoher personeller Fluktuation, Fan-Ausschreitungen sowie sportlichem Misserfolg geprägt wurde, und über die René Schneider in Anlehnung an Rostocks Lage an der Küste urteilt: „In den vergangenen Jahren herrschten hier sehr oft sehr harter Wind und hoher Wellengang.“ Schneider amtiert seit dem vergangenen Sommer als Vorstand Sport bei Hansa. Der 44-Jährige, der einst in Rostock zum Nationalspieler reifte, ist der neunte Manager in den vergangenen acht Jahren. Kontinuität sieht anders aus, aber weil bekanntlich alles relativ ist, lohnt sich ein Blick auf die Liste der Trainer. Im Sommer kam Pavel Dotchev als Übungsleiter nach Rostock. Seit der Trennung von Frank Pagelsdorf im November 2008 ist der Bulgare der 16. (!) Trainer. Nimmt man noch die vielen Wechsel auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene sowie im Nachwuchsbereich hinzu, weiß man, warum Schneider mehrfach von „Ruhe“ und „Kontinuität“ spricht und für die Gegenwart und Zukunft fordert: „Man darf nicht bei jedem Gegenwind umfallen.“

In der jüngeren Vergangenheit taten sie das oft in dem als emotional geltenden Umfeld des Klubs. „In Rostock gibt es häufig nur Schwarz oder Weiß – nichts dazwischen“, sagt Schneider. Angesichts der sportlichen Talfahrt der zurückliegenden Dekade und der finanziellen Schwierigkeiten wurde der früher fast familiär geführte Verein zu dem, was gemeinhin ChaosKlub genannt wird. Während sich die einen beim FC Hansa auf frühere Stärken besinnen und vertraute Pfade beschreiten wollten, forderten die anderen, alte Zöpfe abzuschneiden und neue Wege zu gehen. Herausgekommen ist bei diesem Richtungsstreit ein Schlingerkurs, der den Verein an den Rande des Ruins getrieben hat. Dabei verfügte Hansa gegenüber vielen Ostklubs, die die Hanseaten inzwischen überholt und abgehängt haben, mal über einen Startbonus. Nach der Wende, da war der letzte DDR-Meister und -Pokal- sieger der Vorzeigeklub in den neuen Bundesländern. Während Cottbus erst später in die Bundesliga aufstieg, der VfB Leipzig, Dresden, Chemnitz oder Jena im Profifußball westdeutscher Prägung kaum auf die Beine kamen, hielt sich Hansa ab 1995 für zehn Jahre in der Bundesliga. Mit Trainern wie Pagelsdorf, Ewald Lienen, Andreas Zachhuber oder Juri Schlünz, einem Manager wie Herbert Maronn, (späteren) Nationalspielern wie Stefan Beinlich, Oliver Neuville, Marko Rehmer oder eben Schneider sowie einer klugen Transferpolitik, einer guten Jugendarbeit und einem intelligenten Scouting (vor allem auf dem skandinavischen Markt) schaffte es die Kogge, im Fahrwasser der Großen zu schwimmen und sich als Vorzeigeprojekt einer ganzen Region zu positionieren.

Im Jahr 2005 kam dann ein erster Bruch, als Hansa zum zweiten Mal nach 1992 in die 2. Liga abstieg. Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen an der Ostsee kein Drama, aber möglicherweise hatte da der eine oder andere rund um den Verein schon begonnen, die Zugehörigkeit zur Bundesliga als Selbstverständlichkeit anzunehmen. 2007 folgte mit dem zurückgekehrten Pagelsdorf das Comeback in der Bundesliga. Es sollte jedoch ein letztes Hurra sein. „Da hat uns der Fußballgott noch einmal eine Chance gegeben“, formulierte Klub-Ikone Schlünz einmal. Nutzen aber konnten sie diese nicht. Im Gegenteil. Seit dem direkten Wiederabstieg 2008 ging es fast nur noch bergab. Der Leuchtturm des Ostens – in Rostock steht er schon lange nicht mehr. 2010 kam Hansa vielmehr im Nirgendwo an, erstmals in der Drittklassigkeit. Zwar gelang unter Manager Stefan Beinlich und Trainer Peter Vollmann im Folgejahr noch einmal die Rückkehr in die 2. Liga. Nach nur einem Jahr aber ging es prompt wieder runter in die 3. Liga. In der Hansa seitdem festhängt. Wie für viele andere Klubs ist diese Spielklasse auch für Rostock ein Finanzgrab – in Hansas Fall kommt noch hinzu, dass der Klub sich nicht zuletzt durch den Umbau des Ostseestadions hoch verschuldete. Die öffentliche Hand musste wiederholt helfen, 2015 stand man erneut vor der Insolvenz. Dann trat Rolf Elgeti auf den Plan.

Der uneigennützige Retter. Oder? Viele bei Hansa hatten vorher noch nie etwas von dem als „Wunderkind“, „Star-Analyst“ oder „Superhirn“ bezeichneten Finanzexperten und Immobilien-Unternehmer gehört, obwohl der aus der Nähe Rostocks stammt. Vor zwei Jahren sicherte er mit einem Darlehen in Millionenhöhe die Lizenz. Zudem löste er einen Kredit über gut 21 Millionen Euro, der für den Stadionumbau aufgenommen worden war, bei der Bank ab. Im Gegenzug erhielt er für sein Investment 45 Prozent der Anteile an der im April 2016 ausgegliederten ProfiAbteilung des Klubs. Durch die Ausgliederung und einen damit verbundenen Schuldenerlass über zehn Millionen Euro könne man in der 3. Liga „immerhin erst mal überleben“, sagte Elgeti, der dem Verein zuletzt erneut unter die Arme griff und mit einem Darlehen seiner in Potsdam ansässigen Firma Obotritia Capital über 700 000 Euro half, eine Finanzierungslücke im Etat in Höhe von 1,15 Millionen Euro zu schließen. Damit nicht genug: Elgeti stundet alle bestehenden Kredite inklusive Zinsen. Aus Altruismus allein aber tut er das nicht. Schließlich beschrieb er im Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit seine Rolle als „Zwischending zwischen Investor und Mäzen“. Genauer: „Ich muss kein Geld verdienen, aber ich möchte keines verlieren.“ Dass er dem Verein nicht alles schenkt, dürfte ebenso einleuchtend sein wie die Schlussfolgerung, dass Hansa ohne Investor wahrscheinlich längst am Boden läge. Dass dem Immobilienunternehmer Elgeti von einigen unterstellt wird, das Vereinsgelände übernehmen zu wollen (die alte Geschäftsstelle befindet sich im Besitz des Investors und wird vermietet), oder dass ihm eine Nähe zu den Ultras nachgesagt wird (die einen Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden), all diese Diskussionen um die Absichten des Investors kennen sie bei Hansa.

Das Thema lässt sich allerdings auf die Erkenntnis herunterbrechen, dass sich die Lage in Rostock so entwickelt hatte, dass sich der Einstieg eines Investors – wie bei anderen Klubs auch – als Notwendigkeit darstellte. Klar ist, dass Hansa aufgrund der Fehler der Vergangenheit alleine kaum hätte überleben und die Rückkehr in die 2. Liga mit realistischen Erfolgsaussichten angehen können. Klar ist auch, dass eine positive Fortführungsprognose für den Verein, der in den Jahren der Krise auch in der Nachwuchsarbeit sparen musste und sich so einer seiner früheren Stärken beraubte, nur bei Zugehörigkeit zur (mindestens) 2. Liga besteht. „Ein signifikanter Abbau der Schulden erscheint mir in der 3. Liga nicht realistisch“, sagt Elgeti, dessen Beziehung zu dem Verein wie immer in solchen Fällen Züge einer Abhängigkeit, aber auch einer Zweckgemeinschaft trägt: Nur bei stabilen Verhältnissen sind die Gelder des Investors sicher. Um den Aufstieg bis spätestens 2019 zu erreichen, erfolgte in den letzten Monaten ein erneuter Umbruch. Es soll der vorerst letzte gewesen sein, hofft Schneider. Neben dem neuen Trainer holte der Sportchef 17 neue Spieler, 17 gingen. Der Etat für den Lizenzbereich wurde um 500 000 auf vier Millionen Euro aufgestockt. „Die Zukunft von Hansa“, sagt Klubchef Robert Marien, „liegt definitiv nicht in der 3. Liga.“ Dass sie in der 2. Liga liegt, das müssen die Verantwortlichen nun beweisen.

BFC Dynamo gegen FC Schalke 04 im Livestream am 14.08.2017

Die Erinnerungen an den Erfolg 1993 verursachen zwar keine Schmerzen mehr beim Trainer des BFC Dynamo, sind aber noch allgegenwärtig: „Es war ein schwer erarbeiteter 1:0-Sieg im Finale gegen die Amateure von Hertha BSC. Im Endspiel wurde ich zwar nicht eingesetzt, habe mich aber beim Jubel auf der Bank am Kopf verletzt.“ Daher weiß Rydlewicz aus erster Hand genau, wie schwer es ist, als haushoher Favorit in eine Pokalpartie zu gehen. „Eigentlich spricht nichts für uns, alles für Schalke. Eine Milliarde steht einer Million gegenüber.“ Rydlewicz ist nun im zweiten Jahr Cheftrainer beim Rekordmeister der DDR. Für ihn fühlt es sich aber an wie sein erstes. Auf die Kaderplanung der vergangenen Saison hatte der ehemalige Bundesliga-Profi (278 Spiele für Leverkusen, 1860 München, Bielefeld und Rostock) kaum Einfluss nehmen können, da fast der gesamte Kader gültige Verträge besaß. „So haben wir bewusst ein Übergangsjahr in Kauf genommen und uns früh auf den Berliner Pokal fokussiert“, erklärt der 44-Jährige den enttäuschenden 15. Rang in der Abschlusstabelle. Das Wagnis ging auf. Mit einem 3:1Sieg nach Verlängerung im Finale über den Ligakonkurrenten Viktoria konnte Rydlewicz auf Anhieb seinen ersten Titel als Coach feiern.

Und was noch wichtiger war: Durch diesen Erfolg wurde die finanzielle Basis geschaffen, mit Sportdirektor Angelo Vier den Kader nach seinen Wünschen umzustrukturieren. Zwar verabschiedeten sich mit Dennis Srbeny (18 Treffer, zum SC Paderborn), Kai Pröger (9, zu Rot-Weiß Essen) und Thiago Rockenbach da Silva (9, zu Tennis Borussia) drei Akteure, die 36 der 51 Saisontore erzielt haben, doch mit dem ehemaligen Bundesligastürmer Solomon Okoronkwo (Hertha BSC) von der TSG Neustrelitz und dem 14-fachen aserbaidschanischen Nationalspieler Rufat Dadashov vom ZFC Meuselwitz glaubt Rydlewicz, diese Lücken geschlossen zu haben. Wichtiger für ihn war der Umbruch in der Defensive („Dort haben wir nicht gut gestanden“). Mit Marcel Rausch, David Kamm Al-Azzawe, Francis Adomah und Ugurtan Cepni verteidigte in den ersten beiden Ligaspielen (4:1 in Luckenwalde und 0:0 gegen Nordhausen) erfolgreich eine komplett neu formierte Viererkette das eigene Gehäuse. „Wir haben kaum etwas zugelassen und hoffen, dass wir auch gegen Schalke konsequent defensiv arbeiten.“ Und dann ist da noch Bilal Cubukcu – den man getrost als Königstransfer bezeichnen kann. „Er ist einer der besten Spieler der Liga“, sagt der Trainer und beförderte den Neuzugang aus Babelsberg prompt zum Kapitän. „Wir haben eine gute Regionalliga-Mannschaft und wollen uns auch gegen Schalke gut verkaufen.“ Dafür würde Rydlewicz durchaus die eine oder andere Beule verschmerzen.

SC Paderborn gegen FC St. Pauli im Livestream am 14.08.2017

Zu Saisonbeginn hat Paderborns Defensive in Halle (4:4) und gegen Chemnitz (3:2) noch arg geschwächelt. In Lotte (2:1), gegen Großaspach (5:0) und im Verbandspokal gegen Münster (3:1) aber kassierte die Elf von Steffen Baumgart in 270 Minuten nur noch zwei Gegentore. An dieser Steigerung hat Sebastian Schonlau seinen Anteil. Der 23-Jährige rückte nach den ersten beiden Partien für Lukas Boeder in die Innenverteidigung und lieferte an der Seite von Christian Strohdiek gute Leistungen ab. Der gebürtige Ostwestfale, der bereits in der Jugend für den SCP auflief, ist kopfball- sowie zweikampfstark und verfügt über eine gute Spieleröffnung. Dies liegt auch an seiner Erfahrung als gelernter Mittelfeldspieler. Doch auf der Sechs war er beim SCP nie wirklich glücklich geworden, pendelte in der 2. und 3. Liga zwischen Startelf und Bank. In der Vorbereitung machte Baumgart den robusten Schonlau zum Manndecker. „Wir haben das früh besprochen. Ich konnte mir das gut vorstellen“, sagt das Eigengewächs über den Positionswechsel, der Lukas Boeder nicht schadete. Der Ex-Leverkusener verteidigt inzwischen für den angeschlagenen Marc Vucinovic auf der rechten Seite. Mit Matthias Stingl (U 19 FC Bayern) testet Paderborn aktuell noch einen weiteren Außenbahnspieler.

MSV Duisburg gegen FC Nürnberg im Livestream am 14.08.2017

Kevin Wolze steht seit sechs Jahren beim MSV Duisburg unter Vertrag und ist längst Führungsspieler bei den Zebras. Seit Saisonbeginn trägt der 27-Jährige beim Aufsteiger die Kapitänsbinde. Der Außenverteidiger erwies sich in den ersten beiden Ligaspielen als Leistungsträger. Er gewann 69 Prozent seiner Zweikämpfe, nur Innenverteidiger Gerrit Nauber (70 Prozent) kommt auf einen besseren Wert. Wolze sieht die Zebras weit besser aufgestellt als nach dem Zweitliga-Aufstieg vor zwei Jahren. „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt“, sagt der Defensivspezialist. „Wir stehen kompakter, lassen weniger Chancen zu“, sieht der Kapitän eine solide Abwehrarbeit als Schlüssel zum Klassenerhalt. Der gelernte Mittelfeldspieler, der bei den Zebras längst als Linksverteidiger etabliert ist, sieht das Duisburger Team in der Liga auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. „Wir haben bereits gezeigt, dass wir mithalten können.“ So geht Wolze auch optimistisch in das DFB-Pokal-Spiel gegen den Ligakonkurrenten 1.FC Nürnberg. Der Kapitän ist sich sicher: „Wir werden die nächste Runde erreichen.“

Energie Cottbus gegen VfB Stuttgart im Livestream am 13.08.2017
Sonntag, 13. August 2017

Schon Andy Brehme wusste: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“ Mit diesem Sinnspruch des WM-Finaltorschützen von 1990 lassen sich die ersten Wochen des RonRobert Zieler beim VfB Stuttgart zwar schmunzelnd zusammenfassen. Allein: Es wäre eine zu einseitige Betrachtung vor dem Hintergrund der Frage, wem Trainer Hannes Wolf vor dem ersten Pflichtspiel das Vertrauen zwischen den Pfosten schenkt. Da ist das kuriose 50-MeterGegentor bei Zielers Debüt gegen Dynamo Dresden (1:2). Da ist die zu kurz abgewehrte Flanke im finalen Test gegen Betis Sevilla vor dem 1:1. Allerdings ging in der öffentlichen Wahrnehmung völlig unter, dass Konkurrent Mitch Langerak (28) den zweiten Gegentreffer zum 1:2-Endstand gegen die Spanier mit einem viel zu hektischen und ungenauen Anwurf ins Zentrum auf Dzenis Burnic eingeleitet hatte. Zieler wurde auch deshalb geholt, weil Langerak eher ein ruhiger Vertreter der Zunft ist. In der Tat dirigiert Zieler die junge VfB-Abwehr deutlich intensiver. Er dürfte die Nase vorne haben, allerdings spielt Wolf noch auf Zeit. Schon im Trainingslager betonte er, dass es keinen Tag X geben werde, an dem er die Entscheidung über seine Nummer 1 fällt.

Auch intern hat der 36-Jährige noch keine klare Rangfolge ausgegeben. Das ist nachvollziehbar, um den Konkurrenzkampf so lange wie möglich offenzuhalten. Aber es birgt auch die Gefahr, dass beide Torhüter in der Phase der Ungewissheit an Sicherheit einbüßen. Die Aktionen der Konkurrenten gegen Betis könnten durchaus eine Folge dieser Entwicklung sein. Um die Entwicklungen auf dem Transfermarkt voranzutreiben, gab der VfB bekannt, dass Michael Reschke schon am Freitag die Geschäfte übernehmen wird. „Ich danke den Verantwortlichen des FC Bayern, dass sie meinen Einstieg so schnell und reibungslos ermöglicht haben“, freute sich der neue Sportvorstand der Schwaben. Doch schon jetzt mischt der 59-Jährige im Hintergrund mit – und legt gleich mächtig los. So steht nach Medien-Informationen eine einjährige Leihe von Jean Zimmer zu Fortuna Düsseldorf bevor. An diesem Donnerstag soll der Deal über die Bühne gehen. Benjamin Pavard steht als Rechtsverteidiger höher im Kurs als der 23-Jährige, zudem soll noch ein weiterer Mann für diese Position kommen. Auch für hinten links hat Reschke vorgesorgt: Weil Emiliano Insua (Risswunde) vorerst ausfällt, wurde der vereinslose Ex-Schalker Dennis Aogo (30) verpflichtet: Vertrag bis 2019, Rückennummer 3. Konkurrent Ailton ist defensiv noch nicht ausgewogen.

Würzburger Kickers gegen Werder Bremen im Livestream am 12.08.2017
Samstag, 12. August 2017

Den längst diagnostizierten Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt sehen die Werder-Verantwortlichen nach wie vor. Weiterhin fahnden Manager Frank Baumann und Trainer Alexander Nouri deshalb nach einem Innenverteidiger und einem Mittelstürmer. Allerdings: Die Wettbewerbsfähigkeit zum Pflichtspielstart in Pokal und Liga, so die Zuversicht des Duos, werde durch die Vakanzen auf den genannten Positionen nicht beeinträchtigt. Flexibilität heißt das Zauberwort, mit dem die Grün-Weißen drohenden Engpässen begegnen. „Wir haben Spieler, die verschiedene Rollen übernehmen können“, betont Baumann. „Deshalb muss der Kader nicht allzu groß sein.“ Musterbeispiel schlechthin für Vielseitigkeit auf hohem Niveau: Fin Bartels, der als Spitze neben Max Kruse gesetzt ist. Zugleich bewies der 30-Jährige, dass er auch als offensiv ausgerichteter Achter im Mittelfeld sowie auf der (rechten) Außenbahn ein Leistungsträger wäre. Kleiner Haken: Im Pokalspiel gegen Kickers Würzburg muss Bartels wegen seiner Rotsperre aus der Vorsaison ersetzt werden. Voraussichtlich ein Fall für Florian Kainz, der eigentlich auf dem offensiven Flügel zu Hause ist.

Diese Besetzung sieht Nouris 3-5-2-System allerdings nicht vor. Also hat sich der 24-Jährige mit dem Status als „Allzweckwaffe“ angefreundet. Konkret kommt Kainz für jene drei Positionen infrage, die auch Bartels bekleiden kann. Immerhin eine „Doppel-Rolle“ in Nouris Planungen füllt Robert Bauer aus. Der Defensivspezialist hat sich auf der Außenbahn ebenso bewährt wie als (rechter) Innenverteidiger. Dadurch lässt sich trotz der Verletzung von Niklas Moisander auch in der Abwehr ein gewisser Konkurrenzkampf hochhalten. Diesem könnte, so der Eindruck aus der Generalprobe gegen Valencia (1:2), im Pokal Luca Caldirola zum Opfer fallen. Eine aktuelle Bestandsaufnahme ergibt: Angesichts der Ausfälle von Bartels, Moisander und Junuzovic bleibt Nouri ein Kreis von nur noch zwölf potenziellen Stammkräften im Feld. Dazu kommen die aufstrebenden Uli Garcia und Johannes Eggestein sowie absolute Nothilfen wie Yuning Zhang und Jesper Verlaat. Zu glauben, mit diesem Aufgebot eine Saison lang über die Runden zu kommen, wäre blauäugig. Die verschiedenen Optionen, die Nouri in seinem relativ schmalen Kader geschaffen hat, verleihen aber zumindest in folgender Hinsicht Spielraum: Baumann kann die Transferperiode bis Monatsende zeitlich voll ausschöpfen, um die wirklich bestmöglichen Lösungen zu finden.

FC Rielasingen-Arlen gegen Borussia Dortmund im Livestream am 12.08.2017

Seit drei Jahren spielt der 1. FC Rielasingen-Arlen aus dem Landkreis Konstanz/BadenWürttemberg in der Verbandsliga „und jedes Jahr gab es bislang ein Highlight“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Dreide. Nach dem Aufstieg, der Teilnahme an der Relegation zur Oberliga sowie dem Gewinn des Südbadenpokals ist das aktuelle Highlight die erste Teilnahme am DFB-Pokal und das Spiel gegen den BVB. Doch die nächste wichtige Partie ist für Dreide nicht etwa das Pokalspiel am Samstag, sondern das Ligaspiel am darauffolgenden Mittwoch: „Wir sind mit einer Niederlage in die Saison gestartet. Das war ein herber Rückschlag, deshalb müssen wir das Derby gegen Radolfzell gewinnen.“ In das Spiel gegen Dortmund werde der FC zwar alles investieren, aber man müsse realistisch bleiben – gegen die Borussia habe man keine Chance. „Für uns ist das Spiel ein Erlebnis, für die Dortmunder nur eine Station“, weiß Dreide. Das sieht auch Ex-Profi Thorsten Legat so, der sich extra ein Training angesehen hat. Zu langsam sei die Spielweise, zu unpräzise die Abschlüsse. Auch die Spieler sehen das Pokalspiel locker. Keiner hat sich Urlaub genommen, die rund 100 Kilometer bis zum Spielort, dem Stadion des SC Freiburg, werden am Morgen vor dem Spiel mit dem Bus zurückgelegt. Noch sei keine Nervosität im Team zu spü- ren. Das wird sich aber spätestens dann ändern, wenn die Spieler ins Stadion einlaufen und der Gegner kein Ligakonkurrent, sondern ein Champions-League-Teilnehmer ist.

 
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